Lebensdaten
erwähnt 1457, gestorben 1485
Beruf/Funktion
theologischer Professor an der Universität Greifswald
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135743273 | OGND | VIAF: 60305315
Namensvarianten
  • Dedelow, Nicolaus
  • Nicolaus, Dedelow

Quellen(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Dedelow, Nicolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135743273.html [20.10.2020].

CC0

  • Leben

    D., einer der angesehensten unter den ersten Professoren der 1456 gegründeten Universität Greifswald, begann sein Studium 1427 in Rostock, wurde 1429 baccalarus und 1432/33 zum magister artium promoviert. Die nächsten 25 Jahre sind ebenso in Dunkel gehüllt wie seine Herkunft. In die Greifswalder Artistenfakultät wurde er im Sommer 1458 aufgenommen und wiederholt Dekan. 1461 erwarb er den Grad eines baccalaureus theol. und hielt nun auch Vorlesungen in der theologischen Fakultät. Er gehörte dem Domkapitel zu Sankt Nicolai als Kanoniker und als Kantor an. Als der maßgeblich an der Gründung der Universität Greifswald beteiligte Bürgermeister Dr. Heinrich Rubenow in der Sylvesternacht 1462/63 ermordet wurde, stand D. gerade als Vizerektor neben dem jungen Herzog Swantibor an der Spitze der Universität. Welche Stellung er im Streit um Rubenow eingenommen hat, wird nicht deutlich. Nachdem Ruhe und Ordnung in der Stadt wiederhergestellt waren, begab sich D. im Pestjahr 1464 nach Magdeburg, wo er amDomstift Kanoniker und lector secundarius war, bis er - von seinen Freunden in der Universität veranlaßt - 1469 (nach 25.11.) nach Greifswald zurückkehrte. Er wandte sich nun stärker der Theologie zu. 1476 wurde er licentiatus und 1480 doctor theol. 1474 und 1475 führte er das Rektorat, ebenso 1480 auf 1481. Während dieser Amtszeit kam es zu dem Überfall (12.3.) auf den vom Papst Sixtus IV. in Cammin eingesetzten Bischof Marinus de Fregano, einen wegen Eintreibung der Türkensteuer und Ablaßhandels verhaßten Italiener, zu dessen Anhängern in Greifswald D. und der soeben zur Herrschaft gelangte Bürgermeister Nicolaus Smiterlow gehörten. Dieser suchte seinen Einfluß auf die Universität auszudehnen, unter deren Lehrern unter anderem wegen Bestrebungen einer großen Reform des Studiums der Artisten erbitterte Streitigkeiten ausgebrochen waren. D., der seit 1481 auch das Amt des Vizekanzlers bekleidete, unterstützte gemeinsam mit Smiterlow und den Juristen Walter Hovener und Johann Brugge die Artisten des Collegiums minor, unter denen besonders Heinrich Ter Porten, Johann Vust, Balthasar Wortwyn und Johann Sartoris zu nennen sind. Während die Artisten des Collegiums maior, vor allem Hermann Melberch, Johann Petri und Gudmund Ugla, im Bunde mit den Juristen Johann Meiloff, Johann Parleberg und Arnold Segeberg und der Mehrheit der Universitätslehrer, zunächst die gegen Smiterlow und sein Regiment entfachten Aufstände der Bürgerschaft (Herbst 1481 und August 1483) für ihre Bestrebungen ausnutzen konnten, fanden ihre Gegner Unterstützung bei Herzog Bogislaw X., der am 13.1.|1484 zu Anklam einen Vergleich erzwang, aus dem die Partei D.s und Smiterlows als der eigentliche Sieger hervorging.

  • Literatur

    ADB V (L);
    A. Hofmeister, Die Matrikel d. Univ. Rostock I, 1889, S. XXII, 27, 35, 43;
    E. Friedlaender, Aeltere Univ.-Matrikeln II, Univ. Greifswald, Bd. 1 (vgl. Reg. in Bd. 2, S. 295), 1893/94 (darin auch: Dekanatsbuch der Artisten);
    Greifswalder Rektoratsannalen, in: J. G. L. Kosegarten, Gesch. d. Univ. Greifswald II, Urkundl. Beilagen, 1856, S. 164-200;
    Roderich Schmidt, Die Anfänge d. Univ. Greifswald, in: Festschr. z. 500-Jahrfeier d. Univ. Greifswald I, 1956, S. 14 f., 18, 26 f., 33, 38 (Anm. 125, 126), 39 (Anm. 126-41), 41 (Anm. 290, 291).

  • Autor/in

    Roderich Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Roderich, "Dedelow, Nicolaus" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 553 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135743273.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dedelow: Nicolaus D., gebürtig aus Havelberg, 1485. 30 Jahre hindurch leitete er, wie aus dem Decanatsbuch hervorgeht, die Greifswalder Artistenfacultät, erwarb jedoch auch die theologischen Würden. 1457 als Canonicus und im Jahre darauf als Examinator genannt, übernahm er 1459 zum ersten Male das in der Folge wiederholt verwaltete Decanat. 1461 ward er Baccalar der Theologie und las nun den Cursus über die heilige Schrift, später über „sententiae“ oder Dogmatik. Im Todesjahr des Stifters der Greifswalder Universität, des Bürgermeisters Heinrich Rubenow, 1462 verwaltete er das Rectorat für den Herzog Swantibor. Später nach Magdeburg als Canonicus, in majori ecclesia et in theologia lector secundarius berufen, kehrte er 1470 nach Greifswald zurück und bekleidete 1474 zum zweiten Mal das Rectorat. Nunmehr baccalarius formatus und collegiatus geworden, erhielt er am 24. Oct. 1476 vom Vicekanzler Johann Parleberg die licentia zum Doctorate, wurde 1477 sacrae paginae licentiatus, und verwaltete 1480 zum dritten Male das Rectorat, bei dessen Uebernahme er theologiae licentiatus et in eadem ordinarius genannt wird. Während dieses Rectorates brach jener heftige Streit zwischen dem Bischof Marinus von Cammin und seinem Domcapitel aus, in welchen der gesammte Clerus des Landes, sowie auch Rath und Bürgerschaft von Greifswald hineingezogen ward. Vom Papst ohne Zuziehung der Landesbehörden gewählt, beutete der Bischof eigensüchtig sein hohes Kirchenamt aus und erregte dadurch allgemeinen Anstoß. D. war ein Freund des Greifswalder Bürgermeisters Smiterlow und unterstützte denselben nicht nur gegen die Bürgerschaft bei einem Aufruhr, den die persönliche Anwesenheit des Bischofs Marinus zur Beilegung jenes Streites in Greifswald veranlaßt hatte, sondern auch bei einem über die Lehrmethode ausgebrochenen Universitätsstreit, indem er mit demselben für die realistische Doctrin eintrat. 1482 heißt er doctor sacrae theologiae und vicecancellarius, 1483 auch Cantor des Domcapitels. Er starb nach einem arbeitsvollen Leben an der damals herrschenden Pest.

    • Literatur

      Kosegarten, Gesch. der Univers. Greifswald I. S. 90 und 152. — Pyl, Pom. Gen. II. 270. 274 ff.

  • Autor/in

    Häckermann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Häckermann, Adolf, "Dedelow, Nicolaus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 16 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135743273.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA