Lebensdaten
1728 bis 1816
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Bankier ; Kunstsammler ; Begründer des Städelschen Kunstinstitutes
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119071584 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Staedel, Johann Friedrich
  • Städel, Johann Friedrich
  • Staedel, Johann Friedrich
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Zitierweise

Städel, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119071584.html [25.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus elsäß. Fam. (auch Stedel) (s. NDBA);
    V Johann Daniel (1696–1777), aus Straßburg, seit 1719 Gewürzhändler in F., 1720 Bürger ebd., S d. Johann Daniel (1664–1744), Bankier, Spezereihändler, Ratsherr, Oberkirchenpfleger in Straßburg, u. d. Cäcilie Salome Gambs;
    M Maria Dorothea (1701–78), aus Straßburg, T d. Adam Petzel, Handelsmann;
    Ur-Gvv Christoph (1611–72), Kaufm. u. Ammann in Straßburg; – ledig; Verwandte Catharina Sidonie Burguburu geb. S., Charlotte Salome Lasplace geb. S., beide aus Straßburg, Ludwig Sigismund (Siegesmund), aus Paris, franz. Rittmeister, alle drei fochten 1817 S.s Testament an.

  • Leben

    Anders als es der seiner Stiftung geschuldete Bekanntheitsgrad des Namens vermuten läßt, ist über S.s Leben und Persönlichkeit wenig bekannt. Als „Handelsmann“, wie er sich selbst bezeichnete, trat er in die Fußstapfen seines Vaters und führte dessen Spezereihandel am Großen Kornmarkt in Frankfurt weiter. Erst nach dem Tod des Vaters 1777 gab S. das elterliche Haus auf und bezog ein eigenes an der Westseite des Roßmarktes, den sog. „Großen Bären“. Später scheint sich S. zunehmend vom Gewürzhandel auf lukrativere Bankgeschäfte verlegt zu haben, durch die er zu Reichtum gelangte; bei der Testamentseröffnung betrug sein Vermögen schließlich ca. 1,4 Mio. fl. Als „Mitglied des Löblichen Bürger-Collegs“ engagierte er sich auch politisch in seiner Heimatstadt.

    Seinen Nachruhm verdankt S. einer umfangreichen Kunstsammlung, mit welcher er den Grundstock für das von ihm begründete Städelsche Kunstinstitut schuf. Bereits in den 1760er Jahren hatte S. begonnen, in seinem Haus Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken und Kleinplastik zusammenzutragen. Bei den ca. 500 Gemälden, die S. selbst in einem Inventar in franz. Sprache verzeichnen ließ, liegt ein deutlicher Schwerpunkt auf der dt. und niederl. Malerei des Barock. Dagegen vermochte er mit seiner Sammeltätigkeit im Bereich der Graphik den enzyklopädischen Anspruch eines Gesamtüberblicks über die Kunstgeschichte im Ansatz zu verwirklichen. Nicht ohne Grund rühmte Goethe S. als „Decan aller ächten Kunstfreunde“ und hob hervor, daß dieser seine exquisite Sammlung „dem gemeinsamen Nutzen gewidmet habe“. In der Tat plante S. schon früh, seinen Kunstbesitz der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und gleichzeitig angehende Künstler auszubilden und zu fördern. Erstmals greifbar wird dieses Ansinnen in S.s Testament vom 26.1.1793, das er am 18.1.1812 und nochmals am 15.3.1815 erneuerte.

    Die letzte Fassung des Testaments enthält den bis heute gültigen „Stiftungs-Brief des Städelschen Kunst-Institutes“, welches er „zum Besten hiesiger Stadt und Bürgerschaft“ als Universalerben von Vermögen, Haus und Kunstbesitz einsetzte. Auch der Verkauf qualitativ minderwertiger Gemälde, so verfügte er, sollte die Mittel für Ankäufe zur Vermehrung und Verbesserung seiner Sammlung erbringen, die „angehenden Künstlern und Liebhabern“ kostenlos zugänglich zu machen sei. Des weiteren sollten Kinder in Frankfurt ansässiger, „unbemittelter“ Eltern eine Ausbildung in Zeichnung, Malerei und Baukunst erhalten. Alle das Institut betreffenden Entscheidungen überantwortete S. den fünf von ihm eingesetzten, von staatlicher Kontrolle unabhängigen Stiftungs-Administratoren. Nach der Gründung des Instituts am 10.3.1817 fochten jedoch entfernte Verwandte S.s dieses Testament an. Es folgte ein langwieriger Rechtsstreit, der in die juristische Literatur eingegangen ist und die grundsätzliche Frage betraf, ob ein Erblasser eine erst nach seinem Tode entstehende juristische Person überhaupt als Erben einsetzen kann. 1828 endete dieser Musterprozeß mit einem für das Institut verlustreichen Vergleich. Später wurde mit dem sog. Städel-Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 84 BGB) eine allgemeinverbindliche Lösung herbeigeführt. Ungeachtet dieser juristischen Querelen hat S. mit seiner Stiftung die Grundlage für zwei bis heute wichtige Institutionen geschaffen: die Städelschule, die als nunmehr Staatliche Kunsthochschule hohes Renommee genießt, und das Städel Museum, das sich von der ersten öffentlichen Kunstsammlung für die Frankfurter Bürgerschaft zu einem Museum von internationalem Rang entwickelt hat.

  • Quellen

    Stiftungs-Brief d. S.schen Kunst-Inst. enthalten in d. Testament d. Herrn J. F. S. ( . . . ) v. 15ten März 1815, 1817, Nachdr. 1984; Verzeichniss d. Gem. d. Herrn J. F. S. mit d. Plänen d. Aufstellung in dessen Hause auf d. Rossmarkt in Frankfurt a. M., verfasst vor seinem 1816 erfolgten Tode, Geschrieben v. Joh. Gottfried Jaeger, Handlungsdiener d. Herrn J. F. S., Transkription in: Sander, 1991 (s. L); J. W. v. Goethe, Kunstschätze am Rhein, Main u. Neckar 1814 u. 1815, in: Goethe`s sämmtl. Werke in 40 Bdn., 1840, XXVI, S. 246–346; Rechtl. Gutachten d. Juristenfacultaet zu Berlin in Sachen ( . . . ) der Frauen C. S. Burguburu u. C. S. Lasplace, beide geborne Staedel zu Strassburg ( . . . ) gegen d. Administration d. Staedelschen Kunstinst. zu Frankfurt a. M., 1827.

  • Literatur

    ADB 35;
    G. Swarzenski, J. F. S., Zur Entstehung u. Gesch. e. Stiftung, Vortr. im S.schen Mus.ver. Frankfurt am Main, o. J. [Privatdr. 1926];
    [Hans] Majer-Leonhard, Die S. in Frankfurt, in: Alt-Frankfurt NF I/1, 1928, S. 11 f. (mit Fam.stammtafel);
    A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch., IV/1, 1925, Nachdr. o. J., S. 225–28;
    H.-J. Ziemke, Das S.sche Kunstinst., d. Gesch. e. Stiftung, 1980 (P);
    ders., Zur Gesch. d. Gem.slg. d. J. F. S., in: S.s Slg. im Städel, Ausst.kat. 1991/92, Bd. 1: Gem., hg. v. K. Gallwitz, 1991, S. 11–13 (P);
    J. Sander, J. F. S.s Gem.slg. nach d. Inventaren, ebd., S. 78–102;
    E. Mai, „Wallraffs Chaos“ (Goethe), S.s Stiftung, Beispiele patriot.-bürgerl. Sammelns ausgangs d. 18. Jh. u. zu Beginn d. 19. Jh., in: Sammler, Stifter u. Museen, Kunstförderung in Dtld. im 19. u. 20. Jh., hg. v. dems., 1993, S. 63–80;
    H.-J. Becker, Der StädelParagraph (§ 84 BGB), in: FS f. Heinz Hübner z. 70. Geb.tag, hg. v. G. Baumgärtel u. a., 1984, S. 21–33;
    L. Gall, „Der hiesigen Stadt zu e. wahren Zierde u. deren Bürgerschaft nützl.“, S. u. sein „KunstInst.“, o. J. [1992];
    U. Falk, Das Testament d. Kaufm., Betrachtungen zu e. berühmten Rechtsfall, in: Summa, FS f. Dieter Simon z. 70. Geb.tag, hg. v. R. M. Kiesow u. a., 2005, S. 141–77;
    Frankfurter Biogr. (P);
    H. Hoffmann, Die gr. Frankfurter, 2005 (P)

  • Portraits

    | nach e. verlorenen Zeichnung v. J. G. Jäger: Porträtbüste v. J. N. Zwerger, 1828/29 (Frankfurt, Städel Mus.), Abb. in: Frankfurter Biogr.;
    Bildniszeichnung v. J. D. Passavant, postum (ebd., Graph. Slg.), Abb. in: J. Schütt u. M. Sonnabend, Meisterwerke d. Graph. Slg., Ausst.kat. Städel Mus. Frankfurt/M. 2008, S. 10.

  • Autor/in

    Bastian Eclercy
  • Empfohlene Zitierweise

    Eclercy, Bastian, "Städel, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 17-18 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119071584.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Staedel: Johann Friedrich St., geboren am 1. November 1728 zu Frankfurt a. M., Kaufmann und Bankier daselbst, am 2. December 1816. Er hinterließ durch letztwillige Verfügung vom 15. März 1815 seine reichen Kunstsammlungen und sein bedeutendes Vermögen zu einer Stiftung „Staedel'sches Kunstinstitut“, welche nach dem Sinne des Stifters der Mittelpunkt des Kunstlebens in seiner Vaterstadt werden sollte. Der Stiftungsbrief und das Nähere über die Geschichte des Instituts bei Gwinner, Kunst und Künstler in Frankfurt a. M. (Frankfurt 1862).

  • Autor/in

    R. Jung.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jung, Rudolf, "Städel, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 358 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119071584.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA