Lebensdaten
1837 – 1914
Geburtsort
Hermannstadt (Siebenbürgen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116140488 | OGND | VIAF: 84370640
Namensvarianten
  • Pfaff, Leopold
  • Pfaff, L.

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Zitierweise

Pfaff, Leopold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116140488.html [02.12.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Landeshauptkasse-Kontrollor;
    M Elisabeth N. N.;
    B Wilhelm (1859–1933), Dr. iur., RA in Bozen, später Botaniker, Kustos d. Naturhist. Mus. in Trient, Mitgl. d. Zool.-botan. Ges. in Wien (s. ÖBL);
    1863 Antonie Falkbeer ( 1922);
    1 S Ivo (s. 2), 1 T Ada Czermak.

  • Biographie

    P. legte in Hermannstadt die Matura ab und studierte 1854-58 an der juristischen Fakultät der Univ. Wien (Dr. iur. 1860). Nach seiner Habilitation 1861 kehrte er in seine Geburtsstadt zurück, wo er zunächst als Supplent und seit November 1862 als o. Professor für Röm. Recht und Lehensrecht an der k. k. Rechtsakademie tätig war. 1869 folgte er dem Ruf nach Innsbruck als Ordinarius des Röm. und Österr. Zivilrechts. Den größten Teil seiner wissenschaftlichen Tätigkeit erbrachte P. als Inhaber der Lehrkanzel für Österr. Zivilrecht an der Univ. Wien, wohin er 1872 als Nachfolger seines Lehrers Joseph Unger (1828–1913) berufen wurde und an der er bis zu seiner krankheitsbedingten Versetzung in den Ruhestand 1905 tätig war. P.s Wirken beschränkte sich nicht auf seine Tätigkeit als Wissenschaftler, sondern umfaßte auch die Bereiche Rechtsprechung (als Mitgl. d. Reichsgerichts seit 1896) und Gesetzgebung (als Mitgl. d. Herrenhauses d. Reichrats seit 1897).

    P.s Name ist untrennbar mit der österr. Zivilrechtskodifikation, dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) verbunden. Im Bemühen, die dem Gesetz zugrunde liegenden Rechtsideen und die Motive der Redaktoren in den Mittelpunkt zu stellen, erkannte er als erster die Bedeutung der Materialien, insbesondere der Beratungsprotokolle, für das Verständnis des Gesetzbuches. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse verwertete er in mehreren Abhandlungen zur Entstehungsgeschichte sowie vor allem in dem gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Franz Hofmann (1845–97) verfaßten Kommentar zum ABGB. Neben diesem hervorragenden, unvollendet gebliebenen Werk verdankt ihm die Wissenschaft die erste vollständige Darstellung des österr. Privatrechts in deutscher Sprache. Dieses von P. aus dem Nachlaß von Josef Krainz (1821–75) nach gründlicher Überarbeitung herausgegebene Lehrbuch (System d. österr. allg. Privatrechts [Grundriß u. Ausführungen], 2 Bde., 1885/89) war als „Krainz-Pfaff“ jedem Studierenden ein Begriff, auch in der Fortführung durch P.s Schüler Armin Ehrenzweig (1864–1935). Ferner verfaßte P. zahlreiche Aufsätze, die in der Fachwelt auf großes Interesse stießen, wie etwa seine Schriften über den Pfandrechtsbegriff, die eine ganze Reihe von Arbeiten zu diesem Thema auslösten. In seinem Beitrag zum Schadenersatzrecht wandte sich P. gegen den Ruf nach dessen Reform, indem er nachwies, daß dieser Abschnitt des ABGB bis dahin weitgehend unterschätzt und mißverstanden worden war.|

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    Hofrat (1893);
    Dr. iur. h. c. (Innsbruck 1910).

  • Werke

    Geld als Mittel pfandrechtl. Sicherstellung, insbes. d. sog. pignus irregulare, in: Allg. östen. Ger.-Ztg., 1868, S. 295 ff.;
    Zur Lehre v. Gegenstande d. condictio indebiti nach gemeinem u. österr. Recht, ebd., S. 121 ff.;
    Zur Kritik d. Pfandrechtsbegriffes, in: Grünhuts Zs., 1874, S. 41 ff.;
    Über d. Materialien d. ABGB, ebd., 1875;
    Commentar z. österr. allg. bürgerl. Gesetzbuche, 2 Bde., u. als Beill. z. Commentar Excurse üb. österr. allg. bürgerl. Recht, 2 Bde., 1877 ff. (mit F. Hofmann);
    Zur Lehre v. Schadenersatz u. Genugthuung nach österr. Recht, Gutachten f. d. 5. Österr. Advokatentag 1880;
    Der Codex Theresianus u. seine Umarbeitungen, in: Jur. Bll., 1883, S. 255 ff., 1884, S. 169 ff., 1885, S. 253 ff., 1887, S. 257 ff.;
    Zum österr. Schädenrecht, ebd., 1885, S. 387 ff.;
    Zur Entstehungsgesch. d. westgaliz. Gesetzbuches, ebd., 1890, S. 399 ff.;
    Die Clausel rebus sie stantibus in d. Doctrin u. d. österr. Gesetzgebung, in: FS J. Unger, 1898, S. 221 ff.;
    Zur Entstehungsgesch. d. Marginalrubriken im österr. ABGB, 1906;
    Aus d. älteren Materialien d. ABGB, in: Österr. Zbll. f. d. Jurist. Praxis, 1907, S. 23 ff. – Mithg.: Slg. v. zivilrechtl. Entscheidungen d. k. k. Obersten Gerichtshofes, 1886 ff.

  • Literatur

    A. Ehrenzweig, in: Jur. Bll. 1910, S. 157 ff.;
    G. Oberkofler, Stud. z. Gesch. d. österr. Rechtswiss., 1984, S. 302 f.;
    ders., in: W. Brauneder (Hg.), Juristen in Österr. 1200-1980, 1987, S. 199 ff., 342 (P);
    Dt.-österr. Künstler- u. Schriftst.lex. I;
    Das geistige Ungarn II;
    Schriftst.-Lex. d. Siebenbürger Deutschen IV, 1902;
    Hist. Lex. Wien. – Nachrufe: M. Wellspacher, in: Zs. f. Notariat, 1914, S. 381 f.;
    J. v. Schey, in: Allg. österr. Ger.-Ztg., 1914, S. 505 ff.;
    ders., in: Feierl. Inauguration d. Rektors d. Wiener Univ. f. d. Stud.j. 1915/16, 1915 (W-Verz.);
    G. Hanausek, L. P., Ein Nachruf, 1915;
    M. L. Ehrenreich, in: Wiener Ztg. v. 8.1.1915;
    Neue Freie Presse v. 3. u. 4.12.1914. |

  • Quellen

    Qu Univ.archiv Wien (Personalakt); Österr. StA. Allg. Verw.archiv Wien (Personalakt).

  • Porträts

    Nat.bibl. Wien, Bildarchiv.

  • Autor/in

    Elisabeth Berger
  • Zitierweise

    Berger, Elisabeth, "Pfaff, Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 294-295 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116140488.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA