Lebensdaten
1867 – 1957
Geburtsort
Dansenberg (Pfalz)
Sterbeort
Rheinfelden (Baden)
Beruf/Funktion
Industriechemiker ; Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139169849 | OGND | VIAF: 100469632
Namensvarianten
  • Pfleger, Johannes

Orte

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Zitierweise

Pfleger, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139169849.html [15.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1843–1900), Landwirt;
    M Emilie Weckauf (1844–1915);
    Hohenecken b. Kaiserslautern 1895 Katharina Compter;
    1 S, 1 T.

  • Biographie

    P. besuchte zunächst die Real- und anschließend bis 1884 die Industrieschule in München. Nach dem Militärdienst und einem Sanatoriumsaufenthalt infolge eines Unfalls studierte er 1886-91 an der Chemisch-Technischen Abteilung der TH München. Anschließend begann er als Industriechemiker bei der „Deutschen Gold- u. Silber-Scheideanstalt vorm. Roessler“ (Degussa) in Frankfurt/M., wo er bereits ein Jahr später die Versuchsstation für Elektrochemie und Elektrometallurgie, eine Gemeinschaftsgründung der Degussa mit der „Metallgesellschaft“, übernahm. 1900 wurde P. zum Untersuchungschemiker und Vorstand der Degussa-Versuchsabteilung ernannt, seit 1921 war ihm als Chefchemiker die Leitung aller Labors und Technika anvertraut. Seit 1933 im|Ruhestand, blieb er der Degussa bis 1942 als freier Mitarbeiter verbunden.

    In den ersten Jahren seiner Tätigkeit bei der Degussa beschäftigte sich P. hauptsächlich mit der Cyanchemie. Er fand eine Optimierung des 1899 eingeführten „Castner-Verfahrens“ zur Herstellung von Natriumcyanid durch Überleiten von Ammoniakgas über geschmolzenes Natrium und Glühen des dabei gebildeten Natriumamids mit Kohle, das in dieser nun einstufigen und damit verbesserten Form bis 1971 angewandt wurde. Die genaue Kenntnis des Cyanidverfahrens war auch der Auslöser für eine weitere Entwicklung, die P. in weiten Fachkreisen bekannt machte. Durch den Einsatz von Natriumamid als Kondensationsmittel bei der synthetischen Herstellung von Indigo aus Phenylglycin ermöglichte P. die wirtschaftliche Großproduktion des begehrten Farbstoffs. Diese war bei der 1890 entwickelten Heumannschen Indigosynthese wegen zu geringer Ausbeute nicht möglich gewesen. Das 1901 patentierte „Pflegersche Indigoverfahren“ wurde von der Hoechst AG und Degussa bis 1940 gemeinschaftlich ausgewertet, dann zog sich die Degussa aus diesem Geschäft zurück. Auch auf dem Gebiet der Aktivsauerstoffverbindungen und der chemischen Bleiche hat P. grundlegende Forschungsarbeit geleistet. Auf seine Initiative hin entstand ein „Bleich- und anwendungstechnisches Laboratorium“, das erste seiner Art weltweit, mit dem der Grundstein für die Anwendungstechnik bei der Degussa gelegt wurde. Hier wurden Verfahren zur Textilbleiche mit anorganischen Peroxiden und Wasserstoffperoxid entwickelt und deren Wirkungsmechanismus eingehend untersucht. P. war daher maßgeblich dafür verantwortlich, daß die Degussa neben der Edelmetallscheidung auch weitere chemisch-technische Verfahren entwickelte und betrieb.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-lng. E. h. (TH München 1911), Dr. phil. h. c. (Frankfurt/M. 1923), Ehrenbürger d. Landwirtschaftl. Hochschule Berlin (1931).

  • Werke

    Über Sauerstoffwäsche, in: Chemikerztg. 34, 1918, S. 137 ff.;
    Superoxydbleiche d. Baumwolle, in: Zs. f. angewandte Chemie 42, 1924, S. 826 f. – Patente: Verfahren z. Darst. v. Indoxylderivaten aus aromat. Glycinen (DRP 137955, 1901);
    Verfahren z. direkten Darst. v. Cyankalien aus Alkalimetall. Ammoniak u. Kohle (DRP 126241 u. 148046, 1901).

  • Literatur

    Dok. aus Hoechster Archiven (Hoechst AG) 28, 1967, 30, 1967;
    C. Voigt, in: Degussa report 4, 1984 (P);
    ders., Chemiker, Techniker, Zauberer? J. P., in: Immer e. Idee besser, Forscher u. Erfinder d. Degussa, 1998, S. 35-53 (P);
    M. Wolf, Im Zeichen v. Sonne u. Mond, Von d. Frankfurter Münzscheiderei z. Weltunternehmen Degussa AG, 1993, S. 89-98.

  • Autor/in

    Mechthild Wolf
  • Zitierweise

    Wolf, Mechthild, "Pfleger, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 347-348 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139169849.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA