Lebensdaten
1905 bis 2005
Geburtsort
Klein-Luckow (Uckermark)
Sterbeort
Hollenstedt bei Hamburg
Beruf/Funktion
Boxsportler ; Unternehmer
Konfession
evangelisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118608525 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmeling, Maximilian Siegfried Adolph Otto
  • Schmeling, Max
  • Schmeling, Maximilian Siegfried Adolph Otto
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Zitierweise

Schmeling, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608525.html [23.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Max (1874–1926), Steuermann b. d. Hapag-Linie;
    M Amanda Fuchs, T e. Bauern;
    Berlin 1933 Anny Ondra (eigtl. Anna Sophie Ondrákowá) (1903–87), Filmschausp. (s. NDB 19; L); kinderlos.

  • Leben

    S. wuchs in Hamburg auf, wo er die Volksschule besuchte. Eine 1920 begonnene kaufmännische Ausbildung in einem Verlag brach er bald ab und übte verschiedene Hilfsarbeiten aus. Nach dem Umzug nach Düsseldorf 1922 und später nach Köln begann er im Boxclub Köln-Mülheim mit regelmäßigem Boxtraining und wurde 1923 für erste Wettbewerbe sowie ein Jahr später bei der dt. Meisterschaft der Amateure im Halbschwergewicht eingesetzt. Anschließend entschied er sich für eine Karriere als „Profi“, erlangte viele schnelle Siege, erlitt aber auch mehrere Niederlagen in drittklassigen Kämpfen und wechselte mehrfach den Manager, bevor er seit 1926 vom Chefredakteur der Berliner Zeitschrift „Boxsport“, Artur Bülow (* 1886), betreut wurde. Bülow vermittelte S. in das Camp des Meistertrainers Max Machon (1894–1971) nach Lanke und baute ihn rasch für Titelkämpfe auf. 1927 wurde S. Europameister im Halbschwergewicht und durch einen Kampf gegen den populären dt. Mittelgewichtsmeister Hein Domgörgen zum Star der Berliner Box-Szene. Der von S. knapp nach Punkten gewonnene Kampf um die dt. Schwergewichtsmeisterschaft gegen Franz Diener 1928 wurde zum gesellschaftlichen Ereignis. Der errungene Titel wurde ihm aber aberkannt, weil S. ihn nicht gegen einen Herausforderer verteidigte, sondern nach New York ging, wo nach einem Streit mit Bülow Joe Jacobs S.s neuer Manager wurde.

    Nach drei Siegen in Folge durfte S. an den Ausscheidungskämpfen (Elimination Bouts) um die vakante Weltmeisterschaft im Schwergewicht teilnehmen, in denen er sich klar durchsetzte. Den Kampf gegen US-Schwergewichtsmeister Jack Sharkey am 12.6.1930 gewann S. – in New York zum Publikumsliebling geworden – durch Disqualifikation seines Gegners wegen Tiefschlag. S. führte damit als erster und bislang einziger Deutscher den Titel eines Schwergewichtsweltmeisters, der ihm allerdings längere Zeit wegen der Umstände seines Siegs von vielen nationalen Verbänden der USA nicht zuerkannt wurde. 1932 gab er dem Drängen der New Yorker Boxkommission nach und bestritt einen Rückkampf gegen Sharkey, den er umstritten nach Punkten verlor. In den folgenden Jahren versuchte S. erfolglos, in den USA wieder an einen Titelkampf zu gelangen, zumal ihn eine weitere Niederlage 1933 gegen den als „Boxclown“ berüchtigten Max Baer weiter zurückgeworfen hatte. Trotz dieser Niederlage befand sich S.s Popularität in der Heimat auf ihrem Höhepunkt, nicht zuletzt durch die Heirat mit Anny Ondra im Sommer 1933, zu der Adolf Hitler ein Geschenk schickte. S. und Ondra waren ein Glamour-Paar der NS-Zeit und auf allen großen gesellschaftlichen Anlässen präsent. Während S. und die neuen Machthaber versuchten, große Boxveranstaltungen in Deutschland zu organisieren und die Weltmeisterschaft ins Land zu holen, bereitete S.s jüd. Manager Jacobs, von dem er sich auch auf Druck der Nationalsozialisten nicht trennte, einen erneuten Qualifikationskampf in den USA vor. Am 19.6.1936 trat S. gegen den als unschlagbar geltenden Joe Louis an, den er in einem spektakulären Kampf nach|zwölf Runden durch K.O. besiegte. Der Sieg gegen den Schwarzen Louis wurde von den Nationalsozialisten als Bestätigung ihrer Rassenideologie gedeutet. Wegen seiner Nähe zu den dt. Machthabern wurde S. um den verdienten Kampf gegen den Weltmeister James J. Braddock gebracht. Statt dessen trat Louis 1937 gegen Braddock an, schlug diesen und wurde damit Schwergewichtsweltmeister. Den ideologisch aufgeheizten Rückkampf gegen Louis verlor S. am 22.6.1938 klar in nur 127 Sekunden durch K.O.

    S.s Glanzzeit als Boxer war damit beendet, aber auch als Symbolfigur für das NS-Regime wollte er sich nicht mehr einspannen lassen. Ohne zum Regimegegner zu werden, ging er auf Distanz, auch weil er im privaten Umfeld immer öfter um Hilfe gebeten wurde, größtenteils von jüd. Freunden, die versuchten, das Land zu verlassen. 1940 wurde er als Fallschirmjäger zur Wehrmacht eingezogen, ein Jahr später aber nach einer Verwundung auf Kreta wieder entlassen. S. legte seinen Titel als Europameister nieder und gab 1942 seine Boxlizenz ab. Die letzten Kriegsjahre erlebte er auf seinem Gut in Pommern, von wo er vor der russ. Armee nach Hamburg floh. Die Lizenz für eine mit Axel Springer und John Jahr geplante Verlagsgründung wurde 1945 von der engl. Militärverwaltung verweigert. S. versuchte daraufhin 1947 mit seinem Trainer Machon ein Comeback, mußte aber nach fünf schwachen Kämpfen endgültig vom Boxsport zurücktreten. Er bestritt im Lauf seiner Profi-Karriere insgesamt 70 Kämpfe, von denen er 56 gewann, 38 davon durch K.O.

    In den Folgejahren versuchte sich S. als Nerzzüchter, Tabakbauer und Hersteller von Eierlikör. 1957 erhielt er eine Lizenz für die Abfüllung und den Vertrieb von Coca-Cola im Gebiet Hamburg-Ost. S.s Karriere als erfolgreicher Geschäftsmann in Hamburg-Wandsbek währte bis in die 1990er Jahre. In seinen letzten Lebensjahren, v. a. nach dem Tod seiner Frau, zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Popularität aus der Zeit seiner Boxerfolge blieb bis zu seinem Lebensende erhalten, zumal S. ein Symbol des Wirtschaftswunders wurde. Auch in den USA war der für seine höflichen Umgangsformen bekannte S. bis zu seinem Tod ungewöhnlich populär; er wurde 1992 als einziger Deutscher in die „International Boxing Hall of Fame“ aufgenommen. S. engagierte sich für soziale Einrichtungen, wie die Dt. Sporthilfe und die SOS-Kinderdörfer, und gründete 1991 in Hamburg die „Max-Schmeling-Stiftung“ zur Unterstützung von in Not geratenen Sportlern und bedürftigen älteren Menschen (Stiftungsvolumen ca. 10 Mio. DM).

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Los Angeles (1958), Kl.-Luckow (2004) u. Las Vegas; Goldenes Band d. Ver. Dt. Sportpresse (1967); BVK (1971); Goldene Kamera (1982); Vfg.portugaleser d. Hansestadt Hamburg (1985); Gr. BVK (1995); M.-S.-Halle (Berlin-Prenzlau 1996); Bambi (1999); Goldene Sportpyramide d. Stiftung Dt. Sporthilfe (2005); Sonderbriefmarken d. Österr. Post (2004 u. 2005) u. d. Dt. Post (2005); M.-S.-Medaille d. Senats d. Freien u. Hansestadt Hamburg (seit 2005).

  • Werke

    Mein Leben – meine Kämpfe, 1930;
    8, 9 – Aus, 1958 (P);
    Ich boxte mich durchs Leben, 1967;
    Erinnerungen, 1977, Neuaufll. 1995, 2005 (engl. 1998, P);
    Boxen ist doch auch ’ne Kunst, Anekdoten v. M. S., hg. v. W. Püschel, 2000 (P);
    Berührung, 2003 (Audio-CD, P).

  • Literatur

    R. Nürnberg, M. S., Die Gesch. e. Karriere, 1932 (P);
    H. Leip, Max u. Anny, Romant. Ber. v. Aufstieg zweier Sterne, 1935;
    A. Hellmis, M. S., Die Gesch. e. Kämpfers, 1937;
    M. Forster, M. S., Sieger im Ring, Sieger im Leben, 1986 (P);
    Ralf Müller, M. S., Seine Rolle im nat.sozialist. Dtld., 1996 (P);
    M. S., hg. v. T. Drews, 1996 (P);
    D. Friedrich, M. S. u. Anny Ondra, 2001 (P), (tschech. 2003);
    V. Kluge, M. S., Eine Biogr. in 15 Runden, 2004 (P);
    W. Ripperger, „Weidmanns Heil, M. S.!“, Boxlegende, Heger u. Jäger, 2004 (P);
    L. A. Erenberg, The Greatest Fight of Our Generation, Louis vs. S., 2005 (P);
    M. Krauß, S., Die Gesch. e. Jh.deutschen, 2005 (P);
    D. Margolick, Beyond glory, Joe Louis vs. M. S., and a World on the brink, 2005 (dt. 2005. P);
    P. Myler, Ring of Hate, The Brown Bomber and Hitler's Hero, Joe Louis, M. S. and the Bitter Propaganda War, 2005 (P);
    D. Pfeifer, M. S., Berufsboxer, Propagandafigur, Unternehmer, 2005 (P);
    Biogr. Lex. Brandenburg (P);
    Munzinger;
    – Joe u. Max, Fernsehfilm v. S. James mit T. Schweiger, 2002;
    Legenden, M. S., ARD-Fernsehdok., 2003;
    Der Kampf d. Jh., M. S. gegen Joe Louis, ARD-Fernsehdok., 2004.

  • Portraits

    Ölgem. v. G. Grosz, 1926 (Berlin, Axel Springer Verlag);
    Bronzebüste v. J. Thorak, um 1931 (Berlin, Dt. Hist. Mus.);
    Bronzeplakette v. H. Wolf, um 1936;
    Zeichnung v. P. Berube, um 1936.

  • Autor/in

    David Pfeifer
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfeifer, David, "Schmeling, Max" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 125-126 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608525.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA