Lebensdaten
1738 bis 1809
Beruf/Funktion
k. u. k. Feldmarschalleutnant
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 138021570 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ott, Karl Freiherr von
  • Bátorkéz, Karl Freiherr Ott von
  • Ott von Bátorkéz, Karl Freiherr
  • mehr

Porträt(nachweise)

Zitierweise

Ott von Bátorkéz, Karl Freiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138021570.html [20.10.2019].

CC0

  • Leben

    Ott: Karl Freiherr O. v. Bátorkéz, k. k. Feldmarschall-Lieutenant, Commandeur des Militär-Maria-Theresien-Ordens, Inhaber des Husaren-Regiments Nr. 5, geb. zu Gran im J. 1738, gestorben zu Ofen am 10. Mai 1809, angeblich von einem alten ungarischen Adelsgeschlechte abstammend, wirkte namentlich Ende des 18. Jahrhunderts im Kampfe gegen Frankreich als vielfach verwendbarer und stets unerschrocken ausdauernder, sorgsamer und beispielgebender Truppenführer. Seine Ausbildung hatte O. in der Ingenieur-Akademie zu Wien erhalten, aus welcher er im J. 1756 als Fähndrich in das Infanterieregiment Nr. 57 eingetheilt wurde. Von diesem Zeitpunkte an bis zu den Türkenkriegen mangelt jedoch den wenigen Angaben über O. jedwede Begründung, so den Mittheilungen, daß er sich im siebenjährigen Kriege bei Landshut ausgezeichnet habe, bei Liegnitz verwundet worden sei, und später als Oberstlieutenant bei Palffy-Husaren Nr. 6 und im baierischen Erbfolgekriege als Major bei Kalnoky-Husaren Nr. 2 in Verwendung stand. Erst die Berichte über den Türkenkrieg 1788—1790 bieten bestimmtere Aufschlüsse über Ott's besondere Leistungsfähigkeit. O. hatte nämlich 1788 als Oberstlieutenant den wichtigen Posten bei Valje Mullieri am Törzburger Passe den 19. Juni trotz der Uebermacht der Türken und bedeutender Verluste festzuhalten gewußt und am 26. August durch rechtzeitiges energisches Sammeln der in Unordnung gerathenen Infanterie die der genannten Stellung drohende Gefahr abgewendet. Im J. 1789 führte er als Oberst sein Regiment am 7. October ehrenvoll im|Gefechte bei Rimnik, worauf er im J. 1790 am 16. Juni bei der Erstürmung des türkischen Lagers bei Kalafat deshalb des höchst angesehenen Ritterkreuzes des Militär-Maria-Theresien-Ordens würdig befunden wurde, weil er auf eigene Verantwortung mit seinem Regimente an der Seite der stürmenden Infanterie. in die Verschanzungen des Gegners eindrang, denselben in die Flucht schlug und ungesäumt mit erfolgreichem Nachdrucke verfolgte. Bereits im J. 1792 rückte O. mit seinem Regimente zu den gegen Frankreich operirenden Armeen am Rhein und in den Niederlanden, wo er 1793 zum Generalmajor avancirte, ohne jedoch 1792—1794 zu hervortretenden Thaten die Gelegenheit gefunden zu haben. Die ihm bezüglich Famars und Marchiennes zugeschriebene Wirksamkeit beruht auf einer Verwechslung mit dem damaligen Generalmajor Otto. Dagegen steht fest, daß O. im Feldzuge 1795 bei Friesenheim am 14. November, bei Lingenfeld am 20. November, bei Kaiserslautern am 19. December und bei Rhodt und Weyher am 1l. December mehrfach als selbständiger Befehlshaber im Geiste der erhaltenen Weisungen bestens zu entsprechen wußte. Entschieden und den Verlauf der Operationen nach Möglichkeit unterstützend war jedenfalls sein Verhalten 1796 als Vorhut-Commandant der unter Quosdanowitsch nach Italien vordringenden Colonne. Denn O. hat hiebei am 29. Juli Salò nebst 2 Geschützen, 500 Mann Gefangenen und ein großes Proviantmagazin dem Feinde entrissen und ferner auch dadurch zur Sicherung der Hauptcolonne beigetragen, daß er den am 31. Juli gleichfalls erstürmten Ort Lonato zwar verließ, als er von beiden Seiten umgangen war, jedoch gleich wieder bei Ponte San Marco Stellung nahm. Und als ihm auch hier die Franzosen in die Flanke fielen und seine Verbindung mit Quosdanowitsch durch die Besetzung von Gavardo unterbrachen, da vertrieb O. kalten Blutes und entschlossenen Sinnes mit der eigenen Nachhut und verkehrter Front am 3. August den Feind wieder aus Gavardo. Nun hat O. bei der zweiten Vorrückung gegen Mantua am 11. September den Ort Cerea mittels eines wohlgeordneten Angriffs in seine Gewalt gebracht, und indem er gleichzeitig den Gegner von der Straße ablenkte, den Weg nach Mantua für Wurmser freigelegt. Ebenso umsichtig, kühn und nutzbringend führte O. seine gut disciplinirten Truppen in den ferneren Kämpfen dieses Feldzuges, besonders bei Roncoferraro und Casellaro am 12. September, dann bei Favorita nächst Mantua am 14. September, sowie gelegentlich der häufigen Ausfallsgefechte bis zum 2. Februar 1797 und traf ihn nur bei Governolo am 31. September 1796 das Mißgeschick, an den vorbereitet gewesenen Feind einen Theil seiner Abtheilungen als Gefangene zu verlieren. Mit gleich großer Thatkraft und anerkannter Hingebung wirkte O., seit dem J. 1797 Feldmarschall-Lieutenant, auch im Feldzuge 1799 anfänglich bei der Einnahme von Brescia am 21. April, dann in der Schlacht bei Cassano am 27. April, während welcher er im Centrum durch Zähigkeit und gewandte Ausnützung der Terrainverhaltnisse in nicht geringem Maße dazu beitrug, die Franzosen zum Rückzuge nach Gorgonzola und unmittelbar nachher zur Räumung der Lombardei zu zwingen. An der Vorbewegung über den Ticino nahm er jedoch nicht Theil, weil er schon früher über Pavia, Piacenza nach Parma entsendet worden war, von wo er den gegen Bologna vorbrechenden Montrichard zu bedrohen und durch Besetzung der Herzogthümer Parma, Modena, Reggio die Belagerung von Mantua zu decken hatte. Dieser Bestimmung entsprach O. bis zum Beginn des Monats Juni. Als aber damals Moreau und Macdonald die beabsichtigte Vereinigung ihrer Armeeen ins Werk zu setzen suchten, da zog sich O. mit seiner schwachen Anzahl von Truppen vorsichtshalber langsam zurück, hielt aber am 17. Juni am Tidone bei Veruto und Ponte Tidone insolange Stand, bis das österreichisch-russische Heer herangerückt war. In dessen Verbande führte nun|O. tags hierauf in der Schlacht an der Trebbia die Vorhut des linken Flügels und veranlaßte durch bravourvolle Leitung seiner Abtheilungen bei Rottofreddo und Imento den Gegner zum Rückzuge auf das rechte Ufer der Trebbia. Wenige Wochen später nöthigte O. nach dreitägiger Beschießung aus einfachem Feldgeschütz das Fort St. Urbano am 10. Juli zur Kapitulation. Bezüglich der Schlacht bei Novi am 15. August, in welcher O. den linken Flügel Kray's befehligte und seine von Hitze und Durst gequälten Colonnen durch sein Beispiel begeistert neunmal den Feind siegreich angegriffen haben, erklärte Kray im Schlachtgewühl: „Ich finde nicht Ausdrücke genug, den Werth und die bei dieser Gelegenheit erworbenen Verdienste der beiden Feldmarschall-Lieutenants Graf Vellegarde und Baron O. lebhaft zu schildern“. Auch in den späteren Hauptkämpfen dieses Feldzuges hat O. jederzeit die Ehre der k. k. Waffen hochgehaltten und besonders bei Genola (auch Savigliano) am 4. und 5. November sich dadurch hervorgethan, daß er, obzwar körperlich leidend, dem Gegner gleich offensiv entgegentrat und denselben dann mit Entschiedenheit verfolgte. O., dem schon am 13. October 1799 für seine ruhmreichen Waffenthaten das Commandeur-Kreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens außer Capitel verliehen worden war, hat ferner noch am Feldzuge 1800 nennenswerthen Antheil genommen. Er bekämpfte anfänglich die Franzosen in den Apenninenpässen von Genua, worauf er als Blokade-Commandant von Genua bei guter Wahl von wirksamen Geschützpositionen und unausgesetzten Angriffen im Vereine mit der englischen Flotte Masséna mit solchem Nachdrucke bedrängte, daß sich dieser am 1. Juni zu Unterhandlungen geneigt zeigte. Und daß diese schon am 4. Juni mit der Capitulation schlossen, bewirkte vornehmlich seine Energie sowie sein Entschluß, den ihm inzwischen von Melas ertheilten Auftrag zur Aufhebung der Blokade für kurze Zeit geheim zu halten. Nun eilte aber O. am 6. Juni in beschleunigten Märschen über die Bocchetta und Tortona zur Hauptarmee. Hiebei hat er leider in allzugroßem Selbstvertrauen und bei anscheinend ungenügender Kenntniß der gegnerischen Bewegungen und Stärkeverhältnisse dem ihm am 9. Juni bei Casteggio (Montebello) angreifenden Lannes Stand zu halten gesucht und ungeachtet tüchtiger Leitung seiner im Angriffe sowie in der Vertheidigung heldenmüthigen Truppen die Schlacht verloren. Trotz dieses Unfalles blieb aber O. wie zuvor der angesehene, einflußreiche Feldherr für sein Corps, denn dasselbe retirirte nur nach seinen bestimmt und unverzagt gegebenen Anordnungen in möglichst guter Verfassung hinter die Scrivia, worauf es am 14. Juni bei Marengo mit großer Bravour in die rechte Flanke von Lannes fiel und es so O. ermöglichte, die österreichischerseits bedeutendste taktische Leistung in dieser Schlacht zu vollführen. O., welcher bald nachher seiner geschwächten Gesundheitsumstände wegen dem Generalcommando zu Ofen zugetheilt wurde, organisirte endlich noch im J. 1808 auf kaiserlichen Befehl das ungarische adelige Insurrections-Corps. Unerfüllt blieb dagegen sein Wunsch, nochmals das Kampffeld betreten zu können, auf dem er sich durch Unternehmungssinn, Geistesgegenwart, Kühnheit und Feldherrngaben um Kaiser und Staat vielfache denkwürdige Verdienste erworben hatte und nur insofern irrte, als er mitunter den Gegner unterschätzte und zu waghalsig operirte.

    • Literatur

      Wurzbach, Biogr. Lex. d. Kaiserth. Oesterreich. 21. Th. Wien 1870. — Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresien-Orden etc. Wien 1857. —
      Szöllöfy, Tagebuch gescherter Helden. Fünfkirchen 1837. —
      Schweigerd, Oesterreichische Helden etc. 3. Bd. Wien 1856. — Smola, das Leben d. F. M. Heinrich Graf Bellegarde. Wien 1847.

  • Autor/in

    Schz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schz., "Ott von Bátorkéz, Karl Freiherr" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 553-555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138021570.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA