Lebensdaten
1436 bis 1501
Geburtsort
Niederzimmern am Ettersberg bei Weimar
Sterbeort
Erfurt
Beruf/Funktion
Geistlicher ; Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 10096155X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stolle, Konrad
  • Conrad, Stolle
  • Konrad, Stolle
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Orte

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Zitierweise

Stolle, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096155X.html [04.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbekannt.

  • Leben

    S. wuchs nach eigener Aussage im Dorf Niederzimmern am Ettersberg bei Weimar unter der Obhut seiner Eltern, deren Namen ungenannt bleiben, auf und ging zunächst beim Kirchner der dortigen Pfarrei zur Schule. Nach 1446 besuchte er kurze Zeit die Schule des Erfurter Severistifts, seit 1447 die Schule in Langensalza. Der Besuch einer dt. Universität ist nicht nachweisbar, doch könnte S. auch in Italien studiert haben, wo er 1458–63 u. a. in Rom (an der päpstl. Kurie), Florenz und Mantua in den Quellen erscheint. S. war Kleriker des Mainzer Erzbistums, zu dem Erfurt gehörte. Sein Pfründenbesitz|blieb auf diese Stadt beschränkt und umfaßte Vikarien im Weißfrauenkloster (seit 1464), in der Pfarrkirche St. Bartholomäus (seit 1467) und im Kollegiatstift St. Severi (1467 erwähnt), die zusammen ein Jahreseinkommen von ca. 30 rhein. fl. einbrachten. Seelsorgebenefizien besaß S. hingegen nicht, obgleich er 1459 dafür eine päpstl. Dispens erwirkte. Wann er zum Priester geweiht wurde, ist unbekannt. Erst 1477, als er im Zuge seiner zweiten Italienreise an der Röm. Kurie eine Beichtlizenz erlangte, wird er als solcher bezeichnet. S. verstarb als Vikar des Erfurter Severistiftes. Sein Rundsiegel zeigt ein Kreuz über einem halben Stern.

    Die Chronik S.s ist eine der bedeutendsten erzählenden Quellen Thüringens im späten Mittelalter. Die selbstgewählte Bezeichnung „Memoriale“ (Denkbuch) für die in Mitteldeutsch verfaßten Aufzeichnungen charakterisiert das Werk zutreffend als Stoffsammlung, die wohl noch zur weiteren Durcharbeitung bestimmt war (Ms. in d. Thür. Landes- und Univ.bibl. Jena, Ms. Sag. q. 3). In der Tradition mittelalterlicher Weltchroniken stehend, schöpfte S. bis zur Mitte des 15. Jh. aus verschiedenen Vorlagen, sein Memoriale stellt aber für die zweite Hälfte des 15. Jh. eine selbständige Quelle von hohem Rang dar. Der Berichtshorizont reicht weiter als der anderer Erfurter Chronisten wie Hartung Kammermeister († 1467) und Nikolaus von Siegen († 1495) und schließt Ereignisse in Italien und Böhmen ein. Viel Raum widmete S. auch den Burgunderkriegen, wobei er manches an interessanten Dokumenten und Liedern mitteilt, die ihm zur Kenntnis kamen. Als kulturgeschichtliche Quelle sind S.s Aufzeichnungen erst ansatzweise ausgewertet.

  • Quellen

    K. S.s Thür.-erfurt. Chronik, Aus d. Urschr. hg. v. L. F. Hesse, 1854 (Auszüge); Monumenta Erphesfurtensia saec. XII, XIII, XIV, ed. O. Holder-Egger (MGH SS rer. Germ. [42]), 1899, S. 807–10 (Auszüge); Memoriale, Thür.-erfurt. Chronik v. K. S., bearb. v. R. Thiele, 1900.

  • Literatur

    ADB 36;
    A. L. J. Michelsen, Über d. ungedr. thür. Chronik v. Conrad S., in: Zs. d. Ver. f. thür. Gesch. u. Altertumskde. 1, 1854, S. 217–36;
    R. Thiele, Bilder aus Erfurt`s Vergangenheit, Nach K. S.`s Chronik, 1901;
    Die Stadt Erfurt 1: Dom, Severikirche, Peterskloster, Zitadelle, bearb. v. K. Becker u. a., 1929, S. 487, Nr. 99 (P);
    U. Weiss, Erfurt in Europa, Erfahrungen u. Erwartungen, in: Erfurt, Gesch. u. Gegenwart, hg. v. dems., 1995, S. 11–22;
    E. Bünz, Neues z. Biogr. d. Chronisten K. S., in: DA 56, 2000, S. 201–11;
    S. Tebruck, K. S., „Memoriale“, in: Bescheidenheit, Dt. Lit. d. MA in Eisenach u. Erfurt, hg. v. Ch. Fasbender, Ausst.kat. Univ.- u. Forsch.bibl. Erfurt/Gotha in d. Univ.bibl. Erfurt, 2006, S. 16 f.;
    Vf.-Lex. MA2;
    LexMA;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 .

  • Portraits

    P Halbfigur (im priesterl. Gewand mit Barett u. Kelch) auf d. Grabstein (Erfurt, Stiftskirche St. Severi).

  • Autor/in

    Enno Bünz
  • Empfohlene Zitierweise

    Bünz, Enno, "Stolle, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 418-419 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096155X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Stolle: Konrad St., Geschichtschreiber, geboren im J. 1430 in dem unter dem Ettersberg, nordöstlich von Weimar gelegenen Dorfe Zimmern. Hier hat er nach seiner eigenen Angabe bei dem Küster (Kerchenaere) des Ortes den ersten Schulunterricht erhalten und weiterhin die Schulen an der Severikirche zu Erfurt und zu Langensalza besucht. Den Aufenthalt in seinem Geburtsorte mit Erfurt zu vertauschen, wurde er, bezw. seine Eltern durch die Greuel des bekannten thüringischen Bruderkrieges gezwungen. Was seine Uebersiedelung nach|Langensalza veranlaßt und wie lange er sich hier aufgehalten hat, berichtet er uns nicht. Erst nach 1458 hören wir wieder von ihm. In dieser Zeit hat er nämlich eine Reise nach Italien angetreten und hier eine gute Anzahl Jahre — in Rom und Florenz — verweilt. Was ihn dahin geführt und so lange festgehalten, läßt sich mit Sicherheit kaum vermuthen. Zum geistlichen Berufe bestimmt, war es in erster Linie wahrscheinlich seine theologische Ausbildung, die dazu den Anstoß gegeben hat. Aber auch Anregungen anderer Art, deren Spuren man in seinem Geschichtsbuche entdecken kann, hat er ohne Zweifel daselbst empfangen. Nach dem Jahre 1462 begegnen wir ihm wieder in Deutschland, bezw. in Erfurt, wo er, inzwischen Priester geworden, im J. 1464 als Vicar an der Severikirche erscheint, eine immerhin bescheidene Stellung, in welcher er jedoch bis zu seinem Tode ausgeharrt hat. Italien scheint aber das Land seiner Sehnsucht geblieben zu sein. Im J. 1477 hat er sich, mitten im strengen Winter, noch einmal aufgemacht, um die Wanderung über die Alpen anzutreten; einen speciellen Grund für die Wiederholung dieser Reise gibt er jedoch nicht an. Am letzten December 1485 ist er laut seinem noch erhaltenen Grabstein gestorben und hat er in der Severikirche seine letzte Ruhestätte gefunden.

    Sein Geschichtsbuch, dem er das Gedächtniß seines Namens verdankt, ist im J. 1854 u. d. T. „Thüringisch-Erfurtische Chronik“, wenn auch nicht vollständig, von L. F. Hesse veröffentlicht worden. Wir haben indeß in demselben nicht an ein nach einem überlegten Plane gearbeitetes Geschichtswerk zu denken und ebensowenig kann oder will es als die reife Frucht einer systematischen Forschung betrachtet werden. Die Chronik oder, wie er sie auch bezeichnend nennt, sein „Memorial“, schließt sich bis zum Jahre 1440 fast vollständig an J. Rothe's bekannte thüringische Chronik an, und erst von da an wird sie selbständig. Ueberwiegende Berücksichtigung finden thüringische und erfurtische Vorgänge, ohne daß darum auch weiter abliegende Ereignisse ausgeschlossen werden, über deren Verlauf dem aufmerksamen Verfasser gerade zufällig nähere Nachrichten zugekommen sind. Indeß darf man sein Werk darum nicht unterschätzen, es zählt ohne Zweifel zu den werthvollen zeitgeschichtlichen Aufzeichnungen des 15. Jahrhunderts.

    • Literatur

      Vgl. L. F. Hesse in Haupt's Zeitschrift für d. Alterthum VIII, 302 ff., eben demselben verdanken wir die Herausgabe der Chronik selbst im 32. Bde. der ged. Zeitschrift. — Ferner: L. Michelsen im 1. Bde. der Zeitschrift für thüringische Geschichte. — K. Herrmann, Bibliotheca Erfurtina p. 81—82. — O. Lorenz, Deutschlands Geschichtsquellen, 3. Aufl., II, 108.

  • Autor/in

    Wegele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wegele, Franz Xaver von, "Stolle, Konrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 409-410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10096155X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA