Lebensdaten
1760 bis 1820
Geburtsort
Ried
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118940201 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwanthaler, Franz Jakob
  • Schwanthaler, Franz
  • Schwanthaler, Franz Jakob
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Zitierweise

Schwanthaler, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940201.html [22.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Peter d. Ä. (s. 2);
    M Maria Anna König;
    Ur-Gvv Thomas (s. 1); – * München 1792 Clara (1772–1838). T d. Nikolaus Lutz, Proviantbäckermeister in Schärding, u. d. Gertrud N. N.;
    7 K u. a. Ludwig v. S. (s. 4).

  • Leben

    S. wurde in der Werkstatt in Ried ausgebildet und arbeitete danach bei seinem älteren Vetter Johann Georg Schwanthaler in Gmunden, bei Franz Hitzl in Salzburg und bei Martin Ignaz Ingerl in Augsburg. Dort besuchte er auch die Akademie und soll drei Preise errungen haben. Nach München wandte er sich wahrscheinlich schon vor 1785, dem Jahr, in dem er dort die Bildhauergerechtigkeit des verstorbenen Josef Jerger (auch Irger u. a.) kaufte und das Bürgerrecht erwarb. Bis zu seinem Tod lebte und arbeitete er in München.

    Seine sakralen Werke, wie der Ölberg-Christus von 1795 in St. Peter in München, stehen anfangs noch in der barocken Tradition der Rieder Schwanthaler-Werkstatt, doch setzt sich nach 1800 bei den Altären in Alling, Ortsteil Holzkirchen (Lkr. Fürstenfeldbruck) (1801–05) und den anbetenden Engeln am Hochaltartabernakel von St. Peter in München (1803) ein modernerer, klassizistischer Stil durch. Diesen zeigen auch seine Steinskulpturen, wie die Reliefs am Rumford-Denkmal im Englischen Garten in München (1795) und am Grabmal für den 1803 verstorbenen Prinzen Max Joseph Friedrich in der dortigen Theatinerkirche sowie eine Jünglingsfigur, der sog. „Harmlos“ (1803), aufgestellt zwischen Hofgarten und Englischen Garten. S. schnitzte auch Boiserien für die Münchner Residenz und trug zur Ausstattung des von Karl v. Fischer erbauten Hoftheaters bei. Nachdem er um 1790 Grabmäler mit antikisierenden Trauerfiguren nach anfänglichen Widerständen in München durchgesetzt hatte, wurde die Herstellung solcher Monumente, von denen einige erhalten sind, sein wichtigster Erwerbszweig. Die erhaltenen Entwurfszeichnungen von seiner Hand befinden sich zum größten Teil im Münchner Stadtmuseum und im Innviertler Volkskundehaus. Ried.

    In der von den Napoleon. Kriegen geprägten Epoche mit ihrer wirtschaftlichen Not blieb S.s Tätigkeit eingeschränkt und von ständigem Existenzkampf geprägt. In München war er der führende Bildhauer des Klassizismus.

  • Werke

    Weitere W Marmorbüste d. Kgn. Karoline v. Bayern, 1808 (München. Bayer. Nat.mus.);
    Giebelfiguren, 1809 (am damaligen Münzgebäude. München, heute Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege): Trophäen als Bekrönung d. Hofgartentors (München), 1816.

  • Literatur

    ADB 33;
    Bauböck, 1963/64 (s. o.). S. 7, Abb. 15 (P);
    Andreas Huber. F. J. S., 1760-1820. Diss. München 1973;
    ders., in: Oberbayer. Archiv 102, 1978, S. 143-79 (P);
    Ausst.kat. Reichersberg 1974 (s. o.);
    L. Altmann. Die Altäre v. St. Peter u. Paul in Holzkirchen, in: Amperland 31, 1995, S. 62-65;
    Wurzbach 32, 1876, S. 280-82;
    Nagler;
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    zwei ovale gezeichnete Brustbilder, anonym (Staatl. Graph. Slg. München. Abb. in: Andreas Huber, 1978. s. L, n. S. 152. u. im Münchner Stadtmus.), beide mit d. Bildnis seiner Frau als Gegenstück.

  • Autor/in

    Peter Volk
  • Empfohlene Zitierweise

    Volk, Peter, "Schwanthaler, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 793-794 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940201.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schwanthaler: Franz S., Bildhauer, geb. 1760 zu Ried im Innviertel, stammte aus einer alten Künstlerfamilie, welche schon seit dreihundert Jahren der Plastik oblag. Darunter erscheint ein Thomas S. 1680 und dessen Sohn Bonaventura, welcher auch im baierischen Bauernkrieg gegen Oesterreich 1704 sich hervorthat (Sepp, Bauernkrieg 1884, S. 168). Der hier in Rede stehende Franz — er hatte zwei Brüder: Anton, welcher später nach München ging und 1833 daselbst starb, und Peter, welcher zu Ried verblieb und dort für benachbarte Kirchen und Klöster arbeitete — war frühzeitig schon zu Gmunden am Traunsee und in Salzburg thätig, erhielt weitere Förderung bei dem Bildhauer Ingerl zu Augsburg, besuchte zugleich die dortige Akademie und errang daselbst drei Preise, ging aber dann nach München, wo er sich 1785 als Bürger niederließ und mit seinem vorgenannten Bruder Anton in unermüdlicher Weise thätig war mit Büsten, Denkmalen, ornamentalen Decorationen — ein tüchtiges Stück Kunsthandwerk repräsentirend. So schnitt er viele Holzmodelle und Figürchen für|die Porzellanmanufactur Nymphenburg, lieferte die Waffentrophäen am Hofgartenthor, die Sandsteinlöwen an der Einfahrt zur Prannersgasse, modellirte zwei lange Friese mit Allegorien auf Krieg, Frieden, Handel und geselliges Leben an dem Hause des damaligen Möbelfabrikanten Hiltl (heute No. 24; eine Abbildung in No. 6 „Münchner elegantes Sonntagsblatt“ vom 9. April 1800; auch die beiden schwebenden Tänzerinnen an dem nun beseitigten Thore dieses Hauses waren Holzsculpturen von Franz S.), woselbst S. im Rückgebäude sein Atelier aufschlug, schuf eine große Anzahl guter Portraitbüsten, darunter die des Königs Maximilian und der Königin Karoline und zahlreiche Grabdenkmale (der trauernde Genius für den 1800 verstorbenen Prinzen Max Joseph Friedrich in der Theatinerkirche), insbesondere für den südlichen „Gottesacker“, wobei freilich anfänglich viel barocke Embleme und Gestalten erschienen, z. B. ein mit Flügeln und Sense ausgestatteter, seine Urne mit einem Vorhang bedeckender Kronos, allerlei trauernde Psychen und Sarghüter, welche erst Widerstand hervorriefen, bald aber Nachahmung und Beifall fanden, als der Geschmack und die Invention der Künstler und des Publicums sich daran gewöhnte und verbesserte. Dazu zählten die Monumente der Familien Kannabich und Freyberg, des schottischen Naturforschers Johnston, des Hofmalers Ferdinand Kobell, des Baron Kreitmayer, die Grabstätten der Familien Krempelhuber, Le Prieur, Riezler, Santini, Sauer, Schedl, Lungelmayr, der Grafen v. Tattenbach und Törring-Gutenzell u. s. w. Auch nach Ansbach, Köfering, Moosburg, Passau, Rothenburg an der Tauber lieferte S. Reliefs und Figuren in Sandstein, insbesondere aber in dem damals vielbeliebten Marmor von Tegernsee und Füssen. Zu seinen heute noch bestehenden Leistungen gehörte auch die im Auftrage des Grafen Morawitzky gefertigte, am Eingang des Münchener „Englischen Gartens“ befindliche lebensgroße, seither freilich öfters stark restaurirte Statue des „Harmlos“ — so genannt von der darunter angebrachten Inschrift, welche Jedermann einladet, hier harmlos im Garten der Natur zu wandeln. Auch im decorativen Genre arbeitete S. insbesondere in den unter der Direction des Hofbaumeisters Puille ausgestatteten Prachtzimmern der k. Residenz und bei der Ausschmückung des durch Karl v. Fischer erbauten Hoftheaters. Sein Name hatte einen so guten Klang, daß im Jahre 1795 eine Berufung nach Weimar erfolgte, welche der patriotische S. jedoch ablehnen zu müssen glaubte. Zuletzt kehrte er wieder zur Holzsculptur zurück, um für sich zur Feier des Weihnachtsfestes ein Bildwerk zu gestalten, wie den Hirten die Geburt des Heilands verkündet wird, er starb aber schon vor dessen Vollendung zu München 1820. A. Baumgartner widmete ihm einen Nachruf mit einer kleinen Schrift (München 1820), welche alle Werke Schwanthaler's verzeichnet.

    • Literatur

      Vgl. dazu Lipowsky, Künstlerlexikon 1810. II, 87. — Raczynski II, 499. —
      Marggraff, Münchener Jahrbücher. 1840. III, 268. —
      Nagler 1846. XVI, 96. —
      Wurzbach, 1876. XXXII, 280. — Fr. Pecht, Gesch. der Münchener Kunst. 1888. S. 26.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Schwanthaler, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 190-191 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940201.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA