Lebensdaten
1829 bis 1890
Geburtsort
Schwabach bei Nürnberg
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Ohrenarzt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117420212 | OGND | VIAF: 17999491
Namensvarianten
  • Tröltsch, Anton Freiherr von
  • Troeltsch, Anton Friedrich Freiherr von
  • Tröltsch, Anton Freiherr von
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Zitierweise

Troeltsch, Anton Friedrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117420212.html [29.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus Fam., d. v. Reichenbach (Vogtland) über Weißenburg am Sande 1716 n. Nördlingen kam;
    V Christian Friedrich (1780–1851), Landrichter, bayer. Appellationsger.rat, S d. Walfried Daniel (1741–1811, Reichsadel 1765, Reichsfrhr. 1790), Dr. iur. can., Stadtpfarrer u. Sup. in Nördlingen (s. Hamberger-Meusel), u. d. Euphrosyne v. Hillenbrand;
    M Susanne Freiin Haller v. Hallerstein ( 1840);
    Ur-Gvv Walfried Daniel T. (1692–1766), Stadtammann in Nördlingen;
    Gr-Ov Friedrich (1728–93, Reichsadel 1765), ältester Ratsconsulent in Augsburg, ksl. Hofu. Pfalzgf, Georg Christian (1731–1813, Reichsadel 1765), Bgm. v. Nördlingen;
    Ov Walfried Daniel (1783–1842), württ. Oberlt.;
    9 ältere Geschw u. a. Halb-B Sigmund (1815–98, ⚭ Wilhelmine Freiin Haller v. Hallerstein, 1826–99), bayer. Appellationsger.rat, Karl (1818–67, ⚭ Amalie v. Unold, * 1831), bayer. Kreisforstmeister, B Walfried (1823–1902, 1] Anna Käferlein, 1816–95, 2] Laura Eleonore Freiin Tröltsch, * 1856, T d. Sigmund Frhr. v. T., s. o.), Administrator d. Frhrl. v. Huttenschen Stifts in N.;
    1857 Auguste (1833–1908), aus Schweinfurt, T d. Adam Joseph Bauer, bayer. Oberzollinsp. in Bamberg u. Kitzingen, u. d. Louise Günther;
    3 T u. a. Antonie (* 1858, Michael Krück, Prof. am Realgymn. in Würzburg, Rektor, Oberstudienrat, Mitgl. d. bayer. Schulrats), Clara (1861–1954, Josef Georg Wagenhäuser, 1852–1931, Schüler v. T., Prof. f. Ohrenheilkde. in Tübingen, gründete ebd. d. Ohrenklinik), Hedwig (* 1862, Rudolf Reubold, bayer. Reg.rat, Bez.amtmann in Ansbach);
    Vt Eugen (1828–1901), württ. Major, prähist. Forscher, Vorstandsmitgl. d. Württ. Anthropol. Ver., Ehrenmitgl. d. Münchner Ges. f. Anthropol. u. Ethnol. (s. BJ V, S. 146 f.).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Lateinschulen in Bamberg und seit Okt. 1840 in Augsburg (Kollegium St. Anna) bestand T. 1847 an einem Nürnberger Gymnasium das Abitur. Danach studierte er in Erlangen Jura, ein Jahr später Naturwissenschaften in München und seit 1849 Medizin in Würzburg. Nach bestandenem medizinischen Examen und der Promotion zum Dr. med. 1853 bildete er sich bei Albrecht v. Graefe (1828–70) in Berlin sowie bei Carl Ferdinand v. Arlt (1812–87) in Prag auf dem Gebiet der Augenheilkunde weiter. 1855 unternahm er eine Studienreise nach Dublin, Glasgow und London, um die hochentwickelte engl. Ohrenheilkunde kennenzulernen. Den Winter 1855/56 verbrachte T. in Paris, wo er einen neuen von ihm entwickelten Konkavspiegel als ohrenheilkundliches Diagnose-Instrument für den äußeren Gehörgang und das Trommelfell vorstellte, der sich bald in der Otologie durchsetzte.

    Nach Würzburg zurückgekehrt, betrieb T. anatomische Studien und entwickelte eine neuartige Technik, um bei der Sektion das ganze Gehörorgan unversehrt entnehmen zu können. Daneben arbeitete er über die Mittelohrentzündung, deren chronische Form er für zahlreiche Defekte des Gehörs verantwortlich machen konnte. 1857 eröffnete T. in Würzburg eine augen- und ohrenheilkundliche Praxis. 1860/61 habilitierte er sich hier für Otiatrie (1864–86 Extraordinarius). Während des Dt.-Franz. Kriegs 1870/71 war T. als Freiwilliger bei Verwundetentransporten ärztlich tätig. 1877 gründete er an der Univ. Würzburg die ohrenheilkundliche Poliklinik. Im selben Jahr an Multipler Sklerose erkrankt, konnte T. seine Lehr- und Forschungstätigkeit nur unter immer größer werdenden Beeinträchtigungen ausüben, so daß er 1883 die Direktion der Poliklinik niederlegen und 1886 seine Privatpraxis aufgeben mußte.

    Gemeinsam mit den Ohrenheilkundlern Hermann Schwartze (1837–1910) und Adam Politzer (1835–1920) gab T. seit 1864 das „Archiv für Ohrenheilkunde“ heraus, die erste dt. Fachzeitschrift auf diesem Gebiet. Mit einem modernen Otoskop verbesserte T. die Untersuchung des Gehörgangs und Trommelfells. 1862 verfaßte er das Lehrbuch „Die Krankheiten des Ohres, Ihre Erkenntniss und|Behandlung“ ( 7 1881, engl. u. franz Übers.) und beschrieb die anatomischen Unterschiede zwischen kindlicher und erwachsener Eustachio-Röhre. T. entwickelte durch die Verbesserung der Beleuchtung des Trommelfells und der äußeren Gehörgänge mit Hilfe des neuen Ohrenspiegels mit reflektorischem Lampen- oder Tageslicht und aufbauend auf seinen pathologisch-anatomischen Forschungen die ohrenheilkundlichen Untersuchungsmethoden weiter. Zwei von ihm erstmals beschriebene anatomische Strukturen, der Recessus anterior membranae tympanicae und Recessus posterior membranae tympanicae am Trommelfell, wurden als „Tröltschsche Taschen“ benannt. Als einer der bedeutendsten Otiater des 19. Jh. gilt T. als Mitbegründer des Fachs Ohrenheilkunde in Deutschland. Zu T.s Schülern zählen Friedrich Bezold (1842–1908) in München, Abraham Kuhn (1838–1900) in Straßburg, Dagobert Schwabach (1846–1920) in Berlin und Josef Georg Wagenhäuser (1852–1931) in Tübingen.

  • Auszeichnungen

    A bayer. HR; Mitgl. d. Leopoldina (1867); A.-v.-T.Preis d. Dt. Ges. f. Hals-Nasen-Ohren-Heilkde., Kopfu. Hals-Chirurgie (seit 1962).

  • Werke

    W Die Unters. d. Gehörorganes an d. Leiche, in: Virchows Archiv, 1858, S. 513;
    Ein Fall v. Anbohrung d. Warzenfortsatzes b. Otitis interna mit Bemm. über diese Operation, ebd. 21, 1861, S. 295–314;
    Die Unters. d. Gehörgangs u. Trommelfells, in: Dt. Klinik 12, 1860, S. 113–15, 121–23, 131–35, 143–46 u. 151–55;
    Die Anatomie d. Ohres in ihrer Anwendung auf d. Praxis u. d. Krankheiten d. Gehörorganes, 1861 (Habil.schr.);
    Gesammelte Btrr. z. pathol. Anatomie d. Ohres u. z. Gesch. d. Ohrenheilkde., 1883.

  • Literatur

    L ADB 38;
    D. G. Pappas, A. F. v. T., The Beginning of Otology in Germany, in: Ear, Nose & Throat Journ. 75, 1996, S. 650 f.;
    R. Baudach, A. F. Frhr. v. T., Begr. d. modernen Ohrenheilkde. auf d. europ. Festland, 1999;
    B. I. Tshisuaka, in: Enz. Med.gesch., hg. v. W. E. Gerabek u. a., 2007; BLÄ.

  • Portraits

    P Photogr., Frontispiz in: F. Bezold, Lehrb. d. Ohrenheilkde. f. Ärzte u. Studierende, 1906.

  • Autor/in

    Werner E. Gerabek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Troeltsch, Anton Friedrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 432-433 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117420212.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Troeltsch: Anton Friedrich Freiherr v. T., berühmter Ohrenarzt, ist am 3. April 1829 zu Nürnberg geboren, studirte in Würzburg, Wien, Berlin und Prag, erlangte 1853 die med. Doctorwürde, machte wissenschaftliche Reisen nach dem Auslande mit längerem Aufenthalte in Dublin, London und Paris, wo er sich eingehend mit der Ohrenheilkunde beschäftigte, ließ sich zunächst 2857 als praktischer Arzt in Würzburg nieder, habilitirte sich daselbst als Privatdocent der Ohrenheilkunde 1860 mit einer Abhandlung betitelt: „Angewandte Anatomie des Ohres“ und wurde 1867 außerordentlicher Professor der Otiatrie. In dieser Stellung verblieb er bis zu seinem am 10. Januar 1890 erfolgten Tode. T. war einer der bedeutendsten Otologen und genoß als solcher einen Weltruf. Schon 1862 faßte er den ganzen Stoff seines Lehrgebiets in seinem „Lehrbuch der Ohrenheilkunde“ zusammen, das große Verbreitung fand und 1881 in 7. Auflage in Leipzig erschien. Ferner bearbeitete er für Pitha und Billroth's Handbuch der Chirurgie „die Krankheiten des Ohres“ (Erlangen 1865) und dasselbe für Gerhardt's Handbuch der Kinderkrankheiten (Tübingen 1881). Dazu kommen zahlreiche Aufsätze und Abhandlungen in med. Zeitschriften, besonders im „Archiv für Ohrenheilkunde“ das er mitbegründen half und dessen Redaction er von 1864—1873 allein besorgte. Von selbständig erschienenen Schriften verdienen noch Erwähnung: „Gesammelte Beiträge zur pathologischen Anatomie des Ohres und zur Geschichte der Ohrenheilkunde“ (Leipzig 1883, auch in fremde Sprachen übersetzt, wie die meisten von Troeltsch's Publicationen). Die Ohrenheilkunde hat T. u. A. durch eine neue Methode der Untersuchung und Beleuchtung des äußeren Ohres und Trommelfells bereichert. Eine eingehende Würdigung der Leistungen und wissenschaftlich-praktischen Bedeutung Troeltsch's lieferten Zanfal in einem Nekrolog in der Prager med. Wochenschrift XV, 1891, sowie Schwache im Archiv für Ohrenheilkunde XXXI, 1891.

    • Literatur

      Vgl. Biogr. Lex. VI, 12.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Troeltsch, Anton Friedrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 636 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117420212.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA