Lebensdaten
1849 bis 1914
Geburtsort
Klattau (Böhmen)
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Mediziner ; Gynäkologe ; Urologe
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11932024X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pawlik, Karl
  • Pawlik, Carl
  • Pawlik, Karel
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Zitierweise

Pawlik, Karel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11932024X.html [22.10.2018].

CC0

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Heimatstadt und dem Medizinstudium in Wien (Promotion 1873) arbeitete P. zunächst als Operationszögling an der II. Chirurgischen Universitätsklinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus unter Theodor Billroth (1829–94) und wandte sich danach der Frauenheilkunde zu. Seine Fachausbildung absolvierte er zuerst an der sog. Hebammenklinik (III. Wiener Frauenklinik) unter Gustav Braun (1829–1911) und wechselte 1877 zu dessen Bruder, Carl Braun v. Fernwald (1823–91), an die I. Universitäts-Frauenklinik. 1881 habilitierte sich P. als Privatdozent|in Wien. 1886/87 an der Wiener Allgemeinen Poliklinik Leiter der Abteilung für Gynäkologie, wurde er 1887 zum Ordinarius an der Tschech. Univ. Prag bestellt, an der er bis 1913 wirkte. Dank seiner Sprachenkenntnisse erwarb er sich einen Schülerkreis in ganz Europa.

    Seit 1881 beschäftigte sich P. mit dem Problem der Katheterisierung der weiblichen Ureteren und entwickelte 1884 erstmals eine taugliche Methode zur Sondierung der Harnleiter aus freier Hand, also ohne vorausgehenden operativen Eingriff. Als weitere Pioniertat in dem Grenzgebiet zwischen operativer Gynäkologie und Urologie gelang ihm 1890 die Totalexstirpation der Harnblase bei einer Patientin mit Malignom. In mehreren Eingriffen glückte P. bei dieser Patientin auch die Einpflanzung der Harnleiter und der Harnröhre in die operativ verschlossene Vagina, womit diese zu einem funktionstüchtigen neuen Ersatzorgan für die entfernte Harnblase werden konnte. 1889 sprach sich P. für die Radikaloperation des Uteruskarzinoms aus, wobei er für die erweiterte vaginale Hysterektomie unter Mitnahme des Beckenzellgewebes eintrat. Auf dem Gebiete der Endoskopie praktizierte P. die direkte Cystoskopie der mit Luft gefüllten Harnblase. Außerdem versuchte er u. a., Nierenbeckenentzündungen durch lokale Spülungen mittels Metallhohlsonden zu behandeln.

    P.s Name fand Eingang in die medizinische Nomenklatur. In der Geburtshilfe wurde die Bestimmung des führenden Kindsteiles durch suprasymphysären Druck auf die Bauchdecken bei gleichzeitiger vaginaler Palpation mit der anderen Hand als „Pawlik-Handgriff“ bezeichnet. Als „Pawlik-Trigonum“ wurde das der Harnblase anliegende dreieckige Feld der vorderen Vaginalwand benannt, welches seitlich durch die von den Ureteren vorgewölbten „Pawlik-Falten“ begrenzt wird. Unter der „Pawlik-Duret-Operation“ verstand man ein Verfahren zur operativen Kaliberverengung bei unvollständiger Inkontinenz der Frau.

  • Werke

    Über d. Sondiren d. weibl. Blase aus freier Hand ohne vorbereitende Operation, in: Cbl. f. Gynäkol. 7, 1881;
    Über d. Sondirung d. Ureteren d. weibl. Blase, in: Archiv f. Gynäkol. 18, 1881, S. 491 ff.;
    Btrr. z. Chirurgie d. weibl. Harnröhre, in: Wiener med. Wschr. 33, 1883, S. 769 ff.;
    Über Blasenexstirpation, ebd. 36, 1891, S. 1814 ff.;
    Über d. Harnleitersondirung b. Weibe, in: Archiv f. Chirurgie 33, 1886, S. 717 ff.;
    Über d. Harnleitersondirung b. Weibe u. ihre prakt. Verwendung, in: Wiener med. Presse 27, 1886, S. 1425 ff.;
    Exstirpation d. Uterus u. d. Beckenzellgewebes, in: Internat, klin. Rdsch. 3, 1889, S. 1073 ff.

  • Literatur

    Casopis lekaru coskych 1909, S. 281 (W-Verz.);
    Mschr. f. Geburtshilfe 40, 1914, S. 685 (W-Verz.);
    Wiener klin. Wschr. 27, 1914, S. 1518;
    Th. F. Baskett, On the Shoulders of Giants, Eponyms and Names in Obstetrics and Gynaecology, 1996, S. 173;
    Fischer;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Gabriela Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Gabriela, "Pawlik, Karel" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 141 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11932024X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA