Lebensdaten
1546 bis 1606
Sterbeort
Wernigerode
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 103095527 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stolberg, Wolf Ernst Graf zu
  • Stolberg, Wolf E. zu
  • Stolberg, Wolf Ernst von
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Stolberg, Wolf Ernst Graf zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd103095527.html [21.10.2019].

CC0

  • Leben

    Stolberg: Wolf Ernst, Graf zu St., geboren am 30. Nov. 1546, am 10. April 1606 auf Schloß Wernigerode, der Begründer der fürstlichen Bibliothek daselbst. Da sein Vater, Graf Wolfgang, schon am 8. März 1552 auf Schloß Allstedt starb, auch seine Mutter Genoveva, geborne Gräfin v. Wied, die mit dem fünfjährigen Sohne und dessen jüngeren Geschwistern erst nach Wernigerode, dann nach Stolberg zog, dem Gemahl bereits am 26. Juni 1556 folgte, so wurde unter manchen Schwierigkeiten die weitere Erziehung und Unterhaltung von wechselnden Vormundschaften geleitet. Von seinen nächsten Verwandten war es besonders sein Oheim Graf Ludwig, den er als Vater verehrte, während er in dessen Gemahlin Walpurg eine zweite Mutter fand, der sich seiner annahm, ihm auch zeitweilig zu Königstein und Wertheim längeren Aufenthalt gewährte. Von Bedeutung für seine Weiterentwicklung war in den ersten sechziger Jahren seine Erziehung mit den Söhnen Pfalzgraf Wolfgang's in Zweibrücken, mit denen er auch Reisen, besonders nach Schweden, machte. Seine Reiselust, sein Lerneifer und Wißbegier finden bereits in Jugendbriefen an den Oheim einen rührenden Ausdruck, zugleich seine Abkehr von dem auf bloß äußeren Genuß und das Kriegshandwerk gerichteten Streben seiner meisten Standesgenossen in damaliger Zeit. Kaum 24 Jahre alt, wurde er auf Grund einer am 1. Juni 1566 vom Reichstage zu Augsburg in den damals obschwebenden Streitigkeiten des Hauses getroffenen Entscheidung, von Michaelis 1570 bis dahin 1572 „regierender Herr und Haushalter“ der stolbergischen Lande. Auch als dann — zunächst bis 1574 mit dem älteren Grafen Ludwig — sein Oheim Albrecht Georg das Regiment führte, wurde er nach des Kaisers Anordnung dessen Mitregent — seit 1577 auch zu Schwarza im Hennebergischen, und dann auch zu Ortenberg und Gedern in der Wetterau. Seinen Aufenthalt behielt er meist in Wernigerode, wenn wir ihm auch zuweilen in andern stolbergischen Landestheilen, so 1579 in Königstein, oder für seinen brandenburgischen Oberlehnsherrn 1594 als Abgesandten zum Reichstage nach Regensburg oder 1596 zur Krönung König Christian's IV. von Dänemark in Kopenhagen auf der Reise begegnen. Wohl hatte auch schon Graf Albrecht Georg sein Interesse besonders Wernigerode zugewandt, aber dessen Aufgaben brachten einen häufigeren Ortswechsel mit sich; in W. E. sah aber Wernigerode zum ersten Male dauernd und auf eine längere Zeit einen Landesherrn vom stolbergischen Stamme an Ort und Stelle walten. Hier auf dem alten Grafenschlosse, an dem er selbst fleißig baute, in dessen Nähe er auch einen Lustgarten pflegte, war es nun, wo der litterarisch regsame Herr jenen Bücherschatz sammelte, der den Ausgangspunkt und Grundstock der jetzt über hunderttausend Bände zählenden öffentlichen Bibliothek zu Wernigerode bildete. Spuren seines literarischen Sammeleifers lassen sich beim Grafen W. E. bis über die ersten wernigerödischen Regierungsjahre hinaus verfolgen, treten aber von da ab erst deutlicher hervor, mehren sich dann bedeutend, seit er im J. 1587 durch das Ableben seines Oheims Grafen Albrecht Georg Hausältester, und durch die Theilung der Harzlande 1589 Herr der Grafschaft Wernigerode geworden war, während seinen Brüdern Johann und Heinrich Stolberg und Hohnstein zugetheilt waren. Beim Ausbau seiner Sammlung brachte der Graf die größten Opfer, die zuletzt über seine Mittel hinausgingen. Selbst auf Reisen begleitete ihn der Büchersack für die unterwegs zu lesenden, besonders aber anzuschaffenden Bücher. Diese gehörten fast allen Fächern der|damals blühenden Wissenschaft an. Eine Vorliebe offenbarte er für Geschichte und Erdkunde, daher auch Männer wie Henninges, Chytraeus, Crusius, Peckenstein mit ihm in Verbindung standen. Dazu kam sein Interesse für die Heilkunst, die er auch in milder Weise zum Wohl seiner Unterthanen nutzbar zu machen suchte. Aber auch die Theologie, Rechtswissenschaft, die Musik, die er sehr liebte, die Hymnologie und deutsche Litteratur wurden nicht vernachlässigt. Förderung erfuhr der Graf bei der Mehrung seines Bücherschatzes durch unmittelbar persönlichen und schriftlichen Verkehr mit wissenschaftlich tüchtigen Männern, wie seinem Leibarzt Johann Thal, dem bekannten Pflanzenforscher, und dessen Nachfolger — seit 1581 — Anton Machold, dem Gräcisten in Helmstedt Joh. Chessel (Caselius) und dem Schulmann Michael Neander, dessen mannigfaltige schriftstellerische Thätigkeit nur mit Hülfe der wernigerödischen Bibliothek möglich war. Es konnte nicht fehlen, daß des Grafen reges geistiges Streben sich auch für Wernigerode fruchtbar erwies. Von Männern, die am Orte die größte Unterstützung für ihr litterarisches Schaffen fanden, durch deren Bemühen dann aber auch die Bibliothek manche Förderung erfuhr, sind zu nennen der unermüdliche Mag. Joh. Fortman, von 1596—1598 Erzieher an des Grafen Hofe, dann Conrector, Rector und Geistlicher zu Wernigerode, der Conrector Balthasar Vogt der Aelt., seit 1593 Prediger zu Wasserleben, der litterarische Junker Barthold v. Gadenstedt und besonders auch seit 1589 der fleißig schriftstellernde Oberprediger M. Andreas Schoppe (Schoppius). Unter solcher Förderung konnte sich in der kleinen Harzstadt das bunte farbenreiche Leben der Renaissance zu einer bemerkenswerthen Blüthe entfalten: Geistliche Schauspiele, theilweise von Wernigerödern, einem B. Vogt d. Ae. und Barth, v. Gadenstedt gedichtet, wurden auf dem Markte und im Rathhause, auch wohl in der Kirche aufgeführt, Gesang und Musik gepflegt, die Lateinschule gehoben und auch von auswärts besucht. Auch in dem von 1589—1594 bei Herzog Heinrich Julius von Braunschweig am Hofe zu Wolfenbüttel verwalteten Statthalter- und Hofrichteramte diente W. E. der Wissenschaft durch erfolgreiches Bemühen um die junge Universität Helmstedt. Sonst hinderten ihn an bedeutender auswärtiger Wirksamkeit seine beschränkten Mittel. Für kirchliche Dinge interessirte er sich sehr, wovon der Entwurf einer Kirchenordnung vom Jahre 1592 Zeugniß gibt; in kirchenpolitischer Beziehung wurde er stark durch Sachsen bestimmt. Durch Hochzeits-, Kindtaufs- und Begräbnißordnungen, durch Hofordnungen aus den Jahren 1593 und 1604, durch die 1598 erlassene Berg- und Hüttenordnung suchte er nach verschiedenen Richtungen zu wirken. Uebrigens war er ein Meister in der Jägerei. Nach 35jährigem Regiment ging W. E. im 60. Lebensjahre heim und wurde in der gräflich-wernigerödischen Begräbnißkirche zu St. Silvester bestattet. Die äußere Erscheinung des Grafen führt uns ein wahrscheinlich zu Wolfenbüttel von einem niederländischen Meister ausgeführtes Gemälde vor Augen. Das Wohlwollen, das aus seinen Zügen leuchtet, wird auch durch übereinstimmende Angaben von Zeitgenossen bezeugt. Ziemlich gleich alt wie jenes Gemälde ist auch eine Schaumünze vom Jahre 1590 mit dem Brustbilde des Grafen und seinem von Jugend auf geführten Wahlspruch: „Wie's Gott fügt, mir genügt.“

    • Literatur

      Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Alterthumskunde 6 (1873), S. 345—379; vgl. daselbst 12, S. 619—623; 19, S. 233—235.

  • Autor/in

    Ed. Jacobs.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobs, Eduard, "Stolberg, Wolf Ernst Graf zu" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 345-346 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103095527.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA