Lebensdaten
1740 - 1806
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 142752061 | OGND | VIAF: 160309590
Namensvarianten
  • Zimmermann, Christian Heinrich

Quellen(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Zimmermann, Christian Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142752061.html [14.05.2021].

CC0

  • Leben

    Zimmermann: Christian Heinrich Z. wurde am 17. December 1740 als Sohn des peinlichen Gerichtssecretärs Johann Christian Z. zu Darmstadt geboren. Nach gründlicher Vorbereitung durch einen Predigtamtscandidaten besuchte er von seinem 14. bis 19. Lebensjahr das damals unter Johann Martin Wenck's Directorat stehende Darmstädter Gymnasium, wo er sich schon durch den sein ganzes Leben beherrschenden Fleiß, besonders im Studium der griechischen und hebräischen Sprache, in den mathematischen und historischen Wissenschaften, ja selbst in der Theologie rühmlich hervorthat. 1759 bezog er die Universität Gießen, um daselbst mit Unterbrechung von einem Semester, das er kriegerischer Unruhen halber in seiner Heimath verbrachte, bis zum Jahre 1765 theologischen, aber auch philologischen Studien obzuliegen. Dieser Gießener Aufenthalt war für Zimmermann's ganzes Leben auch in der Hinsicht von größter Bedeutung, als er daselbst einen Freundesbund schloß, der für sein späteres Wirken reichen Segen bringen sollte. Bei einer Stipendiatenprüfung lernte er den Studenten der Jurisprudenz Höpfner, den später berühmt gewordenen Professor, kennen, schätzen und lieben. Er schloß mit ihm und dem späteren Superintendenten zu Gießen, damaligen Theologie studirenden Müller einen Bund mit dem Ziel, „gemeinschaftlich die Meisterwerke der Griechen und Römer, der Deutschen und Engländer“ zu studiren. Sie führten diesen Plan auch aus. Aber es blieb nicht dabei allein; diese wissenschaftliche Gemeinschaft vertiefte sich zu einer sittlichen und religiösen; der Freundschaftsbund ward die Quelle der gegenseitigen Erziehung dieser drei als Charaktere gleichgroßen Menschen. In diesem Freundeskreise konnte sich auch eine besondere Anlage Zimmermann's recht entfalten, die bisher ziemlich brach gelegen hatte, seine dichterische Begabung. Sie äußerte sich zuerst in vereinzelten Gelegenheitsgedichten. Bald jedoch erhielt sie auch ein praktisches Ziel, indem Z., Müller und Höpfner sich vereinigten, das damalige Gießener Wochenblatt zu schreiben und in ihm moralische Betrachtungen und Erzählungen, Satiren und wissenschaftliche Abhandlungen, sowie alle von ihnen in der sogen, deutschen Gesellschaft gehaltenen Vorlesungen zu veröffentlichen. Z. hat zu diesem Werke manchen Beitrag, besonders in Gestalt von Oden und Liedern, dargeboten. 1765 wurde Z. von der Universität abgerufen. Er sollte die Stelle eines Informators der fürstlichen Pagen in Darmstadt übernehmen. War dies an sich schon ein sehr ehrenvoller Auftrag, so sollten bald noch größere Auszeichnungen folgen. Als Z. den Wunsch aussprach, ehe er seinen Unterricht anfing, den Gesetzen gemäß examinirt zu werden, wurde ihm dieser Wunsch abgeschlagen. Man sei, so erklärte ihm der damalige Superintendent Weiz, von seinen Kenntnissen zu sehr überzeugt, als daß das Consistorium eine Prüfung mit ihm für nöthig fände. So wurde denn Z. ohne Prüfung Informator, er hat es ohne Prüfung sogar zum Superintendenten gebracht. 1768 bewarb sich Z. um die Pfarrei Ems, man ließ ihn jedoch nicht ziehen, sondern beauftragte ihn, nachdem der Pageninformatordienst zu Ende war, mit dem Unterrichte des Prinzen Friedrich. Freilich blieb er in dieser Stellung nicht lange. 1769 ging er als Pfarrer nach Allendorf an der Lumda, von wo er schon 1770 nach Bickenbach an der Bergstraße versetzt wurde. Hier verlebte er den größten Theil seines Lebens, nämlich 31 Jahre, in stiller Zurückgezogenheit als Seelsorger einer Landgemeinde. Die alten Freundschaften mit Höpfner und Müller, wie auch dem Göttinger Professor Lichtenberg, mit dem er vom Gymnasium her bekannt war, wurden ausgefrischt, neue, wie die mit dem späteren Darmstädter Stadtpfarrer Lichthammer, geschlossen. Auch die Dichtkunst erhielt ihren Tribut. In diese Periode fällt Zimmermann's metrische Uebersetzung Martialischer Sinngedichte, die 1783 zu Frankfurt erschien, die Bearbeitung des ästhetischen Faches einer bei Varrentrapp und Wenner in Frankfurt herausgekommenen Enzyklopädie, die Veröffentlichung von Sinngedichten in Bürger's und Schmidt's Musenalmanachen und die Mitarbeit an dem 1771 vom Hofprediger Ouvrier herausgegebenen neuen Darmstädter Gesangbuch durch „Verbesserung“ alter und Lieferung etlicher neuer Lieder. Außerdem hat er in dieser Periode etliche Beiträge zu den vom Superintendenten Müller zu Gießen herausgegebenen Predigtsammlungen geliefert. Freilich hätten alle diese Arbeiten allein Zimmermann's Bedeutung nicht begründet. Seine eigentliche Bedeutung lag auf dem kirchlichen Gebiete. Das fühlten auch seine Zeitgenossen und sein Fürst. Letzterer bekundete dies dadurch, daß er Z. 1784 zum Inspector (Decan) über die Diöcesen Zwingenberg und Seeheim ernannte, 1800 auf die schwierigere Pfarrei Pfungstadt und 1½ Jahr später zu der durch den Tod des Superintendenten Olff erledigten Stelle eines Superintendenten zu Darmstadt beförderte und ihn zum Mitglied des Kirchen- und Schulraths ernannte. In dieser Stellung starb er jedoch schon am 28. August 1806.

    Messen wir sein Leben nach dem Maaßstab des äußerlich erkennbaren Erfolges, dann ist es ein unbedeutendes Leben gewesen. Auf keinem Gebiete hat er für einen größeren Kreis Werthvolles von bleibender Bedeutung geschaffen. Richten wir aber nach den Triebkräften, die in einem Leben sich auswirken, dann war sein Leben groß. Er ist eine der edelsten Gestalten aus der rationalistischen Periode, mag man ihn nun betrachten in seiner Universitätszeit oder in seiner seelsorgerlichen Thätigkeit oder in der Superintendentenstellung. Allenthalben ist er ein echtes Kind seiner Zeit, aber eines, das allzuharte Urtheile über die Mängel der rationalistischen Periode zu verscheuchen oder zu mildern im Stande ist.

    • Literatur

      Die beste Quelle über sein Leben ist die „Lebens- und Charakterschilderung des verstorbenen Großherzogl. hessischen Superintendenten Chr. Heinr. Z. in Darmstadt. Von Ernst Z., Grosherzogl. hessischem Mitprediger in Auerbach. Darmstadt 1807“. Aus ihr schöpften Strieder und das Biogr.-lit. Lexikon der Schriftsteller des Großh. Hessen im 19. Jahrh. II, 827. In diesen beiden Büchern, sowie dem oben citirten findet sich ein Verzeichniß der Schriften von Chr. Heinr. Zimmermann.

  • Autor/in

    Wilhelm Diehl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Diehl, Wilhelm, "Zimmermann, Christian Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 45 (1900), S. 251-252 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142752061.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA