Lebensdaten
1804 bis 1878
Geburtsort
Reichenschwand
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; Botaniker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117271551 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schimper, Wilhelm
  • Schimper, Georg Heinrich Wilhelm

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Schimper, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271551.html [17.10.2019].

CC0

  • Leben

    Schimper: Wilhelm S., wissenschaftlicher Reisender und Pflanzensammler, Bruder von Karl Friedrich S., geboren zu Reichenschwand am 2. August 1804, zu Adoa in Abessinien im October 1878. Unter mißlichen Familienverhältnissen ausgewachsen, verlebte er eine unruhige Jugendzeit. Nachdem er es zuerst mit einem technischen Berufe in Nürnberg versucht hatte und dann in den badischen Militärdienst eingetreten war, widmete er sich vom J. 1828 an in München zusammen mit seinem Bruder naturwissenschaftlichen Studien. Nach dreijährigem Aufenthalte daselbst ging er im Auftrage des von Hochstetter und|Steudel in Eßlingen begründeten botanischen Reisevereins zunächst nach Südsrankreich in die Gegend von Cette und Montpellier und darauf nach Algier. Infolge von Krankheit und nach Verlust eines Theils der gesammelten Pflanzen, kehrte er im Sommer 1832 nach Europa zurück und lebte bis 1834 theils in der Schweiz bei Agassiz, theils bei seinen Verwandten im Elsaß, bis ihm der obengenannte württembergische Reiseverein die Mittel zu einer Reise nach Aegypten und Arabien verschaffte. Im August 1834 schiffte er sich mit dem württembergischen Arzte Dr. Wiest nach Alexandrien ein. In Folge Schiffbruchs an der Küste von Kephalonia entstand eine sechswöchentliche Unterbrechung der Reise, die S. zu einer gründlichen Untersuchung der Flora jener Insel zweckmäßig ausnutzte.

    Nachdem die Reisenden dann Kairo und Alexandrien glücklich erreicht hatten, begann die Durchforschung Aegyptens und der angrenzenden Wüste, die eine reiche botanische und zoologische Ausbeute ergab. Das nächste Ziel war der Sinai, den S. nach mannigfachen Strapazen Ende März 1835 erreichte. Sein Reisegefährte war vorher in Kairo an der Pest gestorben. Schimper's große Erfolge als Pflanzensammler veranlaßten den Reiseverein, die Expedition auch auf Abessynien auszudehnen, das damals in botanischer Hinsicht noch sehr wenig bekannt war. Am 13. Nov. 1836 schiffte er sich in Suez nach Djedda ein, machte von da den vergeblichen Versuch, Mekka zu erreichen und fuhr dann nach Massaua, wo er im Januar 1837 anlangte. Die Wirren in dem abessynischen Küstenlande stellten seinem weiteren Vordringen große Schwierigkeiten entgegen; doch überwand er sie und kam nach zweimonatlicher Reise nach Adoa. wo er bei dem Könige von Tigré Schutz und Aufnahme fand. Die drei folgenden Jahre wurden zur Durchforschung Abessyniens verwendet. Die Berichte über seine Reise von Adoa an den Tacazé und in das Sumengebirge sind abgedruckt in mehreren Nummern der Augsburger Allg. Zeitung vom Jahre 1843. Ende 1840 wollte S. über Moccha und das südliche Arabien nach Europa zurückkehren. Allein auf dem langen und schwierigen Marsche im Innern Arabiens erkrankt, wurde er von einer Karawane aufgefunden, die ihn nach Moccha zurückführte. Zur Herstellung seiner Gesundheit begab er sich dann wieder nach Abessynien und ließ sich dauernd daselbst nieder, nachdem ihm der König Ubié von Tigré die Statthalterschaft der Provinz Antitscho übertragen und er sich mit einer Abessynierin verheirathet hatte. Neben seinen Verwaltungsgeschäften setzte er nach wie vor seine wissenschaftlichen Sammlungen fort, nunmehr infolge eines ehrenvollen Auftrages der Direction des Pariser jardin des plantes und es traten in seinem an Wechselfällen überreichen Leben jetzt einige relativ ruhige und glückliche Jahre ein. Dies dauerte bis zum Ausbruche des Kriegs zwischen dem Könige Ubié und dem späteren Könige Theodor. S. befand sich gerade, als der Krieg begann, 1855 auf einer Reise im Lande der Gallas. Zurückgekehrt, fand er seine Wohnung zerstört, seine Sammlungen vernichtet. Der siegreiche Theodor nahm ihm seine Provinz und zwang ihn, ihm nach der Festung Magdala zu folgen, aus welcher er erst nach deren Uebergabe an die Engländer 1868 seine Freiheit wieder fand. Seit jener Zeit lebte S. in ziemlich dürftigen Verhältnissen in Adoa, mit geologischen Sammlungen und der Bearbeitung einer geologischen Karte des Landes beschäftigt. Der Tod ereilte ihn, bevor etwas hiervon nach Europa abgeschickt werden konnte. Sein Sohn, der zu seiner Ausbildung zehn Jahre in Europa zugebracht und zuletzt durch die Munificenz des Großherzogs von Baden auf dem Polytechnikum in Karlsruhe studirt hatte, erfuhr auf der Heimreise, in Massaua, daß der Vater einer epidemischen Krankheit erlegen sei.

    W. S. hat durch seine Sammlungen für die Kenntniß der Flora Ostafrika's|Erhebliches beigetragen. Mehrere hundert Arten aus der Flora vom Sinai, mehrere tausend aus Abessynien, ausgezeichnet durch sorgfältige Herstellung und genaue Aufzeichnung des für die einzelnen Pflanzen Wissenswerthen sind durch ihn den europäischen Botanikern zugänglich gemacht worden. Auch zahlreiche zoologische Materialien sind ihm zu verdanken. Sie befinden sich vorzugsweise in den Museen von Karlsruhe, Freiburg i. B., Stuttgart, Paris und Straßburg.

    • Literatur

      De Bary, Nachruf in Botan. Zeitung 1879. — C. Mettenius, A. Braun's Leben.

  • Autor/in

    E. Wunschmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wunschmann, Ernst, "Schimper, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 31 (1890), S. 279-281 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271551.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA