Lebensdaten
1726 bis 1795
Geburtsort
Reifenberg im Görzer Küstenland
Sterbeort
Rottenmann (Obersteiermark)
Beruf/Funktion
Orgelbauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135725291 | OGND | VIAF: 30762950
Namensvarianten
  • Chrishman, Franz Xaver
  • Chrishmann, Franz Xaver
  • Christmann, Franz Xaver
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Zitierweise

Crisman, Franz Xaver, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135725291.html [25.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Von einfacher Herkunft;
    V Georg;
    M Katharina.

  • Leben

    C. studierte zunächst Theologie (Priesterweihe 1750), wandte sich aber dann der Orgelbaukunst zu. Der von ihm durchgeführte Umbau der Laibacher Domorgel (1762; 1912 abgetragen) machte seinen Namen über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannt, so daß er 1770 mit dem Bau seines größten Werkes, der Orgel im Stift Sankt Florian beauftragt wurde (1773 vollendet, 3 Manuale, 74 klingende Stimmen, „Bruckner-Orgel“, Klangmaterial 1951 völlig erneuert). In zwei lateinisch abgefaßten Schriften zum Umbau der Laibacher Orgel („crisis organi …“ und „systema reformationis eiusdem organi“, Laibacher Domkapitel-Archiv, Faszikel 235) weist er auf seine Lehrmeister hin, den Mathematiker Cl. Fr. Milliet Dechales und den venezianischen Orgelbauer Peter Nachini, deren Prinzipien er in seiner Kunst verwirklichte. Die Erfindung der in seinen Orgeln verwendeten Kollektivzüge (Pleno aus dem Prinzipalchor) bezeichnete er als ausschließliches geistiges Eigentum Nachinis, während als wesentliche Merkmale seiner eigenen Dispositionen festzustellen sind: jedes Manual enthält neben einem vollständigen Prinzipalchor aus dem 8'-Ton (Hauptwerk aus 16'-Ton) mit Mixturen bis zu 12 Chören eine Vielzahl von Grundregister-Varianten verschiedener Mensuren, zum Teil mehrchöriger Instrumental-Imitatoren. Das Pedal aus der größten Orgel umfaßt nur 20 Töne, sein höchstes Einzelregister steht im 4'-Ton. Zungenregister sind in geringer Zahl disponiert.

  • Werke

    Weitere W (gesichert) Orgeln in Steyr (1777–79, 1894 umgestaltet);
    Stift Admont, Steiermark (1782, 3 Manuale, 44 klingende Stimmen, 1865 verbrannt);
    St. Laurenz in Wien (1785–88);
    Rottenmann (1794–95, nur 2 Register erhalten); weiter können ihm mit großer Wahrscheinlichkeit zugewiesen werden u. a. die Orgeln in
    Stift Engelszell (nach 1788 in Linz, St. Ignatius);
    Garsten (bis etwa 1886 in Steyr, Vorstadt Steyrdorf); d. Orgel in Spital am Pyhrn stammt nicht von C.

  • Literatur

    ADB IV (unter Chrisman);
    J. Mantuani, Fr. Ks. Križman, Agram 1929.

  • Autor/in

    Ernst Günthert
  • Empfohlene Zitierweise

    Günthert, Ernst, "Crisman, Franz Xaver" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 415 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135725291.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Chrismann: Franz Xaver Ch., Weltpriester und berühmter Orgelbauer. Obwol von diesem Manne bis zur Stunde weder Vaterland noch Geburtsdatum bekannt geworden, berechtigt zu seiner Aufnahme in dieses Werk dennoch seine Thätigkeit auf deutschem Boden (Ober- und Unter-Oesterreich und Steiermark). Es ist überhaupt das erstemal, daß ihm ein Plätzchen in einem biographischen Werke eingeräumt wird. Ch. (auch Chrismani, Griesmann, Krismann genannt) soll ein Priester aus der Diöcese Laibach gewesen sein (die Nachfragen blieben hier erfolglos): nach Anderen war er ein italienischer Abbé. Auch darin theilte er das Los mit so manchem Orgelbauer, daß Ort und Zeit seines Todes unbekannt waren; dies wenigstens können wir mittheilen: der Tod ereilte ihn bei dem am 20. Oct. 1794 in Arbeit genommenen Orgelbau in der Stadtpfarrkirche Rottenmann (unweit Admont in Obersteiermark). Er starb im 70. Lebensjahre am 20. Mai 1795 im Pfarrhofe des Städtchens und liegt im dortigen Friedhofe nächst dem großen Thorbogen der Kirche begraben. Chrismann's Orgeln vereinigen in sich Kraft und Fülle und wiederum Wohllaut und Lieblichkeit der einzelnen Register und bieten auch bei Benutzung des vollen Werkes eine|leichte Spielart. Wol können sich die geistlichen Stifte Oesterreichs rühmen, vortreffliche Orgeln zu besitzen, so Klosterneuburg mit der 1644 von Freund aus Passau erbauten Orgel, Melk mit Sonnholzer's Werk, Kremsmünster mit jenem von Moser aus Salzburg, Heiligenkreuz mit der großen 1802 vom Wiener Hoforgelbauer Ignaz Kober verfertigten Orgel: allen voran wird aber doch immer Ch. genannt, dessen Orgeln im Chorherrnstifte St. Florian, im Benedictinerstift Admont, in der Propstei Spital am Pyhrn, in der Pfarrkirche St. Laurenz in Wien (Vorstadt Schottenfeld, Bezirk Neubau) alle genannten Vorzüge in hohem Grade besitzen, resp. besaßen, denn zwei davon gingen leider durch Feuersbrunst zu Grunde, Spital am Pyhrn brannte am 25. Oct. 1841, Admont am 27. April 1865 ab und mit ihnen die Orgeln; Ch. selbst nannte letztere sein Lieblingswerk. Die Riesenorgel in St. Florian bei Linz (4 Manuale, 74 klingende Register und 5230 Pfeifen), auf Anregung des Propstes Matthäus Gogl im J. 1770 von Ch. begonnen, wurde leider nicht von ihm vollendet, denn es entstanden zwischen dem von Natur aus reizbaren und streitsüchtigen Ch. und dem Propste Mißhelligkeiten und wurden letzterem auch wegen der großen Auslagen so viele Schwierigkeiten bereitet, daß er, der Sache überdrüssig, Ch. entließ und alle auf den Bau bezüglichen Schriften (bis auf den Originalcontract, der sich bis heute erhalten hat) ins Feuer warf. Im Gegensatz zu der imposanten Majestät der Orgel in St. Florian bietet jene in der Schottenfelder Kirche in Wien (vollendet 1790 unter dem würdigen Abt Benno) in ihren bescheidenen Dimensionen ein Juwel an feiner Ausarbeitung und einnehmendem Klang. Diese Orgel, „der größte Schatz dieser Kirche“, bietet zugleich ein geschichtliches Interesse, indem bei ihrer Prüfung und Uebergabe im J. 1790 der kais. Hoforganist Joh. Georg Albrechtsberger dieselbe in Gegenwart Mozart's und einer zahlreichen kunstverständigen Versammlung zum erstenmal spielte, wobei das, in einem einzigen Exemplar noch erhaltene Programm der vorgetragenen Stücke (von Bach, Albrechtsberger, Haydn, Gaßmann und einer freien Phantasie) unter die Anwesenden vertheilt wurde. Das Urtheil Mozart's und Albrechtsberger's fiel dahin aus: es behaupte diese Orgel unter allen Orgeln Wiens den ersten Platz, theils des überaus leichten Spieles und der besonders lieblichen Töne, theils der eigenen, von der bisher gewöhnlichen ganz abweichenden Structur wegen, da z. B. ein 7jähriger Knabe mittelst eines einzigen leicht beweglichen Hebels den Wind in die Orgel treiben kann.

    • Literatur

      Denkbuch der Pfarre und Kirche zum h. Laurenz im Schottenfeld. Wien 1839. — Geschichte des Benedictinerstiftes Admont, von Prof. Gregor Fuchs. Graz 1859. —
      Geschichte des regul. Chorherrn-Stifts St. Florian. Linz 1835. — Mittheilungen aus der Stadtpfarrei Rottenmann.

  • Autor/in

    C. F. Pohl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Carl Ferdinand, "Crisman, Franz Xaver" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 139-140 unter Chrismann [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135725291.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA