Lebensdaten
1719 bis 1768
Geburtsort
Grünstadt (Pfalz)
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119001489 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seekatz, Johann Conrad
  • Seekatz, Johann Konrad
  • Seekatz, Johann Conrad

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Zitierweise

Seekatz, Johann Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119001489.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Martin (1680–1729), aus Westerburg, Maler, zuletzt in Worms (s. ThB), S d. Johann George (s. Gen. 1);
    M Juliana Magdalena ( 1772), aus Gemünden b. Westerburg, T d. Paul Kuhlmann;
    Ov Georg Christian (s. 1);
    B Johann Ludwig (1711–83), Kunstmaler in Worms (s. ThB);
    Darmstadt 1753 Elisabeth Caroline Catharina (1727–78), aus Wiesbaden, T d. Jacob Wilhelm Stein;
    7 K u. a. Heinrich Ludwig (1765–1809), Buchdruckergeselle in Offenbach.

  • Leben

    S. kam 1725 mit seinem Vater Johann Martin nach Worms, wo dieser Emporen und Decke der Dreifaltigkeitskirche ausmalte, und nach dem Tod des Vaters zu seinem Bruder Johann Ludwig in die Lehre. 1747 führte S. in der Osthofener Bergkirche elf Emporenbilder nach Bibelillustrationen Matthäus Merians aus, seit 1748 lernte er beim Mannheimer Hofmaler Philipp Hieronymus Brinckmann (1709–61) und konnte zugleich die kfl. Gemäldesammlung studieren. 1752 erhielt er den Auftrag zu einer Folge von Bischofsbildnissen für die Wormser fürstbfl. Residenz (verloren) sowie zu zwei Altarblättern für St. Gallus in Alsheim (Rheinhessen). Wohl im April 1753 trat S. eine Stelle als Hofmaler des Lgf. Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt (1691–1768) an, bei jährlichem Fixum von 200 Gulden. Neben biblischen Historien, Mythologien, Tierstücken und vereinzelten Porträts als Adaptionen barocker Vorbilder schuf er nun zahlreiche Genreszenen im „holländischen Geschmack“, die bald den Kern seines Werkes bildeten.

    Da es in Darmstadt an Aufträgen mangelte, orientierte sich S. nach Frankfurt/M., wo er auf einem florierenden Kunstmarkt und bei zahlreichen Privatsammlern seine meist kleinformatigen, in rascher Folge gefertigten Staffeleigemälde gut absetzen konnte. Auch der „Liber Domestikus“ von Johann Caspar Goethe vermerkt den Erwerb von 17 Gemälden. Als François de Théas Comte de Thoranc, seit 1759 franz. Statthalter des besetzten Frankfurt und Hausgast bei der Familie Goethe, den Frankfurter Malern umfangreiche Ausstattungsarbeiten für sein Domizil in Grasse übertrug, kam S. und seinen „natürlichen und unschuldigen Vorstellungen“ (Goethe, Dichtung u. Wahrheit) eine Schlüsselrolle zu. 1762 bemühte sich S. um das Frankfurter Bürgerrecht und stellte als Probestück ein großformatiges „Urteil des Salomo“ auf dem Römer aus, gab das Ansinnen jedoch im folgenden Sommer wieder auf. Für Schloß Braunshardt bei Darmstadt, Residenz des Prinzen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt führte S. seit 1765 17 Supraporten aus, die als Höhepunkt seines Schaffens gelten. Die Beliebtheit seiner Werke ließ den Schüler Nicolaus Hofmann (1740-um 1823) dessen Manier täuschend nachahmen, und nach S.s frühem Tod weilte 1771–72 Johann Ludwig Ernst Morgenstern (1738–1819) bei der Witwe, um Werke aus dem Nachlaß in Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphik zu wiederholen.

    S.s Werke verraten eine breite Kenntnis der barocken Malerei. Neben fläm. und niederl. Vorbildern (Rubens, David Teniers d. J., Rembrandt, Adriaen van Ostade, Adriaen van der Werff) griff er bisweilen auch ital. (Bacchanal nach Giulio Carpioni d. J., Hess. Landesmus. Darmstadt) und franz. Elemente auf und verarbeitete all diese Anregungen zu originären, differenziert gestalteten Kompositionen nach zeitgenössischem Sammlergeschmack. Seine bäuerlichen, oft in Landschaften und Dorfansichten eingebetteten oder durch Kinder vorgestellten Genrestücke erscheinen als sympathisch-erzählfreudige, niemals derbe Schilderungen eines natürlichen Landlebens. Diese Szenen besitzen vielfach Entsprechungen in Wunschbildern der zeitgenössischen Literatur und Philosophie; bisweilen wurden sie auch zum Ausgangspunkt für spätere, realistische Kunstströmungen.

  • Quellen

    Qu Montägige Franckfurter Kayserl. Reichs=Ober= Post=Amts=Ztg., Nr. 2 v. 3. 1. 1763; Neue Bibl. d. schönen Wiss. u. d. freyen Künste, IX, 1769, S. 147; Hochfürstl.-Hessen-Darmstädt. Staats- u. Adreßkal. auf d. J. 1780, S. 24–26; – Autograph: Brief an Johann Caspar Goethe, 20. 9. 1763 (Freies Dt. Hochstift, Frankfurt/M.).

  • Werke

    nach W-Verz. b. Emmerling, 1991: 269 Einzelgem.;
    96 Gem. f. Comte de Thoranc (Grasse, Privatbes. u. Hôtel de Ville;
    Frankfurt, Goethe-Mus.);
    17 Supraporten f. Schloß Braunshardt (Darmstadt,|Schloßmus. u. Ghzgl.-Hess. Porzellanslg. im Prinz-Georg-Palais);
    71 Ölskizzen (Darmstadt, Hess. Landesmus.);
    größere Gem.bestände u. a. in:
    Darmstadt, Hess. Landesmus.;
    Dessau, Anhalt. Gem.gal.;
    Frankfurt/M., Goethe-Mus., Hist. Mus. u. Städelsches Kunstinst.;
    Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Mus.;
    Mainz, Landesmus.;
    Schweinfurt, Slg. Georg Schäfer;
    Speyer, Hist. Mus. d. Pfalz;
    zahlr. W in Privatbes., häufige Angebote auf d. Kunstmarkt;
    – zu d. Zeichnungen liegt kein Verz. vor (Nachlaßbestand im
    Hess. Landesmus., Darmstadt).

  • Literatur

    s. Fam.art.;
    ADB 33;
    E. Buchner, Ueber einige ältere Maler Darmstadts, S., in: Morgenbl. f. gebildete Stände, Kunstbl., Nr. 57, 16. 7. 1827, S. 225–27 (Qu);
    M. Schubart, François de Théas Comte de Thoranc, Goethes Königslieutenant, 1896 (Qu);
    D. Hoffmann, „Man wird sagen, dass dies recht bürgerlich sei . . .“, Bemerkungen zu einigen Bildern v. J. C. S., in: Darmstadt in d. Zeit d. Barock u. Rokoko, Ausst.kat. Stadt Darmstadt 1980, Bd. 1, S. 245–65 (zur Ikonographie);
    E. Emmerling (Begründer), B. Rechberg u. H. Wilhelm (Bearb.), J. C. S. 1719–1768, Ein Maler aus d. Zeit d. jungen Goethe, Leben u. Werk, 1991 (W-Verz., Qu, P, Bibliogr.);
    H. Ludwig, Die Gem. d. 18. Jh. im Hess. Landesmus. Darmstadt, Bestandskat. 1997, S. 182–225 (grundlegend);
    G. Kölsch, Die Fam. Goethe in Schäfertracht, Entstehung, Form u. Wirkung d. Gem. v. J. C. S., in: Goethezeit – Zeit f. Goethe ( . . . ), FS f. Christoph Perels z. 65. Geb.tag, hg. v. K. Feilchenfeldt u. a., 2003, S. 213–28;
    ThB;
    Lex. d. Kunst;
    Nassau. Biogr.;
    Frankfurter Biogr.;
    Lex. Pfälzer Persönlichkeiten;
    Stadtlex. Darmstadt.

  • Portraits

    Miniaturbildnis auf Pergament v. Ph. J. Loutherbourg d. Ä., vor 1755 (Öff. Kunstslg. Basel, Kupf.kab.;
    Nachweis in: Ludwig, 1997, s. L, S. 183);
    Selbstbildnis, Kreidezeichnung, um 1765 (Klassik Stiftung Weimar), Abb. in: Bamberger, 1916 (s. L zu Fam.art.), Tafel 1, u. Emmerling, 1991 (s. L zu Fam.art.), S. 13;
    alle übrigen – angeblichen – Bildnisse wohl falsch identifiziert (s. Ludwig, 1997, S. 182 f.).

  • Autor/in

    Gerhard Kölsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Kölsch, Gerhard, "Seekatz, Johann Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 145-146 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119001489.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Seekatz: Johann Konrad S., geb. im Jahr 1719 zu Grünstadt in der Pfalz und zu Darmstadt 1768, war der zweite Sohn eines wenig bedeutenden Malers, des Johann Martin S. und erhielt den ersten künstlerischen Unterricht erst von seinem ältern Bruder in Worms, wo schon der Vater für die neu erbaute lutherische Kirche einige Aufträge zu Gemälden ausgeführt hatte. S. arbeitete nun lange Zeit in Gemeinschaft mit seinem Lehrer und dann unter Leitung des kurpfälzischen Hofmalers Brinkmann. Das eigenartige Talent des jungen Malers blieb zum Glück nicht allzulange unter dem Einfluß seiner ersten Lehrer und entwickelte sich rasch in freier Thätigkeit, in unermüdlicher Beobachtung der Natur, wobei ihm das Studium der alten Meister im kurfürstlichen Schlosse zu Mannheim wesentlich zu statten kam. S. malte vorzugsweise Scenen aus dem Volksleben, kriegerische Vorgänge, Zigeunerlager und Bauern, Bilder, zu welchen er zahllose Studien nach der Natur machte, ebenso zu den Thieren, mit welchen er seine Landschaften staffirte. Die Gemälde sind wirkungsvoll angeordnet, kräftig in der Farbe und von trefflicher Zeichnung. Auch in historischer Composition versuchte sich S., ohne jedoch ganz Hervorragendes darin zu leisten. Viele von den Gemälden des schnellschaffenden Künstlers kamen nach Frankreich und nach Frankfurt, viele sind auch im Besitz der großherzoglichen Gallerie zu Darmstadt. Im Jahr 1753 wurde S. zum kurfürstlichen Hofmaler in Darmstadt ernannt. S. besaß in hohem Grade die Gabe, rasch aufzufassen, die er besonders in seinen Bildnissen bethätigte. Mit Vorliebe und Erfolg porträtirte er Greise und Kinder, wie auch Goethe rühmend bemerkt. Viele von|Seekatz's Gemälden sind durch Radierungen vervielfältigt worden, darunter von Romanet ein Bänkelsänger und ein Bilderkrämer, von J. H. Capel zwei Landschaften mit Bauern, ferner von P. Lowrie zwei Blätter in Mezzotinto und ein historisches Bild, die Flucht der heiligen Familie nach Aegypten von H. Sintzenich.

    • Literatur

      Allgemeines Künstlerlexikon oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler. Bildhauer u. s. w. Zürich 1829. — Nagler's Künstlerlexikon. München 1846.

  • Autor/in

    Louis Katzenstein.
  • Empfohlene Zitierweise

    Katzenstein, Louis, "" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 574-575 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119001489.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA