Lebensdaten
um 1300 bis um 1360
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Kloster Töss bei Winterthur
Beruf/Funktion
Dominikanerin zu Töß ; Mystikerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119221780 | OGND | VIAF: 100216032
Namensvarianten
  • Stagel, Elisabeth
  • Staglin, Elsbeth
  • Stagel, Elsbeth
  • mehr

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Zitierweise

Stagel, Elsbeth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119221780.html [23.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus angesehener Fam. in Z., d. im 15. Jh. ausstarb;
    V Rudolf, Ratsherr, erhielt 1323 v. Hzg. Leopold v. Österr. d. Fleischbank in Z. zu Lehen.

  • Leben

    S. kam jung ins Dominikanerinnenkloster Töss bei Winterthur. Seit 1336/37 stand sie in intensivem geistlichem Kontakt mit Heinrich Seuse (1295/97–1366). Im Prolog seines „Exemplars“ wird berichtet, daß sein „Briefbüchlein“ aus einer Sammlung erwachsen ist, die S. aus Seuses Pastoralbriefen an sie und andere seiner geistlichen Töchter zusammengestellt habe. Außerdem geht aus den Briefen 3 und 8 des „Briefbüchleins“ hervor, daß es eine intensive Korrespondenz zwischen Seuse und S. gegeben haben muß.

    Im Prolog zu Seuses „Vita“ wird S. als eine heilige, erleuchtete Ordensfrau bezeichnet, die viel Leid zu tragen und deshalb Seuse wiederholt darum gebeten hatte, ihr etwas Erbauliches über das Leiden mitzuteilen, aus dem sie Hoffnung und Trost schöpfen könne. Seuse erzählte ihr bei seinen Besuchen in ihrem Kloster daher die Entwicklungsgeschichte seines eigenen leidgeprüften geistlichen Lebens, die S. heimlich aufschrieb. Nachdem Seuse von diesem Plagiat erfuhr, verbrannte er die ersten Teile von S.s Niederschrift, wurde aber an der Vernichtung auch der anderen Teile durch eine himmlische Botschaft gehindert. Diese Darstellung schreibt S. zumindest eine kompilatorische Mitwirkung, wenn nicht gar eine Mitautorschaft an Seuses „Vita“ zu. Ihre geistliche schriftstellerische Tätigkeit – auch als Kooperatorin bei der Abfassung von Seuses geistlichen Werken – wird zu Beginn des zweiten Teils der „Vita“ noch einmal hervorgehoben, wurde aber von der Forschung bislang überwiegend zurückhaltend beurteilt. Der zweite Teil der „Vita“ Seuses zeigt S.s exemplarische Reifung und Vervollkommnung auf dem geistlichen Weg, die sie zu einem größtmöglichen Verständnis der zentralen Gehalte von Seuses mystischer Lehre befähigt. Mit S.s frommem, gottergebenem Leben, ihrer geistlichen Vollendung, ihrem Tod als eine heiligmäßige Person sowie Seuses Vision ihrer in Gott verklärten Gestalt, vollendet sich zugleich Seuses geistliches Vaterschaftsverhältnis zu ihr und damit dessen als vorbildlich dargestellte imitatio Christi.

    Die auf Seuses „Vita“ beruhende Annahme, S. sei alleinige Verfasserin des „Tösser Schwesternbuchs“, wurde inzwischen relativiert: Sehr wahrscheinlich zugewiesen werden kann ihr nur die Autorschaft für die Lebensbeschreibung der Elsbeth von Cellikon. S.s in der Mitte des 15. Jh. von dem Dominikaner Johannes Meyer (1422–82) verfaßte Vita trägt stark hagiographische Züge.

  • Werke

    W-Ausgg. u. a. H. Seuse, Dt. Schrr., hg. v. K. Bihlmeyer, 1907, Neudr. 1961;
    Das Leben d. Schwestern zu Töß beschrieben v. E. S. samt d. Vorrede v. Johannes Meier u. d. Leben d. Prn. Elisabet v. Ungarn, hg. v. F. Vetter, 1906;
    „Wir hatten e. sel. Schwester . . .“, 33 Lebensberr. über Dominikanerinnen aus d. Kloster zu Töss b. Winterthur, nach d. mhdt. Text v. E. S., 2 Bde., hg. v. R. H. Oehninger, 2003;
    Dt. Nonnenleben, Das Leben d. Schwestern zu Töß u. d. Nonne v. Engelthal, Büchlein v. d. Gnaden Überlast, eingel. u. übertr. v. M. Weinhandl, 2004.

  • Literatur

    ADB 37;
    K. Grubmüller, Die Viten d. Schwestern v. Töss u. E. S.s Überlfg. u. lit. Einheit, in: Zs. f. dt. Altertum u. dt. Lit. 98, 1969, S. 171–204;
    U. Isler, Frauen aus Zürich, 1991, S. 9–35;
    B. Stoll, Die theol. Denkfiguren b. E. S. u. ihren Mitschwestern, in: Denkmodelle v. Frauen im MA, hg. v. B. A. Zimmermann, 1994, S. 149–72;
    A. M. Haas, Kunst rechter Gelassenheit, 1995, S. 25–29;
    G. J. Lewis, By Women, for Women, about Women, The SisterBooks of Fourteenth-Century Germany, 1996, S. 21–25;
    F. Tobin, Henry Suso and E. S., in: Gendered Voices, Medieval Saints and their Interpreters, hg. v. C. M. Mooney, 1999, S. 118–35;
    S. Bürkle, Lit. im Kloster, Hist. Funktion u. rhetor. Legitimation frauenmyst. Texte d. 14. Jh., 1999, S. 233–47;
    A. M. Haas, Mystik im Kontext, 2004, S. 219–25;
    D. F. Tinsley, The Scourge and the Cross, Ascetic Mentalities of the Later Middle Ages, 2010;
    Schweizer Lex.;
    Zürcher Personenlex.;
    LThK1–3;
    BBKL X (L);
    LexMA;
    Vf.-Lex. MA2 (L);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (L).

  • Autor/in

    Silvia Bara Bancel, Markus Enders
  • Empfohlene Zitierweise

    Bara Bancel, Silvia; Enders, Markus, "Stagel, Elsbeth" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 29-30 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119221780.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA