Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
bayerisches Adelsgeschlecht ; Grafen im Chiemgau ; Markgrafen und Herzöge der Steiermark
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118590588 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Otakare
  • Traungauer

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Zitierweise

Otakare, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590588.html [25.04.2019].

CC0

  • Leben

    Beginnend mit einem 923 genannten Grafen Otakar (Otachar) sind die O. bis zur Mitte des 11. Jh. als Grafen im bayer. Chiemgau nachzuweisen. Zu ihnen zählte auch der kgl. Gewaltbote in Kärnten, Otger (Oci) ( vor 1028), der Stifter des Klosters Ossiach (1024) und Vater des Poppo, 1019-42 Patriarch von Aquileia. Von Otger stammen die Grafen von Cordenons in Friaul ab, deren Besitz um 1130/35 im Erbweg an die O. fiel. Otakar I. ( 1075 ?), seit 1048 Graf im Chiemgau, folgte seinem ermordeten Schwager Gottfried (um 1010–50) von Wels und Lambach als Markgraf der Karantanischen Mark an der mittleren Mur. Von den Grafen von Wels und Lambach erbte er in der Mark nur geringen Besitz um Hartberg und in Gösting bei Graz, aber reiche Güter im Traungau, vor allem Burg und Herrschaft Steyr und den Markt Enns. Nach Steyr, das die O. zu ihrer Residenz ausbauten, erhielt die von ihnen beherrschte Mark den Namen Steiermark. Mgf. Adalbero (1075–80/82), ein engagierter Parteigänger Heinrichs IV. im Investiturstreit, wurde nach jahrelangen Kämpfen gegen seinen jüngeren Bruder Otakar II. (1082–1122, ⚭ Elisabeth v. Österreich, s. NDB 14*) von seinen eigenen Dienstmannen bei Leoben erschlagen. Mgf. Otakar II., ein prononcierter Vertreter der päpstl. Partei, erhielt durch seine Heirat mit Elisabeth (um 1075–1105), der Tochter Mgf. Leopolds II. von Österreich (um 1050/55-1095), reichen Grundbesitz in den Tälern der Traisen und Gölsen in Niederösterreich mit zahlreichen Ministerialen. 1082 gründete er nahe seiner Residenz Steyr das otakarische „Hauskloster“ Garsten zunächst als Kollegiatstift und wandelte es 1110/11 in eine Benediktinerabtei um. Aus dem Gebiet von Steyr und dem Traungau brachten die O. ihre wichtigsten Dienstmannen in die Mark, die Herren von Ort im Traunsee, von Eferding und von Steyr. Heinrich, der letzte Kärntner Herzog aus dem Geschlecht der Eppensteiner, vermachte 1122 fast seinen gesamten Eigen- und Lehenbesitz an seinen Neffen Otakar II. Da dieser fast gleichzeitig mit dem Herzog starb, trat Leopold d. Starke (Mgf. 1122–29) das reiche Erbe der Eppensteiner an. Hatten die O. vorher nur über geringen Besitz in der Mark verfügt, so wurden sie damit zu den größten Grundherren, weshalb das Jahr 1122 als die „Geburtsstunde der Steiermark“ gilt. Mit dem Eppensteiner Erbe wurden auch die Grafschaften im Ennstal und um Judenburg, die vorher zu Kärnten gehörten, an die Steiermark gebunden. Durch die Einbeziehung edelfreier Familien um Leoben und im Mürztal in ihre Gefolgschaft konnten die O. ihre Herrschaft bis zum Semmering ausdehnen. Auf dem Erbe der Edlen von Rein (bei Graz) stiftete Leopold 1129 das erste Zisterzienserkloster der Steiermark. Während er die Hengistburg südlich von Graz, den alten Mittelpunkt der Mark, durch die Herren von Wildon sichern ließ, legte er selbst bei Hartberg in der Oststeiermark eine Pfalz als neues Herrschaftszentrum an. Durch seine Ehe mit der Welfin Sophia (um 1090/1100-45), der Tochter Hzg. Heinrichs IX. d. Schwarzen von Bayern ( 1126), trat Leopold in Verwandtschaftsbeziehungen zu den Welfen, Staufem und Zähringern. Sein Sohn, Mgf. Otakar III. (s. NDB 19), konnte durch bedeutende Erbschaften das Gebiet der Steiermark 1147 von der Mur bis an die Drau (Radkersburg und Marburg) erweitern und 1158 mit der Erwerbung des Pittner Gebietes über den Wechsel bis Wiener Neustadt im heutigen Niederösterreich ausgreifen. Unter Mgf. Otakar IV. |(s. NDB 19) erfolgte mit dessen Erhebung zum Herzog 1180 die staatsrechtliche Trennung der Steiermark von Bayern. Mit dem Tod Otakars IV. 1192 fiel die Steiermark nach einem 1186 geschlossenen Erbvertrag an die Babenberger, erhielt aber nach dem frühen Tod Hzg. Friedrichs I. 1198 keinen eigenen Landesfürsten. Die Gebeine der beiden letzten O. wurden 1827 aus der Grabkapelle in der Kartause Seitz (Žiče, Slowenien) in das Zisterzienserkloster Rein überführt.

  • Literatur

    F. v. Krones, Die Markgrafen v. Steier, in: AÖG 84, 1898, S. 137-282;
    J. Winkler, Die O., Ihre genealog. Abfolge u. Karantaner Mgfsch. bis z. J. 1122, in: Jber. d. Fürstbischöfl. Gymnasiums am Seckauer Diözesan-Knabenseminar Carolinum-Augustineum in Graz, 1918, S. 1-18, 1920, S. 1-38;
    H. Pirchegger, in: Genealog. Hdb. z. bair.-österr. Gesch., hg. v. O. v. Dungern, 1931, S. 59-65;
    ders., Gesch. d. Steiermark, I, 21935;
    F. Tyroller, Geneal. d. altbayer. Adels im HochMA, in: Genealog. Tafeln z. mitteleurop. Gesch., hg. v. W. Wegener, 1969, S. 83-88 mit Tafel 4;
    H. Dopsch, Die steir. O., Zu ihrer Herkunft u. ihren dynast. Verbindungen, in: Das Werden d. Steiermark, hg. v. G. Pferschy, 1980, S. 75-139;
    M. Weltin, Die steir. O. u. d. Land zw. Donau, Enns u. Hausruck, ebd. S. 163-80;
    F. Hausmann, Die steir. O., Kärnten u. Friaul, ebd. S. 225-75;
    K. Spreitzhofer, Die O. u. ihr Land zw. Donau u. Drau, in: Oberösterr. 35, 1985, S. 4-14;
    H. Dopsch. Il Patriarca Poppone di Aquileia (1019–1042), in: Poppone, L'eta d'oro del Patriarcato, hg. v. d. Gruppo Archeologico Aquileiese, 1996, S. 15-40;
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Heinz Dopsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Dopsch, Heinz, "Otakare" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 639 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590588.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA