Lebensdaten
1586 bis 1666
Geburtsort
Danzig
Sterbeort
Danzig
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 119523108 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Syfertus, Paul
  • Seyfert, Paul
  • Syfert, Paul
  • mehr

Orte

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Zitierweise

Siefert, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119523108.html [20.09.2019].

CC0

  • Leben

    Siefert: Paul S. (lateinisch Syfertus), bisher nannten ihn die Lexika Seyfert oder Syfert, erst nach Auffindung von Documenten von Siefert's Hand konnte die richtige Schreibweise festgestellt werden. Seinem Porträt zufolge muß er 1586 zu Danzig geboren sein und starb ebendort am 6. Mai 1666, begraben am 10. Mai in der St. Marienkirche. Dasselbe Bild (im Neudruck in der Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft, Jahrg. 7, Seite 399 mitgetheilt) belehrt uns auch, daß er ein Schüler des berühmten Organisten Sweelinck in Amsterdam ist. Von da aus kam er vielleicht gleich an die Hofcapelle in Warschau, wahrscheinlich als Organist und diente dort, wie er selbst sagt, mehreren Königen. Warum er gegen 1620 die Stellung verließ, ist nicht ersichtlich, vielleicht hatte er sich, wie später in Danzig, bei seinen Vorgesetzten|und den Mitgliedern der Capelle durch sein herrschsüchtiges Wesen so unbeliebt gemacht, daß er es für gut fand, der Stadt den Rücken zu kehren. Dem polnischen Herrscherhause blieb er trotzdem in dankbarer Erinnerung zugethan und bethätigte dies in mehrfacher Hinsicht bei Herausgabe seiner Compositionen. Kurz vor Ostern im Jahre 1620 tritt er in Danzig, seiner Geburtsstadt auf und überreicht dem Rathe der Stadt ein Verzeichniß neuer Compositionen, um deren Aufführung er während der Osterfeiertage in der Kirche nachsucht. Der Rath faßte den Beschluß, daß S. seine Compositionen zu Ostern aufführen könne, sich jedoch vorher darüber mit Kaspar Förster verständigen solle. Dieser Kaspar Förster war zur Zeit Cantor am Gymnasium und hatte wohl die Verpflichtung, die Kirchenmusik an St. Maria mit seinem Chore zu unterstützen, resp. den jeweiligen Capellmeister zu vertreten; nur so läßt es sich erklären, daß sich S. nicht an den Capellmeister Andreas Hackenberger (der bis 1625 im Amte war), sondern an Förster zu wenden hatte. S. war ein fleißiger und tüchtiger Componist und seine Arbeiten scheinen auch in Danzig gewürdigt worden zu sein, denn der Rath befahl deren Aufführung zu verschiedenen Malen, wo feindliche Gesinnungen seiner unmittelbar Vorgesetzten dieselben unterdrücken wollten. S. wurde, als die Stelle eines Organisten an St. Maria durch den Tod Michael Weyda's frei wurde. 1623 an dessen Statt eingesetzt. Als aber 1625 die Kapellmeisterstelle an St. Maria frei wurde, zog man ihm Kaspar Förster vor und das war der Beginn einer fast dreißigjährigen Feindschaft zwischen ihm, dem Kapellmeister und den Musikern, denn stets hatte er Klage zu führen, daß man seine Compositionen bei der Aufführung verpfusche und sah darin nur bösen Willen und Uebelwollen gegen ihn. Jahr aus Jahr ein wurde der Rath mit Klage- und Vertheidigungsschriften beider Theile bestürmt, die von Seiten Siefert's aus sich oft zu großer Leidenschaftlichkeit steigern. Der Rath tritt gegen S. ungemein mild auf und sucht ihn zu schützen so weit er kann, ein Beweis, wie man ihn als Künstler schätzte. Eine ausführliche Darstellung nebst Abdruck zahlreicher Actenstücke und Eingaben findet man in der oben bereits genannten Vierteljahrsschrift. Von Siefert's Compositionen hat sich nur Weniges erhalten und zwar sind dies 2 Bände Psalmenbearbeitungen „nach frantzösischer Melodey oder Weise“ zu 4 und 5 Stimmen mit Instrumentalbegleitung. Sie erschienen 1640 und 1651 in Danzig und befindet sich ein vollständiges Exemplar in der Stadtbibliothek in Danzig. G. Döring äußert in seiner Geschichte der Musik in Preußen (Elbing 1852, S. 198) über dieselben, daß sie den Cantiones sacrae von Stobaeus vielfach verwandt seien, doch sich mehr einem lieblichen Wohlklange zuwenden, als durch Kraft und Tiefe sich auszeichnen. Schon nach dem Erscheinen des 1. Theils benützten die Feinde Siefert's die Gelegenheit zu einem neuen Schlage gegen ihn, und um ihn desto sicherer zu treffen, wurde der Capellmeister Marco Scacchi in Warschau bewogen, Siefert's Psalmen einer Kritik zu unterziehen. Daß Scacchi nicht aus eigenem Antriebe handelte, ist aus der Dedication ersichtlich, die an den Danziger Kaspar Förster gerichtet ist, also an denjenigen, von dem die Anregung zu dem Angriff nur ausgegangen sein kann. Am Ende der Schrift theilt Scacchi 50 Canons von italienischen und polnischen Componisten mit, welche S. beweisen sollen, wie man zu componiren habe. Von der Schrift sind bis heute nur zwei Exemplare: in dem British Museum und in dem Liceo musicale in Bologna bekannt, leider aber bisher von Niemandem ordentlich untersucht worden, so daß wir selbst über den Inhalt nur durch Mattheson oberflächlich unterrichtet sind. Betitelt ist dieselbe: Cribrum musicum ad triticum Syferticum, seu examinatio succincta Psalmorum, quos non ita pridem Paulus Syfertus Dantiscanus, inaede ... Venetiis 1643. Alex. Vincentius. S. antwortete 1645 mit einer „Anticribatio musica ad avenam Scacchianam“... in Danzig gedruckt, worin er geradezu ausspricht, daß die Kritik von Förster ausgegangen sei. Er geht übrigens dem Italiener hart zu Leibe und sagt ihm ins Gesicht, daß die heutigen in der Oper verlotterten Italiener gar nicht im Stande wären, einen kunstvollen Satz zu beurtheilen. Scacchi soll sich darauf an den Componisten Micheli Romano, Beneficiat an der Kathedrale zu Aquileja, einen im alten Stile wohlbewanderten Componisten, gewandt und dieser soll S. eine Anzahl seiner Compositionen nebst einem höflichen Schreiben übersendet haben, worauf S. im Februar 1647 ihm antwortete, daß er durch solche Kunstfertigkeit sich allerdings geschlagen sehe und der italienischen Schule die ihr gebührende Anerkennung nicht versagen könne. Im Jahre 1652 starb der Kapellmeister Kaspar Förster, doch befand sich S. bereits in einem Alter, daß er wohl mehr den Wunsch der Ruhe als neuer Arbeitslast hegte; wie es scheint, ließ er sich auch bald darauf pensioniren, wenn man der amtlichen Bezeichnung „E. E. Rahts Stipendiat“ diese Bedeutung beilegen kann. Leider hat sich von seinen Orgelcompositionen, die als Arbeiten eines Schülers von Sweelinck ein ganz besonderes Interesse hätten, nichts erhalten und dies benimmt uns die Gelegenheit, Siefert's Leistungen so recht kennen zu lernen. Vielleicht ist eine spätere Zeit im Stande, diese Lücke auszufüllen.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Siefert, Paul" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 192-194 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119523108.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA