Lebensdaten
1905 - 1996
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur ; Drehbuchautor
Konfession
katholisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 11910220X | OGND | VIAF: 21344886
Namensvarianten
  • Paryla, Karl
  • Paryla, Carl

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Zitierweise

Paryla, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11910220X.html [07.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Michael (1869–1919), aus Trebnitz (Galizien), Instrumentenmacher, k. u. k. Unteroffz., Amtsdiener im Finanzmin. in W.;
    M Anna Stöhr (1880–1937), aus Esseg, Arbeiterin;
    B Emil (1907–97, Ps. Emil Stöhr), Schausp. u. Theaterdir. (s. Kosch, Theater-Lex); – 1) N. N., Schausp. (⚮), 2) Hortense Raky (* 1918), Schausp. (s. Kosch, Theater-Lex.);
    1 S aus 1) Michael (1935–66), Schausp., 2 S, 1 T aus 2), u. a. Nikolaus (* 1939), Stephan P.-Raky (* 1948), beide Schausp.;
    N Katja (* 1940), Schausp.

  • Leben

    P. debutierte 1924 am Raimundtheater in Wien. Seit 1926 an deutschen Theatern engagiert (Köln, Darmstadt, Breslau), beteiligte er sich an der „revolutionären Gewerkschaftsopposition“ und in der kommunistischen Arbeiterkulturbewegung. 1933 wurde er aus politischen Gründen in Darmstadt fristlos entlassen und fand ein Engagement in Wien am Theater in der Josefstadt. Nach dem „Anschluß“ Österreichs emigrierte P. in die Schweiz und wurde Mitglied des Zürcher Schauspielhauses. In bedeutenden Aufführungen (oft Uraufführungen) von Autoren, die im Dritten Reich verboten waren, sowie in aufsehenerregenden Klassikerinszenierungen trug P. zum legendären Ruf des Zürcher Schauspielhauses als antifaschistischem Exiltheater bei. Auch an der Entwicklung einer realistischen Schauspielkunst auf der Basis der Schauspieltheorien von Konstantin Stanislawski (1863–1938) hatte er zentralen Anteil. Als einer der ersten Schauspieler kehrte P. im Dezember 1945 nach Wien zurück. 1948-56 war er Sozietär, d. h. Mitglied der kollektiven Leitung des „Neuen Theaters in der Scala“ in Wien, einem Theater, das finanzielle Unterstützung von der KPÖ erhielt. Das Konzept eines Arbeitertheaters mit den Spielplanschwerpunkten Nestroy, neue politische Dramatik und Komödien der Weltliteratur wurde im Klima des Kalten Kriegs politisch boykottiert. Bis zum „Mauerbau“ 1961 arbeitete P. am Deutschen Theater in Ostberlin und drehte auch bei der DEORG große Filme. Gleichzeitig gastierte er regelmäßig an den Münchner Kammerspielen (u. a. als Mephisto in „Faust“, als Narr in „Was ihr wollt“). In den 60er und 70er Jahren arbeitete er hauptsächlich als Regisseur an den wesentlichen deutschen Theatern. Sein Verhältnis zu seiner Heimatstadt Wien blieb trotz Anerkennung seiner Schauspielerleistungen in Erinnerung an seine kommunistischen Aktivitäten lange gespannt; offizielle Ehrungen folgten erst in den 80er und 90er Jahren.

    Herausragend waren P.s Leistungen als Nestroy-Schauspieler: Mit seiner Sprachakrobatik, seiner mimischen und gestischen Ausdruckskraft schuf er eine realistisch-politische Spielweise, wie sie im harmoniebetonten Theater der 50er Jahren unüblich war. Diese Fähigkeiten konnte Fritz Kortner nutzen, der ihn als Protagonisten bevorzugte. P. war ein Verfechter der psychologischen Schauspielkunst und ein Vertreter eines realistisch-komödiantischen Theaters. Mit seiner Fähigkeit, große Ensembles auf der Bühne dynamisch in Szene zu setzen, seinem hohen Arbeitsethos und dem Glauben an die emanzipatorische Kraft des Theaters machte er sich auch als Regisseur einen Namen.|

  • Auszeichnungen

    österr. Prof. (1984);
    Nestroyring d. Stadt Wien (1990);
    Ehrenkreuz f. Wiss. u. Kunst 1. Kl. (1996).

  • Werke

    u. a. Theater, in: Theater, Meinungen u. Erfahrungen, 1945;
    Genossenschaftl. Theater, wieder in: Dramaturgie d. Demokratie, Theaterkonzeptionen d. österr. Exils, hg. v. P, Roessler u. K. Kaiser, 1989, S. 216-21;
    Volksabstimmung f. Johann Nestroy, in: Österr. Tageb. 8, 1953;
    Mein Btr. z. Thema Volkstheater, in: Volkstheater – heute, 1986, S. 57-59;
    Das Volkstheater ist d. Stadttheater d. Wiener, in: 100 J. Volkstheater, hg. v. E. Schreiner, 1989, S. 78.

  • Literatur

    Schausp.haus Zürich 1938-1959. hg. v. K. Hirschfeld u. P. Löffler, 1958;
    W. Petzet, Theater, Die Münchner Kammerspiele 1911–72, 1973, S. 460-62;
    W. Pellert, Roter Vorhang – Rotes Tuch, Das Neue Theater in d. Scala, 1979;
    J. Kaiser, in: SZ v. 12.8.1980 (P): C. Riess, Das Schausp.haus Zürich, 1988, S. 245-49;
    „Klaus Völker befragt K. P.“, in: Ausgangspunkt Schweiz, Nachwirkungen d. Exiltheaters, hg. v. Ch. Jauslin u. L. Naef, 1989, S. 232-50;
    E. Deutsch-Schreiner, K. P., Ein Unbeherrschter, 1992 (Verz. d. Rollen, Inszenierungen, Filme. TV-Spiele u. d. Aufzeichnungen zu seiner Prohenarbeit);
    dies., Der verhinderte Satiriker. Aspekte zu Nestroy im Wiederaufbau, in: Nestroyana 3-4, 1994, S. 113-22;
    C. R. Köper, Ein unheiliges Experiment, Das Neue Theater in d. Scala, Wien 1995;
    C. B. Sucher, in: SZ v. 16.7.1996 (P);
    U. Weinzierl, in: FAZ v. 16.7.1996 (P);
    Kosch, Theater-Lex.;
    BHdE II;
    Gr. Österreicher d. 20. Jh., hg. v. F. Weissensteiner, 1997 (P).

  • Autor/in

    Evelyn Deutsch-Schreiner
  • Empfohlene Zitierweise

    Deutsch-Schreiner, Evelyn, "Paryla, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 80-81 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11910220X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA