Lebensdaten
1860 bis 1946
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Landshut (Niederbayern)
Beruf/Funktion
Archäologe ; Orientalist ; Forschungsreisender
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118736418 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oppenheim, Max Freiherr von

Orte

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Zitierweise

Oppenheim, Max Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736418.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Albert (1834–1912, kath.), auf Ramersdorf b. Bonn, Bankier in K., sächs. Gen.konsul, S d. Simon (1803–80, österr. Adel u. Frhr. 1867), Bankier in K., preuß. GKR, u. d. Henriette Obermayer (1812–85);
    M Paula (1837–1919, kath.), T d. Philipp Engels, Kaufm., Stadtrat in K., u. d. Adriana Härtung;
    Ur-Gvv Salomon jr. O. (s. 1), Isidor Obermayer, Bankier;
    Gr-Ov Abraham (1804–78, s. 2);
    B Emil (1862–1956), auf Ramersdorf, Dr. iur., Bankier in K., sächs. Gen.konsul, Schw Wanda (1871–1954, Franz Gf. v. Pocci, 1870–1938, auf Ammerland u. Meilenberg, Schriftst.); – ledig.

  • Leben

    O. sollte auf Wunsch des Vaters in das Bankhaus Sal. Oppenheim eintreten und begann nach dem Abitur am Apostel-Gymnasium in Köln 1878 ein Studium der Jurisprudenz in Straßburg und Berlin. 1883 wurde er Referendar, promovierte 1888 in Göttingen zum Dr. iur., absolvierte dazwischen seinen Militärdienst und schloß 1888 mit dem Assessor-Examen ab. Aufgrund der Lektüre der Märchen aus „Tausend und einer Nacht“ hatte O. jedoch bereits während seiner letzten Schuljahre beschlossen, Forschungsreisender im Orient zu werden. 1892 hielt er sich erstmals in Kairo auf und unternahm zwei größere Reisen nach Konstantinopel 1895 und Nordafrika 1896; 1896-1910 war er hier Attaché im preuß. diplomatischen Dienst am Kaiserl. Generalkonsulat für Ägypten. Neben seinen dienstlichen Verpflichtungen, die ihn nach Nordafrika, Westeuropa und in die USA führten, lernte er die arab. Sprache als Voraussetzung für zwei Expeditionen durch den Vorderen Orient: Die erste führte ihn 1893 von Damaskus aus in mehreren Monaten durch die Syrische Wüste bis zum Pers. Golf, die zweite 1899 von Damaskus nach Aleppo und weiter durch den Obermesopotamischen Raum, die Nomaden-Steppe zwischen Euphrat und Tigris und zurück durch die südliche Türkei.

    Auf dieser zweiten Reise wurde O. Zeuge, wie auf dem Ruinenhügel Tell Halaf in Nordmesopotamien an den Quellen des Chabur beim Ausheben eines Grabes steinerne Tierbilder mit Menschenköpfen zum Vorschein kamen. Er erkannte die Chance einer erfolgversprechenden Ausgrabung, erwirkte sich in Konstantinopel eine entsprechende Lizenz, entledigte sich all' seiner Verpflichtungen – das Auswärtige Amt verabschiedete ihn mit dem Titel eines Ministerresidenten – und wurde Ausgräber. Am 5.8.1911 wurde die Grabung am Tell Halaf unweit der Ortschaft Ras el Ain eröffnet und ohne Unterbrechung zweieinhalb Jahre fortgeführt. Die Ergebnisse waren überwältigend und machten O. schlagartig berühmt. Die Residenz eines aramäischen Kleinfürsten des 9. Jh. v. Chr. mit Tempeln, Palästen und Grüften enthielt eine außergewöhnlich reiche Ausstattung. In einer prähistorischen Schicht des 5./4. Jahrtausends v. Chr. wurde die seinerzeit älteste Buntkeramik Vorderasiens aufgefunden. Ein weiteres Forschungsunternehmen stellt die lückenlose archäologische Aufnahme des bis dahin völlig unerschlossenen Obermesopotamien dar. Während des 1. Weltkriegs war O. wieder im Auswärtigen Amt mit Sitz in Konstantinopel beschäftigt. Von hier aus reiste er 1915 mit der Bagdad-Bahn, an deren Trassenverlegung er durch Stellungnahmen mitgewirkt hatte, kurzzeitig auch zum Tell Halaf. Erst 1927 bot sich wieder die Möglichkeit, den nun zum franz. Mandatsgebiet gehörenden Tell Halaf aufzusuchen, um die 1913 zurückgelassenen Funde nach Berlin zu holen. 1929 erfolgte eine 2. Grabungskampagne, die vor allem der Klärung von Datierungsfragen diente. Dazu kam eine vierwöchige Untersuchung des Djebelet el Beda, eines kleinen Gebirgszugs 70 km südlich des Tell Halaf, mit|Bergung zweier monumentaler Bildwerke aus der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.

    In Berlin erfolgte 1929 die Gründung der M.-v.-O.-Stiftung, in der das „Orient-Forschungs-Institut“ zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Grabungsergebnisse, sowie das 1930 eröffnete Tell Halaf-Museum zur Ausstellung aller Funde integriert wurden. 1935 fand eine Neuaufstellung mit inzwischen restaurierten Funden statt, eine für 1939 geplante 3. Grabung scheiterte am Ausbruch des 2. Weltkrieges. 1943-62 erschien in 4 Bänden die Endpublikation zu den Grabungen am Tell Halaf. Bei Bombenangriffen 1943-45 wurden das Museum und das „Orient-Forschungs-Institut“ mit seiner 42 000 Bücher umfassenden Bibliothek und den islam. Kunstsammlungen vernichtet. O. zog sich nach Dresden zurück und verlegte 1946 seinen Wohnsitz nach Landshut, wo er an der Herausgabe seiner Grabungsergebnisse weiterarbeitete.

    Neben dem Alten Orient bildete der Islam ein zweites Forschungsfeld O.s, wobei sein Interesse besonders den Beduinen galt. Von seinen Mitarbeitern Werner Caskel und Erich Bräunlich wurde das Werk „Die Beduinen“ (4 Bde., 1939–43, Nachdr. 1983) bearbeitet und herausgegeben.

  • Werke

    Vom Mittelmeer z. Pers. Golf, 2 Bde., 1899/1900;
    Ber. üb. e. im J. 1899 ausgeführte Forsch.reise in d. Asiat. Türkei (Berlin 1901), in: Zs. d. Ges. f. Krdkde. zu Berlin 36, 1901, S. 69-99;
    Griech. u. lat. Inschrr. aus Syrien, Mesopotamien u. Kleinasien, 1905 (mit H. Lucas), 21913 (Nachdr. 1968);
    Der Tell Halaf u. d. verschleierte Göttin, in: Der Alte Orient 10, H. 1, 1908, S. 4-43;
    Eine unbek. Statue aus dem Serudj, in: Mitt. d. Altoriental. Ges. IV, FS f. Bruno Meissner, H. 2, 1929, S. 155-62;
    Der Tell Halaf, Eine neue Kultur im ältesten Mesopotamien, 1931 (engl. 1932, 1933, franz. 1933);
    Tell Halaf, Une civilisation retrouvée en Mésopotamie, 1939;
    Führer durch d. Tell Halaf-Mus., 1934;
    Imamkulu, Ein neues subaräisches Denkmal aus d. Hethiterzeit in Kleinasien, in: Archiv f. Orientforsch. XI, 1937, S. 341-50;
    Die Embleme d. subaräischen Hauptgottheit auf d. Buntkeramik d. Tell Halaf u. d. Alter d. Tell Halaf-Steinbildes, in: Mélanges Syriens, FS f. M. R. Dussaud, II, 1939, S. 609 ff.;
    Meine Forschungsreisen in Obermesopotamien, 1943;
    Über d. Tierkapelle d. Tell Halaf, in: FS f. V. Christian, 1944;
    Subaräisches in Urartu u. d. Alter d. subaräischen Kultur, in: Gedenkschr. f. Halil Edhem, 2 Bde., 1948;
    Memoiren (Ms. 1946, unveröff. im Bankhaus Salomon Oppenheim, sollte nach O.s Wunsch 10 J. nach seinem Tod veröff. werden).

  • Literatur

    Aus fünf Jahrtausenden morgenländ. Kultur, FS z. 70. Geb.tag, 1933, Nachdr. 1993 (P);
    Die Inschrr. vom Tell Halaf, FS z. 80. Geb.tag, 1940 (P);
    W. Caskel, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 101, 1951, S. 3-8 (W-Verz.);
    E. Weidner, in: Archiv f. Orientforsch. 15, 1948-51, S. 180 f.;
    W. Treue, M. Frhr. v. O. u. d. Pol., in: HZ 209, 1969, S. 37-74;
    U. Moortgat-Correns, in: Mus.-Journ. 3, 1989, S. 10-15 u. 16-21 (P);
    M. Lindner, in: Verhh. d. Hist Ver. f. Niederbayern 122/123, 1996/97, S. 175-83;
    Rhdb. (P);
    Munzinger;
    GHdA Freiherrl. Häuser B III, 1963 (P).

  • Portraits

    Ölgem., anonym (bis 1977 im Oriental. Seminar d. Univ. Köln).

  • Autor/in

    Ursula Moortgat-Correns
  • Empfohlene Zitierweise

    Moortgat-Correns, Ursula, "Oppenheim, Max Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 562 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736418.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA