Lebensdaten
1813 bis 1856
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Handelsmann ; Bankdirektor ; Mitbegründer der Schweizerischen Centralbahn-Gesellschaft
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 137946309 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Speiser, Johann Jacob
  • Speiser, Johann Jakob
  • Speiser, Johann Jacob

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Speiser, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946309.html [18.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Jakob (1777–1856), seit 1815 selbst. Tuchhändler in B., 1816 Bürger ebd., S d. (Hans-) Jakob (1743–1827), aus Wintersingen (Basler Landschaft), Kutscher, u. d. Anna Maria Buser (1748–1819), aus Känerkinden (Basler Landschaft), beide 1779 (?) nach B. eingewandert;
    M Anne Marguerithe (1785–1856), T d. Pierre Baumgartner (1754–1832), aus Mülhausen (Elsaß), u. d. Margareth Risler (1764–1842);
    Kleinhüningen (Gde. Basel) 1839 Dorothea Esther (1819–98), T d. Daniel Kaspar Hauser (1779–1840), Wirt in B., u. d. Esther Faesch (1783–1844);
    5 S (1 früh †) u. a. Wilhelm (1845–1909), Dir. d. Schweizer. Centralbahn u. d. Schweizer. Eisenbahnbank, Paul (1846–1935), Prof. d. Rechte in B., Reg.rat im Kt. Basel-Stadt, Nat.rat, 1907/08 Präses d. Nat.rats (s. Gen. 2), Friedrich (1853–1913), Prof. d. Kirchenrechts in Freiburg (Üechtland) (s. BJ 18, Tl.), 1 T; Gvm d. Ehefrau Johann Jakob Faesch (1752–1832), Pfarrer an St. Theodor in B., Aufklärungstheol., an d. Helvet. Rev. beteiligt (s. HLS);
    E Felix (s. 2), Andreas (s. 3);
    Ur-E Ambros (s. 4).

  • Leben

    Nach kurzzeitigem Besuch des Gymnasiums absolvierte S. 1828–31 eine Ausbildung zum Handelsmann in Lausanne und arbeitete später für kurze Zeit in der Tuchhandlung des Vaters. Es folgten sieben Wanderjahre, die S. durch verwandtschaftliche Vermittlung nach Mülhausen, Marseille, Bordeaux (Fa. Méstrezat) und Liverpool (Fa. Zwilchenbart) führten. 1839 nach Basel zurückgekehrt, wurde er Agent für franz. und engl. Großhandelsfirmen und bekleidete in der Folge mehrere Ämter: 1842 war er Mitglied der Postkommission, 1843 Zivilrichter, 1848 Vorsteher der „Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige“ und 1852 Mitglied des Großen Rats (Mittelpartei).

    Zu einer wichtigen eidgenöss. Persönlichkeit wurde S. durch seine wirtschaftliche Tätigkeit: 1843 war er an der Gründung der AG „Gesellschaft der Giro- und Depositenbank“ beteiligt, die er als Direktor bis zu deren Auflösung leitete. 1845 wurde die AG als „Bank in Basel“ – eine Notenbank – mit S. als Direktor neu gebildet. 1848 gründete S. einen Kreditverein mit, wodurch die „Bank in Basel“ die Krisenjahre 1847–50 ohne große Verluste überstand. Um die Notenzirkulation zu vereinfachen, regte S. 1850 erfolgreich eine Verbindung schweizer. Banken an. An der Errichtung weiterer Banken und ähnlicher Institute war S. ebenfalls beteiligt (z. B. 1848 Sparver. Basel, 1849 Basellandschaftl. u. 1850 Thurgau. Hypothekenbank).

    Als eidgenöss. Experte für die Währungs- und Münzreform trat S. in einem Gutachten und mehreren Gesetzesvorschlägen – entgegen seiner anfänglichen Meinung – für ein einheitliches schweizer. System mit franz. Münzfuß ein. Bundesrat und Parlament folgten S. mit dem Münzgesetz von 1850; bis 1852 setzte er die Reform erfolgreich um. 1853 gründete S. mit Carl Geigy (1798–1861) und Achilles Bischoff (1795–1867) die Schweizer. Centralbahnen, deren Direktorium er bis 1856 vorstand.

  • Auszeichnungen

    Gedenktafel im Bahnhof Olten.

  • Werke

    Expertenber. u. Entwurf e. Gesetzesvorschlags über d. Münzwesen, 1849;
    Sechs Aufss. über d. Münzfrage, 1850;
    Nachlaß:
    StA Basel-Stadt (PA 116).

  • Literatur

    ADB 35;
    F. Mangold, in: Basler Biogr. II, 1904;
    E. His, Basler Handelsherren d. 19. Jh., 1929, S. 100–15;
    H. Bauer, in: Schweizer Pioniere d.|Wirtsch. u. Technik 18, 1967, S. 103–31 (L, P);
    E. Billerbeck, Als Basler d. Bahn Dampf machten, in: 100 J. SBB, Basler Ztg., Magazin, Nr. 16 v. 20. 4. 2002, S. 3–5;
    HBLS;
    K. Birkhäuser (Bearb.), Personenlex. d. Kt. Basel-Landschaft, 1997;
    HLS (in Vorbereitung);
    Ztg.art.:
    StA Basel-Stadt, Slg. biogr. Ztg.ausschnitte;
    Schweizer. Wirtsch.archiv, Biogr. Speiser, Johann Jakob.

  • Autor/in

    Patricia Zihlmann-Märki
  • Empfohlene Zitierweise

    Zihlmann-Märki, Patricia, "Speiser, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 652-653 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946309.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Speiser: Johann Jacob S., geboren zu Basel am 27. Februar 1813, am 8. October 1856, eidgenössischer Experte in Münzsachen, Präsident des Directoriums der Centralbahn. Nachdem er eine sorgfältige Erziehung genossen, verließ er das Vaterhaus im 17. Jahre (1830), um in Lausanne seine kaufmännische Lehre zu machen. Zur weiteren Ausbildung ging er später nach Mülhausen. Marseille und Bordeaux und beschloß seine Lehr- und Wanderjahre (1837) mit einem einjährigen Aufenthalt in Liverpool, der auf seine geistige Richtung bestimmend scheint eingewirkt zu haben. In Basel widmete er sich anfänglich der Vertretung englischer und französischer Handelshäuser, um sodann, im Verein mit angesehenen Kaufleuten Basels, 1844 die Bank in Basel, eine der vier ältesten Noten- und Giro-Banken der Schweiz, zu gründen, deren Director er wurde. Die Zeit, welche ihm die Geschäfte der Bank übrig ließen, widmete S. dem ernsten Studium der Nationalökonomie. In der Folge trachtete er das Resultat seiner Studien weiteren Kreisen zugänglich zn machen, durch Aufsähe und Abhandlungen über volkswirthschaftliche und finanzielle Fragen, die er zunächst in den öffentlichen Blättern Basels erschienen ließ. Seinen Anregungen war die Reorganisation der Ersparnißkasse in Basel zu verdanken (1847); dieselbe bildet den Ausgangspunkt für die bedeutende Entwicklung der Kasse (s. Bericht der Verwaltung der zinstragenden Ersparnißkasse in Basel über die ersten 75 Jahre ihres Bestehens (1810—1884) Basel 1885). S. führte die Bank in Basel glücklich durch die schwierigen Zeiten von 1847 und 1848 und er erwarb sich um den Platz noch ein besonderes Verdienst dadurch, daß er im J. 1848 den Creditverein ins Leben rief, durch welchen eine drohende Krisis glücklich abgewendet wurde. Im J. 1849 entwarf S. die Statuten der basellandschaftlichen Hypothekenbank in Liestal, des ersten schweizerischen Instituts dieser Art und das Vorbild für andere in der Folge in der Schweiz errichtete Hypothekenbanken.

    Sein Wirken auf dem Gebiete der die gesammte Eidgenossenschaft berührenden wirthschaftlichen Fragen fällt in die folgenden Jahre. Durch seine Aufsätze und Abhandlungen im „Wochenblatt“, einer Zeitung, welche der schweizerische Industrieverein in den Jahren 1849—1850 erscheinen ließ, hatte S. sich in der ganzen Schweiz den Ruf einer Autorität in wirthschaftlichen Fragen verschafft. Und so war er der gegebene Mann, um an der Lösung der wichtigen Aufgaben auf wirthschaftlichem Gebiet mitzuwirken, vor welche sich der Bund gestellt fand, nachdem die neue Bundesverfassung vom Jahre 1848 das Gesetzgebungsrecht über alle wesentlichen materiellen Fragen, — Zoll-, Münz-, Post- und Eisenbahnwesen — den Kantonen genommen und auf ihn, auf die Centralregierung, übertragen hatte.

    Als der Bundesrath, eingeladen Anträge über die Einführung eines einheitlichen Münzsystems zu bringen, beschloß, die Frage durch einen Experten prüfen zu lassen, wurde S. als solcher bezeichnet. Sein Gutachten, das er im October 1849 dem Bundesrathe eingab, gelangte zum Schlusse der Vorzüglichkeit des französischen Münzsystems und schlug dessen Einführung in der Schweiz vor. Der Bundesrath machte diesen Vorschlag zu dem seinigen. S. lag aber noch die weitere Aufgabe ob, seine Ansichten gegenüber einer Opposition die alle Interessen umfaßte, welche sich durch das französische System verletzt glaubten, zu vertheidigen und er erfüllte dieselbe in trefflichster Weise, wie seine zahlreichen Schriften und Aufsätze aus jener Zeit bezeugen. Das neue Münzgesetz, auf Grund des vom Experten empfohlenen französischen Münzfußes, wurde, nachdem der Ständerath demselben im November 1849 zugestimmt hatte, im April 1850 auch vom Nationalrath angenommen. Auch bei der praktischen Einführung war S. thätig und es darf hier wohl das Schlußwort des Berichtes der schweizerischen Münzcommission (März 1853), in welchem sie sich über die gesammte Operation ausspricht, angeführt werden, welches lautet: „Wohl wenige Länder dürfen sich rühmen, eine so großartige Operation bei einem Gesammtgeschäftsverkehr von wenigstens 300 Millionen Franken in so kurzer Zeit und zu so allgemeiner Zufriedenheit durchgeführt zu haben. Ohne erhebliche Klage fügte sich das Publicum in die durch den Einlösungstarif bedingten kleinen Verluste; über Erwarten schnell und leicht fand es sich in das neue System ...“ Mit dem Jahr 1849 begannen die Bestrebungen zur Herstellung von Eisenbahnen in der Schweiz. Aber es brauchte drei Jahre bis die Frage entschieden war, ob Bau und Betrieb der Eisenbahnen Bund und Kantonen oder der Privatthätigkeit sollten überlassen werden. S. bekannte sich als Anhänger des Staatsbaues, die Bundesversammlung entschied zu Gunsten des Privatbaues (Juli 1852).

    Wenige Tage nach dem folgenschweren Beschluß unternahm S., im Verein mit einflußreichen Männern von Basel-Stadt und Basel-Land, Schritte zur Constituirung einer Centralbahngesellschaft, welche zum Ziele führten. Die Gründung der Gesellschaft fällt auf den 29. December 1852. S. wurde zum Präsidenten des Directoriums ernannt und bekleidete diese Stelle bis zu seinem Tode (1856), die großen Schwierigkeiten, welche sich gleich nach der Gründung erhoben hatten, erfolgreich überwindend. Neben diesen zwei großen Arbeiten „Münzreform" und „Gründung der schweizerischen Centralbahn", mit welchen Speiser's Name verknüpft ist, darf auch noch sein Wirken auf dem Gebiet der Gemeinnützigkeit erwähnt werden. Durch seine ganze Thätigkeit ging, als veredelndes Moment, das Bestreben, der „Allgemeinheit“, dem „allgemeinen Wohl“ zu dienen und in dieser Eigenschaft der Selbstlosigkeit darf auch, neben den hervorragenden geistigen Eigenschaften Speiser's, die Erklärung der Erfolge liegen, die seine Werke und mit ihnen er selbst errungen haben.

    • Literatur

      Gallerie berühmter Schweizer der Neuzeit von Alfred Hartmann, Baden 1863. — Wochenblatt des schweizerischen Industrievereins, Basel 1849 und 1850. —
      Geschichte der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen 1848, Basel 1849. —
      Expertenbericht und Entwurf eines Gesetzesvorschlages über das Münzwesen von Bankdirector Speiser an den Bundesrath der schweizerischen Eidgenossenschaft, Bern 1849. —
      Noch ein Wort über die Münzfrage, Bern 1849. —
      Sechs Aufsätze über die Münzfrage von Speiser, Basel 1850. — W. Speiser, Mittheilungen über die Anfänge des schweizerischen Eisenbahnwesens und über die ersten Jahre der schweizerischen Centralbahn, Basel 1887. — Siehe auch die schweizerische Presse (insbesondere die Baseler Zeitung, Baseler Nachrichten, Neue Zürcher Zeitung, Berner Zeitung) vom 9—11. October 1856.

  • Autor/in

    Wilhelm Speiser.
  • Empfohlene Zitierweise

    Speiser, Wilhelm, "Speiser, Johann Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 98-99 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946309.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA