Lebensdaten
1862 bis 1943
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Theresienstadt
Beruf/Funktion
Unternehmerin ; Frauenrechtlerin ; Stifterin
Konfession
jüdische Familie
Normdaten
GND: 116173815 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfungst, Marie Eleonore
  • Pfungst, Marie
  • Pfungst, Marie Eleonore
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Zitierweise

Pfungst, Marie, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116173815.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Fam., alteingesessen in Hessen-Darmstadt u. wohl nach Pfungstadt benannt, kam 1859 mit Erwerb d. Bürgerrechts nach F.;
    V Julius (1834–99), aus Darmstadt, Fell- u. Rauchwarenhändler, Begr. u. Inh. d. „Naxos-Union Schleifmittel- u. Schleifmasch.fabr.“ in F., S d. Moritz Lob (1799–1855), aus Mainz, dann Darmstadt, seit 1859 Bürger in F.;
    M Rosette (1839–1922), aus F., T d. Noë Oppenheim (* 1805) u. d. Betty Loewenik (* 1815);
    Ur-Gvv Löb (1766–1835), aus Darmstadt;
    B Arthur (s. 2), Moritz (1866–94); ledig; Verwandter Ludwig Joseph (1842–1905), aus Worms, Stifter in F. (s Frankfurter Biogr.).

  • Leben

    P., die eine sorgfältige Ausbildung genossen hatte und mehrere Sprachen beherrschte, engagierte sich für die rechtliche Gleichstellung der Frauen. 1902 regte sie die Gründung des Frankfurter Frauen Verbandes an, dem sie 20 Jahre vorstand. Sie arbeitete zunächst für die „Rechtsschutzstelle für Frauen“, die später eine kommunale Einrichtung wurde, und förderte die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen. Zusammen mit Jenny Apolant (1874–1925) rief sie als Einrichtung des Vereins „Frauenbildung – Frauenstudium“ Realgymnasialkurse für Mädchen ins Leben, aus denen dann das erste Frankfurter Mädchengymnasium hervorging. Im Familienanwesen am Gärtnerweg richtete sie den „Arbeitskreis für freie Volksbildung“ mit einer Bibliothek ein.

    Nach dem Tod ihres Bruders Arthur übernahm P. 1912 zusammen mit ihrer Mutter die Leitung der Firma „Naxos-Union, Schleifmittel- und Schleifmaschinenfabrik“, deren Betriebsvermögen sie 1918 in die „Dr. Arthur Pfungst Stiftung“ umwandelte. Die betriebliche Sozialpolitik setzte sie durch Ausbildungsbeihilfen und Gewährung von Sonderurlauben fort. Während des 1. Weltkrieges half sie bei der Einrichtung eines Lazaretts und unterstützte Soldaten und deren Familien aus der Belegschaft; die Firma führte sie mit Erfolg durch die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre. Für die Firmen-Stiftung erwarb sie 1927 ein Haus in Fischbach (Taunus), das als Bildungs- und Erholungsstätte diente. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihr umfangreiches soziales und wirtschaftliches Engagement Schritt für Schritt eingeschränkt. 1935 mußte P. den Vorsitz der Firma und der Stiftung (1939 in „Waldschmidt-Stiftung“ umbenannt) niederlegen. 1936 konnte sie noch das „Marie Pfungst Heim für Verfolgte und Notleidende“ im eigenen Haus einrichten. 1942 wurde P. durch einen erzwungenen „Heimeinkaufsvertrag“ unter Zahlung von rund 56 000 RM nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie 1943 an Entkräftung.|

  • Auszeichnungen

    Folgende Institutionen, unterstützt durch die „Dr. Arthur Pfungst-Stiftung“, tragen P.s Namen: Heim f. Frauen, die unverschuldet in Not geraten sind, Bad Homburg; Kindergarten, Maintal-Bischofsheim; Techn. Bibl. im Stiftungsgebäude, Frankfurt/M.

  • Werke

    Mithg.: Arthur Pfungst, Ges. Werke, 1927.

  • Literatur

    A. Lustiger, Jüd. Stiftungen in Frankfurt a. M., 1988;
    M. Braach, M. E. P., 1995 (P);
    Frankfurter Biogr. (P).

  • Portraits

    Bildnachweis in Frankfurt, Inst. f. Stadtgasen.

  • Autor/in

    Dieter Rebentisch
  • Empfohlene Zitierweise

    Rebentisch, Dieter, "Pfungst, Marie" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 366 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116173815.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA