Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Hamburger Kaufmannsfamilie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 138010919 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • O’Swald

Verknüpfungen

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Zitierweise

O’Swald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138010919.html [20.11.2018].

CC0

  • Leben

    Johann Carl Heinrich Wilhelm Oswald (1798–1859) war der Sohn eines preuß. Rechnungsrates an der Kgl. Preuß. Seehandlung. In Berlin geboren, erlernte er die Kaufmannschaft in Frankfurt/Oder und Hamburg und machte 1822-24 und 1825-29 als kaufmännischer Leiter (Supercargo) für die Preuß. Seehandlung Handelsexpeditionen um die Welt. Fortan nannte er sich William O'Swald. Er ließ sich 1830 in Hamburg nieder und gründete hier am 1.1.1831 die Firma „Wm. O'Swald & Co.“, die zunächst im Leinenhandel tätig war. Nachdem eine von ihm ausgerüstete Brigg 1847 den Supercargo Wilhelm Schmeisser in Sansibar an Land gesetzt hatte, begann der Aufstieg der Firma zum führenden Ostafrika-Haus. Grundlage des Geschäfts war anfangs der Handel mit Kaurimuscheln, die von den Seychellen nach Sansibar und von hier aus weiter nach Westafrika transportiert wurden, wo sie als Zahlungsmittel galten. Den Absatz organisierten Faktoreien der Firma in Lagos und Palma. Außerdem wurden in zunehmendem Umfang europ. Manufakturwaren und Spirituosen nach Sansibar transportiert, später auch Kohlen und Dampfschiffe für den Sultan. Zu den Exportgütern zählten Gewürze, Palmkerne, Kautschuk und Häute. Die Söhne des Firmengründers, Albrecht Percy (1831–99) und William Henry (1832–1923, s. W), lösten sich bis zu ihrem Eintritt in die Firma 1858 bzw. 1859 in der Leitung der ostafrikan. Niederlassung ab. Nach dem Tod des Vaters gaben sie die Faktoreien an der Westküste auf und konzentrierten sich ganz auf das ostafrikan. Geschäft. Ein Handelsvertrag mit dem einflußreichen Sultan von Sansibar, den William 1859 im Auftrag des Hamburger Senats unterzeichnete, erleichterte die Ausdehnung weit in das Innere Afrikas hinein. 1870 wurde die erste Niederlassung auf Madagaskar gegründet, derbis 1900 fünf weitere folgten. Darüber hinaus hatte die Firma Vertretungen in Britisch- und Deutsch-Ostafrika und an der Somaliküste. Eine eigene Flotte von bis zu 19 Schiffen besorgte den Verkehr zwischen Hamburg und den afrikan. Niederlassungen. Albrecht saß im Aufsichtsrat der HAPAG und der Deutschen Bank. Sein Bruder William gehörte 1869-1912 dem Senat an, 1908/09 war er Zweiter Bürgermeister. Als Präses der Deputation für Handel und Schiffahrt (1881–1912) erwarb er sich große Verdienste. Obwohl die Gründung der Hamburger Abteilung der „Dt. Kolonialgesellschaft“ 1896 auf ihn zurückzuführen ist, begegnete William der Bismarckschen Kolonialpolitik mit Skepsis; insbesondere die Operationen von Carl Peters und der „Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft“ (DOAG) wurden von ihm im Interesse des freien Handels abgelehnt. Enkel und Urenkel des Gründers führten die Firma fort: William (1859–88) und Alfred (1861–1929, s. NDB VII*), die Söhne von Albrecht, Albrecht II (1861–1946) und Henry (1869-|1938), die Söhne von William, Paul (1894–1961), der Sohn von Alfred, Albrecht III (1897–1978), der Sohn von Albrecht II, und Oskar (1907–83), der Sohn von Henry. Während der beiden Weltkriege kam das Geschäft zum Erliegen; der Neuanfang war mühsam. Ihre alte Größe hat die Firma nicht wieder erreicht; kurz nach der Mitte des 20. Jh. ist sie in andere Hände übergegangen.

  • Werke

    Erlebnisse v. J. C. H. W. Oswald auf seiner ersten Reise um d. Welt 1822 bis 1824, hg. v. William O'Swald, 1915;
    Bericht v. J. C. H. W. Oswald üb. d. Zweite Expedition um d. Welt mit d. Kgl. Preuß. Schiff „Prinzeß Louise“ in d. J. 1825 bis 1829. hg. v. William O'Swald, 1917.

  • Literatur

    Dt.Großbritannien 51, 1927;
    Albrecht O'Swald, Aus d. Gesch. d. Hauses Wm. O'Swald & Co., 1831–1931, 1931;
    E. Hieke, Zur Gesch. d. dt. Handels mit Ostafrika, Das hamburg. Handelshaus Wm. O'Swald & Co., I, 1831-1870, mit P. E. Schramm, 1939 (P) (mehr nicht ersch.);
    P. E. Schramm, Neun Generationen, II, 1964, S. 402 ff.;
    H. Washausen, Hamburg u. d. Kolonialpol. d. Dt. Reiches 1880 bis 1890, 1968.

  • Autor/in

    Renate Hauschild-Thiessen
  • Empfohlene Zitierweise

    Hauschild-Thiessen, Renate, "O’Swald" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 635 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138010919.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA