Lebensdaten
1896 bis 1979
Geburtsort
Bochum
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Politikerin ; Juristin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118902288 | OGND | VIAF: 59882620
Namensvarianten
  • Block, Nora (geborene)
  • Platiel, Nora
  • Block, Nora (geborene)
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Zitierweise

Platiel, Nora, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118902288.html [29.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Bendix Block ( 1912), aus Welda b. Warburg (Westfalen), Kaufm. in B.;
    M Therese N. N. ( 1941 ?), aus Gräfrath b. Solingen, emigrierte in d. USA;
    Montauban 1943 Hermann Platiel (1886–1980), Leiter d. ISK-Gruppe Leipzig, nach Emigration Sekr. d. franz. Esperanto-Sektion u. Red. d. „La Kritika Observanto“, in Kassel Geschäftsführer d. Volksbühne;
    1 S Roger (1934–78), Maler u. Graphiker.

  • Leben

    Die aus einer kinderreichen jüd. Kaufmannsfamilie stammende P. verließ Bochum mit 20 Jahren, um zunächst im Rahmen internationaler Kriegshilfsdienste in Rumänien tätig zu werden. 1918 kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitete in Berlin als Sekretärin von Helene Stöcker (1869–1943) in der pazifistischen Vereinigung „Bund für Mutterschutz“ und von Elisabeth Rotten (1882–1964) in der „Deutschen Liga für Völkerrecht“. Diese Arbeit motivierte sie, sich durch ein Studium fundierte Kenntnisse in Recht und Politik anzueignen. Sie ging nach Göttingen und studierte dort bei Leonard Nelson (1882–1927) Jura und Rechtsphilosophie. Nelson, der auch der Begründer des|neukantianisch orientierten „Internationalen Sozialistischen Kampfbundes“ (ISK) war, wurde zu einer der wichtigsten Leitfiguren in ihrem Leben – ihr „Erzieher“. Nach Abschluß des Studiums ging P. nach Kassel und absolvierte ihr Referendariat bei Rechtsanwalt Erich Lewinski (1899–1956), der ebenfalls zum ISK gehörte. Durch ihre Arbeit bei Gericht geriet sie Ende der 20er Jahre erstmalig in Konflikte mit Roland Freisler, der als juristischer Vertreter von NSDAP-Mitgliedern in Kassel bei politischen Prozessen als ihr Antipode auftrat. 1931 kehrte P. nach Bochum zurück, eröffnete dort eine Anwaltskanzlei und war agitatorisch für den ISK tätig.

    1933 floh sie vor der Verfolgung der Gestapo nach Frankreich. In Paris traf sie eine Reihe ihrer Mitstreiter aus dem ISK wieder, u. a. Lewinski, aber auch Gerhard Kumleben, den Vater ihres Sohnes Roger. Als Paris 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde, floh P. in den Süden Frankreichs und von dort 1943 in die Schweiz, wo sie nach dem Krieg die Rückführung der Flüchtlinge nach Deutschland organisierte.

    1949 erst kehrte P. zusammen mit ihrem Mann auf Betreiben von Georg August Zinn und Lewinski nach Deutschland zurück und nahm in Kassel die Stelle einer Landgerichtsrätin, 1951 die einer Landgerichtsdirektorin an. Ihre Anstrengungen in diesen Ämtern richteten sich vor allem auf die rechtliche und finanzielle Wiedergutmachung der NS-Verbrechen. Ihre politischen Ziele, die sie nun als Mitglied der SPD, 1954-72 auch als Landtagsabgeordnete in Wiesbaden, umzusetzen versuchte, galten der Verständigung mit Israel, der Förderung von Kunst und Wissenschaft und der Erziehung der Jugend zu demokratischem Verhalten, politischem Bewußtsein und Kritikfähigkeit.|

  • Auszeichnungen

    Goethe-Plakette d. Stadt Frankfurt (1966), Wilhelm-Leuschner Medaille (1966).

  • Literatur

    H. Haas-Rietschel u. S. Hering, N. P., Sozialistin, Emigrantin, Politikerin, Eine Biogr., 1990 (P);
    S. Hering, „40 J. durch d. Wüste“, Eine biogr. Studie üb. d. Sozialistin, Emigrantin u. Politikerin N. P. (1896-1979), in: M. Lehmann u. H. Schnorbach (Hg.), Aufklärung als Lernprozeß, 1992, S. 129-37;
    BHdE I;
    H. Göppingen Juristen jüd. Abstammung im „Dritten Reich“, 21990.

  • Autor/in

    Sabine Hering
  • Empfohlene Zitierweise

    Hering, Sabine, "Platiel, Nora" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 512 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118902288.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA