Lebensdaten
1640 bis um 1690
Geburtsort
Penig
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Ingenieur ; Kartograph ; Geograph ; sächsischer Offizier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118999478 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sottinger, Daniel (Taufname)
  • Suttinger, Daniel
  • Sottinger, Daniel (Taufname)
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Zitierweise

Suttinger, Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118999478.html [22.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Marcus (Sottinger) (1606–81), aus Wien, Kunsttischler, 1637 Bürger in P., 1645 Meister ebd. (s. ThB);
    M Maria Markgraff ( 1679);
    B Christian (1652–1730), Bildhauer in Chemnitz (s. ThB);
    Wien 1672 Catharina († n. 1694, kath.), T d. Johann Madigall;
    4 S u. a. Daniel Christoph Josua, Geometer, Raymund Gottlieb v. S., sächs. Hptm., Rr.gutsbes., 3 T.

  • Leben

    Soweit bekannt, stand S. zuerst als Soldat in Diensten von Kf. Johann Georg III. v. Sachsen (1647–91). 1671 in Wien nachweisbar, diente er 1672 als „gemeiner Piquenier“ in der Wiener „Stadtguardia“, einer Wach- und Garnisonstruppe. Vermutlich aufgrund von ihm gefertigter sehr exakter Federzeichnungen von Wien und anderen Orten der weiteren Umgebung erhielt S. 1672 den Auftrag zur Anfertigung eines hölzernen Modells der Stadt Wien, das er 1680 Ks. Leopold I. (1640–1705) überreichte. Der Verbleib dieses Modells ist ungeklärt. 1675 bemühte sich S. erfolglos um Entlassung aus der Guardia oder Versetzung, 1676 zeichnete er zwei Ansichten der Stadt Wien. S. befaßte sich auch mit Vermessungsarbeiten und wurde 1682 zum Ingenieur ernannt. Seitdem wirkte er unter der Führung des sächs. Festungsingenieurs Georg Rimpler (1636–83) am Ausbau der Fortifikationsanlagen Wiens mit.

    S. erlebte 1683 die zweite Belagerung Wiens durch die Türken und schildert in seinem nach Ende der Belagerung gefertigten Kupferstich „Türkische Belagerung der kayserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien in Oesterreich 1683“ die Situation an der entscheidenden und meistumkämpften Stelle zwischen Kärntner- und Mölker-Bastei, wie auch die Entsatzschlacht. Im selben Jahr wurde er zum ksl. Hauptmann ernannt. Anstatt den ksl. Auftrag, ein noch detaillierteres Modell der Stadt Wien anzufertigen, auszuführen, legte S. 1684 einen Grundrißplan, „Wienn in Oesterreich“, mit Eintragung sämtlicher Hausbesitzer und Eigentumsverhältnisse vor, der der ksl. Kunstkammer einverleibt wurde (ging im 19. Jh. verloren). Ein Entwurf dieses Plans (Nachdrr. 1876 u. 1919) wurde 1694 von S.s Witwe erfolglos der Stadt Wien zum Kauf angeboten. 1828 wurde dieser im Zisterzienserstift Heiligenkreuz bei Baden/Wien entdeckt, mußte aber 1939 unter Zwang an die Stadt Wien verkauft werden, die ihn Hitler zu seinem 50. Geburtstag schenkte. Auch dieses Exemplar ist seither verschollen. Im ehem. Heeresmuseum Dresden befand sich ein von S. in Holz ausgeführtes Modell der Verteidigungswerke Wiens während der Belagerung 1683, das zu den Verlusten im 2. Weltkrieg zu rechnen ist.

    1684 wurde S. eine Pension bewilligt, 1686 verließ er Wien und kehrte zurück nach Sachsen, wo er als „Stückhauptmann“ bei der kfl. sächs. Feldartillerie diente. Während dieser Periode entstand das „wichtigste Werk für die Geschichte der Belagerung Wiens“ (C. v. Haradauer), nämlich die Federzeichnung „Grundriss und Situation der kais. Haupt- und Residenzstadt ( . . . ) von den Türken belagert“ (1687), zusammen mit einem Manuskript „Die Victoria der Christen“. 1688 erschien das von S. herausgegebene Werk „Entsatz der kais. Haupt- und Residentzstadt Wien“.

    S.s Arbeiten zeichnen sich durch ihre Detailtreue aus und bildeten für fast hundert Jahre die Basis aller im Druck veröffentlichten Pläne Wiens. Von seinen Plänen und Ansichten wurde v. a. der Vogelperspektivplan der belagerten Stadt Wien von 1683 bekannt. Als Architekt errichtete er im Schweizerhof der Inneren Burg in Wien einen Torbau, der 1728 abgerissen wurde. S.s Todesjahr wird um 1690 vermutet, 1692 verließ die kath. Witwe S.s Sachsen, durfte aber ihre ev. erzogenen Kinder nicht nach Wien mitnehmen.

  • Werke

    Abb. d. weitberühmten kayserl. Haupt-Residenzstadt Wien, 1676;
    Wa(h)re Abb. d. weitberühmten kayserl. Haupt-Residenzstadt Wien, Gerissen durch D. S., 1676;
    Entsatz d. Käyserl. Haubt- u. Residentz-Stadt Wien, 1688, lat. 1688.

  • Literatur

    ADB 37;
    H. Kärdebo, D. S.s literar. u. artist. Thätigkeit, in: Berr. u. Mitt. d. Alterthums-Ver. zu Wien 16, 1876, S. 1–8;
    K. Lind, Kurze Erl. d. Wiener Planes v. D. S. aus d. J. 1684, ebd. S. 9–36;
    C. v. Haradauer, Die Kartographie auf d. hist. Ausst. d. Stadt Wien 1883, in: Mitt. d. Geograph. Ges. in Wien 27, 1884, S. 89–106;
    P. Broucek, E. Hillebrand u. F. Vessely, Hist. Atlas z. 2. Türkenbelagerung Wiens 1683, 1983;
    K. Fischer, Der Kartograph D. S., in: Jb. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Wien 47/48, 1991/ 92, S. 51–91;
    ThB;
    Hist. Lex. Wien.

  • Autor/in

    Armand Duchâteau
  • Empfohlene Zitierweise

    Duchâteau, Armand, "Suttinger, Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 717-718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118999478.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Suttinger: Daniel S., Ingenieur-Geograph, geboren am 2. December 1640 zu Penig (Sachsen), um 1690 zu Dresden (das genauere Datum fehlt). Als Sohn des in kleinen Verhältnissen lebenden Töpfermeisters Sottinger — so schrieb sich die Familie ursprünglich — hatte S. muthmaßlich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, und wir können uns kein richtiges Bild von der Art und Weise seines Studienganges machen. Man hatte angenommen, S. habe in Leipzig studirt, sei dann ins kursächsische Heer eingetreten und im Gefolge des Markgrafen Hermann von Baden nach Wien gekommen, allein nach den archivalischen Forschungen Haradauer's kann hiervon keine Rede sein. Diesen zufolge steht es vielmehr fest, daß S. um 1672 in die Wiener Stadtmiliz, die sogenannte „Stadtguardia“, als einfacher Pikenier eingetreten ist und daß ihm im J. 1676 der Auftrag ertheilt wurde, ein „Modell“ der Stadt Wien anzufertigen. Um ihn für diese Arbeit besser zu befähigen, gab man ihm 1677 Rang und Gehalt eines Feuerwerkers und bald danach einen Freipaß, der ihm gestattete, sich das Innere eines jeden Hauses der Kaiserstadt zu besehen. Das|Modell wurde 1680 abgeliefert, und damit war auch ein Wendepunkt in Suttinger's Leben eingetreten. Die Stadt Wien nahm ihn nämlich mit 300 Gulden Jahressold in ihre Dienste, und in dieser Stellung nahm er Antheil an der furchtbaren Belagerung, während welcher Männern seines Faches die beste Gelegenheit geboten war, sich hervorzuthun. Als er 1685 aus nicht näher bekannten Gründen pensionirt worden war, trat er im Jahre darauf als Hauptmann in die sächsische Feldartillerie über, als welcher er jedoch Zeichenstift und Feder ebensowenig wie früher rasten ließ.

    S. war ein sehr geschickter Planzeichner mit guten geometrischen Kenntnissen, und seine Darstellungen sind für den Historiker der Situationszeichnung um deswillen von großem Interesse, weil in jenen die alte Manier, Terrainverschiedenheiten perspectivisch aufzufassen, sich mit den neueren und strengeren Anforderungen eigenartig verbindet. Aus dem Jahre 1684 hat man von ihm: „Wienn in Oesterreich auff Ihrer kayserl. Majestät allergnädigsten Befehl in Grundt gelegt und in gegenwärtigem Riß gefertigt etc."; die sehr saubere Federzeichnung ist farbig ausgeschmückt. Eine andere, noch heute im Besitze der Stadt befindliche Pergamentzeichnung hat die Aufschrift: „Ware Abbildung der weitberühmbten kayserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien. Gerissen durch D. S.“ Letztere Ansicht wurde durch die Firma Weigel im Kupferstiche vervielfältigt. Inbesondere jedoch gaben die von ihm mit durchlebten Kriegsereignisse S. Veranlassung zur Entfaltung seines Talentes, wie zwei von ihm herrührende Diagramme beweisen ("Türkische Belagerung der Kayserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien in Oesterreich“ [1683]; „Grundriß und Situation der kais. Haupt- und Residenzstadt Wien in Oesterreich, wie selbe von den Türken belagert und attaquiret und durch die glücklichen und sieghaften Waffen der Christen entsetzet worden. In Grundt gelegt und in gegenwärtigem Federriß verfertigt durch D. S.“ [1687]). Diesen Plänen hat man es zu danken, daß man sich insbesondere von dem anscheinend äußerst verworrenen, in Wirklichkeit aber nach einem klug erdachten Systeme angelegten Netzwerke der türkischen Approchen noch jetzt eine treffende Vorstellung zu erwerben im Stande ist.

    Auch als Schriftsteller im engeren Sinne ist S. zweimal hervorgetreten. Dem letzterwähnten Belagerungsbilde ist eine „Kurtze Relation“ über die Entsetzungsschlacht vom 9. September 1683 beigegeben, und auch eine zweite Schrift dankt der Wiener Schreckenszeit ihre Entstehung. Bald nach Beginn der Belagerung war Suttinger's Freund, der berühmte Fortificationsmeister Rimpler, tödlich verwundet worden, und so konnte er sich nicht mehr vertheidigen gegen die Angriffe, welche später seitens des schweizerischen Militärschriftstellers Werdmüller gegen seine Lehren erhoben wurden. An seiner Statt übernahm S. die Vertheidigung, welche den Titelworten nach zu schließen ("Der in Wien todte, ehrliche Sachs Georg Rimpler, allen dessen Feinden entgegen gehalten"; Dresden 1687) an Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig gelassen haben dürfte.

    • Literatur

      Kabdebo, Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereines zu Wien, 16. Bd. — Haradauer, Mittheilungen der Geographischen Gesellsch. zu Wien, 1884. — Zedler, Universallex. der Künste u. Wissenschaften, 41. Bd., Leipzig-Halle 1744, Sp. 485.

  • Autor/in

    Günther.
  • Empfohlene Zitierweise

    Günther, "Suttinger, Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 205-206 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118999478.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA