Lebensdaten
1822 – 1887
Geburtsort
Ruhla
Beruf/Funktion
Weltreisender ; Reiseschriftsteller ; geographischer Schriftsteller ; Geograf ; Schriftsteller ; Ethnologe ; Forschungsreisender
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 116986956 | OGND | VIAF: 74154880
Namensvarianten
  • Ziegler, Alexander

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Ziegler, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116986956.html [22.06.2024].

CC0

  • Biographie

    Ziegler: Alexander Z., Reisender und geographischer Schriftsteller, war am 20. Januar 1822 zu Ruhla im Thüringer Walde geboren. Seit früher Jugend von dem Wunsche erfüllt, fremde Länder und Völker zu sehen, beschäftigte er sich namentlich mit Geographie und volkswirthschaftlichen Studien. Im Mai 1846 trat er von Bremen aus seine erste größere Reise an, die ihn durch die östliche Hälfte der Vereinigten Staaten, dann den Missisippi hinab in den mexikanischen Meerbusen, nach Cuba, hierauf zur See nach New-York und im Herbste des folgenden Jahres wieder nach Deutschland führte. Als Früchte dieser Reise entstanden mehrere Schriften, die sehr anregend und lesenswerth geschrieben sind, wenn sie auch streng wissenschaftlichen Anforderungen in mancher Hinsicht nicht zu genügen vermögen. Zuerst erschienen „Skizzen einer Reise durch Nordamerika und Westindien“ (Dresden u. Leipzig 1848, 2 Bde.). Dieses Werk schildert hauptsächlich die Verbreitung und gesellschaftliche Stellung der Deutschen namentlich in den Neuenglandstaaten, sowie die landwirthschaftlichen und die religiösen Verhältnisse der Union, die als das Ideal eines freien und glücklichen Landes gerühmt wird. Besonders ausführlich beschreibt Z. den damals noch wenig besiedelten Staat Wisconsin, den er angelegentlichst als Auswanderungsziel für deutsche Bauern empfiehlt. Da er aus eigener Anschauung die Leiden vieler unerfahrener und mittelloser Deutschen in Amerika kennen gelernt hatte, befürwortet er eine staatliche Organisirung der deutschen Auswanderung durch das damals tagende Frankfurter Parlament. In demselben Jahre erschien noch ein zweites Werk „Republikanische Licht- und Schattenseiten“ (Dresden u. Leipzig 1848), das Ziegler's Reiseeindrücke in systematischer Form wiedergiebt und auf eine Verherrlichung der radicalen Demokratie hinausläuft. Eine spätere Frucht der amerikanischen Reise ist „Der Geleitsmann“ (Leipzig 1856), ein Katechismus für deutsche Auswanderer voll brauchbarer, auf gründlicher Kenntniß aller einschläglichen Verhältnisse beruhender Rathschläge. Noch ehe dieses Buch erschien, hatte Z. zwei Reisen nach den Mittelmeerländern unternommen. Die eine führte ihn in den Jahren 1850 bis 1851 nach Spanien, die andere 1854 bis 1855 durch Marokko, Algerien, Tunis, Aegypten nilaufwärts bis zum ersten Katarakt, Palästina, Syrien, Kleinasien und Griechenland. Seine Erlebnisse veröffentlichte er in zwei Werken, die alle Vorzüge und Nachtheile seiner ersten Reisebeschreibung zeigen: „Reise in Spanien“ (Leipzig 1852, 2 Bde.) und „Meine Reise im Orient“ (Leipzig 1855, 2 Bde.). Nach einer längeren Ruhepause besuchte er 1857 bis 1858 Skandinavien und Finnland, sowie die Orkney- und Shetlandsinseln. Diese Gegenden beschrieb er in dem Buche „Meine Reisen im Norden“ (Leipzig 1860, 2 Bde.), das auch Untersuchungen über die Fahrten der Normannen nach Island, Grönland, Winland und Hvitramannaland enthält. Seit 1858 widmete sich Z. einem ruhigen Schriftstellerleben, das nur 1867 durch eine zweite Reise nach Spanien unterbrochen wurde. Er verfaßte mehrere Abhandlungen zur Geschichte der Erdkunde, die zwar zur Orientirung gute Dienste leisten, aber ein tiefer eindringendes Quellenstudium vermissen lassen. Hervorzuheben sind „Die deutschen Erforschungsexpeditionen nach Innerafrika“ (Dresden 1858, 7. Aufl. 1865, enthält einen Ueberblick über die Verdienste der Deutschen um die Erforschung Afrikas, sowie Mittheilungen über die Erlebnisse Eduard Vogel's und der zu seiner Aufsuchung abgesandten Expeditionen unter Heuglin und Munzinger), ferner „Columbus und Martin Behaim“ (Petermann's Mittheilungen 1858); „Martin Behaim aus Nürnberg, der geistige Entdecker Amerikas“ (Dresden 1859); „Die Reise des Pytheas nach Thule“ (Dresden 1861); „Regiomontanus, ein geistiger Vorläufer|des Columbus“ (Dresden 1874); „Regiomontanus und der Nürnberger Seefahrer Martin Behaim mit Hinblick auf ihre Verdienste um die großen ozeanischen Entdeckungen des 15. Jahrhunderts“ (Bremen 1878); endlich „Zur Geschichte des Meerschaums“ (Dresden 1878, 2. Aufl. 1883).

    Durch eine Reihe anderer Schriften suchte Z. die Schönheiten seiner thüringischen Heimath weiteren Kreisen bekannt zu machen. Hierher gehören: „Der Rennsteig des Thüringer Waldes“ (Dresden 1862); „Reisehandbuch für Thüringen“ (Hildburghausen 1864, 3. Aufl. 1879); „Zur Meteorologie von Koburg“ (Petermann's Mittheilungen 1864); „Das Thüringer Walddorf Ruhla“ (4. Aufl. Dresden 1876). Endlich wirkte er auch durch mehrere kleine, wegen des actuellen Interesses, das sie boten, wiederholt aufgelegte Schriften äußerst lebhaft für das Zustandekommen und die gedeihliche Entwicklung der am 10. November 1859 in Dresden begründeten Schillerstiftung zur Unterstützung verdienter und hülfsbedürftiger deutscher Dichter und der bei Gelegenheit der Schillerfeier durch den Major Serre veranstalteten Schillerlotterie. Von diesen Schriften sind erwähnenswerth „Deutsche Nationalunternehmungen“ (7. Aufl. Dresden 1863); „Die Schillerlotterie“ (Dresden 1862); „Zur Geschichte der Schillerlotterie“ (8. Aufl. Dresden 1864); „Zur Oeffentlichkeitsfrage der deutschen Schillerstiftung“ (Dresden 1864). Z. starb am 9. April 1887 in Wiesbaden.

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Zitierweise

    Hantzsch, Viktor; Berbig, Max, "Ziegler, Alexander" in: Allgemeine Deutsche Biographie 45 (1900), S. 162-163 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116986956.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Ziegler: Alexander Z., großherzoglich sachsen-weimarischer Hofrath, Weltreisender und Reiseschriftsteller, geboren am 20. Januar 1822 in Ruhla bei Eisenach, am 8. April 1887 in Wiesbaden, Er war der Sohn einer sehr wohlhabenden Fabrikantenfamilie, empfing seine erste Bildung in der berühmten Salzmann’schen Erziehungsanstalt in Schnepfenthal und auf dem Gymnasium in Eisenach und studirte dann von 1839—41 in Jena Staatswissenschaft und Cameralia. Nach dem Wunsche seines Vaters sollte er sich jedoch nun der Industrie widmen und begab sich deshalb nach Nürnberg und München, um die Bierbrauerei praktisch und theoretisch zu erlernen. Er gab sich auch mit Eifer dieser Aufgabe hin, konnte ihr aber auf die Dauer nicht das nöthige Interesse abgewinnen und übernahm daher keine Brauerei, sondern legte die gewonnenen Kenntnisse später in einem „Taschenbuch der bayerischen Bierbrauerei“ (Leipzig 1853) nieder. Da er das Verlangen in sich trug,|zunächst die Welt kennen zu lernen, und seine Vermögensverhältnisse ihm die Erfüllung dieses Wunsches gestatteten, so bereiste er in den Jahren 1846 und 1847 Nordamerika und Westindien. Nach Europa zurückgekehrt, nahm er seinen Wohnsitz in Dresden und schilderte nun seine Reiseerlebnisse in einem zweibändigen Werke, das 1848 in Dresden erschien. Weitere Früchte der Reise waren sodann die Bücher „Republikanische Licht- und Schattenseiten“ (Dresden 1848) und „Der deutsche Auswanderer nach den vereinigten Staaten von Nordamerika“ (Leipzig 1849). Im J. 1850 bereiste Z. dann Spanien und Marokko und veröffentlichte darüber: „Reise in Spanien. Mit Berücksichtigung der national-ökonomischen Interessen“ (Leipzig 1852, 2 Bde.). Im Auftrage der Weber’schen Buchhandlung in Leipzig schrieb er sodann 1853: „Der Geleitsmann. Katechismus für Auswanderer nach Nord-, Mittel- und Süd-Amerika, Australien, Algerien etc.“ Eine Reise, die Z. 1854 nach Aegypten und Palästina unternahm, zeitigte das zweibändige Werk: „Meine Reise im Orient“ (Leipzig 1855). Nach kurzem Aufenthalte in der Heimath durchstreifte Z. 1856 Schweden, Norwegen, Lappland und Finnland und wohnte der Krönung Alexander's II. in Moskau bei. Am 18. November 1857 promovirte er in Jena und trat kurz darauf eine Reise nach England, Schottland, den Orkney- und Shetland-Inseln an. Die Schilderung jener und der vorigen Fahrt erschien 1860 in 2 Bänden in Leipzig unter dem Titel: „Meine Reise im Norden.“ Kurz zuvor hatte Z. auch eine geographischgeschichtliche Studie veröffentlicht: „Martin Behaim aus Nürnberg, der geistige Entdecker Amerikas“ (Dresden 1859), der 1861 eine zweite folgte: „Die Reise des Pytheas nach Thule.“

    Mittlerweile war durch Major Serre der Gedanke der Schillerlotterie angeregt worden, den Z. mit Eifer aufgriff und in dessen Dienst er sich ganz stellte. Er wurde infolge dessen in den Hauptvorstand gewählt und schrieb nun ein Werkchen: „Deutsche Nationalunternehmungen“, das in kurzer Zeit sechs Auflagen erlebte. Ferner verfaßte er verschiedene Flugschriften im Interesse jener Lotterie und gab auch 1864 eine Geschichte derselben heraus. Daneben veröffentlichte er noch 1862: „Der Rennsteig des Thüringer Waldes. Eine Bergwanderung“ (Dresden 1862) und eine volkswirthschaftliche Studie: „Die direkte Besteuerung des Spiritus“ (Dresden 1863). Als im Beginn der sechziger Jahre die Erforschung Afrikas actuell wurde, fühlte sich auch Z. davon angeregt und verfaßte ein Buch: „Die deutschen Erforschungs-Expeditionen nach Inner-Afrika“, das 1865 bereits in siebenter Auflage erschien. Im J. 1867 aber griff Z. selbst nochmals zum Wanderstabe und bereiste Spanien zum zweiten Male und sodann die Republik Andorra und Frankreich. Das folgende Jahr verbrachte er zum größten Theile in Italien, und 1869 fand er sich zur Eröffnung des Suez-Canals ein. Er verlegte sodann seinen Wohnsitz von Dresden wieder nach seinem Heimathsorte Ruhla, wo er während des deutsch-französischen Krieges eine aufopfernde Thätigkeit für die im Felde stehenden und die verwundeten Krieger entfaltete, so daß ihm später die für solche Verdienste gestiftete Medaille verliehen wurde. Nach dem Kriege erfaßte ihn jedoch wieder die Wanderlust und nun durchstreifte er Thüringen nach allen Enden. Um dort das Reisen zu erleichtern, hatte er schon früher gemeinsam mit dem späteren Kirchenrath Heinrich Schwerdt ein „Reisehandbuch für Thüringen“ verfaßt, das 1871 in zweiter und seitdem noch in verschiedenen Auflagen erschienen ist, und sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Von weiteren Schriften Ziegler's sind alsdann noch zu nennen: „Regiomontanus, ein Vorläufer des Columbus“ und „Regiomontanus und der Nürnberger Seefahrer Martin Behaim“.

    Mit großer Liebe hing Z. an seiner Heimath Ruhla, und ihr galt fortan fast seine ganze Thätigkeit: er verherrlichte sie in zahlreichen Schriften und stellte über ihre Geschichte und ihre Industrie eingehende Forschungen an. So schrieb er: „Das Thüringerwalddorf Ruhla und seine Umgebung"; „Die Auswanderung der Thüringischen (Ruhlaer) Messerschmiede nach Preußen unter Friedrich dem Großen"; „Zur Chronik von Ruhla und nächster Umgebung"; „Zur Geschichte des Meerschaums und der betreffenden Industrie zu Ruhla in Thüringen"; „Zur Geschichte der geographischen Verbreitung der Tabakspfeifen mit besonderer Berücksichtigung der betreffenden Industrie zu Ruhla“. Doch nicht nur durch Schriften, sondern auch durch Thaten suchte er zu wirken. Auf einem der schönsten Aussichtspunkte in der Umgebung Ruhlas ließ er einen hohen Thurm erbauen, dem er zu Ehren des Großherzogs von Weimar den Namen Carl Alexander-Thurm gab. Nach anderen Aussichtspunkten ließ er Wegweiser anbringen. Um Ruhla an das Eisenbahnnetz anzuschließen, gründete er ein Comité, welches sich diese Aufgabe stellte und dieselbe auch löste. In einem Haine bei Ruhla schuf er eine Gedächtnißstätte für alle Ruhlaer, die sich in der Welt besonders ausgezeichnet hatten, indem er ihre Büsten dort aufstellen ließ. Um die Bildung zu fördern, gründete er verschiedene Vereine und stattete die Schulen des Ortes und der Umgegend mit Bibliotheken aus. Die Kirche des weimarischen Theiles von Ruhla verschönerte er, und für arme alte Einwohner rief er eine Ziegler-Stiftung ins Leben.

    Besonders befreundet war er außer mit dem schon genannten Kirchenrath Schwerdt mit dem Thüringer Dichter und Schriftsteller Ludwig Storch, dem er, als er an seinem Lebensabend in mißliche Verhältnisse gerieth, mancherlei Unterstützungen zu Theil werden ließ. Nach Storch's Tode war es auch Z., der seinen poetischen Nachlaß herausgab.

    Für seine schriftstellerische, wie auch für seine gemeinnützige Thätigkeit wurden Z. zahlreiche Ehrungen zu Theil. Der Großherzog von Weimar verlieh ihm 1861 den Titel Hofrath, 1867 das Ritterkreuz I. Classe des Ordens vom Weißen Falken, der König von Preußen zeichnete ihn durch den Kronenorden III. Classe aus. Zahlreiche Vereine ernannten Z. zum Ehrenmitglied, verschiedene Orte zum Ehrenbürger.

    Als Mensch war Z. von großer Liebenswürdigkeit, aber auch — eine leichtverzeihliche menschliche Schwäche — von außerordentlicher Eitelkeit. In seiner Heimath erfreute er sich der allgemeinsten Verehrung. Er starb unverheirathet. Seinem Wunsche gemäß ward seine Leiche in seiner geliebten „Ruhl“ beerdigt.

    • Literatur

      Nach Aufzeichnungen aus Ziegler's Nachlaß.

  • Autor/in

    M. Berbig.
  • Zitierweise

    CC-BY-NC-SA