Lebensdaten
1482 bis 1535
Geburtsort
Rain (= Grenze = Limes, daher Collimitius) am Lech
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Humanist ; Mathematiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119412039 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tannstetter, Georg (eigentlich)
  • Tannstetter, Georgius von (geadelt als)
  • Lycoripensis, Georgius
  • mehr

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Zitierweise

Collimitius, Georgius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119412039.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Martha;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    Im Winter 1496/97 an der Universität Ingolstadt eingeschrieben, wo der Mathematiker Andreas Stiborius und Konrad Celtis seine Lehrer waren, erwarb C., 21 Jahre alt, in Ingolstadt den Magister. Noch 1503 begann er, in Wien über Mathematik zu lesen. Als infolge des Todes des Celtis dessen Collegium poetarum et mathematicorum einging, errichtete C. eine Sodalitas Collimitiana zur besonderen Pflege der mathematischen und astronomischen Studien, der unter anderem auch Rud. Agricola der Jüngere angehörte. Als Professor der der Zeitsitte gemäß eng mit Astrologie verbundenen Astronomie an der Wiener Universität konnte C., der mehrfach als Dekan der artistischen und der medizinischen Fakultät und 1512 als Rektor amtierte, bald großen Ruf und durch seine seit 1515 fast alljährlich erschienenen, mit astrologischen Prophezeiungen ausgestatteten Kalender, Ephemeriden, Almanache und Practica, zum Teil gemeinsam mit dem Mathematiker Perlach bearbeitet, eine gewisse Volkstümlichkeit erlangen. Aus seiner Beschäftigung mit Albertus Magnus und|seinen Beobachtungen der klimatischen Verhältnisse in bezug auf die menschliche Gesundheit kam C. zu guten Resultaten in der physikalischen Geographie. Gleich seinem Freunde Johann Stabius versuchte er sich auch in der Kartographie. Der gelehrten Donaugesellschaft und späterhin dem freien Wiener Reuchlinistenkreis zugehörend, erhielt C. von Vadian 1512 dessen Ausgabe der Wiener Dichtungen Huttens zugeeignet. Hutten selbst gedenkt zweimal in den „Dunkelmännerbriefen“ des C., der in jenem zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts überdies eine fruchtbare Herausgebertätigkeit in humanistischem Sinne entfaltete. Gemeinsam mit Stiborius schrieb er 1514 auf Verlangen Kaiser Maximilians I. ein Gutachten über die Kalenderverbesserung unter Berufung auf Regiomontans Kalenderverbesserungsschrift, in der die Berechnung des wahren Mondlaufes gefordert wurde. Zahlreiche medizinische Schriften C. schlossen sich seinen mathematisch-astronomischen an. Wiener Dr. med. und durch seine Tätigkeit als Hofarzt (seit 1510) eng mit dem Kaiserhof verbunden, fand er mehrfach Verwendung zu Gesandtschaften. Seinen Zeitgenossen galt C. als einer der ersten Mathematiker und Astronomen des 16. Jahrhunderts. Den Tübinger Astronomen Stöffler griff C. öffentlich an, weil dieser mit seinen Sintflutkonjunktionen die Leute unnötig geängstigt habe. Stöffler antwortete 1524 mit einer Gegenschrift.

  • Werke

    u.a.. … super requisitione … de Romani Calendarii correctione Consilium, Wien 1515 (mit A. Stiborius);
    Regiment f. d. Lauft d. Pestilenz, Wien 1521;
    Artificium de applicatione Astrologiae ad Medicinam …, Straßburg 1531 (W); Briefe
    (Slg. d. A. Brassicanus in d. Österr. Nat.-Bibl. Wien); Hrsg.:
    Proclus Diadodius, Wien 1510;
    Alberti Magni de Natura locorum über, Wien 1514, Straßburg 1515;
    Peurbachs Tabulae eclipsium, Wien 1514;
    Joh. de Sacro Bosco Opusculum de sphaera, Wien 1518;
    Kommentar z. 2. Buche d. Naturgesch. d. Plinius; zahlr. Kal., Ephemeriden, Alm. u. Practica, lat. u. dt., 1515 ff.

  • Literatur

    ADB XXXVII (unter Tannstetter, W, L);
    M. Denis, Wiens Buchdruckergesch., Wien 1782;
    E. Böcking, U. Hutteni Opera, Suppl. II, 1869/70, S. 482;
    A. v. Eisenhart, in: Ex libris 3, 1893, S. 24 f.;
    G. Bauch, Die Rezeption d. Humanismus in Wien, 1903;
    Gedächtnis-Büchlein auf Arbogast geschn. P mit S Christian (Stift Melk/Donau), u. 40 b;
    Jöcher I.

  • Portraits

    Hschn., 1532, in d. Art H. Brosamers;
    holzgeschn. P mit S Christian (Stift Melk/Donau).

  • Autor/in

    Heinrich Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Heinrich, "Collimitius, Georgius" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 322-323 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119412039.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Tannstetter: Georg T. (Collimitius), aus Rain in Baiern, geboren 1482, 1535, humanistisch gebildeter Mathematiker, Astronom und Astrologe. — Die Latinisirung seines Namens in Collimitius, welche für den Humanisten bezeichnend ist, geht von seinem Geburtsort Rain aus, was Grenzmarke (limes) bedeutet. Manchmal heißt er auch Licoripesis, weil seine Heimath am Lechflusse|lag. Seine Universitätsstudien, die er in Ingolstadt machte, erstreckten sich neben den rein humanistischen Lehrfächern auch auf Mathematik und Astronomie. So wurde er von Celtis und Stiborius (Stöberl) aus Nördlingen an die Universität Wien empfohlen, wo er 1503 Vorlesungen über Mathematik eröffnete. Als Astronom und Astrologe erlangte er bald einen bedeutenden Ruf. Daneben beschäftigte er sich auch mit medicinischen Studien. 1510 wurde er Leibarzt bei Kaiser Maximilian I., und nach dessen Tode auch bei Ferdinand I. Auch an der Universität gelangte er bald zu Ehren, so daß er mehrmals Decan der medicinischen Facultät, auch Rector der ganzen Hochschule wurde.

    Als humanistisch gebildeter Gelehrter gehörte er der von Celtis gegründeten gelehrten Donaugesellschaft (Sodalitas Danubiana) an, und als nach dem Tode des Celtis das Collegium poetarum et mathematicorum, das mit der Universität Wien in Verbindung stand, einging, versuchte er die Gründung einer ähnlichen Anstalt, wodurch die mathematischen und astronomischen Studien gepflegt werden sollten und die nach dem Stifter Collimitiana sodalitas genannt wurde, aber nicht zu rechtem Leben gelangte. Von der Regierung wurde er, wie andere Humanisten, zu Gesandtschaften verwendet und zur Belohnung für seine verschiedenartigen Dienste in den Adelstand erhoben als Tannstetter von Thannau. Unter den Zeitgenossen erfreute er sich als Mathematiker und Astronom eines guten Ansehens. So wurde er z. B. von Kaiser Maximilian I. dem Papste Leo X. empfohlen, als dieser von der Wiener Hochschule kundige Gelehrte zur Verbesserung des Kirchenkalenders erbat. Seine astrologischen Prophezeiungen genossen eines großen Rufes. So soll er z. B. den Tod des Kaisers Maximilian I. auf den richtigen Tag vorhergesagt haben. Als im J. 1523 die Wiener glaubten, Collimitius habe für das nächste Jahr den Untergang ihrer Stadt prophezeit, mußte er die erregte Bevölkerung durch eine besondere Schrift beruhigen.

    Seine Schriften, die in der im J. 1536 zu Straßburg erschienenen Ausgabe seiner Werke nicht alle enthalten sind, beziehen sich auf Mathematik, Astronomie und Medicin. Auch hat er Ausgaben veranstaltet von Proclus Diadochus (Wien 1510), von Albertus Magnus De natura locorum liber (Wien 1514), Opusculum de sphaera von Johannes de Sacro Busco (Wien 1518), Peuerbach's Tabulae ecclipsium (Wien 1514). Seit 1515 erschienen von ihm allein oder gemeinsam mit dem Mathematiker Perlach bearbeitet Kalender, Ephemerides, Almanach, Practica, wie sie auch der Tübinger Astronom Stöffler herauszugeben pflegte. Auch um die physikalische Geographie, Kartographie u. A. hat er sich verdient gemacht. 1521 erschien von ihm eine Schrift über die Pest in deutscher Sprache, „Regiment für den Lauff der Pestilentz“. In der handschriftlichen Briefsammlung des Alexander Brassicanus auf der Wiener Hofbibliothek (Cod. 9735) befinden sich Briefe Tannstetter's.

    • Literatur

      Jos. v. Aschbach, Geschichte der Wiener Universität, Bd. II (Wien 1877), S. 271—277 und sonst (Register).

  • Autor/in

    Karl Hartfelder.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartfelder, Karl, "Collimitius, Georgius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 388-389 unter Tannstetter [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119412039.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA