Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Nürnberger Kaufleute ; Mäzene
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138361169 | OGND | VIAF: 89913314
Namensvarianten
  • Mendel

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Zitierweise

Mendel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138361169.html [13.07.2024].

CC0

  • Biographie

    Das Nürnberger Geschlecht der M. tritt erstmals 1305 urkundlich mit dem Hammerherrn Eberhard ( 1315) in Erscheinung, der die (im 2. Weltkrieg zerstörte) Moritzkapelle neben der Sebalduskirche stiftete. Seit 1317 gehörten Mitglieder der Familie dem Rat der Stadt an. Eberhards Söhne Rüdiger ( 1348) und Friedrich ( 1351) sowie die Enkel Heinrich ( 1368) und Paulus ( 1389) brachten innerhalb weniger Jahrzehnte ein bedeutendes Unternehmen des europäischen Fernhandels zur Blüte, wobei Heinrichs Ehe mit Margarete, der Tochter des Stadtschultheißen Konrad Groß (um 1280–1356), den Wohlstand der Familie beträchtlich vermehrt haben dürfte. Stützpunkte des M.schen Handels mit orientalischen Gewürzen, Baumwolle, Tuchen, Nürnberger Metallerzeugnissen, Glaswaren aus Murano, Wein, Lachs und Pökelheringen waren Venedig, Rom, Prag, Brügge, Antwerpen und Köln, wo eine selbständige Hauptfiliale unterhalten wurde. In Venedig hatte die Firma seit etwa 1350 als Kontor eine der 56 Kammern im Fondaco dei Tedeschi, genannt „das Paradies“, für sich allein. Zum Warenhandel kamen Geldgeschäfte mit Kaiser und Kurie, darunter bedeutende Transaktionen wie der Transfer von 60 000 fl., die die Stadt Lucca 1369 an Kaiser Karl IV. für die Befreiung von pisan. Herrschaft zahlte. Den Kaisern und Königen aus dem Hause Luxemburg dienten die M. als Hoflieferanten und -bankiers.

    Drei Söhne Heinrichs, Marquart ( 1385), Conrad ( 1414) und Peter ( 1423), machten sich als Mäzene großen Stils um ihre Vaterstadt verdient. Marquart stiftete 1378 das Kartäuserkloster, dessen Gebäude heute den Kern des German. Nationalmuseums bilden, Conrad und Peter errichteten gemeinsam ein „Seelhaus“ als Heim für Beginen-Schwestern, die sich der Krankenpflege widmeten. Conrad stiftete zudem 1388 das Zwölfbruderhaus, eine der ersten modernen Sozialstiftungen für in Not geratene ältere Bürger (ausdrücklich für „arbeitsame“ Handwerker), deren Leitung Laien vorbehalten war. Ein Enkel des Stifters, Marquart ( 1438), legte 1425 ein „Hausbuch“ als Verzeichnis aller Pfleger und Nutznießer der Stiftung an, mit der Auflage, sie abzukonterfeien. In dieser kulturgeschichtlich einzigartigen Sammlung von über 800 kolorierten Porträtzeichnungen werden die „Pfründner“ bei der Ausübung ihrer Berufe dargestellt.

    Über die inneren Verhältnisse des M.schen Unternehmens ist für das 14. Jh. wenig bekannt, doch scheinen die Stiftungen eine erhebliche finanzielle Belastung bedeutet zu haben. Zu Beginn des 15. Jh. verschwanden die M. bald aus der zeitgenössischen Hochfinanz, trieben aber noch zwei Generationen lang Handelsgeschäfte von einigem Umfang. Marquarts d. J. „Buch der Hantierung“, ein 1425-38 geführtes Geschäftsbuch, ist nach den Handlungsbüchern der Holzschuher und Runtinger das drittälteste erhaltene Geschäftsbuch eines oberdeutschen Kaufmanns. Es dokumentiert ein hohes Niveau kaufmännischer Buchführung und ist zugleich ein Kompendium der Nürnberger Geschäftswelt und ihrer europaweiten Kontakte in dieser Zeit. 1441 verkauften die Brüder Georg ( 1455) und Wilhelm ( 1452), Enkel des Paulus, die Hälfte ihrer Kammer im Fondaco an die Nürnberger Imhof, deren Aufstieg damals begann. Mit Wilhelms Bankrott 1448 war das Ende des Unternehmens besiegelt, das samt dem Hausbesitz der M. in Nürnberg von den Imhof übernommen wurde.

  • Literatur

    J. F. Roth, Gesch. u. Beschreibung d. Nürnberg. Karthause, 1790;
    W. Treue u. a. (Hrsg.), Das Hausbuch d. M.schen Zwölfbruderstiftung, Dt. Handwerkerbilder d. 15. u. 16. Jh. (mit Btrr. v. dems., K. Goldmann, W. v. Stromer, H. Zirnbauer), 2 Bde., 1965 (P v. Peter u. Marquart);
    W. v. Stromer, Handel u. Geldgeschäfte d. M. v. 1305-1449, ebd. Textbd., S. 31, 61-70, u. in: ZUG 11, 1966, S. 1-16;
    ders., Das Schriftwesen d. Nürnberger Wirtsch. v. 14. bis z. 16. Jh., in: Btrr. z. Wirtsch.gesch. Nürnbergs II, 1967, S. 751-99, bes. S. 790-95;
    ders., Oberdt. Hochfinanz 1350-1450, 1970;
    ders., Die drei Brüder M., in: Ch. v. Imhoff (Hrsg.), Berühmte Nürnberger aus 9 Jhh., ²1989.

  • Autor/in

    Wolfgang von Stromer
  • Zitierweise

    Stromer, Wolfgang von, "Mendel" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 37-38 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138361169.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA