Lebensdaten
1521 bis 1571
Geburtsort
Joachimsthal
Sterbeort
Marienberg (Erzgebirge)
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Kartograph ; Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119648237 | OGND | VIAF: 305857434
Namensvarianten
  • Crigingerus, Johannes
  • Krüger, Johannes
  • Criginger, Johann
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Criginger, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119648237.html [06.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    1) 1548 od. später Ursula Meyner ( 1571) aus Nöbenitz, 2) 1571 NN ( n. 1612).

  • Leben

    Vorgebildet auf der bedeutenden Lateinschule seiner Vaterstadt, deren einflußreicher Rektor Johann Mathesius war, an der auch der Kantor Nik. Hermann als Lehrer wirkte, wurde C. November 1538 in Wittenberg, im Sommersemester 1540 in Leipzig, 1541 in Tübingen immatrikuliert. Seit 1543 als Schulmeister in Crimmitschau, veröffentlichte er eine dramatische Paraphrase von Evangelium Lukas 16,19 folgende, der 1545 ein Drama über Herodes und Johannes folgte. In gleicher Stellung 1544-47 in Marienberg hat er, seit 1544 Wittenberger Magister, dort vermutlich seit 1546 einen Teil der Tischreden Luthers zusammengestellt. Nach kurzer Tätigkeit in Schlaggenwald bei Karlsbad 1547 in Wittenberg zum Prediger ordiniert, wurde er alsbald Hofprediger beim Grafen Lorenz Schlick in Luditz (Böhmen); aber bereits von 1548 ab war er bis zu seinem Tode erst Diaconus, seit 1551 Archidiaconus und 1559 Pfarrer an Sankt Marien in Marienberg. Den Gnesiolutheranern nahestehend, hat er sich gegen philippistische Bedrückungsversuche mannhaft und geschickt zugleich mit Erfolg gewehrt. Lange Nachwirkungen haben seine auf Arbeiten anderer beruhenden Karten der wettinischen Lande und von Böhmen gehabt, erstere vor allem ist bis ins 18. Jahrhundert hinein nachgedruckt worden.

  • Werke

    W Comoedia v. d. Reichen Mann u. Armen Lazaro, Luce am 16., Zwickau 1543, 2. Druck verschollen, 3. wesentlich umgearb. Aufl. mit zwei Vorreden v. W. Pfentner u. A. Bresnicer, Dresden 1555;
    Tragoedia v. Herode u. Joanne d. Tauffer, Zwickau 1545;
    Karten: Chorographia nova electoratus Saxonici et totius Misniae cum adiacentibus regionibus (erschlossener Titel), u. d. T. Saxoniae, Misniae, Thuringiae nova exactissimaque descriptio, Prag 1568;
    Regni Bohemiae descriptio, ebd. 1568 (Orig. verloren, Titel e. Nachdrucks).

  • Literatur

    ADB XVII u. XLVII;
    Weimar. Lutherausg., Tischreden 4. Bd., S. XXIX-XXXII (E. Kroker);
    R. Grünberg, Sächs. Pfarrerbuch, 1940, S. 480;
    V. Hantzsch, Die Landkartenbestände d. Kgl. öff. Bibl. zu Dresden, = Beih. 28 z. Zbl. f. Bibl.Wesen, 1904;
    ders. Die ältesten gedr. Karten d. Sächs.-Thür. Länder (1550–93), 1905;
    L. Bagrow, A. Ortelii Cat. Cartographorum I, 1928, = Petermanns Geogr. Mitt., Erg. H. 199, S. 59 f.

  • Autor/in

    Ernst Kähler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kähler, Ernst, "Criginger, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 415 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119648237.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Krüginger: Johann K. (Crigingerus), Dramatiker aus Joachimsthal, im J. 1543 Schulmeister zu Crimmitzschau, im J. 1555 Diakonus zu Marienberg bei Chemnitz. Seine „Comödia von dem reichen Mann und armen Lazaro“ erschien in drei Ausgaben, wovon die zweite bis jetzt nicht wiedergefunden wurde. Die erste (Zwickau 1543) ist mit einem Lobgedichte von Alexius Bresnicer (s. Allg. d. Biogr. Bd. III. S. 317) versehen und dem Rathe der freien Bergstadt Joachimsthal gewidmet: auch ward das Stück daselbst aufgeführt. Die dritte (Dresden 1555) beginnt mit einer langen Vorrede des Superintendenten Pfentner zu Annaberg und stellt sich als eine gründliche Umarbeitung der ersten Fassung dar. Das typische Motiv für die dramatische Gestaltung des Stoffes war ein Gastmahl des reichen Mannes, bei welchem Lazarus an der Thür bettelt und im Angesichte des üppigsten Genusses verhungert: der Contrast sollte unmittelbar in die Augen fallen. K. hat sich bemüht, ihn möglichst stark hervorzuheben. An dem Gastmahl läßt er die fünf Brüder des reichen Mannes, von denen die Bibel meldet, theilnehmen: sie kommen mit bösen Ahnungen, die sich bald erfüllen; denn auch der Reiche wird durch einen jähen Tod dahingerafft. Chrysophilus, wie er in der ersten Ausgabe, Nabal, wie er in der zweiten heißt, beutet die Noth seines Nebenmenschen aus und ist hartherzig bis zum Exceß; er gestattet nicht einmal seinen Knechten, dem Bettler etwas zu geben. Aber der Zug wird übertrieben, und in der letzten Fassung hat der Dichter Alles, was den Reichen hassenswürdig macht, noch um ein Bedeutendes verstärkt. Er hat die Farben greller ausgetragen und dadurch allerdings noch manche wirksame dramatische Situation hinzugewonnen. Lazarus wie der Reiche werden jetzt durch den Tod in Person abgeholt. Die genremäßige Ausmalung macht sich sehr breit: ein „Stocknarr“, den sich Nabal hält, parodirt das Tischgebet (es schließt: per Epicurum dominum nostrum, Amen), tritt nach dem Tode des Lazarus auf eine Bank „wie ein Lotterbub“ und trägt einen Spruch wider die Armuth und zum Lobe des Reichthums vor. Die Tischgesellschaft redet dann in leichtem Tone über die Wunder Christi, die soeben stattgefunden haben; arme Schüler kommen und singen um Brot, werden aber mit Hunden weggehetzt; der Stadtkämmerer findet sich im Auftrage des Rathes ein und ersucht den Reichen, einen armen talentvollen Bürgerssohn studiren zu lassen, damit er der Stadt einst als Gelehrter nützlich sei: er schlägt es rund ab, will keinen solchen faulen Schlingel nähren. Als Contrastgestalt figurirt ein Schneider, der christliche Gesinnung darstellt und dessen Anwesenheit bei dem Gastmahle sorgfältig motivirt ist. Aber auch alle erbaulichen und lehrhaften Gespräche werden weit ausgedehnt. Gott spricht (nach Rebhun's Beispiel) in sechsfüßigen Jamben. Der Vers ist nicht zu völliger Reinheit gebracht, obgleich Verletzungen des Worttones nicht häufig eintreten. Ueberall merkt man gute Absichten, aber eine ungeübte Hand. Und so geigt auch das zweite Drama des Verfassers „Herodes und Johannes“ (Zwickau 1545) viel leere Redseligkeit; es steht entschieden zurück hinter Hans Sachsens Behandlung, des Stoffes. Zur Charakteristik macht K. nur schwache Ansätze; aber nach drastischen Effecten strebt er auch hier. Die Hinrichtung des Johannes geschieht auf der Bühne: der Henker läßt ihn seinen Kopf auf die Schwelle der Gefängnißthüre legen, und so war es möglich, einen nachgemachten Kopf unterzuschieben: wie der Dichter auch in dem anderen Drama einen „gemachten“ reichen Mann verwendet, der in der Hölle brennt und von|den Teufeln mißhandelt wird. Der fünfte Act des „Herodes und Johannes“ ist todtentanzmäßig und erinnert dadurch wieder an die letzte Fassung des ersten Stückes: der Tod tritt zur Tochter der Herodias, die sich eben mit ihren Erfolgen brüstet, und erwürgt sie; Herodes selbst wird abgesetzt und tödtet sich mit eigener Hand; Herodias, die an seiner Leiche jammert, wird vom Tode mitgenommen.

    • Literatur

      Gottsched, Nöth. Vorrath, 2, 210—216. Palm, Beitr. z. Gesch. d. d. Litt., 98 f.

  • Autor/in

    Scherer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherer, Wilhelm; Hantzsch, Viktor, "Criginger, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 236-237 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119648237.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Criginger: Johann C., lutherischer Theolog, dramatischer Dichter und Kartograph, wurde im August oder September 1521 in der vor wenig Jahren gegründeten rasch aufblühenden, durch die Wohlhabenheit und geistige Regsamkeit ihrer schon damals überwiegend protestantisch gesinnten Bewohner ausgezeichneten böhmischen Bergstadt Joachimsthal geboren. Sein Name ist in sehr verschiedenen Formen und Schreibweisen überliefert. Er selbst unterzeichnete sich in seinen im Hauptstaatsarchiv zu Dresden erhaltenen eigenhändigen Briefen stets Criginger oder Crigingerus. Ebenso heißt er auf dem Titel seiner Karte von Sachsen. Die Wittenberger Matrikel nennt ihn Kriegengerus, die Leipziger Kringerius, die handschriftliche Marienberger Chronik der Dresdener Bibliothek (Mscr. Dresd. d 16) abwechselnd Krüger, Krieger und Kriegner. Auf dem Titel seiner Dramen erscheint er als Krüginger und Crigingius, auf seiner Karte von Böhmen als Grigviger. Ueber seine Familienverhältnisse und seine Jugend ist nichts Genaues bekannt, da die als Quellen in Frage kommenden Kirchenbücher und sonstigen Acten bei dem großen Joachimsthaler Stadtbrande von 1538 zu Grunde gingen. Vermuthlich besuchte er die als Pflanzstätte humanistischer Bildung weitberühmte Lateinschule seiner Vaterstadt, die 1525 bis 1531 von dem nachmaligen Zwickauer Rector Petrus Plateanus, einem der bedeutendsten Schulmänner des Reformationszeitalters, der die bewährte Unterrichtsmethode seiner Lehrer, der Hieronymianer von Lüttich einführte, und 1532 bis 1540 von Johann Mathesius, dem Schüler und Freund Luther's und Melanchthon's, trefflich geleitet wurde. Mathesius las mit seinen Schülern die besten antiken Classiker, erklärte ihnen den Katechismus Luther's, ließ sie griechische und lateinische Komödien aufführen und zeigte ihnen auch gelegentlich Globen und Landkarten. Seinem Einfluß verdankte es C. vermuthlich, daß er sich dem Studium der Theologie zuwendete und Interesse für die dramatische Dichtkunst und für die Kartographie gewann. Auch der fromme Cantor Nicolaus Herman scheint auf den Knaben eingewirkt und namentlich seine dichterischen Neigungen gefördert zu haben. Im Alter von 17 Jahren begab er sich nach Wittenberg und wurde im November 1538 als Johann Kriegengerus ex valle Joachimica immatriculirt (C. E. Förstemann, Album academiae Vitebergensis, Lips. 1841, I, 173). Wie seine spätere Stellungnahme zu den theologischen Streitfragen beweist, fühlte er sich mehr zu Luther als zu Melanchthon hingezogen. Im Sommersemester 1540 siedelte er zur Fortsetzung seiner Studien nach Leipzig (Die Matrikel der Universität Leipzig, hsg. von G. Erler, Leipzig 1895, I, 633), im folgenden Jahre nach Tübingen über (H. Holstein in den Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte XIV—XV, S. 124). 1543 war er Schulmeister in Crimmitschau. Als solcher veröffentlichte er im Juli desselben Jahres sein erstes dramatisches Gedicht: „Comoedia Von dem Reichen Mañ vnd Armen Lazaro, Luce am 16. beschrieben vñ Reimweis gestelt durch Joannem Krügingerum Vallensem“. Der erste Druck erschien bei Wolfgang Meyerpeck in Zwickau, ein zweiter, jetzt verschollener ohne Jahr und ein dritter, wesentlich umgearbeiteter 1555 bei Matthes Stöckel in Dresden (K. Goedeke, Grundriß II², 361). Am 4. September 1544 wurde C. in Wittenberg zum Magister der freien Künste promovirt (J. Köstlin, Die Baccalaurei und Magistri der Wittenberger Philosophischen Facultät 1538—1546, Halle 1890, S. 17). Im folgenden Jahre ließ er sein zweites Drama ausgehen, die „Tragoedia von Herode vn Joanne dem Tauffer, inn Deudsche Reymen verfasset, durch Joannem Krügingerum Vallensem“. Die erste Ausgabe erschien wiederum bei Wolfgang Meyerpeck in Zwickau, eine zweite, nicht mehr nachweisbare wol um 1555. Inhaltsübersichten dieses und des vorigen Stückes gaben J. C. Gottsched in Des nöthigen Vorraths zur Geschichte der deutschen dramatischen Dichtkunst Zweytem Theil, Leipzig 1765, S. 210—216, W. Scherer in der A. D. B. XVII, 236 und H. Holstein in den Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte XIV—XV, S. 123. 136. Aufführungen der Stücke fanden in Joachimsthal (H. Holstein a. a. O. S. 136), Vacha (ebd. S. 124), Marienberg (Mscr. Dresd. d 16 zu den Jahren 1556 und 1557) und sicher auch anderwärts statt. In Crimmitschau blieb C. wahrscheinlich höchstens bis 1545, da am 3. April des folgenden Jahres Vincentius Friedericus, bis dahin Schulmeister daselbst, als Diakonus an der Stadtkirche eingewiesen|wurde. Was ihn zum Weggange bewog, ist unbekannt. Hierauf wirkte er, wie es scheint, kurze Zeit an der Schule in Marienberg. Während seines dortigen Aufenthalts schrieb er nach E. Kroker's Untersuchungen die jetzt in der Leipziger Stadtbibliothek im Manuscript vorhandene Sammlung der Tischreden Luther's. Den größten Theil dieser Reden erhielt er von seinem ehemaligen Lehrer Johannes Mathesius zur Abschrift, ein kleinerer Theil seiner Sammlung dagegen geht auf Weller und Lauterbach zurück. E. Kroker hat die Handschrift 1903 in den Publicationen der Kgl. Sächsischen Commission für Geschichte zum Abdruck gebracht. Als die Marienberger Schule zu Anfang des Jahres 1547 abbrannte (E. Gehmlich, Aus der Geschichte des alten Marienberger Lyceums, in der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1892, Nr. 103, S. 409), nahm er einen Schuldienst in dem böhmischen Orte Schlaggenwald an. Auch hier blieb er nur kurze Zeit. Noch 1547 begab er sich wieder nach Wittenberg, wurde hier am 9. November zum Geistlichen ordinirt und folgte dann einem Rufe des Grafen Lorenz Schlick zu Luditz in Böhmen, der ihn zu seinem Hofprediger ernannte. Auch in dieser Stellung scheint er nicht lange ausgehalten zu haben, denn bereits Anfang 1548 finden wir ihn wieder in Marienberg, wo er sich mit Ursula, der Tochter des Hans Meyner aus Nöbenitz bei Eger verheirathete. Sie schenkte ihm zahlreiche Kinder, doch war sie wie er selbst vermögenslos, so daß er sich 1567 durch Vermittlung eines Gönners „wegen seiner Armuth und viel kleiner Kinder“ mit der Bitte um eine Geldunterstützung an seinen Kurfürsten wendete (Dresdener Hauptstaatsarchiv Loc. 10328). In Marienberg scheint er zunächst wiederum als Schulmeister gewirkt zu haben. Etwa 1550 wurde er zum Diakonus und 1559 zum Pfarrer daselbst erwählt. Als solcher hatte er viele Anfechtungen zu erleiden. Mit seinem Amtsgenossen, dem Diakonatssubstituten Bartholomäus Hoffmann und seinem Vorgesetzten, dem Annaberger Superintendenten Philipp Wagner gerieth er wegen abweichender Lehrmeinungen in langwierige Streitigkeiten. Da er gegenüber dem damals in Kursachsen herrschenden Philippismus streng an der ursprünglichen Lehre Luther's festhielt und verschiedene bekannte Anhänger des Matthias Flacius als seine Lehrer und Freunde bezeichnete, kam er in den Verdacht des Flacianismus. Wagner forderte ihn auf, die ihm bekannten Flacianer zur Anzeige zu bringen, er lehnte jedoch in einem noch erhaltenen Briefe vom 12. December 1566 (Dresdener Hauptstaatsarchiv Loc. 8936) in unerschrockener Weise jede Auskunft ab, da er es nicht auf sein Gewissen nehmen könnte, daß durch seine Schuld treue Verkünder des göttlichen Wortes um ihrer Ueberzeugung willen mit Weib und Kindern ins Elend gejagt würden. Da ihm seine Gegner persönlich nichts anhaben konnten, denuncirten sie ihn beim Kurfürsten August, der damals durch den Einfluß seiner Hoftheologen ein erbitterter Gegner der Flacianer war. Dieser ließ im Sommer 1567 einen Befehl an Bürgermeister und Rath zu Marienberg ausgehen, sie sollten C. vorladen und ihn unter Androhung seiner Ungnade auffordern, eine schriftliche Verantwortung einzusenden. C. kam diesem Auftrage nach. In seinem im Dresdner Archiv noch vorhandenen Rechtfertigungsschreiben vom August 1567 berichtet er, daß er keiner falschen Lehre ergeben, vielmehr der unveränderten Augsburgischen Confession zugethan und jeder Zeit bereit sei, sich einem Verhör durch den Dresdner Superintendenten Daniel Greser zu unterziehen. Er reiste auch wirklich nach Dresden, legte vor dem Consistorium ein Religionsexamen ab und wies nach, daß er Matthias Flacius weder persönlich gekannt, noch in Briefwechsel oder sonstigem Verkehr mit ihm gestanden und nur seine Schriften wie auch die seiner Gegner gelesen habe, um sich über die beiderseitigen Lehr|meinungen zu unterrichten. Das Consistorium erklärte sich darauf hin für befriedigt, und auch der Kurfürst ließ seine Ungnade gegen ihn fallen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte C. nicht ohne Sorgen, da Pest und Theuerung in Marienberg herrschten. Am 3. Mai 1571 starb seine Frau mit Hinterlassung vieler Kinder. Um diese nicht verwahrlosen zu lassen, heirathete er nach kurzer Zeit zum zweiten Male. Doch dauerte diese Ehe nur wenige Wochen, da er bereits am 27. December desselben Jahres starb. Aufrichtig betrauert von seiner Gemeinde wurde er in der Stadtkirche vor dem Altar begraben. Er war, wie seine Briefe zeigen, ein fester und unerschrockener Charakter, der auch seinen Vorgesetzten gelegentlich mit größter Entschiedenheit entgegentrat. Doch fehlte es ihm bei allem Freimuth nicht an Klugheit, so daß er ungeschädigt aus allen Anfechtungen hervorging. Seine zweite Frau überlebte ihn lange. Noch 1612 wird sie als lebend genannt. Von seinen Söhnen besuchten zwei die Fürstenschule in Pforta und studirten dann Theologie. Der ältere, Theophilus, geboren 1555, starb 1583 als Diakonus in Ehrenfriedersdorf an der Pest. Der jüngere, Johann, geboren 1564, war zuerst Schulmeister in Lengefeld, dann Diakonus in Saathain, endlich Pfarrer in Zöblitz und starb daselbst 1599 gleichfalls an der Pest (C. F. W. Schmid, Kleine Bruchstücke zum Versuch einer Gelehrtengeschichte von gebornen Marienbergern, Freiberg 1806, S. 18—19).

    Die dauernde Bedeutung Criginger's liegt nicht in seiner amtlichen und theologischen Wirksamkeit, auch nicht in seiner nur mäßig hoch anzuschlagenden Thätigkeit als dramatischer Dichter, sondern vielmehr auf dem Gebiete der Kartographie. Allerdings sind über seine kartographischen Arbeiten bisher noch keine abschließenden Untersuchungen angestellt worden, da unter den neueren Forschern niemand die überaus seltenen Originale gesehen hat. S. Ruge, der sich gelegentlich mit der Angelegenheit beschäftigte, nimmt an, daß C. nur eine Karte verfertigt habe, welche Böhmen, Meißen und Thüringen darstellte (Kettler's Zeitschrift f. wiss. Geographie II, 94. 223, ebenso A. E. Nordenskiöld in seinem Facsimile-Atlas, Stockholm 1889, S. 128, wo C. überdies irrthümlich als Decan in Marienburg in Böhmen bezeichnet wird). Ruge bezieht sich dabei auf eine Angabe des Abraham Ortelius in dessen Catalogus auctorum tabularum geographicarum, den er der ersten Ausgabe seines Theatrum orbis terrarum von 1570 vorausschickte. Dort heißt es: Joannes Crigingerus, Bohemiae; Misniae, Turingiae, et collateralium Regionum Tabula, Pragae 1568. Ruge übersah hierbei das Semicolon, das in den späteren Ausgaben des Theatrum irrthümlicher Weise weggelassen ist und das bei Ortelius in der Regel als Trennungszeichen angewendet wird, wenn es sich um die Titel verschiedener Karten handelt. In der That weisen nun auch mehrere noch vor der Zeit des Ortelius liegende Quellen unzweideutig darauf hin, daß es sich bei C. um zwei verschiedene Karten handelt, welche beide 1568 in Prag im Druck erschienen und deren eine Meißen und Thüringen, die andere Böhmen darstellte. Auch der Chronist Johann Christoph Schellenberg, dessen Collectanea zur Marienberger Geschichte sich handschriftlich in der Leipziger Stadtbibliothek befinden, erwähnt, daß C. „Mappen und Landtafeln“ verfertigt habe. In der ehemaligen kurfürstlichen Kunstkammer zu Dresden befand sich nach einem aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammenden Inventar eine jetzt nicht mehr vorhandene Chorographia nova Electoratus Saxonici et totius Misniae cum adiacentibus regionibus per Joannem Crigingerum Vallensem Ao. 1567 (V. Hantzsch im Neuen Archiv f. sächsische Geschichte XXIII, 242). Ebenso besitzt die Kartensammlung des Britischen Museums eine gedruckte Ausgabe derselben Karte unter dem Titel|Saxoniae, Misniae, Thuringiae nova exactissimaque descriptio, Pragae 1568 (Catalogue of the printed maps, plans, and charts in the British Museum, London 1885, S. 3678). Hier ist nirgends von Böhmen die Rede.

    Was zunächst die Karte von Sachsen anlangt, so spricht sich C. über ihre Entstehung in einem Briefe an den Kurfürsten August vom Sommer 1567 folgendermaßen aus (Dresdner Hauptstaatsarchiv Loc. 10328): Er habe gelesen, daß Kaiser Karl der Große 4 Tische aus Gold und Silber mit einer Weltkarte und andern geographischen Darstellungen hinterlassen hätte. Dabei sei ihm der Gedanke gekommen, für seinen Kurfürsten ebenfalls einen Tisch mit 4 Blättern oder Tafeln und darauf verzeichneten Karten anzufertigen. Offenbar handelte es sich dabei um Kupferplatten, von denen er Abdrücke auf Papier herzustellen beabsichtigte. Allerdings habe er das Werk wegen seiner großen Armuth und der großen Unkosten nicht fertig stellen können. Doch sei wenigstens die erste Tafel vollendet, welche das sächsische Land sammt den umliegenden Gegenden darstelle. Einen Abdruck dieser Platte übersandte er dem Kurfürsten mit der Bitte um eine Beisteuer zur weiteren Fortsetzung des Werkes und zugleich mit der Versicherung, daß bisher sonst niemand die Karte gesehen habe. Dieses Exemplar ist offenbar das oben erwähnte, ehemals in der Dresdner Kunstkammer befindliche. In dem Begleitschreiben gibt er zu, daß die Karte wie jede andere auch verschiedene Irrthümer und Mängel aufweise, überhaupt kein opus perfectum sei, da er sie ohne einiges Menschen Hilfe, dazu auch daheim ohne alles Wandern und Besichtigen zusammengebracht habe. Alle Fehler sei er aber gern bereit zu verbessern, sofern sie ihm der Kurfürst nur anzeigen wolle. Zum Schluß bittet er um die Erlaubniß, das Werk nach erfolgter Verbesserung durch den Druck veröffentlichen zu dürfen, und um ein landesherrliches Privileg gegen Nachdruck. Kurfürst August scheint über das Geschenk keineswegs erfreut gewesen zu sein. Einestheils erschien ihm aus politischen Gründen die Publication einer Karte seiner Länder nicht wünschenswerth. Anderntheils verdroß es ihn, daß in den unteren Ecken der Karte sein Bild nebst Wappen und Titel angebracht und dem Werke dadurch gewissermaßen ein amtlicher Charakter beigelegt war. Endlich bemerkte er auch mit Mißfallen, daß die Karte auf eine nicht mehr festzustellende Weise etliche ihm verhaßte Flacianer verherrlichte und dadurch „diese aufrührerischen Buben gleichsam canonisirte“. Er gab C. seine Mißbilligung unzweideutig zu erkennen, und dieser beeilte sich, alles Anstößige aus der Platte auszuschleifen. Die leeren Flächen in den Ecken füllte er durch eine kleine Karte von Württemberg und durch einen Plan von Wien aus. Der Kurfürst war durch diese Veränderungen hinlänglich befriedigt. Er ertheilte nun, trotzdem verschiedene beträchtliche Fehler namentlich in der Ortsnamenschreibung stehen geblieben waren, die gewünschte Erlaubniß zur Drucklegung und Veröffentlichung der Karte und bewilligte dem Verfasser eine Belohnung von 50 Gulden für seine Mühe und Unkosten. In Deutschland scheinen sich, soweit bisher bekannt, keine Exemplare der ersten Ausgabe erhalten zu haben. Zwei Jahre nach dem Erscheinen wurde sie weiteren Kreisen dadurch zugänglich gemacht, daß der Kartograph Abraham Ortelius in Antwerpen sie nachstechen ließ und seinem berühmten, in mehr als 30 Auflagen verbreiteten Theatrum orbis terrarum einverleibte. Sie trägt hier den Titel: „Saxoniae, Misniae, Thuringiae nova exactissimaque descriptio“. In dem begleitenden Text sagt Ortelius ausdrücklich: Harum regionum typicam delineationem ex tabula georaphica Joannis Crigingeri quae Pragae excusa est anno 1568 huic nostro operi inseruimus. Verkleinerte Nachstiche dieser Karte des Ortelius|erschienen in verschiedenen belgischen und holländischen Sammelwerken, so 1577 bei Pieter Heyns, 1589 bei Christoph Plantin, 1595 bei A. Coninx, 1601, 1602 und 1609 bei J. B. Vrints, ferner in dem Caert-Thresoor des Barent Langenes (Middelburgh 1598 und 1599), in den Tabularum geographicarum contractarum libris des Petrus Bertius (Amsterdam 1600, 1602, 1606, 1616), bei Levinus Hulsius in Frankfurt am Main 1603 und 1604, endlich in dem Hand-boek des Cornelius Claesz (Amsterdam 1609). Einen anderen verbesserten Nachstich der Karte Criginger's veranstaltete Gerhard Mercator. Er veröffentlichte ihn zuerst in seinen Tabulis Germaniae (Duisburg 1585). Daraus ging sie in die zahlreichen großen und kleinen Ausgaben seines Atlas, ferner in die Atlanten seiner Nachfolger Jodocus und Henricus Hondius, Joannes Janssonius, Peter Schenk und Gerard Valk, sowie in die der Blaeuschen Officin in Amsterdam über. Auch Petrus Kaerius, Frederik de Wit, Justinus Danckerts, Nicolaus Visscher, Pierre Mortier, Jean Covens und Corneille Mortier unter den Niederländern, Nicolas Sanson und Hubert Jaillot unter den Franzosen, Matthäus Merian und Johann Baptist Homann unter den Deutschen, sowie noch viele andere Kartographen des 17. und des 18. Jahrhunderts haben mehr oder weniger vermehrte und verbesserte Nachahmungen der alten Criginger'schen Karte herausgegeben. Erst Tobias Beutel, die Brüder Zollmann und Adam Friedrich Zürner brachen mit diesem Typus. Eine Sammlung fast aller dieser Karten besitzt die kgl. Bibliothek zu Dresden. Kurze Beschreibungen der meisten gab J. C. Adelung in seinem Kritischen Verzeichniß der Landkarten und vornehmsten topographischen Blätter der Chur- und Fürstlich-Sächsischen Lande, Meißen 1796, S. 14 ff.

    Welche Quellen C. bei der Herstellung seiner sächsischen Karte benutzte, hat sich bisher nicht mit Sicherheit feststellen lassen. Die kleinen und unbedeutenden Holzschnittkärtchen Sebastian Münster's von 1550 und Hiob Magdeburg's von 1562 scheint er nicht gekannt zu haben. Dagegen zeigt seine Arbeit im Vergleich mit der nicht gedruckten, sondern nur im handschriftlichen Original erhaltenen Düringischen und Meisnischen Landtaffel Hiob Magdeburg's von 1566, mit des Bartholomäus Scultetus Karte von Meißen und der Lausitz von 1568 und vor allem mit einer anonymen, dem Balthasar Jenichen zugeschriebenen, wahrscheinlicher aber von dem Breslauer Rechenmeister Matthäus Nefe entworfenen, ungefähr aus derselben Zeit stammenden Chorographia nova Misniae et Thuringiae manche auffallende Aehnlichkeiten, doch auch beträchtliche Abweichungen. Auch verschiedene Listen von Längen- und Breitenbestimmungen, wie diejenigen Johann Stöffler's aus dem Calendarium Romanum magnum von 1518 und Peter Apian's aus seiner Cosmographie scheinen wenn auch nicht sehr sorgfältig benutzt worden zu sein. Trotz aller Mängel ist Criginger's Karte nach Adelung's Urtheil wirklich besser, als der erste Versuch eines Privatmanns auf diesem Gebiete auszufallen pflegt.

    Von der Originalausgabe der zweiten Karte Criginger's, welche Böhmen darstellte und ebenfalls 1568 in Prag erschien, ist kein Exemplar mehr bekannt. Ein Nachstich, betitelt Regni Bohemiae descriptio, findet sich seit 1570 in dem Theatrum des Ortelius, der in dem begleitenden Text ausdrücklich sagt: Hanc typicam descriptionem sumpsimus ex tabula Johannis Crigingeri, Pragae an. 1568 aedita. Einen zweiten Nachstich mit dem Titel Chorographia insignis regni Bohemiae authore Joanne Grigvigero, gestochen von Johannes und Lucas van Deutecum, enthält das 1578 veröffentlichte Speculum orbis terrarum des Daniel Cellarius. Auch Mercator benutzte Criginger's Karte in den ersten Ausgaben seines Atlas, seine Nachfolger dagegen wendeten sich vermehrten und verbesserten Vorbildern zu, so daß diese Leistung Criginger's nicht denselben weitreichenden Einfluß ausübte wie die andere.

    • Literatur

      Briefliche Mittheilungen der Herren Bibliothekar Dr. Ernst Kroker in Leipzig und Pfarrer Uhlig in Lippersdorf b. Marienberg. — Hauptstaatsarchiv zu Dresden Loc. 8936 und 10328, Cop. 345. —
      Handschriftliche Chroniken der Stadt Marienberg in der kgl. Bibliothek zu Dresden, Mscr. Dresd. d 16 und L 33. — Glückauf, Organ d. Erzgebirgsvereins VI (1886), 125—126.

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA