Lebensdaten
1536 bis 1589
Sterbeort
Straßburg
Beruf/Funktion
Festungsbaumeister ; Kartograph ; Chronist ; Architekt
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118751808 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Speckle, Daniel
  • Specklin, Daniel
  • Speckle, Daniel
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Zitierweise

Specklin, Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751808.html [25.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Veit Rudolf ( 1550), Formschneider in St., erstellte u. a. Schnitte f. Leonhart Fuchs' „Historia stirpium“, 1542 bzw. „New Kreuterbuch“, 1543 (s. ThB);
    M Elisabeth Schnell;
    B Zacharias (1530–76), Formschneider in Basel (s. ThB), Josias ( 1600), Hofbuchbinder u. Buchhändler in Kö- nigsberg, Schw Judith (⚭ Johann Heber [Höber], v. 1563, Ökonom d. Konvents Saint-Nicolas-aux-Ondes in St.);
    Straßburg 1565 Susanna ( Johann Entringer), T d. Christian Wegranft; kinderlos;
    N Katharina Heber (Höber) ( Lazarus Zetzner, 1551–1616, Buchdrucker, Verl., Mitgl. d. Gr. Rats u. d. Fünfzehner in St., s. Benzing, Buchdrucker; NDBA), S.s Erbin; wohl Gr-N Ursula Wittig ( v. 1633, ⚭ Jacob Trausch, 1610, Chronist, Advokat d. kl. Rats in St., Mitarb. v. S. z. geplanten Ausg. seiner hist.-topogr. Beschreibung v. Straßburg u. d. Elsaß, s. NDBA).

  • Leben

    Zu Beginn seines unsteten Berufslebens erlernte S. das Seidenstickerhandwerk. Während erster Wanderjahre seit 1552 in Österreich und Ungarn (evtl. auch in Polen u. Schweden) fand er unter unbekannten Umständen zum Festungsbau. In diesem Metier war er tätig in Antwerpen (1560), Wien (1561–63), Düsseldorf (1567), Ungarn (seit 1567) und wieder in Wien (1569). Dazwischen war S. in Straßburg ansässig, wo er noch 1577 als Mitglied der Seidenstickerzunft genannt ist. Als Ingenieur konnte er nur schwer Fuß fassen und lebte von Einzelaufträgen. Gefördert von dem im Elsaß begüterten ksl. General Lazarus v. Schwendi (1522–83), erarbeitete S. seit 1564 mehrere Pläne zur Neubefestigung Straßburgs. 1573 erhielt er von der vorderösterr. Regierung den Auftrag zur Aufnahme einer Karte des Elsaß, die 1576 von Frans Hogenberg in Köln gestochen und gedruckt wurde (3 Bll., Maßstab ca. 1 : 190 000); die Druckplatten waren bis 1870 in der Stadtbibliothek Straßburg vorhanden. Auf dieser Karte beruhte die Darstellung des Elsaß in der europ. Kartographie bis zum Ende des 17. Jh. 1575 bewarb S. sich vergeblich um eine Anstellung als Festungsingenieur in Ingolstadt bzw. in Wolfenbüttel. 1576–79 war er als Bauberater für die Stadt|Ulm tätig. 1576 legte er in Regensburg auf einer ksl. Konferenz zur Grenzbefestigung gegen das Osmanische Reich ein Gutachten vor, 1577 inspizierte er Festungen in den Niederlanden und wurde anschließend als Stadtbaumeister in Straßburg angestellt. In diesem Amt führte S. bis 1585 weitere Bauprojekte und Kartierungen durch, blieb aber auch für andere Auftraggeber tätig. Für die vorderösterr. Regierung entwarf er Pläne zur Neubefestigung von Colmar (1579), Belfort (1579), Ensisheim (1580–88) und weitere Orte (Alt-Breisach, Kaysersberg, Schloß Herrenstein). 1573–84 beriet er Gf. Georg Hans v. Pfalz-Veldenz (1543–92) bei Kanalbauten und dem Ausbau der Festung Pfalzburg, seit etwa 1578 Gf. Philipp IV. v. Hanau-Lichtenberg (1514–90) beim Neubau von Schloß Lichtenberg. Zuletzt erstellte er 1588 ein Festungsgutachten für die Stadt Basel.

    S. entwickelte frühere Festungssysteme weiter, etwa durch stärkere Strukturierung und breitere Anlage der Bastionsfronten. Sein Fachwissen faßte er in seiner „Architectura von Vestungen“ (1589, Nachdrr. 1971 u. 1972) zusammen, dem wohl wichtigsten Lehrbuch des Festungsbaus in dt. Sprache. Das reich mit Kupferstichen von Matthäus Greuter (um 1566–1638) illustrierte Werk behandelt im ersten Teil die Grundlagen (Geländevermessung, Planzeichnen, Grundrißentwurf, Gerätekunde). Der zweite Teil behandelt Sonderfälle wie Höhen- und Hafenfestungen, der dritte Teil Baudetails (Brücken, Tore usw.), Wachdienst und Geschützwesen. Eine revidierte Fassung gab Lazarus Zetzner aus dem Nachlaß heraus (1599, 1608), vier weitere Auflagen erschienen 1705–36 in Dresden. Eine von S. privat geplante und vorbereitete illustrierte historisch-topographische Beschreibung von Straßburg und dem Elsaß, die 1587 gedruckt werden sollte, wurde nicht veröffentlicht. Nach Verlusten im 19. Jh. ist von diesen „Collectanea“ noch etwa ein Drittel erhalten (StadtA Straßburg).

  • Werke

    Ansichten d. Stadt Straßburg u. d. Münsterfassade, 1587 (Kupf. v. M. Greuter);
    Codex Mathematicus (Materialslg. z. Festungsbau, Ms., Württ. Landesbibl. Stuttgart);
    Handzeichnungen in zahlr. Slgg. (Teilnachweis in: Fischer, 1996, s. L);
    – Les collectanées de D. S., Chronique Strasbourgeoise du seizième siècle, fragments, hg. v. R. Reuss, in: Bull. de la Soc. pour la Conservation des Monuments Historiques d'Alsace 13–14, 1888–89, auch als Sonderdr. in: Fragments des anciennes chroniques d'Alsace, II, hg. v. L. Dacheux, 1890;
    Qu
    StadtA Straßburg;
    Kupf.kab. Straßburg.

  • Literatur

    ADB 35;
    F. Grenacher, Vor vierhundert J. schuf D. S. seine Elsaßkarte, in: Regio Basiliensis 14, 1973, S. 7–20;
    A. Fischer, Die Befestigung d. Stadt Ensisheim durch D. S. u. Heinrich Schickhardt (1580–1610), in: ZGORh 136, 1988, S. 179–206;
    ders., D. S. aus Straßburg (1536–1589), Festungsbaumeister, Ing. u. Kartograph, 1996 (Qu, L);
    ThB;
    Dict. of Art (ältere L);
    NDBA (P);
    Enz. Neuzeit.

  • Portraits

    Kupf. v. Th. de Bry, n. 1589, Abb. in d. Ausgg. d. „Architectura“, seit 1599.

  • Autor/in

    Peter H. Meurer
  • Empfohlene Zitierweise

    Meurer, Peter H., "Specklin, Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 638-639 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751808.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Specklin: Daniel S. Gerne hat man Daniel S. mit den allseitigen Künstlernaturen der italienischen Renaissance in Vergleich gesetzt; die Forschung der letzten Jahre hat nun zwar den Ruhm Specklin's erheblich eingeschränkt, doch darf er noch immer den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit zugesellt werden. S. wurde in Straßburg 1536 geboren; ob sein Vater der Seidensticker Daniel S. oder der Formschneider Veit Rudolph S. gewesen sei, ist noch eine offene Frage. Sicher ist, daß der junge Daniel S. die Seidenstickerei erlernte, sich daneben aber, wie es scheint, schon damals auch mit der Formschneidekunst vertraut machte. 1552 wurde er von der Lehre frei und bald darauf begab er sich auf die Wanderschaft, denn schon 1555 befand er sich in Wien, wo er sich mit dem Bauwesen angelegentlich beschäftigt. Die Wendung zur Architektur muß also in den ersten Wanderjahren stattgefunden haben. In Wien stand S. mit dem kaiserlichen Ingenieur und Baumeister Hermann Schallantzer in Verbindung, mit welchem er nach eigener Aussage, „in vielen Enden, auch in Hungaren wider den Türken manich Vestungen hat helfen berathschlagen und aufbauwen“. Auch Polen, die skandinavischen Reiche hat er besucht, 1560 war er in Antwerpen, 1561 wieder in Wien. Anfangs Februar 1564 ist seine Anwesenheit in Straßburg verbürgt. Damals beschäftigte er sich mit der Anfertigung eines Planes von Straßburg, für welchen er die Unterstützung des Rathes forderte, die ihm aber aus politischen und militärischen Rücksichten verweigert wurde; man wollte dem Feinde keine Behelfe an die Hand geben. Da auch sonst die Stadt nichts für ihn that, begab er sich abermals in auswärtige Dienste. Er wirkte als Militäringenieur in Düsseldorf (1567), in Regensburg (im Dienste des Lazarus von Schwendi), 1569 war er wieder in Wien, von dem Architekten Carlo Tetti, einem Nachfolger des Schallantzer gerufen; von 1569—1571 stand er zugleich der aus Innsbruck nach Wien überführten „Rüstkammer“ Maximilian's II. vor. Im J. 1572 war er wieder im Elsaß, keineswegs im Dienste seiner Vaterstadt, sondern als Schaffner des Baron Samson von Fleckenstein (in den Vogesen). Von Ende 1574 an befand er sich als Militäringenieur in baierischen Diensten; seine Thätigkeit galt besonders der Festung Ingolstadt, darnach Regensburg. Dann zog er wieder in die Heimath und überreichte 1576 der Stadt die berühmte Karte des Ober- und Niederelsasses; im gleichen Jahre am 5. October, wurde er|endlich von dem Rathe der Stadt durch Ernennung zum Stadtbaumeister, an die Heimath fester geknüpft. Soweit urkundliche Mittheilungen vorhanden, deuten diese daraufhin, daß er auch in Straßburg und Umgebung nur als Militärarchitekt thätig gewesen ist, wie er denn auch noch zur Zeit seiner festen Anstellung iu Straßburg nicht bloß von elsässischen Städten um Ruth und Hilfe in Befestigungsfragen angegangen wurde, sondern auch von auswärts z. B. von Basel (1588) und Heilbronn (1589). Erhalten ist allerdings von diesen Befestigungsarbeiten nichts mehr. Als Civilarchitekt soll S. den glänzendsten Bau der Renaissance in Straßburg, das alte Stadthaus, jetzt Börse, errichtet haben; dieser Bau ist es auch, welcher seinen Namen den größten deutschen Architekten des sechzehnten Jahrhunderts anreihte. Aber die Forschung der letzten Jahre hat dargethan, daß gewiß nicht S., sondern wahrscheinlich Hans Schoch und Paul Maurer die Erbauer des Stadthauses gewesen sind, deren Meisterzeichen in der Eingangshalle des Hauses angebracht sind. Auch die große Metzig, mit deren Bau 1586 begonnen wurde, ist ein Stück jener beiden Architekten, nicht aber Specklin's, wie man vermuthete. Hat man schließlich auch noch auf Grund einer mißverstandenen Notiz in den Collectaneen Specklin's, S. die spätgothischen Netzgewölbe der Katharinencapelle des Münsters zuschreiben wollen, so ist solcher Annahme schon dadurch widersprochen, daß S., als der Umbau der Katharinencapelle stattfand — 1547 — ein Knabe von elf Jahren war. Auf Werke der Ingenieurkunst wird man darnach die Bauthätigkeit Specklin's im Dienste der Stadt Straßburg beschränken müssen; Mühlen, Wehre, Uferbefestigungen führten auf ihn als Urheber zurück. Und als Militärarchitekt hat er allerdings einen ebenso ausgebreiteten wie wohlverdienten Ruhm genossen, das ist noch heute bewiesen durch seine „Architektura von Vestungen“. Sie erschien zuerst 1584, dann 1599, 1608; die letzte Ausgabe ist von 1736. Das Ziel dieses Werkes war eine gute Defensive zu lehren, in einem zweiten, nicht mehr zu Stande gekommenen Theil, wollte er die Offensive behandeln. Sein für die Zeit großes Verdienst war die Ausbildung des Bastionärsystems; wie weit er darin seiner Zeit, auch seinen italienischen Collegen vorausgeeilt war, hat die moderne Kriegswissenschaft bereitwillig anerkannt (z. B. cf. Zastrow, Permanente Befestigung, R. Wagner, Grundriß der Fortification u. s. w.) Ein zweites Werk sollte baugeschichtlichen Inhalts werden, eine Art Bauchronik Straßburgs geben „alle gebew von Anfang dieser statt und landt, auch wie eines nach dem ander auffbawet und erweytert worden, zuletst auch Kirchen, clöster, stett, flecken und was fürnemst ist“ wollte er da verzeichnen. Er kam über die vorbereitenden Arbeiten nicht hinaus, da der Rath der Stadt sich zur Unterstützung der Sache nur wenig bereitwillig finden ließ, doch wurden die von S. mit großem Fleiß gesammelten Notizen, besonders aber die Aufzeichnungen über Vorfälle der eigenen Zeit ein kostbares Quellenwerk. Der Bibliotheksbrand von 1870 vernichtete auch diese Collectaneen, durch Abschrift von verschiedenen Stellen war aber ein so großer Theil gerettet, daß deren zusammenfassende Veröffentlichung sich lohnte. Sie geschah durch R. Reuß im Bulletin de la Société pour la Conservation des Monuments historiques d'Alsace 1887—1889. Das kritische Urtheil, das der Herausgeber über S. als Chronikschreiber fällt, bezeichnet das Richtige: „un ésprit parfois très ignorant, et parfois trop naïf et credule, mais sincère visàvis de lui même et réellement desireux d'arriver à la vérité.“ Von Werken des Formschnittes sind von ihm erhalten: „Die perspectivische Aufnahme des Münsters von SW aus gesehen, Holzschnitt von B. Jobin 1566 verlegt (P. 6). Ferner eine kleine Ansicht des Münsters von 1587 (P. 5); von Kupferstichen eine Ansicht des Münsters von 1587 (P. 1; B. 1), die topographische Karte des Elsaßes von 1576 (P. 3), und aus dem Jahre 1587 die perspectivische Aufnahme der Stadt Straßburg — von Greuter gestochen (P. 2.) Die|Archilektura bringt in der ersten Auflage 40 Blätter und 23 Skizzen, in der zweiten Auflage, die durch Abbildung von Zeichnungen aus seinem Nachlaß vermehrt wurde, 44 Blätter und 28 Skizzen. Daniel S. starb in der zweiten Hülste December 1589. Sein Bild, von Th. de Bry gestochen, ist der Ausgabe der Architektura von 1608 beigegeben.

    • Literatur

      L. Schneegans in den Elsäsischen Neujahrblättern für 1847. — R. Schadow, Daniel S. Straßburg. Heitz, 1885. — R. Reuß, Analecta Speckliniana (Jahrbuch des Vogesen-Clubs, II. (1886) S. 196—213. Derselbe in der Einleitung seiner Ausgabe der Collectanées de Daniel Specklin, a. O. u. 2e. série 13. vol. pg. 160—165. — E. v. Czihak, Daniel S. als Architekt (Repertorium für Kunstwissenschaft XII. 1889. 358—371). Dazu Bartsch, Peintre-Graveur IX, 589 und Passavant, Peintre-Graveur III, 350 ff.

  • Autor/in

    Hubert Janitschek.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janitschek, Hubert, "Specklin, Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 35 (1893), S. 82-84 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751808.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA