Lebensdaten
1883 bis 1963
Geburtsort
Spremberg (Niederlausitz)
Sterbeort
Knokke (Belgien)
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 124745806 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ostrowski, Otto

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Ostrowski, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124745806.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August, Tuchmacher, Werkmstr. e. Tuchfabr. in Luckenwalde b. Berlin;
    M N. N.;
    N. N.

  • Leben

    O. stammt aus einer sozialdemokratisch orientierten Facharbeiterfamilie. Sein Vater ermöglichte den vier Kindern eine qualifizierte Ausbildung. O. konnte das Abitur ablegen und als Werkstudent in Berlin, Lyon und Greifswald Neue Sprachen studieren. Er promovierte zum Dr. phil. und legte das Staatsexamen in den Fächern Französisch, Englisch und Deutsch ab. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Privatlehrer erhielt er erst 1914 eine feste Anstellung in Lankwitz bei Berlin (später: Berlin-Lankwitz). Hier gründete er Ende 1918 eine Ortsgruppe der SPD und war mehrere Jahre kommunalpolitisch tätig. 1922 quittierte er den Schuldienst und ging als hauptamtlicher Bürgermeister nach Finsterwalde (Niederlausitz). 1926 kehrte er als Bezirksbürgermeister des Stadtteils Prenzlauer Berg nach Berlin zurück. Im Frühjahr 1933 wurde O. entlassen. Während der NS-Zeit manchen Repressalien ausgesetzt, blieb er mit seiner Familie in Berlin, bis seine Wohnung 1943 dem Bombenkrieg zum Opfer fiel. Er konnte sich eine kleine Pension erstreiten und übte mehrere Berufe aus; u. a. gründete er eine Buchhandlung, die auch Widerstandskreisen als Treffpunkt diente. Auch versuchte er, Verfolgten der NS-Diktatur im Rahmen seiner Möglichkeiten zu helfen. Nach 1943 lebte er in der Niederlausitz. Während der letzten Monate des Regimes mußte|er zeitweilig untertauchen, um einer drohenden Verhaftung und Ermordung zu entgehen.

    Nach Kriegsende kehrte O. sofort nach Berlin zurück, wo er sich innerhalb der SPD kommunalpolitisch betätigte. Er widersetzte sich einem Zusammenschluß von SPD und KPD zur SED. Im Mai 1946 wurde er Bürgermeister im Stadtbezirk Berlin-Wilmersdorf, der im Brit. Sektor lag. Nachdem die SPD bei den Wahlen im Oktober 1946 fast 50% der abgegebenen Stimmen erringen konnte, nominierte sie den zum Stadtverordneten gewählten O. als Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters. Einstimmig wurde er am 5. Dezember von der Stadtverordnetenversammlung gewählt und von den vier Stadtkommandanten bestätigt. Zu Stellvertretern wurden ein Abgeordneter der CDU und der SED sowie eine Sozialdemokratin gewählt. Schon bald überwarf sich O. mit seiner eigenen Partei, als er ohne vorherige Unterrichtung der Berliner Parteiführung mit der SED-Führung verhandelte, um diese zum Verzicht auf einige Leitungspositionen im Magistrat zu bewegen. Die SPD-Fraktion brachte gegen O. einen Mißtrauensantrag ein, der von den übrigen Fraktionen mit Ausnahme der SED unterstützt wurde, jedoch knapp die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlte. O. trat nach einigem Zögern im April 1947 von seinem Amt zurück, nachdem seine Forderung nach einem wichtigen Verwaltungsamt erfüllt worden war: Er übernahm die Leitung des neu geschaffenen „Hauptprüfungsamtes“. Bei der Umwandlung dieses Amtes in den Berliner „Rechnungshof“ Ende 1951 wurde er wider seinen Willen in den Ruhestand geschickt. O.s Eintreten für Verfolgte während der NS-Diktatur und seine Verdienste um den Wiederaufbau der Verwaltung in Berlin nach dem Kriege wurden nach seinem Tode besonders gewürdigt.

  • Literatur

    W. Ribbe, in: Stadtoberhäupter, Biogrr. Berliner Bgm. im 19. u. 20. Jh., hg. v. W. Ribbe, 1992, S. 357-71 (P);
    A. Schlegelmilch, O. O. u. d. Neuorientierung d. Sozialdemokratie in d. Viersektorenstadt Berlin, in: Jb. f. d. Gesch. Mittel- u. Ostdtld.s 42, 1994, S. 59-80;
    Munzinger. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. soz. Dem. d. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

  • Autor/in

    Willy Albrecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Albrecht, Willy, "Ostrowski, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 629-630 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124745806.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA