Lebensdaten
1815 bis 1888
Geburtsort
Padua
Sterbeort
Mauer bei Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Generalmajor ; Kartograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117620335 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheda, Josef (bis 1864)
  • Scheda, Joseph Ritter von
  • Scheda, Josef (bis 1864)
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Zitierweise

Scheda, Joseph Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117620335.html [21.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Zacharias (1763–1827), aus Fulda, Dr. med., k. k. dirig. Stabsfeldarzt, Rat;
    M Johanna Pennecke|(Pencke)(1799- n. 1838);
    B Emil (1821–99), Polizeipräs. v. Prag; – Hypolite (1825–84), T d. Franz v. Grüner, 1. Salinenkassier in Wieliczka (Galizien), u. d. Maria Gfn. Dębinska;
    4 S u. a. Artur (1841–1908), Obergeometer d. k. k. priv. Staatseisenbahnges., Hugo (* 1855), Lithograph, wanderte nach Amerika aus, Otto (* 1863), Violinist, wanderte 1884 nach Amerika aus, 5 T u. a. Adrienne (1850–1925, Anton v. Scudier, 1818–1900, österr. FZM, s. Wurzbach; ÖBL; L).

  • Leben

    S. besuchte 1829-32 das k. k. Militärerziehungsinstitut (Kadetten-Kompanie) in Graz, wurde 1832 als Fähnrich nach Czernowitz (Bukowina) kommandiert und 1835 infolge seiner hervorragenden Fähigkeiten im Kartenzeichnen dem Generalquartiermeisterstab zugeteilt (in d. Mil.zeichnungskanzlei, dann 4 J. im Topograph. Bureau; 1836 Unterlt.). 1842 übernahm S. als Leutnant die Leitung der Lithographischen Abteilung des Wiener Militärgeographischen Instituts (1854–57 provisor. auch d. Kupf.abt.; 1851 Hptm., 1857 Major, 1860 Oberstlt., 1868 Oberst), 1869 wurde er zum Chef der 1. Gruppe des Militärgeographischen Instituts ernannt; damit unterstand ihm mit den Abteilungen für Topographie, Lithographie und Kupferstich der gesamte Bereich der kartographischen Arbeiten des Instituts. 1876 trat S. mit dem Titel eines Generalmajors ad honores in den Ruhestand.

    S. trug wesentlich zum Weltruf des Militärgeographischen Instituts bei, indem er u. a. besonderen Wert auf die Ausbildung der Lithographen und Kupferstecher legte sowie die inhaltliche und technische Qualität der Karten (insbes. bezügl. d. Geländedarst. u. d. lithograph. Reproduktion) enorm verbesserte. Privat entwarf und zeichnete er umfangreiche Kartenwerke, die – von den Fachleuten des Militärgeographischen Instituts lithographiert bzw. in Kupfer gestochen – ihm große Anerkennung seitens der internationalen Fachwelt einbrachten: Bereits 1845-47 erschien seine „General-Karte von Europa in 25 Blättern“ (1: 2.592 000; 21859, stark verändert), die wahrscheinlich als erste Karte in mehrfarbigem Liniendruck lithographisch reproduziert wurde. 1856-59 folgte die „General-Karte des Österreich. Kaiserstaates mit einem grossen Theile der angränzenden Länder“ (20 Bll. in Kupferstich, 1: 576 000; 21870 u. d. T „Gen.-Karte d. österr.-ungar. Monarchie“), die bis 1871 zur „General-Karte von Central-Europa in 47 Blättern“ erweitert wurde. Infolge seiner hervorragenden Qualität kaufte das Militärgeographische Institut dieses Kartenwerk auf, das (1873-76 auf 1: 300 000 vergrößert) z. T. bis zur Jahrhundertwende offiziell verwendet wurde. 1869 kam dazu noch die „General-Karte der europ. Türkei und des Königreiches Griechenland“ (13 Bll., Mehrfarbenlith., 1: 864 000).|

  • Auszeichnungen

    Zahlr. Auszeichnungen u. Orden (u. a. der Niederlande, Hannovers, Hessens, Preußens, Sachsens, Spaniens, der Toskana, Belgiens, Italiens, Rumäniens, Rußlands u. d. Osman. Reiches); große Medaille d. Londoner Weltausst. (1862); Orden d. Eisernen Krone III. Kl. (1864); Franz-Josephs-Orden (Komturkreuz, später mit Stern); Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. d. geograph. Ges. in Darmstadt, Berlin, Wien u. London; Korrespondent d. Geolog. Reichsanstalt in Wien; seit 1872 trägt e. Barents-Insel (vor Nowaja Zemlja) S.s Namen.

  • Werke

    Weitere W Leitfaden z. Gebrauche d. Situations-Zeichnungs-Schule, 1854;
    Geognost. Karte d. oesterr. Ks.staates, 1847;
    Schulwandkarte v. Europa, 1855;
    Handatlas d. neuesten Geogr., 1868-81 (mit A. Steinhauser);
    Karte d. oesterr.-ungax. Reiches, 1873;
    |

  • Quellen

    Qu Österr. StA, Kriegsarchiv (u. a. Nachlaß).

  • Literatur

    ADB 53;
    Anton v. Scudier, in: Neue Freie Presse (Wien) v. 23.7.1888;
    ders., in: Dt. Rdsch. f. Geogr. u. Statistik 11, 1889, S. 45-47 (P);
    L. Baumgarten, in: Kartograph, u. schulgeograph. Zs. 9, 1921, S. 114;
    E. Nischer, Österr. Kartographen, 1924, S. 178-83 (P);
    J. Dörflinger, in: Lex. z. Gesch. d. Kartogr. II, 1986, S. 703;
    I. Kretschmer, in: Kartograph. Nachrr. 38, 1988, S. 212-14;
    Wurzbach;
    ÖBL;
    zur Fam.:
    Wiener Geneal. Tb. 1, 1926, S. 314 f.

  • Portraits

    Ölgem. (Österr. StA, Kriegsarchiv).

  • Autor/in

    Johannes Dörflinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Dörflinger, Johannes, "Scheda, Joseph Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 598-599 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117620335.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Scheda: Josef Ritter von Sch., k. u. k. Generalmajor, geboren 1815 in Padua als Sohn eines k. k. Feldstabsarztes, trat 1829 in die Grazer Cadettencompagnie ein, aus welcher er am 1. Mai 1832 als Cadett zum Infanterieregiment Nr. 41 ausgemustert und noch in demselben Jahr zum Fähnrich befördert wurde. Drei Jahre später wurde er dem Generalquartiermeisterstabe in Wien zugetheilt und schon damals erregten seine topographischen Arbeiten die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten. Bei Errichtung des k. k. militärgeographischen Institutes erhielt er am 1. October 1842 die Leitung der lithographischen Abtheilung und wurde organisationsgemäß zum Militärbeamten übersetzt. Nach Errichtung des Militäringenieur-Geographencorps wurde Sch. am 20. Juli 1851 zum Hauptmann I. Classe, am 27. März 1857 zum Major und am 11. Februar 1860 zum Oberstlieutenant befördert, dann anläßlich der 1861 erfolgten Auflösung jenes Corps zum 61. Infanterieregimente eingetheilt und im J. 1868 zum Obersten im Armeestande ernannt. Unter Scheda's Leitung wurde die Lithographie auf eine bis dahin unerreichte Vollkommenheit gebracht, insbesondere muß die Specialkarte von Mittel-Italien im Maaße von 1:86 400 unter seinen officiellen lithographischen Arbeiten hervorgehoben werden; sie concurrirt mit jener in Kupfer gestochenen nicht minder berühmten Specialkarte des lombardischen Königreiches. Sch. war der erste in Europa, der den Farbendruck bei lithographischen Karten mit dem besten Erfolge angewendet hat. Von seinen Privatarbeiten erregten insbesondere zwei große Werke die Bewunderung aller Kartographen. Es sind dies die Uebersichtskarte von Europa auf Stein in vierfachem Farbendruck in dem Maaße von 1:2 500 000 in 25 Blättern und die Generalkarte der österreichischen Monarchie, welche später auf Centraleuropa ausgedehnt wurde, in dem Maaße 1:576 000, in 20, beziehungsweise 40 Blättern. Alle kartographischen Arbeiten Scheda's zeichnen sich sowohl durch bis dahin unerreichte Schönheit, aber auch durch die große Gewissenhaftigkeit in der Benutzung der Quellen aus, die er einem eingehenden Studium unterzog, wobei auch der Einfluß der geologischen und geognostischen Verhältnisse auf die äußere Form der Erdoberfläche berücksichtigt wurde. Er war unstreitig der erste, der bei Darstellung der Bodenerhebungen auf Karten wissenschaftlich vorging. Ihm und dem im J. 1879 verstorbenen FML. v. Fligelly dankt das militärgeographische Institut vorzugsweise seinen Weltruf. Wie hoch Scheda's Leistungen in der Kartographie und in der geographischen Wissenschaft gehalten wurden, geht auch daraus hervor, daß er von Seiten des russischen Generalstabes drei Mal aufgefordert wurde, unter den glänzendsten Bedingungen in russische Dienste zu treten, daß dort eine Insel im Nordpolarmeere südwestlich des Caps Nassau von Novaja Semlja seinen Namen erhalten hat. Scheda's Verdienste wurden 1863 durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone 3. Classe, Erhebung in den erblichen Ritterstand und 1874 durch Verleihung des Comthurkreuzes vom Franz Joseph-Orden gelohnt; viele fremde Monarchen ehrten ihn durch Auszeichnungen, zahlreiche wissenschaftliche Gesellschaften wählten ihn zum Mitglied. Als Oberst v. Sch. im J. 1876 infolge seiner leidenden Gesundheit in den Ruhestand treten mußte, wurde ihm der Stern|zum Comthurkreuz des Franz Joseph-Ordens und der Generalmajorscharakter verliehen. Sch. hat während seiner Dienstzeit eine staunenswerthe Thätigkeit entwickelt. Er arbeitete in der Regel von 8 Uhr Morgens mit kurzen Unterbrechungen bis 2 Uhr nachts, wobei ihm seine ungewöhnlich kräftigen Augen sehr zu statten kamen. Doch untergrub diese übermäßige Anstrengung auch seine Gesundheit, so daß in letzter Zeit sein Magen keine Nahrung mehr vertrug und Scheda am 23. Juli 1888 in Mauer bei Wien nach viermonatlichem Leiden buchstäblich Hungertodes starb.

    • Literatur

      Acten des k. u. k. Kriegs-Archivs. — Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, XI. Jahrg. 1889. —
      Wurzbach, Biographisches Lexikon, 29. Bd. —
      Oestr.-ungar. Wehrzeitung, Jahrg. 1888, Nr. 59. —
      Geographisches Jahrbuch, XIV. Bd. 1890/91. —
      Vedette, Jahrg. 1888, Nr. 62. —
      Löbell, Jahresberichte 1888. — Litterar. Centralblatt 1865 und 1867.

  • Autor/in

    Criste.
  • Empfohlene Zitierweise

    Criste, Oscar, "Scheda, Joseph Ritter von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 737-738 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117620335.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA