Lebensdaten
1862 bis 1928
Geburtsort
Lorenzkirch bei Strehla/Elbe (Sachsen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Pharmazeut ; Lebensmittelchemiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116061278 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paul, Theodor
  • Paul, Th.

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Zitierweise

Paul, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116061278.html [16.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Simeon Fürchtegott (1814–90), seit 1853 Pfarrer in L., Leinenwebers-S aus Nassau;
    M Auguste Sophie Heyme;
    B Carl (1857–1927), Dr. h. c., Pfarrer in L., seit 1901 Dir. d, Leipziger Mission;
    - 1907 Elisabeth (1884–1959), T d. Georg Wilhelm Ruppel, Oberpfarrer, u. d. Eugenie Emma Johanna Rausch;
    3 S, u. a. Wolfgang (s. 2), 3 T.

  • Leben

    Nach der Obersekunda absolvierte P. eine Apothekerlehre und konditionierte nach der Apothekergehilfenprüfung (1884) drei Jahre im In- und Ausland. Nach dem Militärdienst|studierte er in Leipzig Pharmazie (Staatsexamen 1889), danach Chemie und wurde 1891 mit einer von Ernst Beckmann angeregten Dissertation (Btrr. zum Verhalten von Ketonen u. Aldehyden gegenüber metallischem Natrium bei Gegenwart indifferenter Lösungsmittel) promoviert. Seit 1893 studierte er neben der Assistententätigkeit bei Wilhelm Ostwald, wo er sich 1894 mit der Arbeit „Untersuchungen über fraktionierte Fällung“ habilitierte, zusätzlich Medizin (Staatsexamen 1898). 1895 erhielt P. auch die Approbation als Nahrungsmittelchemiker. 1897 wurde er Assistent Beckmanns am neugegründeten Laboratorium für Angewandte Chemie in Leipzig und folgte 1898 einem Ruf auf das Extraordinariat für analytische und pharmazeutische Chemie der Univ. Tübingen, wo er 1901 auch den medizinischen Doktorgrad erwarb. Die Dissertation „Entwurf zur einheitlichen Werthbestimmung chemischer Desinfektionsmittel“ war sowohl gesundheitspolitisches Programm wie Anleitung zur hygienischen Praxis. 1902 wurde P. als Direktor der naturwissenschaftlichen Abteilung an das Kaiserl. Gesundheitsamt in Berlin berufen und zugleich zum Mitglied des Reichsgesundheitsrates ernannt. In dieser Funktion wirkte er maßgebend an den Deutschen Arzneibüchern 5 (1910) und 6 (1926) mit. 1905 folgte er einem Ruf als Nachfolger Albert Hilgers auf den Lehrstuhl für Pharmazie und Angewandte Chemie der Univ. München. Damit verbunden war die Leitung der 1884 gegründeten Staatl. Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel, die sich vor allem mit der Überwachung der Nahrungsmittelgesetzgebung befaßte. Während des 1. Weltkriegs stellte P. Mängel bei der Lagerung, Konservierung und Verarbeitung von Lebensmitteln fest. Aufgrund seiner Initiative entstand 1918 die Stiftung „Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie“, deren Leitung P. übernahm. Auch wenn Universitätsinstitut und Untersuchungsanstalt nach dem Krieg schrittweise ausgebaut wurden, erwiesen sich die Arbeitsbedingungen vor allem in der Forschungsanstalt als unzureichend. Über 100 Veröffentlichungen aus der pharmazeutischen Chemie, der Desinfektion und der Lebensmittelchemie dokumentieren die Forschungsergebnisse der drei Institute. Auf P.s Anregung gehen die Ionenangaben bei Mineralwässern zurück, die im Gegensatz zu den älteren Salztabellen eine objektive Angabe der Zusammensetzung ermöglichen. Er setzte sich auch für eine einheitliche Bewertung und Normung von Arzneimitteln sowie die Beschränkung von Haltbarkeit und Reinheit auf die praktischen Bedürfnisse ein. Daneben übte P. eine umfangreiche Beratertätigkeit aus. Er gehörte dem Bayer. Obermedizinalausschuß, den Reichsausschüssen für Weinforschung und Ernährungsforschung sowie dem Gesundheitsrat der Stadt München an. Durch die zahlreichen Ämter in der eigenen Forschung sehr eingeschränkt, widmete er sich dennoch intensiv der wissenschaftlichen Ausbildung der Studierenden.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Reg.rat (1902) u. Obermed.rat (1912); Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (ao. 1918, o. 1921); Ehrenmitgl. d. Dt. Apotheker-Ver. (1912); Ehrenvors. d. Münchener Pharmazeut. Ges.; Ehrenmitgl. d. Sociedad Española de Fisica y Quimica (1921); Dr. Ing. E. h. (TH Dresden, 1928).

  • Werke

    Weitere W Das neubegr. Laboratorium f. angew. Chemie an d. Univ. Leipzig, 1899 (mit E. Beckmann);
    Die Bedeutung d. Jonentheorie f. d. physiolog. Chemie, 1901;
    Nahrungsmittelchemie, mit bes. Berücksichtigung d. modernen physikal.-chem. Lehren, 1914;
    Die Unters. d. Arzneimittel d. Dt. Arzneibuches 6, 1927.

  • Literatur

    C. Drucker, Die dt. Forschungsanstalt f. Lebensmittelchemie, in: Die Umschau 22, 1919, S. 502-04;
    K. A. v. Müller (Hg.), Die wiss. Anstalten d. Ludwig-Maximilians-Univ. zu München, 1926, S. 211-18, 271-78, 322-28;
    Apotheker-Ztg. 43, 1928, S. 1231;
    H. Thoms, in: Berr. d. dt. chem. Ges. 61 A, 1928, S. 146;
    R. Dietzel, ebd. 62 A, 1929, S. 7-11 (P);
    A. Heiduschka, in: Chemiker-Ztg. 52, 1928, S. 841;
    F. Fischler, in: Münchener med. Wschr 75, 1928, S. 1889 f.;
    Pharmazeut. Ztg. 73, 1928, S. 1885;
    K. Täufel, in: Zs. f. Angew. Chem. 41, 1928, S. 1253-55 (P);
    ders., in: Zs. f. Unters. d. Lebensmittel 57, 1929, S. 265-68 (P);
    O. Hönigschmid, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1928/29, S. 82-84;
    B. Bleyer, in: Zs. f. Elektrochemie 35, 1929, S. 61 f.;
    R. Pummerer, P. u. d. Entwicklung d. Lebensmittelchemie, in: Geist u. Gestalt II. 1959, S. 217 f.;
    G Kallinich, Das Vermächtnis Georg Ludwig Claudius Rousseaus an d. Pharmazie, Zweihundert J. Pharmazie an d. Univ. Ingolstadt-Landshut-München 1760-1960, 1960, S. 102-13, 250-67, 440-42 (W, L);
    A. Rhein, Zur Bedeutung d. Pharmazeuten A. Hilger u. Th. P. als Lebensmittelchemiker, Diss. Marburg 1938;
    Th. P. u. W. Ostwald in ihren Briefen, hg. v. K. Hansel u. a., 1998;
    Dt. Apotheker-Biogr. II;
    Pogg. IV-VI.

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Paul, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 109 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116061278.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA