Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Buch- und Musikalienverleger
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 138356912 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Merseburger

Verknüpfungen

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Zitierweise

Merseburger, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138356912.html [17.10.2019].

CC0

  • Leben

    Carl (1816–85) wuchs in Leipzig als Sohn des städtischen Stiftungsbuchhalters Johann Erdmann (1784–1865) auf. Nach Buchhandelslehre und Gehilfenzeit trat er bei Vieweg u. Sohn in Braunschweig ein, später arbeitete er in den Leipziger Verlagen von K. F. Köhler und G. Wigand. 1849 erwarb er den Verlag von C. F. Meusel (Weißenfels/Saale) und gründete in Leipzig den Verlag Carl Merseburger. Die ersten, teils von Meusel übernommenen Autoren des neuen Verlags, vor allem E. Hentschel und F. Brauer mit dessen „Pianoforteschule“, kennzeichneten bereits die wesentlichen späteren Verlagsgebiete: Schulbücher, Pädagogik – seit 1852 mit Moritz Hill auch die Taubstummenpädagogik – und vor allem die Musik, besonders die musikpädagogisch orientierte, volkstümliche Unterhaltungsmusik. 1851 übernahm M. auch die 1841-84 erschienene erste Schulmusikzeitschrift „Euterpe“, 1856-61 kam bei ihm die volksbildnerische Zeitschrift „Anregungen für Kunst, Leben und Wissenschaft“ heraus. Gegen Ende des Jahrhunderts konzentrierte sich das Programm mehr auf ev. Kirchenmusik und Instrumentalschulen. Neben seiner Verlagstätigkeit publizierte Carl unter Pseudonymen und auch anonym Werke zur Musik|und zur Literaturgeschichte, die teilweise große Auflagen erreichten. Die erfolgreichsten wurden seine musikalischen Handbücher und Lexika, darunter das „Taschenbüchlein des Musikers“ (1858, 311943), außerdem sein „Kleines Tonkünstler-Lexikon“ (1860, 171983).

    Wegen mehrjähriger Erkrankung Carls ging der Verlag 1853 an seinen Vater Johann Erdmann und seinen Bruder Otto (1822–98) als Prokurist über. Beide leiteten auch nach Carls Wiedereintritt in die Firma den Verlag weiter, der nach Johann Erdmanns Tod 1865 an dessen Erben überging, zu denen nach Carls Tod 1885 sein Bruder Otto hinzutrat. 1894-99 war dessen Sohn Max (1853–1935) Prokurist, 1900-18 neben Johann Erdmanns Erben und Carls Sohn Georg (1871–1957) Mitbesitzer des Verlags, dessen alleiniger Inhaber 1922 Georg wurde. Dieser hatte 1904 den Verlag Georg Merseburger gegründet, dessen Mitbesitzer seit 1906 wiederum Max war. Dort erschien seit 1912 die „Nordische Bücherei“, seit 1913 der „Leipziger Kalender“. Seit 1922 war Georg auch Besitzer des Verlags von W. Mertens, der seit 1910 nicht mehr aktiv war. 1931 trat Georgs Sohn Karl (1905–78) in alle drei Verlage als Prokurist ein und gründete im selben Jahr einen „Vertrieb für Wertbuchreste“ (Modernes Antiquariat), der 1941 erlosch. 1936 wurde für alle drei Vorlage das Konkursverfahren eröffnet, nach dessen Aufhebung 1938 der Verlag Carl Merseburger an Felix Meiner ging, während der Verlag Georg Merseburger im Besitz Georgs blieb; dessen Verlag W. Mertens ging 1936 an Rudolf Koch. In diesem Jahr wurde der Buch- und Musikverlag Merseburger & Co. GmbH gegründet, zunächst mit Karl als Geschäftsführer, seit 1938 in dessen und Felix Meiners Besitz, dem er später allein gehörte. 1943 wurde der Leipziger Verlagssitz völlig ausgebombt. Georg und Max waren über Jahrzehnte hin in vielfältigen Funktionen mit dem Leipziger Verlagswesen, besonders dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler, verbunden. Georg führte in seinem Hause fast 60 Jahre lang einen berühmten „Literarischen Freitag-Abend“.

    1949 wurde die Firma Merseburger & Co. GmbH in Hamburg mit Richard Meiner als Geschäftsführer wiedergegründet und 1951 unter Karl nach Darmstadt verlegt. 1964 übernahm ihn die Konzertagentur Fritz Dietrich in Frankfurt, die den Verlag bald darauf einstellte. Der traditionsreiche Verlag Carl Merseburger arbeitete zuerst in Leipzig unter Lizenz der Ostberliner Ev. Verlagsanstalt als „Edition Merseburger“, wurde 1952 ohne Neulizenzierung nach Darmstadt verlegt (später zusätzlich Berlin) und ging an Karl über; er erlosch 1956. Ein weiterer Verlag wurde 1951 in Berlin mit Karl als Inhaber gegründet und firmiert seit 1952 als Verlag Merseburger Berlin mit einer Zweigniederlassung in Darmstadt 1953–56. Der Verlag firmierte 1951-55 als KG mit Adolf Strube (1894–1974) als Kommanditist. Es erscheinen dort die Zeitschriften „Der Kirchenmusiker“ (gegr. 1950) und seit 1952 „Ars organi“. 1956 ging der Verlag von Karl an Strube. Das Darmstädter Haus verselbständigte sich 1956 zum Tonkunst-Verlag Karl Merseburger, in dem seit 1958 ev. Kirchenmusik auf später berühmten „Cantate“-Schallplatten herauskam (zunächst einige Monate als „Capella“). 1964 wurde für den Tonkunst-Verlag das Konkursverfahren eröffnet, in welchem „Cantate“ an den Johannes-Stauda-Verlag des Bärenreiter-Konzerns ging. Nach Aufhebung des Verfahrens produzierte Karl seit 1968 mit seinem Tonkunstverlag für den Schweizer „Musikverlag zum Pelikan Dr. Ernst Brandenberger“ die „Pelca“-Schallplatten, besonders mit Orgelmusik. Der Verlag Merseburger Berlin, der 1957-60 eine Zweigniederlassung in Heidelberg hatte, wurde 1964 in eine GmbH umgewandelt und 1972 von Wolfgang Matthei (* 1925) und A. Strubes Sohn Friedemann (* 1939) übernommen, der 1976 ausschied. 1973/74 wurde der Firmensitz nach Kassel verlegt, wo dieser Verlag noch heute besteht.

  • Werke

    zu Carl, anonym: Eunomia, Miniatur-Liederbuch f. Damen, 1850, 41867;
    unter d. Pseud. Paul Frank: Taschenbüchlein d. Musikers, 1858, zahlr. Neuaufll. u. Neubearbb., 311943 (nicderländ 1877, 21909);
    Kleines (später: Kurzgefaßtes) Tonkünstlerlex., 1860, zahlr. Neuaufll. u. Bearbb., 171983;
    Handbüchlein d. dt. Lit.gesch., 1860, 61879;
    Gesch. d. Deutschen f. Schule u. Haus, 2 Bde., 1861, 3 Bde., 31868-78;
    Friedrich Schiller, 1862;
    Mythol. d. Griechen u. Römer, 1862, 31883;
    Gesch. d. Tonkunst, 1863, 41878;
    Gesch. d. Kunst 2 Bde., 1864;
    Weltgesch. f. Schule u. Haus, 4 Bde., 1864-67, Bd. 1-3, 21874-79;
    Grundzüge d. Griech. Litt.gesch., 1868, 21886;
    Grundzüge d. röm. Litt.gesch., 1868, 21886;
    Grundzüge d. franz. Litt.gesch, 1869, 21886;
    unter Pseud. C. Döring: Martin Luther, mit e. Auswahl v. Ref.gesängen, 1883. -
    Zu Max: Gesch. d. Allg. Buchhandlungs-Gehilfen-Verbandes, Anhang: Vereins-Chronik, 1882;
    Das Violoncello u. seine Lit., T. 2, - Zu Georg: Wahrhaftiger u. getreul. Ber. v. d. allg. dt. Emporlesung unter August d. Gr., 1908;
    Korl Siegismund up de Lammerstraat, 1913;
    Sei heiter, das ist gescheiter, Gereimtes, Geleimtes, 1929;
    Kantate-Gemengsel, 1931;
    Hrsg.;
    Leipziger Kal. 1904 ff.;
    Leipziger Jb. 1939–42.

  • Literatur

    Verz. d. Bücher u. Musikalien, welche im Verlage Carl M. in Leipzig erschienen sind, 1868/69/71/|75/80/85/86/89/90;
    Russell, Gesammt-Verlags-Kat. d. Dt. Buchhandels, Bd. 7/2, 1882, Sp. 407-16, Bd. 16, Erg.bd. 2, 1886, Sp. 2601-16;
    N. N., Carl M., Buch u. Musikalienhandlung, Leipzig 1849–99, Verlagskat., 1899;
    Kat. d. Bücher u. Musikalien, mit Einl. v. Max M., 1899;
    Max M (Hrsg.), Fam.-chronik in Bildern, 1905 (P);
    Festgabe d. Päd. Verlages Carl M. z. 75. Gründungsgedenktage, 1924;
    Hundert J. im Dienste d. Musik, 1949;
    Karl M. (Hrsg.), A. Strube z. 60. Geb.tag., 1954;
    Merseburger-Bruecke, Hausmitt. d. Verlages Carl M., 1954 ff.;
    M.-Nachrr., Mitt. aus d. Verlag M., 1964;
    Musikverlage in d. Bundesrepublik Dtld. u. in West-Berlin, 1965;
    H.-M. Pleske, Bibliogr. d. Schrifttums z. Gesch. dt. u. österr. Musikverlage, in: Btrr. z. Gesch. d. Buchwesens 3, 1968, S. 189 f.;
    MGG;
    Riemann;
    The New Grove. – Zu Otto:
    Verkaufskat., Slg. Otto M., umfassend Münzen u. Medaillen v. Sachsen, 1894, Nachdr. 1983;
    BJ III;
    ThB. – Zur Fam.: Genealogie 42, 1993.

  • Autor/in

    Rainer A. Bast
  • Empfohlene Zitierweise

    Bast, Rainer A., "Merseburger" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 173-175 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138356912.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA