Lebensdaten
1595 bis 1645
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Chirurg ; Stadtphysicus von Ulm
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118869027 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schultes, Johannes (eigentlich)
  • Schultetus, Johannes
  • Schultheiß, Johannes (eigentlich)
  • mehr

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Zitierweise

Scultetus, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118869027.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Michael Schultheiß (Schultes) ( 1608), Schiffmeister in U.;
    M Margarete Schabenseckel ( 1608);
    Ulm 1636 Maria (* 1616?), T d. Joseph Regulus Villinger ( 1635), aus Innsbruck, Mohrenapotheker in U.;
    2 S Johannes, Michael; Schwager Johann Georg Regulus Villinger (1610–80), Med., 1656 Scholarch in U. (s. A. Weyermann, Neue hist.biogr.-artist. Nachrr. v. Gelehrten u. Künstlern [ . . . ] aus der vorm. Reichsstadt Ulm, 1829);
    N Johannes d. J. ( 1663), seit 1653 Stadtphysicus v. U., Hg. d. „Armamentarium Chirurgicum“.

  • Leben

    S. besuchte die sechs Klassen des Ulmer Gymnasiums, wo er Latein und Griechisch lernte. Danach war es ihm aus Geldmangel zunächst nicht möglich, ein Studium aufzunehmen. Er arbeitete als Maurergehilfe, später in Regensburg und Wien als Helfer in Gaststätten. Zwischen 1614 und 1616 lernte er in Wien den bedeutenden niederl. Anatomen und Chirurgen Adriaan van den Spieghel (1578–1625) kennen, was bestimmend für S.s weitere Laufbahn wurde. Er immatrikulierte sich an der Univ. Padua, wo Spieghel sein Lehrer wurde und für den er dort 1616–23 als Prosektor und Operationsassistent arbeitete. Ein weiterer Lehrer S.s in Padua, der ihn besonders beeinflußte, war der Anatom und Chirurg Hieronymus Fabricius ab Acquapendente (1567–1632). 1623 wurde S. in Padua zum Doktor der Philosophie, Medizin und Chirurgie promoviert. 1624 praktizierte S. als Chirurg in Venedig, seit 1625 bis zu seinem Tod als Stadtarzt in Ulm. Als Stadtphysicus hatte er u. a. die Aufgaben, die Einwohner Ulms chirurgisch zu versorgen, das Baderexamen abzunehmen, die Apotheken zu visitieren sowie das Spital und das Findelhaus medizinisch zu betreuen. Trotz seiner Herkunft aus einer Donauschiffer-Familie gelang es S. schnell, sich einen Platz in der Ulmer Gesellschaft zu erkämpfen, er wurde jedoch öfters wegen überhöhter Honorarforderungen angezeigt. 1645 wurde S. zur Behandlung eines fürstl. Patienten nach Stuttgart gerufen, wo er verstarb.

    S.s bekanntestes Werk ist das kurz vor seinem Tod verfaßte „Armamentarium chirurgicum“. Sein Neffe Johannes S. d. J. vollendete diese umfassendste Darstellung der chirurg. Instrumente, Verbände und Apparaturen der damaligen Zeit und gab sie 1655 heraus. Die chirurg. Instrumente sind meist in Originalgröße abgebildet. 1666 erschienen in erweiterter und überarbeiteter Form eine weitere lat. sowie die dt. Erstausgabe des „Armamentarium“ unter dem Titel „Wund=Artzneyisches Zeug=Hauß“. Die Vorlagen für die 56 Tafeln dieser Ausgaben lieferte der Ulmer Stadtmaler Jonas Arnold d. J. (1609–69). Zahlreiche lat. (1656, 1662, 1665, 1669, 1672, 1693) und dt. (1679) Neuauflagen und Übersetzungen (niederl. 1657, 1671, 1748, franz. 1672, 1675, engl. 1674) beweisen den großen Erfolg des „Armamentarium“. Die hervorragenden Abbildungen zeigen die wichtigsten zeitgenössischen, aber auch ältere oder weniger gebräuchliche sowie einige von S. selbst erfundene Instrumente. Letztere weisen meist eine neuartige und wegweisende Konstruktion auf, die den Chirurgen von seinem Hilfspersonal unabhängiger machen und ein zügigeres und präziseres Operieren gewährleisten soll. Die bisweilen geäußerte Kritik, S. habe die chirurg. Instrumente damit verkompliziert, kann daher nicht aufrechterhalten werden. Neben der Instrumentenkunde im 1. Teil mit ihrem zeitbedingten Schwerpunkt auf der Kriegschirurgie finden sich v. a. im 2. Teil des Buches zahlreiche Anweisungen zur medikamentösen Therapie (mehr als 300 Rezepte) und zur ausgewogenen Lebensweise während der Krankheit gemäß der Humoralpathologie und den „sex res non naturales“. Das „Armamentarium“ war das erste Lehrbuch der Chirurgie, das in enzyklopädischer Form alle damals gängigen Operationsverfahren und -instrumente in Wort und Bild darstellte und begründete S.s Ruf als eines der bedeutendsten Chirurgen des 17. Jh.

  • Literatur

    ADB 33;
    K. Dembitz, Btr. z. Gesch. d. Zahnheilkde. im 17. Jh. nach d. Aufzeichnungen d. S., 1927;
    L. Bakay, The treatment of head injuries in the Thirty Years' War, 1618–48. J. S. and his age, 1971;
    A. Seiz-Hauser, J. S. u. sein Werk, Biogr. u. Glossar, 1988, S. 11–70 (Beil. zu J. S., Wund=Artzneyisches Zeug=Hauß, Faks. d. Ausg. 1666, hg. v. d. Fa. L. Merckle KG u. d. StadtA Ulm);
    BLÄ;
    Ärztelex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Werner E. Gerabek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Scultetus, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 101 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118869027.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Scultetus: Johannes S. (eigentlich Schultes) ist der in der Wissenschaft allein latinisirt bekannte Name eines berühmten Chirurgen in Ulm, der daselbst am 12. October 1595, als Sohn des Schiffers Michael Schuttes geboren wurde. Sehr jung wurde er von seinem Vater nach Wien gebracht, von da kam er nach Italien, war 15 Jahre lang in Padua, daselbst Schüler des Fabrizio d'Acquapendente und des Anatomen Adriaan Spieghel, dessen Prosector er lange Zeit war und wo er 1621 die Doctorwürde in der Medicin und Philosophie erlangte. Nachdem er in Padua und Venedig prakticirt hatte, wurde er 1625 Stadtphysikus in Ulm, erfreute sich einer sehr ausgedehnten Praxis und starb am 1. December 1645 in Stuttgart, wohin er zu einem Kranken gerufen worden war. Sein einziges, aber sehr bekanntes und berühmtes, in vielen Auflagen erschienenes und in verschiedene Sprachen übersetztes Werk, das „Armamentarium chirurgicum, 43 tabulis ornatum. Opus posthumum“ erschien lange nach seinem Tode, von seinem Neffen Johann Schuttes dem Jüngeren herausgegeben, Ulm 1653, 1655 fol. Weitere Ausgaben erschienen im Haag 1656, 1662, 8°; Venedig 1655, 1665, 8°; Amsterdam 1662, 1669, 1672, 8°; Frankfurt 1666, 4°; Leiden 1693, 1741, 8°. Durch J. B. Lamzweerde und P. H. Verduyn wurde das Werk beträchtlich vermehrt (Amsterdam 1661, 8°, c. 56 tabb.) und außerdem in holländischer Uebersetzung (Dordrecht 1657, 1670, 8°, Leiden 1748, 8°), in französischer als „Arsenal de chirurgie“ (Lyon 1675, 4°, 1712, 8°) und in deutscher als „Wundarzneyisches Zeughaus“ (Frankfurt 1666, 1679, 4°) herausgegeben. Auch erschien ein „Appendix ad armamentarium“ (1671, 1672, 8°). Wie man aus diesem Werke, das so viel Aufsehen erregte und so viel Beifall fand, entnehmen kann, war S. ein sehr unternehmender Chirurg, viele seiner darin niedergelegten Beobachtungen sind von großem Interesse. Außerdem findet sich in dem Werke die umfassendste Darstellung aller zu seiner Zeit gebräuchlichen Instrumente, Apparate, Verbände; jedoch ist Scultet's Streben insofern zu tadeln, als er, statt die Zahl derselben zu vermindern und dieselben zu vereinfachen, dahin trachtete, sie zu vermehren und zu compliciren.

    • Literatur

      Albr. Weyermann, Nachrichten von Gelehrten, Künstlern u. s. w. aus Ulm. Ulm 1798, S. 475. — Albrecht v. Haller, Bibliotheca chirurgica. T. I, 1774, p. 355.

  • Autor/in

    E. Gurlt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gurlt, Ernst, "Scultetus, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 499 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118869027.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA