Lebensdaten
1781 bis 1862
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118667424 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Castelli, Vinzenz Ingaz Franz
  • Fatalis (Pseudonym)
  • Kosmas (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Castelli, Ignaz Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118667424.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz ( 1816), zuerst Jesuitenlaienbruder, zuletzt Rechnungsrat; † Dominika Mayr ( 1798), Wirts-T; ledig.

  • Leben

    Bei wohlhabenden Verwandten aufgewachsen, wurde C. nach humanistischen und juridischen Studien um 1800 landständischer Beamter, welche Laufbahn er 1845 als Sekretär der Buchhaltung beschloß. 1811-14 war er auch Theaterdichter am Wiener Kärntnertortheater. Durch Erbschaften und sein literarisches Metier, besonders als Bühnenschriftsteller, zum wohlhabenden Mann geworden, der sich bei Lilienfeld ein Landgut (Berghof) erwerben konnte, führte er inmitten seiner Sammlungen (rund 12 000 Schauspiele, Wiener Theaterzettel seit 1600) das genießerische Leben eines Hagestolzes. Seine Anteilnahme an der Künstlergesellschaft „Ludlamshöhle“ als Cif Charon der Höhlenzote und an der Gründung der „Concordia“ und der „Grünen Insel“ ist für ihn bezeichnend. C. gilt als der äußerliche Repräsentant des Wiener Biedermeiers nach der behäbigen materiellen und skurrilen Seite des „Phäaken“ hin, und als geistiges Faktotum Österreichs war er bei den Zeitgenossen bekannter als ungleich Begabtere. Er war vom Theater besessen, aber nur von seiner Mache, und von den 199 Stücken (viele Opernlibretti) sind kaum zehn Originale, das bekannteste „Der Schicksalsstrumpf“ (zusammen mit A. Jeitteles, 1818), eine Parodie auf das Schicksalsdrama. Seine Erzählungen sind ebenso wenig originell, scheute er sich doch nicht, selbst Grillparzer zu plagiieren. In endlosen Reihen von Taschenbüchern prägte er auch in der Lyrik die gleichwohl für ihn einträglichen Scheidemünzen für die Mittelmäßigkeit seiner Leser. Ursprünglicher und selbst von Goethes Lob bedacht sind seine niederösterreichischen Dialektgedichte (1828, 4 Bände 1848), wohl ein bodenständiger Einschlag der mütterlichen Erbmasse gegenüber der geschäftigen romanischen seines Vaters. Das bleibendste, aber mittelmäßig vorgetragene Dokument für die Wiener Gesellschaft seiner Zeit und wertvoll für die Theatergeschichte sind jedoch seine „Memoiren“ (4 Bände, 1861). Nicht zu leugnen ist, daß Patriotismus und Humanität seinen Charakter auszeichneten, was zahlreiche Gelegenheitsschriften und seine einzigartige Gründung des „Tierschutzvereines“ beweisen.

  • Werke

    Weitere W (alle in Wien erschienen) Die Schweizerfam., Operntext, 1811;
    Poet. Kleinigkeiten, 1816–26, 5 Bde.;
    Gedichte, 5 Bde., 1835 (P);
    Wiener Lb., 2 Bde., 1835;
    sämtl. Werke, 22 Bde., 1844-59;
    Wb. d. Mundart in Österr. unter d. Enns, 1848; Zss.:
    Thalia, 1810-13;
    Allg. musikal. Anz., 1829-40; Taschenbücher:
    Dramat. Sträußchen, 1809-27;
    Huldigung d. Frauen, 1822-45;
    Neuausg. d. Memoiren v. J. Bindtner (treffl. kommentiert), 2 Bde., 1914, Wien-Prag 1924 (P).

  • Literatur

    ADB IV;
    Goedeke IX, 1910, S. 51-70 (W, L);
    H. Cloeter, Geist u. Geister aus d. alten Wien, 1922, S. 45 ff.;
    E. Bauernfeld, Erinnerungen aus Alt-Wien, 1923;
    Wurzbach;
    Frels;
    Kosch, Lit-Lex. I (W, L).

  • Portraits

    Ölgem. v. Natale Schiavone (Slg. d. Stadt Wien);
    Hschn. in: LIZ 6, 1846, S. 29 u. 38, 1862, S. 148;
    Kosch, Kath. Dtld. I.

  • Autor/in

    Gustav Gugitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Gugitz, Gustav, "Castelli, Ignaz Franz" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 172 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118667424.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Castelli: Ignaz Franz C., Dichter, geb. zu Wien 6. März 1781, daselbst 5. Febr. 1862. Nach zurückgelegten Rechtsstudien schlug C. die Beamtenlaufbahn ein. Er trat 1801 in die Praxis der niederösterreichischen ständischen Buchhaltung ein und verdankte es seiner Verwendung wie seiner Kenntniß der französischen Sprache, daß ihm in der darauf folgenden politisch sehr bewegten Epoche mehrere Missionen zufielen. So versah er im J. 1805 nach Einrückung der Franzosen in Wien die Stelle eines ständischen Lieferungscommissärs und sollte 1809 die Stelle eines Secretärs bei dem Gouverneur Freiherrn v. Bartenstein übernehmen, wurde aber durch den für Oesterreich unglücklichen Ausgang der Schlacht bei Regensburg verhindert, seinen Dienst anzutreten. Von einem regen Vaterlandsgefühl beseelt, gab er seinem Franzosenhaß durch mehrere, zu großer Verbreitung gelangte patriotische Gedichte Ausdruck; insbesondere fand sein „Kriegslied für die österreichische Armee“ solchen Beifall bei Erzherzog Karl, daß es derselbe in Tausenden von Exemplaren verbreiten ließ. Diesem Umstande hatte es C. auch zu danken, daß er mit Heinrich v. Collin von der französischen Regierung öffentlich im Moniteur in die Acht erklärt und zur Auslieferung an die Militärgerichte bestimmt wurde. Um dem zu entgehen, flüchtete sich C. nach Ungarn. Im J. 1815 begleitete C. den Grafen Cavriani als Secretär nach Frankreich und verblieb in Bourg-en-Bresse durch mehrere Monate. Mit dem Eintritte der Friedensjahre widmete sich C. wieder seiner Stellung bei den niederösterreichischen Ständen und trat im J. 1842 als Landschafts-Secretär in den Ruhestand. Er zog sich auf seine Besitzung in Lilienfeld zurück, verbrachte dort das J. 1848, ohne an der politischen Bewegung regen Antheil genommen zu haben. Nach wenigen Jahren übersiedelte C. wieder nach Wien, lebte zurückgezogen und nur auf den Verkehr seiner Freunde beschränkt seinen Neigungen als Sammler. Er hinterließ eine große, aus 12000 Nummern bestehende Sammlung von Theaterstücken, eine reiche Sammlung von Porträts bekannter Schauspieler und Theaterdichter, eine kostbare, aus 1800 Stück bestehende Sammlung von Dosen, sowie eine werthvolle Gallerie von Bildern der Wiener Künstler seiner Zeit. — C. versuchte sich als Dichter auf fast allen Gebieten der Poesie; entschiedenen Erfolg und Anspruch auf bleibenden Werth haben seine „Gedichte in niederösterreichischer Mundart“, mit denen er, da sein erstes Gedicht im J. 1826 zur Feier der Genesung des Kaisers Franz erschienen war, einen Liederzweig begründete, welcher später durch Stelzhammer und J. G. Seidl in Oesterreich weiter erfolgreich gepflegt wurde. Sprach sich schon in seinen Kriegs- und Wehrmannsliedern ein entschiedenes Talent für eine volksthümliche Behandlung der lyrischen Dichtung aus, so tritt dieser Zug in Verbindung mit gesundem Humor und einer glücklichen Beobachtung des Wesens und Charakters der österreichischen Bauernnatur in sinen Dialektgedichten noch schärfer hervor. Als dramatischer Dichter versuchte er sich am liebsten und am häufigsten. Ohne eine bedeutende Erfindungsgabe, nahm er meist Zuflucht zu Uebersetzungen französischer Schau- und Lustspiele, welche er mit Geschick für die Wiener Theater bearbeitete und sie zum Theile mit Arien ausstattete. Seine erste Bearbeitung eines französischen Drama's war Pixérecourt's „Carline“, welches 1800 unter dem Titel: „Die Mühle am Ardennerfelsen“ im Theater an der Wien zur Aufführung kam. Sein Textbuch „Die Schweizerfamilie“, zu welcher Weigl die Musik componirte, verschaffte C. im J. 1811 die Anstellung als Hoftheaterdichter im Hoftheater nächst dem Kärnthnerthore, welche er im J. 1814 wieder aufgab. Von seinen Gedichten erschienen: „Poetische Erstlinge", 1805, unter dem Pseudonym: Rosenfeld und „Gedichte in österreichischer Mundart“, 1828. Von 1809—1848 redigirte er verschiedene Taschenbücher, unter denen die „Dramatischen Sträußchen“, 1809—1827, welche 60 von ihm bearbeitete. Theaterstücke enthalten, 19 Jahrgänge erlebten. Das Taschenbuch „Huldigung der Frauen“ erschien unter seine Redaction von 1822—1848. Von sprachlichem Werthe ist sein „Wörterbuch der Mundart in Oesterreich unter der Enns“, 1847. — Eine vollständige Ausgabe seiner Werke erschien 1843 in Wien bei Pichler in 15 Bänden und die „Neue Folge seiner sämmtlichen Werke“, 1858, in 6 Bänden. Ein Jahr vor seinem Tode gab C. „Memoiren meines Lebens, Gefundenes und Empfundenes“ 1861, 4 Bde., heraus, worin er auch seinen Antheil an der „Ludlamshöhle“ einem geselligen Vereine von Wiener Schriftstellern in den J. 1820—1826 schildert. Eine sorgfältigere Redaction dieser Memoiren wäre sehr wünschenswerth gewesen. Auf humanistischem Gebiete war C. durch Gründung des Wiener Thierschutzvereins (1847) thätig.

    • Literatur

      C. v. Wurzbach, Biograph. Lexikon II, 302 und XI, 376. Castelli Memoiren meines Lebens, 4 Bde. Wien 1861.

  • Autor/in

    K. Weiß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Karl, "Castelli, Ignaz Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 63-64 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118667424.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA