Lebensdaten
1745 bis 1812
Beruf/Funktion
Rabbiner
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 131525301 | OGND | VIAF: 12440071
Namensvarianten
  • Sinzheim, Joseph David
  • Zînṣhêîm, Yosef Dawid
  • Sinzheim, J. D.
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Zitierweise

Sinzheim, Joseph David, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131525301.html [12.08.2020].

CC0

  • Leben

    Sinzheim: Joseph David S., Rabbiner und theologischer Schriftsteller, geb. 1745 in Trier, wo sein Vater, Abraham Isaac S., Rabbiner war. Schon als Kind wurde S. in die Rabbinerschule nach Rappoltsweiler gebracht. Bis zu seinem zwanzigsten Jahre lag er talmudischen Studien ob und ließ sich, als er zum Rabbiner autorisiert wurde, in Niedernay nieder, wohin sein Vater von Trier aus als Rabbiner berufen wurde. S., von Liebe und Begeisterung für das Talmudstudium erfüllt, hielt sich von der klügelnden, witzelnden, sogenannten populistischen Methode, die damals noch im Schwange war ferne und suchte in einfacher aber gründlicher Weise in den Gehalt des Talmud einzudringen. Er war ein Mann von sittlichem Ernste und von liebenswürdiger Milde. 1773 wurde er zum Leiter der von dem reichen und angesehenen Cerfbeer in Bischheim gegründeten Rabbinerschule erwählt, von wo aus er einem Rufe als Rabbiner nach Straßburg folgte. Zu der durch den Kaiser Napoleon mittelst Decret vom 30. Mai 1806 nach Paris einberufenen jüdischen Notablenversammlung, an der mehr als 100 der angesehensten Juden unter Vorsitz von Abraham Furtado theilnahmen, wurde S. von Straßburg abgesandt. Die vom Staate der Versammlung besonders in Bezug auf das Verhalten von Juden den Christen gegenüber vorgelegten Fragen wurden — und daran bethätigte sich S. in hervorragender Weise — so eingehend und befriedigend beantwortet, daß den Juden Frankreichs die freie Ausübung ihrer Religion und der Vollgenuß ihrer bürgerlichen Rechte zugesichert wurde. Es wurde dann, um den in der Versammlung zur Erscheinung getretenen Principien Nachdruck und Kraft zu geben, 1807 ein Synhedrium nach Paris einberufen, in welchem S. als Vorsitzender erwählt wurde. Er führte dieses schwierige Amt mit solchem Takte und mit solcher Würde, daß er auch zum Vorsitzenden des neugegründeten Oberconsistoriums der|Israeliten Frankreichs und Italiens mit dem Sitze in Paris erwählt wurde, welches Amt er bis zu seinem am 10. Februar 1812 erfolgten Tode inne hatte. Sein Leichenbegängniß fand am 12. Februar unter ungemein großer Betheiligung statt und auch Pastor Marron, der damalige Vorsitzende des protestantischen Consistoriums, hielt am Grabe eine ergreifende Rede. S. hinterließ eine bedeutende Bibliothek, die viele Handschriften enthielt, welche er selbst in der kaiserlichen Bibliothek copirte. Seine eigenen zahlreichen Werke, die er handschriftlich zurückgelassen blieben zumeist unedirt. Von seinen im Druck erschienenen Schriften ist sein Werk „Jad David“ (Offenbach 1794) hervorzuheben und verschiedene von ihm durch den Druck veröffentlichte Reden in deutscher, französischer und hebräischer Sprache, so eine Rede gegen den Wucher, die von Abbé Gregoire mit großem Lobe erwähnt wurde, und seine bei Gelegenheit der Eröffnung, Tagung und bei Schluß des Synhedriums gehaltenen Reden, die in den Protokollen Aufnahme fanden. Auch die von ihm aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers am 19. August 1806 in deutscher Sprache gehaltene Rede und die bei Geburt des Königs von Rom am 9. Juni 1812 sind im Drucke erschienen.

    • Literatur

      Quellen: E. Carmoly, Biographie Sinzheims im Jahrbuch, 5. Jahrg. von Crehange. — Grätz, Geschichte der Juden IX. — Moniteur 1812, und briefliche Mittheilungen von Dr. M. Schwab in Paris.

  • Autor/in

    Adolf Brüll.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüll, Adolf, "Sinzheim, Joseph David" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 416-417 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131525301.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA