Lebensdaten
erwähnt 1077, gestorben 1101
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg ; Benediktiner ; Abt von Salzburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 10314725X | OGND | VIAF: 416415
Namensvarianten
  • Dietmar
  • Theodmar
  • Thiemo von Salzburg
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Thiemo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10314725X.html [03.08.2020].

CC0

  • Leben

    T., Mönch im Benediktinerkloster Niederaltaich, wurde 1077 Abt von St. Peter in Salzburg. Von dem Gregorianer Ebf. Gebhard I. (reg. 1060–88) investiert, mußte er 1081 vor den Anhängern Ks. Heinrich IV. (1050–1106) fliehen. Er wandte sich zunächst nach den Klöstern Schaffhausen und Hirsau, wo er wiederum als einfacher Mönch lebte. Nach dreijährigem Exil nach Salzburg zurückgekehrt, wurde er von dem Salzburger Gegenebf. Berthold von Moosburg (reg. 1085–1106, 1115) erneut zur Flucht gezwungen. Erst 1086 kam er mit dem gleichfalls vertriebenen Ebf. Gebhard wieder nach Salzburg zurück.|Nach dem Tod Gebhards am 15. 7. 1088 kam Salzburg erneut in die Hand Bertholds von Moosburg. Erst durch die Hilfe von Gebhards Freunden, den Bischöfen Adalbero von Würzburg (1045–90) und Altmann von Passau (reg. 1065–91), die 1090 nach Salzburg kamen, änderte sich die Lage. Mit ihrer Unterstützung und unter dem Schutz Hzg. Welfs IV. und Mgf. Leopolds II. von Österreich wurde T. am 25. 3. 1090 an einem unbekannten Ort an der Donau in Niederbayern zum Erzbischof gewählt. Altmann von Passau erteilte ihm als päpstl. Legat unter Mitwirkung der Bischöfe Meginward von Freising (reg. 1078–98) und Eginhard von Würzburg (reg. 1088–1104) am 7. April die Bischofsweihe und übergab ihm auch das von Papst Urban II. verliehene Pallium. Mit der Hilfe Welfs und des Salzburger Hochstiftsvogts Gf. Engelbert v. Spanheim konnte sich T. danach in weiten Teilen des Erzstifts wieder Anerkennung verschaffen.

    In der Folge versuchte T., die Gregorianische Reform im Klerus durchzusetzen; er konsekrierte einige Kirchen, u. a. 1091 Kirche und Kloster St. Paul im Lavanttal (Kärnten). Für das Salzburger Eigenbistum Gurk ernannte er Berthold von Zeltschach (reg. 1090–1106) als Nachfolger des ersten Gurker Bischofs Gunther von Krappfeld (reg. 1072–90).

    1095 nahm T. auch an der Synode von Piacenza teil. Nach der 1096 erfolgten Aussöhnung Welfs IV. mit Ks. Heinrich IV. ging der Salzburger Gegenebf. Berthold von Moosburg erneut militärisch gegen Salzburg vor. Ihm trat T. mit einem Aufgebot bei Saaldorf nahe Freilassing am 6. 12. 1097 entgegen, verlor aber die Schlacht und flüchtete ins salzburg. Friesach in Kärnten. Bei der Eroberung von Stadt und Burg durch kaisertreue Adlige wurde T. gefangengenommen. Nach zweijähriger Haft gelang ihm die Flucht nach Konstanz und später in schwäb. Klöster.

    Da eine Rückkehr nach Salzburg ausgeschlossen war, nahm T. im Gefolge Hzg. Welfs IV. am Kreuzzug von 1101 teil, geriet nach der unglücklichen Schlacht bei Reclai (Heraklea) in die Hände der Seldschuken und soll in Askalon am 28. 9. 1101 auf grausame Weise durch „Ausdärmung“ den Tod gefunden haben.

    T., dessen Martyrium später anschaulich ausgemalt wurde, erfuhr bald größere Verehrung (Heiligenattribut: „Darmspindel“). Für das Kloster Admont und andere Benediktinerklöster ist sein liturgischer Kult seit 1884 gestattet.

  • Quellen

    Qu Passio Thiemonis […] (I), ed. Migne PL 148, 1878, Sp. 895–906; Passio Thiemonis […] (II), ed. W. Wattenbach, in: MGH SS 11, 1854, Nachdr. 1968, S. 51–62; Passio Thiemonis […] (III), ed. ders., in: MGH SS 15/2, 1888, Nachdr. 1991, S. 1236–38; Passio Thiemonis metrice scripta, ed. ders., MGH SS 11, 1854, Nachdr. 1968, S. 27–33; Historia Welforum, hg. v. E. König, in: Schwäb. Chroniken d. Stauferzeit, 1. Bd., 1938, 21978, S. 22 (Übers. S. 23).

  • Literatur

    L ADB 37;
    H. Dopsch u. H. Spatzenegger (Hg.), Gesch. Salzburgs, 1981, S. 251 ff.;
    F. Holböck, Die Heiligen Salzburgs, 1996, S. 108–14;
    K. Amon, Sancti Pontifices Salisburgenses, in: 1200 J. Ebm. Salzburg, Dom u. Gesch., 1998, S. 81–95;
    St. Haarländer, Vitae episcoporum, Eine Qu.gattung zw. Hagiogr. u. Historiogr., unters. an Lebensbeschreibungen v. Bischöfen d. Regnum Teutonicum im Za. d. Ottonen u. Salier, 2000 (Qu, L);
    H. Seibert, Vom kgl. dux z. Hzg. v. Bayern, Welf IV. u. d. Südosten d. Reiches, in: Welf IV., Schlüsselfigur e. Wendezeit, Regionale u. europ. Perspektiven, hg. v. M. Becher u. D. R. Bauer unter Mitarb. v. A. Plassmann, 2004, S. 226–60, bes. S. 250 u. 253 f. (Qu, L);
    M.-L. Favreau-Lilie, Welf IV. u. d. Kreuzzug v. 1101, ebd., S. 420–47, bes. S. 429, 434 f. (Qu, L);
    F. Ortner, Salzburgs Bischöfe in d. Gesch. d. Landes (696–2005), 2005, S. 78 ff.;
    BBKL XI;
    LThK2;
    LThK3; LCI.

  • Autor/in

    Franz Ortner
  • Empfohlene Zitierweise

    Ortner, Franz, "Thiemo" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 127-128 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10314725X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Thiemo, Erzbischof von Salzburg (1090—1101[2]), stammte aus einer vornehmen bairischen Familie. Im Kloster Niederaltaich erzogen, wurde er von dort als Abt in das Kloster St. Peter in Salzburg berufen. Außer mannigfachen Kenntnissen rühmte man seine Kunstfertigkeit in Holz- und Metallarbeiten, in Malerei und Bildhauerei. In verschiedenen Kirchen und Klöstern Salzburgs, Steiermarks und Oesterreichs finden sich Statuen, von denen die Sage zu erzählen weiß, daß sie von Th. aus Stein gegossen worden seien. In Wirklichkeit stammen sie aus späterer Zeit (vgl. Hauenschild in den Mittheilungen der Central-Commission 1879). Da er sich als Anhänger des Erzbischofes Gebhard von Salzburg in seinem Kloster nicht mehr sicher fühlte, floh er 1081 nach Schwaben, wohin sich auch Gebhard begeben hatte, und lebte zu Schaffhausen und Hirschau, welches damals unter dem Einflusse des Abtes Wilhelm ein Hauptsitz gregorianischer Anschauungen war. Nach drei Jahren kehrte er zurück. Der mittlerweile in Salzburg eingesetzte Gegenerzbischof Berthold von Moosburg suchte ihn vergebens zu gewinnen. Th. begab sich nach Admont, wo er eine günstigere Wendung abwartete und wo er sich noch befand, als 1088 Erzbischof Gebhard starb. Nach Gebhard's Tode vergingen zwei Jahre, ehe dessen Partei, unterstützt von Herzog Welf von Baiern, zu einer neuen Wahl schreiten konnte. Die Wahl fiel auf Th. (25. März 1090); am 7. April wurde er von Bischof Altmann von Passau consecrirt. 1094 wohnte er der Synode zu Piacenza bei. 1095 kam es zu neuen Kämpfen mit dem Gegenerzbischof, Berthold, der sich wieder in Salzburg festzusetzen suchte. Bei Saldorf unfern Salzburg kam es zum Treffen. Th. unterlag; mit Mühe entkam er selbst, sein Pallium fiel in Feindes Hand. Er floh nach Kärnten, wo aber die Lage der päpstlichen Partei eine womöglich noch schlimmere war, da hier nach dem Tode des ersten Bischofes von Gurk Gunther Berthold von Zeltschach, ein Anhänger Berthold's von Moosburg als Bischof eingedrängt wurde und sich viele Jahre hindurch behauptete. Th. wurde, als er die Tauern überschritt, überfallen und gefangen genommen. Man führte ihn vor die von seinem Vorgänger Gebhard erbaute Burg zu Friesach, band ihn, um die Uebergabe derselben zu erzwingen, an eine Wurfmaschine und stellte ihn den Geschossen der Belagerten bloß. Aber diese erkannten ihren Herrn und wußten ihn zu schonen. Nun führte man zwei seiner gefangenen Verwandten vor und drohte sie zu tödten, wenn er nicht die Festung übergebe. Er bestand auch diese Prüfung und die Gefangenen wurden geköpft. In strengen Gewahrsam gebracht, wurde er durch einen Laienbruder, der für ihn Geld sammelte und damit den Wächter bestach, gerettet und floh zu seinem Freunde, dem Bischof von Constanz. Er hielt sich fortan im Kloster Petershausen und in anderen schwäbischen Klöstern auf, während Berthold von Moosburg die Güter und Einkünfte des Erzbischofs unter seine Anbänger vertheilte. 1100 schloß er sich dem sogenannten Nachkreuzzuge — arrière croisade, wie ihn die Franzosen nennen — an, an dem sich auch die Markgräfin Ida von Oesterreich, Bischof Ulrich von Passau und Abt Giselbert v. Admont betheiligten. Die wenigsten sahen die Heimath wieder. Th. hatte sich jenem Corps des Kreuzheeres angeschlossen, welches der Herzog Wilhelm IX. von Aquitanien befehligte, und das bei Eregli (1101) von den Türken aufgerieben wurde. Nach Aussage heimkehrender Kreuzfahrer soll er in Gefangenschaft gerathen sein und in derselben den Märtyrertod erlitten haben. Es heißt, daß sein Herr — ein türkischer Sultan oder ein arabischer Emir —, der in Erfahrung brachte, daß sich der Bischof auf die Bearbeitung der Metalle verstehe, ihn aufgefordert habe, ein beschädigtes Götzenbild auszubessern und daß Th., als er statt dessen das Idol zertrümmerte, unter ausgesuchten Qualen zu Tode gemartert worden sei. Doch sind die betreffenden Berichte — schon Otto v. Freising lag ein solcher vor — mit großer Vorsicht aufzunehmen. Dies gilt ebensowol von den von Wattenbach (Mon. Germ. SS. XI) veröffentlichten, wie es scheint, um die Mitte des 12. Jahrhunderts von einem anonymen Admonter Mönch verfaßten Versen, als von der zuerst voll Canisius (Antiquae lectiones IV, auch in Mon. Germ. l. c. und in Historiens occidentaux des croisades tome V) veröffentlichten Vita et passio s. Thiemonis, als auch von der unter dem gleichen Titel von S. Tengnagel Vetera monum. contra schismaticos (jetzt auch in den Historiens occ. des crois. T. V.) publicirten Quelle. Etwas größeren Werth mißt Graf Riant, Le martyre de Thiemon de Salzbourg (Revue des questions historiques T. XXXIX) der zuerst von Nolte aus einer Darmstädter Handschrift im Archiv für österreichische Geschichte LIV, jetzt auch im V. Bande der Historiens occ. des croisades und Mon. Germ. SS. XV. veröffentlichten Passio Thiemonis bei, welche blos den Tob Thiemo's zum Gegenstande hat und deren Verfasser Abt Heinrich v. Breitenau (in Hessen) seine Nachrichten aus dem Munde eines Mönches schöpfte, welcher als Begleiter eines ungenannten Abtes den Kreuzzug mitmachte. Graf Riant vermuthet, daß dies Abt Giselbert v. Admont gewesen sei, der ebenfalls auf dem Kreuzzuge umkam. Als die Stadt, in welcher das Märtyrerthum Thiemo's stattfand, glaubt Graf Riant Ascalon bezeichnen zu können, als Datum den 28. September 1102, doch steht nur der Monatstag fest.

    • Literatur

      Schmued, Salzburg unter Thiemo und Konrad I. (1090—1147). Programm der Oberrealschule am Schottenfelde in Wien 1860. — Fr. M. Mayer, die östlichen Alpenländer im Investiturstreite.

  • Autor/in

    v. Zeißberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeißberg, Heinrich von, "Thiemo" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 760-761 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10314725X.html#adbcontent

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