• Leben

    Steinmetz: Karl Friedrich v. St., preußischer Generalfeldmarschall, ward am 27. December 1796 zu Eisenach, wo sein Vater, Wilhelm v. St., ein ehemaliger preußischer Lieutenant, welcher 1788 den Abschied genommen hatte, damals lebte, geboren. Seine Mutter, ein Fräulein von der Mosel, die Tochter eines schlesischen Gutsbesitzers, war bemittelt gewesen; die Eltern waren aber in ihren Vermögensverhältnissen zurückgekommen und als der Vater 1805 zu Breslau starb, hinterließ er seine Wittwe mit drei Kindern in einer sehr dürftigen Lage. Der Sohn Karl und sein älterer Bruder Wilhelm fanden 1806 in dem Cadettenhause zu Culm ein Unterkommen. Schon 1807 wurde Culm durch die Abmachungen des Friedens von Tilsit zum Herzogthum Warschau geschlagen; die Cadetten aus den altpreußischen Provinzen kamen nach Stolp in Pommern in die dortige Anstalt. Mit ihnen St. Er schwärmte hier für das in der Stadt garnisonirende Blücher'sche Husarenregiment und träumte von dem Eintritte in dasselbe. Der Wunsch des ganz mittellosen Knaben konnte nie in Erfüllung gehen. 1811 kam dieser in das Cadettenhaus zu Berlin. Zu den beim Bevorstehen des Krieges von 1813 zum Eintritte in das Heer bestimmten Cadetten gehörten auch Wilhelm und Karl v. St., unter Führung des Hauptmanns v. Selasinski gingen sie mitten durch die französischen Vorposten nach Breslau ab; aber während Wilhelm als Portepeefähnrich zum Ostpreußischen Grenadierbataillon kam, wurde Karl, trotz seiner unscheinbaren Gestalt und seiner geringen Leibeslänge mit Rücksicht auf seine guten Zeugnisse, sofort zum Secondlieutenant ernannt. Er ward zunächst dem 1. Garderegiment zugetheilt, dann aber für das Yorck'sche Corps bestimmt. Umsonst versuchte er die Verwirklichung seines Wunsches, Husar zu werden, durchzusetzen. Hartnäckig, wie er von jeher war, ließ er kein Mittel unversucht, welches ihm hätte helfen können seinen Zweck zu erreichen. Er wendete sich unmittelbar an den König. Aber es war umsonst. Er mußte sich fügen. Zwei in Striegau wohnende alte Tanten gewährten ihm die Mittel zur Ausrüstung als Infanterieofficier. So reiste er nach Berlin ab, wo das Yorck'sche Corps inzwischen eingerückt war. Am 25. März kam er dort an. Yorck, bei dem er sich meldete, sah ihn, wie jeden der ihm zugeschickt wurde, als einen Einschub in sein Corps an und da außerdem Steinmetz“ Aeußeres ihm wenig gefiel, sagte er „er könne ihn nicht gebrauchen“. Als S. darauf fragte, wann er zum Könige, der ihn geschickt habe, zurückkehren solle, besann sich Yorck eines anderen. S. kam nun zum 1. Infanterieregiment, jetzt Grenadierregiment König Friedrich Wilhelm III. (1. Ostpreußisches) Nr. 1. Mit diesem zog er in den Krieg. Am 5. April kam er bei Dannigkow zum ersten Male ins Feuer, am 19. leistete er in Cöthen den Fahneneid, am 29. nahm er an dem Gefechte bei Merseburg Theil, welches mit dem Rückzuge nach Schkeuditz endete, am 2. Mai an der Schlacht bei Groß-Görschen, am 5. an dem von seinem Oheim (S. 8) geleiteten Nachhutgefechte von Colditz, am 19. am Treffen bei Königswartha. Bei Merseburg hatte er einen Prellschuß an den Arm erhalten, bei Groß-Görschen war eine Kugel in seine Halsbinde gedrungen, aber in der Einlage stecken geblieben, bei Königswartha zerschmetterte eine solche ihm den Mittelfinger der linken Hand und ging ihm quer über den Leib. Unfähig am Kampfe Theil zu nehmen, wohnte er am 20. und 21. noch der Schlacht bei Bautzen als Zuschauer bei und machte nach derselben den Rückzug bis Bunzlau mit. Dann|aber wurde er weiter zurückgeschickt um sich ausheilen zu lassen. Im Juli war er wieder beim Regiments, sein Finger blieb verkrüppelt. Als der Waffenstillstand zu Ende war, ging es wieder vorwärts. St. focht am 23. August bei Goldberg, am 26. an der Katzbach, am 3. October bei Wartenburg, am 16. bei Möckern, am 21. an der Unstrut. Der Tod, der seinen Bruder Wilhelm am 31. an einer bei Möckern erhaltenen Wunde dahinraffte, ging bei Karl v. St. nahe vorüber. Am 3. October riß eine Paßkugel ihm die Rockschöße und den Gesäßtheil seiner Hosen fort; am 16. aber war er einer von den fünf Officieren der beiden Musketierbataillone seines Regiments, welche unversehrt blieben. Der nachfolgende Aufenthalt am Rhein und namentlich in Frankfurt brachte die sehr nöthige Erholung; das hier nachgezahlte Gehalt gestattete dem jungen Lieutenant auch sich einige Lebensfreuden zu verschaffen, daneben aber war er unausgesetzt bestrebt, seine Kenntnisse zu vermehren und seinen Gesichtskreis zu erweitern. Am 10. Januar 1814 erhielt das Regiment von neuem Marschbefehl. Es galt die letzten Kämpfe zur Erreichung des großen Endzieles auf Frankreichs Boden. St. war es vergönnt am 3. Februar bei la Chauffée, am 4. bei Châlons sur Marne, am 12. bei Château Thierry, am 9. März bei Laon, am 30. bei Paris daran Theil zu nehmen; sie trugen ihm das Eiserne Kreuz 2. Classe ein. Paris betrat er ein einziges Mal, er hatte kein Geld sich dort zu belustigen oder viel zu sehen, seine Ersparnisse im Betrage von 10 Ducaten hatte er seiner Mutter geschickt. Die Geringfügigkeit der Mittel, die zu seiner Verfügung standen, ließ ihn überhaupt auf die Theilnahme an den Jugendfreuden seiner Kameraden verzichten; es entsprach dies außerdem seinen angeborenen Neigungen und trieb ihn zu großer Mäßigkeit und Enthaltsamkeit, sehr zum Vortheile seiner Gesundheit. Das Leben, welches er führte, kräftigte seinen von Haus aus schwachen Körper, so daß dieser Frische und Ausdauer bis in Steinmetz' letzte Lebenstage bewahrte, und stählte seinen Charakter. An den eigenen Leib und Seele stellte er schon damals die höchsten Anforderungen und gewöhnte sich, solche auch von seinen Untergebenen zu verlangen. — Als die Nachricht von Napoleon's Landung in Frankreich erscholl, war St. auf dem Rückmarsche mit seinem Regimente bis nach Prenzlau gekommen. Es wurde sofort Kehrt gemacht. Der Krieg war aber zu Ende als er im August bei Paris ankam, welches er dieses Mal eingehender besichtigen konnte. Es war ihm ferner Gelegenheit geboten, das nordwestliche Frankreich, Belgien und ein gutes Stück von Deutschland zu sehen, und wie immer benutzte er sie sich mit allem ihm Neuen bekannt zu machen. Zu Ende des Winters 1815/16 langte er in seiner Garnison Königsberg an.

    Am 26. Mai 1818 ward er zum 2. Garderegiment zu Fuß nach Berlin versetzt. Es war eine Auszeichnung, aber sie legte St. neue Opfer und Entsagungen auf. Ohne jegliche Zulage und bemüht von seinem schmalen Einkommen stets noch eine Kleinigkeit zu erübrigen, die er seiner Mutter zuwenden könnte, sah er sich in einen Kreis meist bemittelter Kameraden versetzt, die sich den Genuß der Lebensfreuden, welche die Stadt bot, nicht zu versagen brauchten und die außerdem durch den Verkehr in den Kreisen der höheren Gesellschaft vielfach Gelegenheit fanden, auf die Gestaltung ihrer Diensteslaufbahn günstig einzuwirken. St. blieben nur das Studium und der Dienst. Auf beide warf er sich mit der vollen Willensstärke seines Charakters. Er wollte weiter kommen. Sein Sinnen und Trachten war auf außerordentliche Beförderung durch Verwendung im Generalstabe oder in der Adjutantur gerichtet; keine von beiden ist ihm je zu Theil geworden. Die Ausbildung für den Krieg erfüllte sein ganzes Streben. Darüber bildete er sich seine eigenen sehr strengen Ansichten, die er mit großer Entschiedenheit, oft mit Schroffheit, und nicht ohne Selbstüberschätzung|vertrat. Namentlich richtete er scharfe Angriffe gegen mancherlei sich einschleichende Friedensspielereien und setzte sich dadurch in Widerspruch mit Kameraden und mit Vorgesetzten. Schon damals war er, was er bis zum Ende seiner Diensteslaufbahn geblieben ist, ein schwieriger Untergebener. Am 17. April 1819 wurde er Premierlieutenant, nun hatte er monatlich einige Thaler mehr. Ein Secondlieutenantspatent vom 5. März 1813 statt des ihm zuerst verliehenen vom 9. des nämlichen Monats, durch welches seinem Anspruche, als Portepeeunterofficier vor den anderen, gleichzeitig zu Officieren ernannten Cadetten zu rangiren, genügt wurde, hatte er sich erst erkämpfen müssen. Im J. 1820 ward er zur Allgemeinen Kriegsschule commandirt. Das bei dieser Gelegenheit ausgestellte Dienstzeugniß seines Regimentscommandeurs bezeichnet ihn als einen sehr soliden ehrenwerthen Officier von großer Brauchbarkeit. Auf der Kriegsschule hörte er Befestigungskunst bei Oberst v. Reiche, Kriegsgeschichte bei Oberstlieutenant v. Canitz, Taktik bei Major Decker, Geschichte und Geographie bei den Professoren Woltmann und Ritter; sein Fleiß, von welchem noch jetzt vorhandene Folianten Zeugniß ablegen, galt vornehmlich der Fortbildung in denjenigen Wissenschaften, welche seine soldatische Brauchbarkeit erhöhen konnten. Nach Beendigung des dreijährigen Commandos ward er 1824 zum Topographischen Bureau des Generalstabes einberufen. Die Beurtheilung, welche er damals durch den Chef des Generalstabes, General v. Müffling, erfuhr, kennzeichnet sowol seinen Charakter wie seine Leistungen. In ersterer Beziehung erwähnt Müffling seine Neigung zur Arroganz, daß er sich selbst große Fähigkeiten zutraue und keines Encouragements bedürfe; in letzterer rühmt er seine Urtheilskraft und seine Bekanntschaft mit den größeren Verhältnissen des Krieges und glaubt, daß er seine Kameraden bald überflügeln werde. Trotzdem gelangte er nicht in den Generalstab. Daran war wieder der Mangel an Geld Schuld. Die Gebührnisse der Generalstabsofficiere waren damals, namentlich angesichts der von ihnen für ihr Berittensein aufzuwendenden Kosten, so gering bemessen, daß nur wohlhabende Officiere zu gebrauchen waren. Für St. konnte um so weniger daran gedacht werden, als er sich am 26. October 1825 verheirathet hatte. Es war das der erste Sonnenstrahl, der in sein freudenarmes Jugendleben fiel. Die Erwählte war seine Cousine, Julie v. St., eine Tochter seines obengenannten Oheims. 1820 hatte er sie in Schönwalde kennen gelernt und sich mit ihr verlobt. Die Heirath sollte erst vollzogen werden, wenn St. Hauptmann geworden sein würde; da aber die Vermögenslage des Generals sich durch den Verkauf von Schönwalde günstiger gestaltet hatte, fand sie früher statt. Der Verkehr mit seiner klugen, liebenswürdigen und gottesfürchtigen Gemahlin machte den Gatten weicher und milder, aber mit der Aussicht auf Beförderung außer der Reihe durch Verwendung außerhalb der Front war es vorbei. St. mußte seinen Weg durch den praktischen Dienst zu machen suchen. Dieser ward nun in seinen Augen immer mehr das Höchste im militärischen Leben. Der von ihm vertretene Standpunkt kommt vornehmlich in seinem Ausspruche zur Ausgestaltung, daß man mit den Könnern viel weiter komme als mit den Wissern. Am 14. April 1829 wurde er Capitän und Compagniechef und am 27. September des nämlichen Jahres ward er als solcher zum Garde-Reserve-Infanterie-(Landwehr-)regimente, jetzt Garde-Füsilierregiment, nach Potsdam versetzt. Es geschah mit Rücksicht auf seinen dort lebenden Schwiegervater. Für den strebsamen St. war es eine vortreffliche Schule, zumal er das Glück hatte, daß sein Brigadecommandeur, der General v. Röder, ein vorzüglicher Exerciermeister war, dem er noch in seinen späten Lebenstagen große Anerkennung zollte. Auch seine pecuniäre Lage war besser, so daß er der trotz seiner sonstigen Abgeschlossenheit in ihm vorhandenen Neigung zu geselligem Verkehr nachgeben konnte. Noch|günstiger gestaltete sich diese Lage als er 1835 als Hauptmann 1. Classe in das Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiment nach Berlin verseht wurde. Am 30. März 1839 erfolgte seine Beförderung zum Stabsofficier. Er wurde zum Major und zum 2. Commandeur des 3. Bataillons 4. Garde-Landwehrregiments ernannt und nach Düsseldorf versetzt, am 26. März 1841 kehrte er als Bataillonscommandeur in sein früheres, das nunmehrige Garde-Reserveregiment, zurück; seine Garnison ward Spandau. In seiner neuen Stellung bewährte er sich in gleichem Maße wie in der des Compagniechefs; sein Streben nach kriegsmäßiger Ausbildung der Truppe verwickelte ihn aber in einen steten Streit mit seinem Regimentscommandeur, dem Oberst v. Döring, einem alten ostpreußischen Regimentskameraden, welcher anderen Ansichten huldigte, vor allen Dingen das Formenwesen hochhielt, den Drill über die Erziehung stellte und in jeder Neuerung die Gefahr des Umsturzes witterte. Auch mit seinem Freunde, dem späteren General Vogel v. Falckenstein, welcher damals ebenfalls als Bataillonscommandeur in Spandau stand, focht er heftige dienstliche Fehden aus, die aber auf das außerdienstliche Verhältniß keinen Einfluß übten. Neben der militärischen Ausbildung ließ er nebst seiner Gemahlin die gesellige Schulung seiner Officiere sich angelegen sein.

    Die Märzereignisse des Jahres 1848 erschütterten Steinmetz' Gemüth auf das tiefste und erfüllten sein Herz mit lebhaftem Ingrimme gegen die Führer der Bewegung und gegen die Bevölkerung von Berlin. Selbst in den Kampf einzugreifen blieb ihm zu seinem Schmerze versagt. In der Nacht vom 18. zum 19. März erhielt er Befehl mit seinem Bataillon nach Berlin zu rücken, aber unverrichteter Sache mußte er schon am nächsten Morgen nach Spandau zurückkehren. Am 21. aber ward seiner Thätigkeit ein anderes Feld angewiesen. Er wurde mit der Führung der beiden Musketierbataillone des 2. Infanterie-(Königs-) regiments, jetzt Grenadierregiment König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) Nr. 2, beauftragt, dessen Commandeur, Oberst Graf Schulenburg, im Berliner Straßenkampfe schwer verwundet war; gleich darauf erhielt er Befehl, mit denselben auf den Kriegsschauplatz in den Elbherzogthümern abzugehen. Seine Bataillone gehörten der Linienbrigade des Generals v. Bonin an. Schon am 23. April kam er mit ihnen bei Schleswig ins Gefecht. Sein aus eigenem Antriebe erfolgtes Eingreifen in den Gang desselben war von wesentlichem Einflusse auf die Entscheidung des Tages. Als der Feind die Garden auf Bustorf zurückdrängte, unterbrach St. den Vormarsch auf Neide, ging zum Angriffe gegen den dänischen rechten Flügel vor und setzte den Kampf so lange fort, bis der Feind, um nicht ganz umgangen zu werden, die Stadt räumte und die Schlacht verloren gab. Wrangel sagte ihm später in seiner Weise: „Du hast das Gefecht bei Schleswig entschieden.“ Am 5. Juni kam er im Treffen bei Düppel nochmals zu ernster kriegerischer Thätigkeit. In Anerkennung seiner Leistungen erhielt er den Orden pour le mérite; auf einer Parade bei Schönhausen in der Nähe von Berlin hängte ihm Prinz Wilhelm, nachmals König Wilhelm I., das Ehrenzeichen eigenhändig um. Ueber Steinmetz' Erlebnisse und Wahrnehmungen in diesem Feldzuge liegen eigenhändige Briefe von ihm vor, welche reiche Fülle der Belehrung und mancherlei Aufschlüsse über die Begebenheiten bieten (3.—6. Beiheft zum Militär-Wochenblatt, Berlin 1878). Sie zeigen den Schreiber überall als den dienstkundigen, gebildeten, thätigen, kampflustigen, einsichtsvollen Bataillonscommandeur. — Nach Beendigung des Feldzuges kehrte St. zunächst in seine frühere Stellung in Spandau zurück, aber schon am 6. November 1848 ward er zum Commandeur des in Magdeburg stehenden 32. Infanterieregiments ernannt. Bevor er dahin abging wurde ihm ein anderer Auftrag zu Theil, dessen geschickte und erfolgreiche Ausführung besondere Umsicht, Thatkraft und Selbständigkeit erforderte. Es wurde ihm der Posten des Commandanten zu Brandenburg a. d. Havel übertragen, wohin die Sitzungen der Nationalversammlung verlegt waren. Sein Auftrag war um so schwieriger, als unter den Truppen der Besatzung ein stark demokratisch angehauchtes Landwehrbataillon sich befand. Aber St. hatte schon in Schleswig gezeigt, daß er dergleichen Leute zu behandeln verstand und so gelang es ihm auch hier die Mannszucht zu erhalten. Die Abgeordneten gaben ihm keine Veranlassung sie seine rücksichtslose Entschlossenheit fühlen zu lassen und die sehr erregte Ortsbevölkerung hütete sich wol, ihn durch Ausschreitungen herauszufordern. — Am 8. Mai 1849 ward er Oberstlieutenant. Damals beehrte ihn seines Kriegsherrn Vertrauen von neuem mit einem Auftrage, dessen Ausführung einen ganzen Mann forderte. Ein zum Feldzuge gegen die Aufständischen in Baden eingezogenes Berliner Landwehrbataillon hatte sich grobe Verstöße gegen die Disciplin zu Schulden kommen lassen, welche ernste Maßregeln nöthig machten. „Er erfüllte diese Aufgabe mit seiner ganzen Energie und so furchtbarem Ernst, daß kein Widerstand mehr versucht und die Excedenten zur Verurtheilung abgeliefert wurden.“ — Anfang Juli des nämlichen Jahres erhielt er den Befehl über preußische Truppen, welche an der anhaltischen Landesgrenze zusammengezogen wurden. Eine Umsturzpartei gefährdete die Wirksamkeit der dortigen Regierungen, S. sollte unter Umständen die letzteren stützen. Sein Einschreiten ward aber nicht erfordert; es war nicht nöthig, daß er die von ihm in Aussicht genommenen sehr energischen Maßregeln zur Ausführung brachte. Als im Spätherbste 1850 aus Anlaß der hessischen Wirren das preußische Heer mobil gemacht wurde, gehörte das 32. Infanterieregiment zum Corps des Generals Graf Gröben. Dieser, dem St. von Düsseldorf her bekannt war, übertrug ihm die Geschäfte des Commandanten von Kassel, wo er am 6. November eintraf. Die Stellung war nicht nach seinem Geschmack; den militärischen Anordnungen, welche er gern getroffen hätte, traten überall politische Bedenken und Rücksichten in den Weg. Er war froh als er im December nach seiner neuen Garnison Erfurt abrücken konnte. Ein Tagesbefehl Gröben's sprach ihm den wärmsten Dank für das aus, was er in Kassel geleistet hatte. — Das folgende Jahr brachte ihm am 18. Januar die Beförderung zum Obersten und am 17. April die Versetzung in einen Dienstkreis, mit welchem er bis dahin in gar keine Berührung gekommen war. Er wurde zum Commandeur des Cadettencorps ernannt. Als solcher hatte er die Aufsicht über sämmtliche Cadettenanstalten und die Sonderleitung des Berliner Hauses. Aber so fremd ihm die Verhältnisse waren, in welche er eintrat, so rege war das Interesse, welches er ihnen entgegenbrachte. Die Stellung entsprach ganz seinen Neigungen. Schon in einem 1820 geführten Tagebuche hat er Ansichten über Jugenderziehung niedergelegt, die er nach mehr als dreißig Jahren verwirklichen konnte, und bei der Ausbildung der ihm unterstellt gewesenen Truppen hatte er nie die erzieherische Aufgabe der Vorgesetzten aus den Augen gelassen. Im Cadettencorps gab es für ihn viel zu ändern und zu bessern, er fand zahlreiche Mißbräuche vor, hatte in Einrichtungen und unter den Persönlichkeiten Wandel zu schassen. In unglaublich kurzer Zeit war er über alle Verhältnisse orientirt; um aus eigener Kenntniß urtheilen zu können, lernte er Lateinisch und Englisch. Dann griff er rücksichtslos und entschieden ein. An die Stelle des alten Lehrplanes setzte er einen neuen, nahm den jungen Officieren und den Civilgouverneuren, um Unrechten Gebrauch zu verhindern, die Strafgewalt und setzte an die Stelle der bequemen Art Cadetten, deren Leistungen nicht genügten, den Eltern zurückzugeben, das Ziel „unnütze Jungens, so lange sie keine schlechten Streiche machen, zu erziehen“, sie ihrem Berufe zu erhalten. Mit rauher Faust griff er ein, unbekümmert um die Meinungen Anderer, schädigte manches Privatinteresse und|vermeintlich wolbegründete Ansprüche seiner Untergebenen und hatte manch harten Kampf gegen Vorurtheil und Eigennutz durchzukämpfen; seinen Cadetten aber brachte er ein warmes Herz entgegen, welches er denen die unter ihm gestanden hatten bis zuletzt bewahrte und vielfach bethätigte. Während der Zeit seiner Commandoführung lernte er, einer Einladung des Kaisers Nicolaus folgend, auch die Petersburger Militär-Erziehungsanstalten kennen. — Nach drei Jahren ward er seiner Stellung als Commandeur des Cadettencorps enthoben und am 25. April 1854 zum Commandanten von Magdeburg ernannt; im Juli desselben Jahres ward er Generalmajor. Wiederum war es eine von seiner bisherigen Dienstesthätigkeit ganz vermiedene Wirksamkeit, in welche er eintrat. Auch hier fand er vieles, was er für fehlerhaft hielt und zu ändern wünschte. Die Verwendung in immer anderen Stellungen, in die das Vertrauen seines Kriegsherrn ihn berief, und die Aufgaben, welche ihm dadurch erwachsen waren, erweckten allmählich die Ueberzeugung in ihm, daß er berufen sei, überall wohin er kam, aufzuräumen und zu bessern. So ging es auch in Magdeburg. Hier richteten sich seine Angriffe hauptsächlich gegen die bürgerlichen Behörden zu denen er Beziehungen hatte; namentlich mit der Steuer- und mit der Polizeidirection lebte er in stetem Kriege.

    In die Zeit seines Magdeburger Aufenthaltes fällt eine wunderbare Begebenheit. Um so wunderbarer, als sie einen Mann betrifft wie St., den Mann von Stahl und Eisen, den starren Soldaten, bei dem man alles andere eher gesucht hätte als ein Uebermaß von Einbildungskraft, ein Verlassen des Bodens der nackten Wirklichkeit. Er wurde von Visionen heimgesucht, sein Geist war von Wahnvorstellungen erfüllt. Sie knüpften sich an den Tod seiner am 10. October 1854 sechsundzwanzigjährig zu Magdeburg gestorbenen Tochter Selma, des letzten seiner drei Kinder. Kaum seine Gattin hat ihm im Leben so nahe gestanden wie diese Tochter. Sie war seine ganze Freude, sein ganzer Stolz gewesen. Anfangs konnte er kaum fassen, daß sie ihm genommen sei; er vermeinte immer sie müsse eintreten. Bald aber glaubte er sie wirklich wieder bei sich zu sehen. Sie erschien ihm häufig und lange weilte ihr Bild bei ihm. Brachvogel (s. unten) hat nach des Generals eigenen Aufzeichnungen über diese Zustände berichtet, die sich sehr allmählich verloren und erst zehn Jahre später ganz verschwanden. Auf die Erfüllung seiner dienstlichen Pflichten äußerten dieselben indeß keinen Einfluß.

    Am 19. Februar 1857 wurde General v. St. als Commandeur der 4. Garde-Infanteriebrigade nach Berlin versetzt, aber schon am nächsten 3. December zum Commandeur der 1. Division in Königsberg ernannt. An der Spitze derselben ist er, am 22. Mai 1858 zum Generallieutenant befördert, mehr als fünf Jahre lang geblieben; er benutzte diese Zeit, abgesehen davon daß er mit gewohntem Ernst und Eifer seinen Dienstobliegenheiten nachkam, sich mit der militärischen Gesetzgebung zu beschäftigen und die Eigenart der Cavallerie sowie die Ausbildung dieser Waffe genau kennen zu lernen. Gegen das Ende seines Königsberger Aufenthaltes trug er sich mit Abschiedsgedanken, bat sogar einmal um seine Pensionirung, da er den Augenblick gekommen glaubte, in welchem er den Degen einstecken müsse. Es trug dazu die Befürchtung bei, daß der an Jahren jüngere General v. Bonin (s. A. D. B. III, 128), der im 2. Garde-Regimente sein Hintermann gewesen war, dann aber seinen Weg durch die Fürstenadjutantur gemacht hatte und ihm vorgekommen war, sein commandirender General werden könnte. Der Gedanke war ihm unerträglich. Aber die Verwirklichung ward abgewendet. Als am 29. Januar 1863 Bonin an die Spitze des I. Armeecorps trat, ward gleichzeitig St. zum commandirenden General des II. in Stettin ernannt. Am 18. Mai 1864 mußte er diese Stellung dem Kronprinzen Friedrich|Wilhelm abtreten und sie mit der gleichen an der Spitze des V. Armeecorps in Posen vertauschen. In Stettin war am 19. November 1863 seine Gattin gestorben. „Nun habe ich nur noch Gott und den Dienst“, konnte er mit Recht ausrufen. Am 25. Juni 1864 war er zum General der Infanterie ernannt worden.

    Sein Armeecorps war das scharfgeschliffene Werkzeug, mit welchem er in den Krieg gegen Oesterreich zog. Er sollte ihm unvergänglichen Ruhm bringen. Das V. Armeecorps gehörte zu der unter den Oberbefehl des Kronprinzen gestellten 2. Armee. Sie sammelte sich in Schlesien. Am 26. Juni 1866 stand St. mit seinem Armeecorps und einigen ihm außerdem zugewiesenen Truppentheilen als Vorhut der Colonne des linken Flügels zum Einmarsche bereit an Oesterreichs Grenze. Noch am Abend jenes Tages ward letztere auf der von Glatz über Reinerz nach Böhmen führenden Straße überschritten. Am 27. ging es vorwärts. Das V. Armeecorps stieß im Marsche auf das in der Bewegung von Olmütz auf Josefstadt begriffene VI. feindliche Corps unter Feldmarschalllieutenant Ramming. Die Begegnung führte zu dem blutigen Treffen von Nachod, welches Ramming veranlaßte auf Skalitz zurückzugehen. Hier kam es am 28. zu erneutem Kampfe. St. war der Auftrag geworden, an diesem Tage die Angriffsbewegung fortzusetzen. Er hatte zu diesem Zwecke den weiteren Vormarsch auf Skalitz angeordnet und hielt an seinem Vorhaben auch dann noch fest als ihm die Kunde wurde, daß er auf die in Aussicht gestellte Mitwirkung des Gardecorps nicht rechnen könne, weil der Mißerfolg des Generals v. Bonin, welcher Tags zuvor bei Trautenau, wo er in Böhmen einzudringen versucht hatte, durch Gablenz blutig zurückgewiesen war, eine abweichende Verfügung über die Truppen geboten hatte. Es war der nämliche Bonin, dessen wir oben gedacht haben. Nur die schwere Garde-Cavalleriebrigade ward St. überwiesen. Bei Skalitz traf St. auf neue Gegner. Ramming war mit seinem VI. Corps durch 3 Brigaden des VIII. unter Erzherzog Leopold abgelöst, welche auf den langgestreckten Höhen östlich von Skalitz eine feste Stellung genommen hatten. Hier griff St. sie an. Es war ein langes blutiges Ringen, aber es war wiederum mit Erfolg gekrönt und ein weiterer Schritt auf dem Wege zu dem gesteckten Ziele, der Vereinigung der 2. Armee am linken Ufer der Elbe bei Gradlitz. Am 29. wollte St. versuchen dieses Ziel ohne Kampf zu erreichen. Der Gegner vereitelte die Absicht. In dem IV. Corps des Feldmarschalllieutenants Graf Festetics stellte sich ihm bei Schweinschädel ein neuer Feind entgegen. Auch dieser wurde geworfen. Der Kamps war nicht so verlustreich wie die beiden vorangegangenen gewesen waren, es wurde aber trotzdem viel kostbares Blut vergossen. Aus den Opfern, welche der Einmarsch in Böhmen das V. Armeecorps gekostet hatte, ist gegen St. vielfach der Vorwurf hergeleitet worden, daß er mit dem Leben seiner Soldaten nicht sparsam genug umgegangen sei, daß er, der Eigenart seines Charakters entsprechend, allzu rücksichtslos verfahren sei. Die Beschuldigung ist ungerecht. Der Tag von Schweinschädel beweist, daß er das Gefecht nicht suchte, daß er es zu vermeiden wünschte wenn er seinen Zweck ohne Kampf erreichen konnte; daß er, wo dies nicht anging, seine Kraft voll einsetzte, sich nicht durch philanthropische Bedenken von Maßregeln abhalten ließ, die er als die richtigen erkannt hatte, zeigt nur daß er den Krieg verstand; anders handeln, wäre sparen am unrechten Orte gewesen. Steinmetz' Verluste beim Einmärsche in Böhmen betrugen sehr wenig mehr als die, welche die übrigen Truppentheile der 2. Armee zusammen erlitten hatten, und dabei waren es seine Leistungen, welche jenen das Gelingen der ihnen gewordenen Aufgabe überhaupt erst ermöglichten. Wie König Wilhelm das Verdienst würdigte, welches St. und die ihm unterstellten Truppen sich um das Gelingen des Feldzugsplanes erworben hatten, beweist das Schreiben, neben dem er ihm den Schwarzen Adlerorden übersandte. Er erkennt St. die Ehre zu „daß er die schwierigen Operationen größtentheils gelingen gemacht habe, die der gesammten Armee gestellt gewesen seien“. — Mit den Einmarschkämpfen hörte Steinmetz' Theilnahme an der Gefechtsthätigkeit auf. Das V. Armeecorps kam in die Reserve und bei Königgrätz nicht ins Feuer, ebensowenig beim weiteren Vormarsche gegen die ungarische Grenze. Am 20. September wurde die sieg- und ruhmgekrönt heimkehrende Garnison der Stadt Posen dort feierlich empfangen. An demselben Tage wurde St. zum Chef des zum V. Armeecorps gehörenden Westfälischen Füsilierregiments Nr. 37 ernannt, welches am 27. Januar 1889 durch Kaiser Wilhelm II. den Namen Steinmetz für alle Zeiten erhielt.

    Im Jahre 1867 schritt der siebenzigjährige General zu einem zweiten Ehebunde. Die Erwählte war Fräulein Elise v. Krosigk (geboren am 21. November 1848, wieder vermählt am 12. April 1880 mit Graf Brühl auf Seifersdorf bei Dresden), Tochter des Generals von Krosigk, welcher die Posener Cavalleriebrigade befehligte. Die Trauung wurde, da der Schwiegervater sich zu Tübingen in ärztlicher Behandlung befand, auf der Burg Hohenzollern vollzogen. St. war durch eine wegen seiner Verdienste im J. 1866 ihm zu Theil gewordene Dotation ein wohlhabender Mann geworden. Auch war er in den Norddeutschen Reichstag gewählt und nahm in diesem seinen Sitz ein.

    Der Ausbruch des Krieges von 1870 berief ihn an die Spitze der ersten der gegen Frankreich aufgestellten Armeen. Sie war aus dem I., VII. und VIII. Armeecorps und aus der 1. und 3. Cavalleriedivision, im ganzen aus 75 Bataillonen, 64 Schwadronen, 45 Batterien, zusammengesetzt und stand auf dem äußersten rechten Flügel, zunächst am Feinde. Gern hätte St. daher den Feldzug eröffnet, um so mehr als er befürchten konnte beim Vorgehen der 2. Armee des Prinzen Friedrich Karl in die zweite Linie gedrängt zu werden. Aber durch höhere Verfügungen waren ihm die Hände gebunden, er mußte abwarten. Als den Absichten der oberen Heeresleitung zuwider am 6. August die Schlacht von Spicheren geschlagen wurde, waren es freilich Truppentheile der 1. Armee, welche dieselbe herbeigeführt hatten; es war aber gegen seine Absicht geschehen und erst um 7 Uhr Abends, als das Geschick des Tages bereits entschieden war, übernahm St., aus seinem Hauptquartier Eiweiler auf der Walstatt eingetroffen, aus den Händen eines seiner Corpscommandeure, des Generals v. Zastrow, das Commando. Der zweite Kampf, welchen die 1. Armee zu bestehen hatte, fand wiederum gegen die Absichten ihres Obergenerals statt. Es war die Schlacht von Colombey-Nouilly am 14. August. St. traf auf dem Kampfplatze erst ein als das Gefecht vollständig beendet war. Er erkannte das Geleistete an, tadelte aber, daß den gegebenen Weisungen entgegen überhaupt geschlagen war. An der Schlacht bei Gravelotte-St. Privat nahm St. mit dem VII. und VIII. Armeecorps persönlichen Antheil, während die übrigen ihm unterstellten Truppen auf dem rechten Moselufer die Wacht vor Metz hielten. Am folgenden Tage ward eine neue Armee gebildet, die Maasarmee, unter dem Kronprinzen Albert von Sachsen. Sie marschirte in Gemeinschaft mit der 3. des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen gen Paris, während die 2. Armee unter Prinz Friedrich Karl und die 1. unter St. vor Metz zurückblieben mit Beobachtung des in die Moselfeste eingeschlossenen Rheinheeres unter Marschall Bazaine beauftragt. Damit war aber eine tiefeinschneidende Aenderung in der dienstlichen Stellung des Generals v. St. verbunden. Bis dahin selbständiger Armeeobercommandant und als solcher unmittelbar dem allerhöchsten Kriegsherrn und seinem großen Hauptquartiere unterstellt, trat er jetzt unter die Befehle eines|im Verhältniß zu ihm selbst jungen Prinzen, dessen Persönlichkeit voraussehen ließ, daß er sein Commando nicht nur dem Namen nach führen, sondern es thatsächlich ausüben würde. Fast einen Monat währte der durch diese Anordnungen geschaffene Zustand. In diese Zeit fällt die am 31. August und am 1. September geschlagene Schlacht von Noisseville, welche den einzigen von Bazaine unternommenen ernstlichen Durchbruchsversuch vereitelte. Sie wurde fast allein von der 1. Armee ausgefochten. Lange aber sollte Steinmetz' kriegerische Thätigkeit nicht mehr dauern. Am 15. September traf in seinem Hauptquartier Jouy aux Arches eine vom 13. datirte Allerhöchste Cabinetsordre ein, durch welche der General der Infanterie v. St. zum Generalgouverneur im Bereiche des V. und VI. Armeecorps mit dem Sitze in Posen ernannt wurde. Die Truppen der 1. Armee traten unmittelbar unter das Obercommando der Cernirungsarmee, ein Theil des Stabes blieb bestehen um demnächst die Mittel für eine neue, nach dem Falle von Metz unter dem Oberbefehle des Generals v. Manteuffel gebildete Armee zu bieten. Am 26. reiste St. nach Posen ab. Seine kriegerische Laufbahn schloß mit einem Mißtone. Die näheren Umstände, unter welchen er erklang, sind nicht bekannt geworden; es steht jedoch fest, daß Steinmetz' Rücktritt vom Commando erfolgt ist, weil sein Verhältniß zum Prinzen ein unerträgliches geworden war und um jeden Preis gelöst werden mußte.

    So lange der Krieg dauerte blieb St. auf dem ihm angewiesenen Posten. Als der Friede gesichert war, bat er um seine Versetzung in den Ruhestand. Unter dem 8. April 1871 ward seine Bitte gewährt. Um ihn der Armee äußerlich zu erhalten geschah es unter Versetzung zu den Officieren von der Armee mit dem Gehalte seiner Charge und einem Jahreszuschusse von 2000 Thalern und unter gleichzeitiger Verleihung des Charakters als Generalfeldmarschall. Ferner wurde er am 30. November 1872 zum Mitgliede des Herrenhauses ernannt. Das Eiserne Kreuz 2. und 1. Classe, sowie das Eichenlaub zum Orden pour le mérite, hatte er schon im Lause des Krieges erhalten, später wurde ihm, wie nach 1866, eine Dotation zu Theil. Seinen Wohnsitz verlegte er nach Görlitz. Frisch und rüstig bis in sein hohes Alter konnte er noch am 29. Juni 1877 der Feier eines zweihundertjährigen Bestehens beiwohnen, welche das Grenadierregiment König Friedrich Wilhelm IV., dessen Musketierbataillone er 1848 geführt hatte, beging. Dann starb er am 2. August 1877 in Bad Landeck.

    Sein Leben war Mühe und Arbeit gewesen. Die Eigenart des Feldmarschalls kennzeichnet sein Biograph, General v. Conrady, in nachstehender Weise: „Er hat zu seinen Lebzeiten wenig Freunde in der Armee gehabt. Es lag dies in seinem schroffen Wesen und in den hohen Anforderungen, die er im Dienst stellte. Ein ernster, verschlossener Charakter, ist er von seinen Zeitgenossen meist nicht verstanden worden, weil die Motive seines Handelns unbekannt blieben. In der strengen Schule des Lebens erzogen, von schweren Schicksalsschlägen getroffen, die manchen umgeworfen haben würden, hat er festgestanden in christlichem Glauben an einen gnädigen Gott, sich nach und nach loslösen müssen von allem, was den Menschen an das Leben bindet und als seine einzige Lebensausgabe das Wirken für seinen König und sein Vaterland erkannt. Von der Pike auf gedient, niemals außerhalb der Front verwendet, hat er es allein durch seine Tüchtigkeit und seine unbestrittenen Verdienste um die Armee zum Feldmarschall gebracht.“

    • Literatur

      Beihefte zum Militär-Wochenblatt, Berlin 1877, 3.—6. Heft (enthalten eine bis zum Jahre 1866 reichende Lebensskizze aus der Feder des Generallieutenant v. Conrady und die obenerwähnten Briefe). — Der Soldatenfreund, 45. Jahrgang, Berlin 1877. —
      Die Theilnahme des V. Armeecorps an den kriegerischen Ereignissen gegen Oesterreich vom Generallieutenant v. Kirchbach,|Berlin 1868. —
      Die Operationen der 1. Armee unter dem General v. Steinmetz von Major v. Schell, Berlin 1872. — Die Männer der neuen deutschen Zeit von A. E. Brachvogel. 3. Bd., Hannover 1874.

  • Autor/in

    B. Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Steinmetz, Karl Friedrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 10-19 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11726282X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA