Lebensdaten
1761 bis 1838
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Brzezina (Böhmen)
Beruf/Funktion
Botaniker ; Paläobotaniker ; Geologe ; Naturforscher ; Dompropst in Regensburg ; Mitgründer und Präsident des Vaterländischen Museums in Böhmen ; Unternehmer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119335530 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sternberg, Kaspar Maria Graf von
  • Sternberg, Kaspar Maria Melchior Balthasar Graf von
  • Kašpar
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Zitierweise

Sternberg, Kaspar Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119335530.html [25.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Nepomuk (1713–98, Offz., k. u. k. GR u. Kämmerer, S d. Franz Leopold (1680–1745, k. u. k. WGR, Hof- u. Gouvernementsrat d. Banco in Wien, Statthalter u. Kammerpräs. in Böhmen, Obersthofmarschall (beide s. Einl.) u. d. Maria Johanna Nothburga Prinzessin v. Schwarzenberg (1692–1757);
    M Anna Josepha (1726–90, T d. Philipp Gf. Kolowrat-Krakowský (1688–1773), Oberstburggf. u. Präs. d. Landesguberniums im Kgr. Böhmen (s. ADB 16) u. d. Maria Barbara Gfn. Michna v. Waitzenhof; 7 ältere Geschw (4 früh †) u. a. B Johann (1752–89, österr. Offz., Naturforscher, Joachim (1755–1808, Offz., Naturforscher, Privatgel. (s. Einl.), Schw Josepha Anna (1748–87; – ledig.

  • Leben

    S. wuchs im Elternhaus in Prag auf, erhielt seine Schulbildung von Hauslehrern und wurde im Alter von 11 Jahren für die geistliche Karriere bestimmt. Weniger auf eigenen als auf Wunsch seiner Eltern begann S. 1779 sein Theologiestudium im Collegium Germanicum in Rom. Nach dem Abschluß 1782 verbrachte er ein Bildungsjahr in Rom und Neapel. 1784 gelangte S. als Domkapitular an das Regensburger Kapitel. Sein Beitritt in die dortige Freimaurerloge öffnete ihm die Tore in die aristokratische Gesellschaft Regensburgs. Hier begann S., mitgeprägt von den Interessen seines jüngeren Bruders Joachim, eine intensive Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften, vornehmlich mit Botanik, Geognosie und Galvanismus. Der nach dem Reichsdeputationshauptschluß 1803 zum Reichserzkanzler berufene Carl Theodor v. Dalberg übertrug S. 1804 die Vizepräsidentschaft der Stadt Regensburg, in welcher Funktion er einen botanischen Garten am Peterstor einrichtete sowie eine Akademie der Naturwissenschaften gründete. Beide wurden von den napoleon. Truppen 1809 zerstört. S.s konsequente Abneigung gegen die Machtpolitik Napoleons bewirkte, daß er, nachdem das Fst. Regensburg an Bayern abgetreten worden und die Stelle des erzfstl. Adjutus statt an S. an Napoleons Onkel, Kardinal Fesch gegangen war, das geistliche Gewand ablegte und sich gegen Ende 1810 auf seine böhm. Güter in Brzezina und Darowa (beide im Pilsner Kreis) zurückzog. Der hier an ihn ergehende Auftrag des böhm. Oberstburggrafen, Franz Anton Gf. Kolowrat-Liebsteinský, ein böhm. Nationalmuseum zu gründen, entsprach S.s naturwissenschaftlichen Interessen. Zusammen mit seinem Vetter, Franz Joseph v. Sternberg-Manderscheid, und weiteren Vertretern des böhm. Adels richtete er in Prag das „Vaterländische Museum in Böhmen“ (später Böhm. Nat.mus.) ein, dem er bis zu seinem Tod als Präsident vorstand und das er finanziell unterstützte. Es beherbergte einen kulturhistorischen und einen naturwissenschaftlichen Zweig und orientierte sich am Vorbild des Joaneums in Graz. Mit dem Beginn der Industrialisierung in Böhmen erkannte S. die Notwendigkeit einer interdisziplinären Koordination wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Interessen. 1826 übernahm er den Vorsitz der Patriotisch-Ökonomischen Gesellschaft, die sich Fragen der landwirtschaftlichen Nutzung widmete. Im selben Jahr gründete er eine Aktiengesellschaft für den Bau einer Pferdeeisenbahnverbindung zwischen Pilsen und Prag und beteiligte sich finanziell am Bau einer Prager Kettenbrücke über die Moldau. Beide dienten dem Transport der aus dem Bergbau gewonnenen Rohprodukte in das neu erstehende Industriezentrum in Prag-Smichov. Ferner bemühte sich S. um die Schiffbarmachung der Moldau, um Böhmen über die Elbe den wirtschaftlichen Zugang nach Norden zu öffnen. Er unterstützte auch den 1829 von Franz Joseph Gf. v. Dietrichstein gegründeten „Verein zur Ermunterung des Gewerbegeistes“, dessen Publikationsorgan, die „Mittheilungen für Gewerbe und Handel“, auch wissenschaftliche, ökonomisch nutzbare Erkenntnisse des Prager Polytechnischen Instituts veröffentlichte. 1833 gründete er den Bund zur Verbesserung der Industrie in Böhmen. Der ständige wissenschaftliche Dialog mit dem Ausland war S. ein Hauptanliegen. So erreichte er auch, daß die 1822 von Lorenz Oken ins Leben gerufenen „Versammlungen deutscher Naturforscher und Ärzte“ 1832 in Wien und 1837 in Prag tagten. Von S.s über hundert Publikationen seien hier nur die beiden bedeutendsten genannt: Als Pionier der Palaeobotanik veröffentlichte er 1820–38 sein Hauptwerk „Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt“, worin er die kontinuierliche Artenentstehung im Verlauf erdgeschichtlicher Zeiträume dem mosaischen Schöpfungsgedanken entgegensetzt. Seine „Umrisse einer Geschichte der böhmischen Bergwerke“ (2 Bde., 1836–38, nebst e. Bd. z. Gesch. d. Bergrechts) sollten die Notwendigkeit einer Bergrechtsrevision unterstreichen.

  • Auszeichnungen

    A Ehrenmitgl. d. Wetterau. Ges. f. d. gesammte Naturkde: (1808), d. Botan. Ges. Regensburg, d. Böhm. Ges. d. Wiss. (1813), d. Ges. z. Beförderung d. sämtl. Naturkde. Marburg (1818), d. Naturforschenden Ges. zu Leipzig (1820), d. kfl. Hess. Landwirthschafts-Ver. (1826), d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1828), d. Ver. z. Ermunterung d. Gewerbegeistes in Böhmen (1829), d. Oberlausitz. Ges. d. Wiss. (1836), d. Hist. Ver. f. d. Regenkreis (1837) u. d. landwirthschaftl. Ver. in Bayern (1838); Präs. d. Ges. d. Vaterländ. Mus. in Böhmen (1818) u. d. Patriot.-Ökonom. Ges. Böhmen (1826); wirkl. Mitgl. d. Leopoldina (1818), d. Ges. f. Naturwiss. u. Heilkde. (1829) u. d. Kongelige Nordiske Oldskrift Selskab (1833); korr. Mitgl. d. Ac. of Natural Sciences of Philadelphia (1822) u. d. Naturforschenden Ges. Frankfurt (1822); GR (1824); ausw. Mitgl. d. Geological Soc. of London (1825); Mitgl. d. Ver. f. Heilkde. in Preußen (1832); ausw. Mitgl. d. Linnean Soc. of London (1833); Großkreuz d. österr. Leopold-Ordens (1836).

  • Werke

    Weitere W Galvan. Versuche in manchen Krankheiten, mit e. Einl. über Galvanismus in Bezug auf Erregungstheorie, 1803;
    Reise durch Tyrol in d. Oesterr. Provinzen Italiens im Frühj. 1804, 1806;
    Reise in d. Rhät. Alpen, vorzügl. in botan. Hinsicht, im Sommer 1804, 1806;
    Revisio Saxifragarum iconibus illustrata, 1810 (Suppl. 1, 1822;
    Suppl. 2, 1831);
    Nachlaß: Mss.
    u. Korr.: Prager Regionalarchiv (Fam.archiv Sternberg), Archiv d. böhm. Nat.mus.;
    Archiv f. Nat. Schrifttum (nur Korr.), alle Prag.

  • Literatur

    ADB 36;
    F. Th. Bratranek (Hg.), Briefwechsel zw. Goethe u. K. Gf. S. 1820–1832, 1866;
    F. Palacký, Leben d. K. Gf. S., v. ihm selbst beschrieben, nebst e. akad. Vortrag über d. Grafen K. u. Franz S. Leben u. Wirken f. Wiss. u. Kunst in Böhmen, 1868;
    A. Sauer (Hg.), Ausgew. Werke d. Gf. K. S., 1. Bd., Briefwechsel zw. J. W. v. Goethe u. K. Gf. S. (1820–1832, 1902;
    W. Helekal (Hg.), K. S., Materialien zu meiner Biogr., 1909 (P);
    J. Majer, Kašpar Šternberk, 1997;
    ders., K. M. Gf. v. S. (1761–1838, seine Zeit, sein Leben u. sein Werk, in: K. M. Gf. v. S., Naturwiss. u. Begründer d. Nat.mus., 1998, S. 1–50;
    Cl. Schweizer, Johann Wolfgang v. Goethe u. K. M. v. S., Naturforscher u. Gleichgesinnte, 2004 (vollst. W-Verz.);
    dies., K. S. (1761–1838 u. d. vaterländ. Mus. in Prag, in: Mensch – Wiss. – Magie, Mitt. d. Österr. Ges. f. Wiss.gesch. 24, 2006, S. 95–109;
    Wurzbach;
    ÖBL;
    Berühmte Regensburger (P)

  • Portraits

    | Ölgem., anonym, um 1790 (Burg Czeský Šternberk);
    Lith., anonym (Wien, Portrait-Gal. österr. Ärzte u. Naturforscher);
    Ölgem. v. M. A. Bauer, um 1807 (Städt. Mus. Regensburg), A. Clarot, 1838 (Prag, Tschech. Nat.mus.) u. J. F. v. Goez, 1808 (Burg Czeský Šternberk);
    Kupf. v. G. Döbler, 1824;
    Zeichnungen, anonym, 1821, u. v. J. J. Schmeller, 1824 (Weimar, Goethe u. Schiller-Archiv);
    Medaillen v. F. Putinati u. G. B. Loos, Abb. in: E. Fiala, Beschreibung böhm. Münzen u. Medaillen, 1891, S. 606, Tab. LXVI, Nr. 563 u. 564.

  • Autor/in

    Claudia Schweizer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schweizer, Claudia, "Sternberg, Kaspar Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 291-292 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119335530.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sternberg: Kaspar Maria Graf v. St., geboren am 6. Januar 1761 in Prag, entstammte als jüngster der 3 Söhne des k. k. Geheimen Raths und Kämmerers Johann Graf v. St., Herr auf Radnitz und Darowa, einem alten berühmten böhmischen Adelsgeschlechte und wurde als aussichtslos auf einen Herrschaftsbesitz, gleich von Kindheit an für den geistlichen Stand bestimmt. Schon als Knabe diente er seinem älteren Bruder Joachim, der sich insgeheim mit Alchemie und Goldmacherkunst befaßte, als Famulus, und erwarb sich dabei mancherlei Kenntnisse in naturwissenschaftlichen Dingen, welche den Keim für die später mit so großem Eifer und Erfolg betriebenen Naturstudien in ihm legten. Erst 11 Jahre alt, erhielt er eine Domherrnpräbende in Freising, ferner eine zweite in Regensburg und trat dann 1779 zu seiner Ausbildung in das Collegium germanicum in Rom, das er als theologus absolutus 1782 mit glänzendem Zeugniß verließ. Nach einem kurzen Aufenthalt in Neapel, wo er in Natur- und Kunstgenuß schwelgte und, wie er selbst sich aussprach, die glücklichsten Tage seines Lebens verbrachte, wurde er zur Uebernahme einer Kanonikusstelle in Regensburg zurückberufen, aber als noch zu jung zurückgestellt, weshalb er ins elterliche Haus zurückkehrte und hier mit seinem inzwischen zu einem gründlichen Forscher herangereiften Bruder Joachim wieder in innigen Verkehr trat. Das Jahr 1785 eröffnete ihm den Eintritt in das Domcapitel in Regensburg, wo er sich nun häuslich einrichtete und zugleich bei dem Bischof von Regensburg als Hof- und Kammerrath das Referat in Forstfachen übernahm, weil er schon damals als tüchtiger Pflanzenkenner galt. Er beschäftigte sich hier eifrigst mit naturwissenschaftlichen, namentlich botanischen Studien, verkehrte vielfach mit den zu jener Zeit in Regensburg residirenden Gesandten und wurde in den damals politisch sehr bewegten Zeiten zu mehreren politischen Missionen verwendet. Mit dem Bischof 1791 nach Freising übergesiedelt wohnte er 1802 als Gesandter für das Bisthum Freising der Reichstagsdeputation bei und wurde, nachdem Domcapitel und Bisthum Regensburg dem Kurfürsten Karl von Dalberg zugetheilt worden war, von letzterem zur Leitung der Geschäfte in Regensburg als Vicepräsident berufen. Trotz der sturmbewegten Zeit fand St. auch jetzt noch Muße, um, namentlich im Verkehr mit dem berühmten Botaniker Hoppe, seine botanischen Forschungen fortzubetreiben und nebenbei mit physikalischen Untersuchungen und Gall's Schädellehre sich zu befassen. Er trat an die Spitze der in Regensburg gegründeten botanischen Gesellschaft, für welche sein Haus den Mittelpunkt bildete, errichtete eine Lehrkanzel für Botanik, legte Forstschulen und auf eigenem Besitze einen botanischen Garten an. Erst infolge eines längeren Aufenthaltes 1805 in Paris, wo ihn A. v. Humboldt in den Kreis der hervorragendsten Naturforscher einführte, und durch einen näheren Umgang mit Faujos|de St. Fond, der sich insbesondere mit dem Studium fossiler Pflanzen beschäftigte und auch für solche aus der Sternberg'schen Herrschaft Radnitz lebhaftes Interesse besaß, wandte sich St. auch der Erforschung fossiler Pflanzen zu, wobei ihm das Vorkommen solcher auf dem Familiengut Radnitz überreichen Stoff lieferte. Nach Errichtung des Rheinbundes legte St. 1806 seine amtliche Stellung in Regensburg nieder und zog sich in das Privatleben, erst in Regensburg, dann nach dem Tode seines Bruders Joachim in der ihm als Erbschaft zugefallenen Herrschaft theils auf Schloß Brezina theils in Prag wohnend, zurück, um ganz seiner Lieblingswissenschaft zu leben. In Prag entfaltete er nun eine außerordentlich erfolgreiche Wirksamkeit. Er betheiligte sich an der Gründung und Dotirung des böhmischen Nationalmuseums, zu welchem er durch die Schenkung seiner sämmtlichen Sammlungen und seiner Bibliothek den Grundstock legte, und war bei der Errichtung und Förderung der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften thätig. Vielfache wissenschaftliche Reisen und unermüdliches Sammeln von Pflanzen, namentlich auch von Fossilresten der Steinkohlengruben seiner Herrschaft Radnitz setzten ihn in den Stand, das unter seinen sehr zahlreichen, mehr als 70 betragenden Veröffentlichungen botanischen Inhalts hervorragendste Werk: „Versuch einer geognostisch-botanischen Vorstellung der Flora der Vorwelt“ in 8 Heften und mit 45 farbigen Kupfertafeln, eine damals grundlegende, auch jetzt noch geschätzte Arbeit, zu publiciren. Unter seinen übrigen nicht zahlreichen Schriften ist von bleibendem Werthe: „Umriß einer Geschichte der böhmischen Bergwerke“ in 2 Bdn. 1836—1838. St. war auch Mitbegründer der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte, welche Oken ins Leben gerufen hat. Es wurde ihm noch in hohem Alter 1837 die Freude zu Theil, diese Versammlung in Prag begrüßen zu können. Hochbetagt und allseitig hochgeehrt erlag St. am 10. December 1838 auf seinem Schloß Brezina einem Schlaganfall.

    • Literatur

      Nekrolog in Augsb. Allg. Zeitg. vom 7. u. 8. Jan. 1839. — Palacky, Die Grafen Kaspar und Franz v. Sternberg. 1842. — Ders., Leben des Grafen Kaspar v. Sternberg, von ihm selbst beschrieben. 1868.

  • Autor/in

    v. Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Sternberg, Kaspar Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 118-119 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119335530.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA