Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Apotheker ; Chemieindustrielle
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121094715 | OGND | VIAF: 47609233
Namensvarianten
  • Merck

Verknüpfungen

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Zitierweise

Merck, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121094715.html [10.08.2020].

CC0

  • Leben

    Die Familie stammt aus dem Fränkischen, wo sie im 16. Jh. in Hammelburg und seit 1608 in Schweinfurt nachweisbar ist. Der von hier stammende Friedrich Jacob (1621–78) erwarb 1668 die 1654 gegründete Engel-Apotheke in Darmstadt. Er starb ohne Nachkommen, und die Apotheke ging auf seinen Neffen Georg Friedrich (1647–1715) über. Nach ihm wurde sie über sieben Generationen hinweg jeweils vom Vater auf den Sohn vererbt und befindet sich auch heute noch im Besitz der Familie. Auf Georg Friedrich folgte Johann Franz (1687–1741); seiner ersten Ehe entstammte sein Nachfolger als Besitzer der Apotheke, Johann Justus (1727–58), und seiner zweiten Ehe Johann Heinrich (1741–91), der Schriftsteller und Kriegsrat (s. 1). Von dessen Söhnen hat sich Wilhelm (1782–1820), Oberforstrat in Darmstadt, als Landschaftsmaler betätigt (s. L). Eine Tochter des Kriegsrats, Adelheid (1771–1845), heiratete ihren Vetter, Johann Anton (1756–1805), Sohn des Johann Justus und dessen Nachfolger im Besitz der Engel-Apotheke. Dieser Ehe entstammte Heinrich Emanuel (s. 2), der Gründer der chemisch-pharmazeutischen Fabrik. Nach dessen Tod wurden Apotheke und Fabrik von seinen drei Söhnen weitergeführt, die er zielbewußt auf die Nachfolge vorbereitet hatte: Carl, Georg und Wilhelm (alle s. Gen. 2). Georg entdeckte während seines Studiums bei Justus Liebig in Gießen ein weiteres Opiumalkaloid, das Papaverin, das vor allem als krampflösendes Mittel Eingang in den allgemeinen Arzneischatz fand. Der Umfang des Fabrikgeschäfts wuchs kontinuierlich; 1855 wurden vermutlich 55 Personen beschäftigt, 1900 etwa 1000. 1888 veröffentlichte der bei Merck tätige Chemiker Carl Krauch das Buch „Die Prüfung der chemischen Reagentien auf Reinheit“. Gleichzeitig garantierte das Unternehmen für seine Reagenzien „pro analysi“ die Einhaltung der dort geforderten Qualitätsnormen, und in der Folgezeit wurden diese Reagenzien in der chemischen Fachwelt zu allgemein akzeptierten Reinheitsstandards. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte der Apotheker und Chemiker Emanuel August (1855–1923), ältester Sohn von Georg. Er förderte in der Fabrik den Ausbau des Kontroll-Laboratoriums, das die Qualität der Verkaufspräparate ebenso zu kontrollieren hatte wie die zur Verarbeitung gelangenden Rohstoffe. Die analytische Kompetenz des Kontroll-Labors wurde auch außerhalb des Unternehmens anerkannt, z. B. durch Berufung seiner Mitarbeiter in die amtlichen Arzneibuchkommissionen.

    Neben Produktreinheit war Produktvielfalt charakteristisch für die Fabrik: um 1900 wurden etwa 10 000 Präparate hergestellt, unter ihnen zunehmend auch solche für technische Zwecke, wie etwa Photochemikalien. Um die Jahrhundertwende bahnte sich in Medizin und Pharmazie ein grundlegender Wandel an: Die Ära der industriell hergestellten Arzneispezialitäten setzte ein, an deren Entwicklung die Firma maßgeblichen Anteil hatte. 1904 erschien ihre erste Preisliste für „Patent- und Special-Präparate“. Sie enthielt fast 50 Spezialitäten, darunter Veronal als ersten Vertreter der Barbiturate, einer damals neuen Klasse von Schlafmitteln, und etliche Sera als Ergebnisse der jungen bakteriologischen und immunologischen Forschung. Das Unternehmen expandierte vor und nach der Jahrhundertwende besonders stark. Die kaufmännische Leitung unterstand nun Carls Sohn Louis (1854–1913). Er hatte das Pharmazie- und Chemiestudium mit einer Promotion über das Alkaloid Pilocarpin beendet. Seine über die engere Heimat hinausgehende|Reputation trug ihm Mitgliedschaften in politischen und wissenschaftlichen Gremien ein, z. B. im Reichsgesundheitsrat.

    Im Ausland gab es gegen Ende des Jahrhunderts schon zahlreiche Handelsvertretungen und Lager; größere Filialen wurden 1883 in London, 1887 in New York und 1899 in Moskau errichtet. Die New Yorker Filiale, als offene Handelsgesellschaft Merck u. Co. von Georg(e) (1867–1926), Sohn von Wilhelm, geführt, wurde im 1. Weltkrieg enteignet und später, weiterhin unter der Leitung von George, ein amerikan. Unternehmen.

    In den 1920er Jahren wurden zwei neue Produktgruppen ins Fabrikationsprogramm aufgenommen: Pflanzenschutzmittel für die Land- und Forstwirtschaft und Vitamine. Heute entfallen etwa 50% der Geschäfte auf den Chemiebereich. Er umfaßt Industriechemikalien für moderne Technologien, wie etwa Optik, Phototechnik, Faseroptik und Mikroelektronik, sowie Feinchemikalien als Pharmarohstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe, ferner Reagenzien, Diagnostica und Perlglanzpigmente. Bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg wurde das Unternehmen von Nachkommen des Firmengründers geleitet. Es wird auch heute noch in der Rechtsform einer Personengesellschaft geführt; Besitz und Managementfunktionen sind nun jedoch weitgehend voneinander getrennt.

  • Literatur

    Gesch. d. M.schen Engelapotheke zu Darmstadt, 1905 (P);
    F. Herrmann, Wilhelm Merck, Ein Darmstädter Maler d. beginnenden 19. Jh., 1930;
    M.sche Fam.-Zs., bearb. v. C. Spieß (Bd. 1-7), F. Herrmann (8-14), O. Praetorius (15-19) u. F. W. Euler (20-25), 1913-75 (P);
    H. Adrian, Btrr. z. Chronik d. Techn. Abt., Bd. 1-4, 1977 (P);
    C. Löw, Die chem. Fabrik E. Merck Darmstadt, 1952 (P);
    I. Possehl, Modern aus Tradition, 1989 (P).

  • Autor/in

    Ingunn Possehl
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Possehl, Ingunn, "Merck" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 116-117 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121094715.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA