Lebensdaten
1844 bis 1924
Geburtsort
Kiel
Sterbeort
Wernigerode
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 117594512 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Olshausen, Philipp Justus von
  • Olshausen, Justus von (seit 1913)
  • olshausen, justus von
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Zitierweise

Olshausen, Justus von (seit 1913), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117594512.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Otto (s. 1);
    Frankfurt/Oder 1875 Adele (1856–1942), T d. Theodor Nessel (1814–1904), Richter, Senatspräs, am Kammerger. in Berlin (s. BJ IX, Tl.);
    2 S Theodor (1877–1930), Jurist, Direktoriumspräs, d. Reichsvers.anstalt f. Angest. in Berlin (s. Rhdb.), Waldemar (1879–1959), Germanist.

  • Leben

    O. schloß sein rechtswissenschaftliches Studium, das ihn nach Berlin, Göttingen und Heidelberg führte, 1867 mit der Promotion in Berlin ab. Nach dem Referendariat und einer kurzen Tätigkeit als Gerichtsassessor wurde er 1873 Staatsanwaltsgehilfe in Königsberg, wechselte 1875 als Obergerichtsassessor und Substitut beim Kronanwalt nach Celle und 1878 als Kreisrichter nach Cottbus, wo er 1879 zum Landrichter aufstieg. Seit dieser Zeit zugleich als Hilfsarbeiter im Justizministerium tätig, ging O. 1880 nach Berlin, wo er ebenfalls als Landrichter und zugleich als Schriftführer in der Immediatkommission des preuß. Justizministeriums für die Militärstrafprozeßordnung wirkte. 1885 wurde er zum Landgerichtsdirektor in Schneidemühl befördert, kehrte aber bereits 1887 nach Berlin zurück, wo er bis 1890 als Kammergerichtsrat tätig war; seit 1888 lehrte er zugleich als Dozent an der Forstakademie Eberswalde. 1890 wurde O. zum Mitglied des Zweiten Strafsenats beim Reichsgericht berufen und stieg 1899 zum Oberreichsanwalt und damit zum Leiter der Staatsanwaltschaft auf. 1907 wurde O. zum Präsidenten des Dritten Strafsenats am Reichsgericht ernannt und war von nun an auch Mitglied des Kaiserl. Disziplinarhofs.

    O.s 1880 erstmalig und bis 1924 in zehn Auflagen erschienener Kommentar zum Strafgesetzbuch, der rasch zum führenden Standardwerk seiner Zeit wurde, prägte lange Zeit den Dialog zwischen Rechtsprechung und Strafrechtswissenschaft, dem er ein wichtiges Forum gab. Anders als Friedrich Oppenhoff führte O. hierbei Wissenschaft und gerichtliche Praxis in systematischer Darstellung zusammen. Diesem Anliegen entsprach seine intensive rechtspolitische Tätigkeit im Rahmen des Deutschen Juristentages, dessen ständiger Deputation O. 1898-1912 angehörte, dem er 1906 als Präsident vorstand und wo er mehrfach als Gutachter oder Berichterstatter zu Fragen der Strafrechts- und Strafverfahrensreform auftrat. Zwar konnten O.s Stellungnahmen den Gesetzgebungsprozeß nicht unmittelbar beeinflussen, doch trug er hierdurch wie auch durch sein literarisches Werk maßgeblich zur Vermittlung zwischen Wissenschaft und Praxis bei und förderte damit nachhaltig die Fortbildung des Strafrechts in seiner Zeit.|

  • Auszeichnungen

    WGR (1909); Eisernes Kreuz II. Kl.; Stern z. Roten Adlerorden II. Kl. mit Eichenlaub.

  • Werke

    u. a. Kommentar z. Strafgesetzbuch f. d. Dt. Reich, 1880, 71905/06, 101916 (mit A. Zweigert, 111927 bearb. v. K. Lorenz, H. Freiesleben, E. Niethammer, C. Kirchner, G. Gutjahr, 121936 u. d. T.: „J. v. O.s Kommentar z. Strafgesetzbuch“, bearb. v. H. Freiesleben);
    Die Einsprüche dritter Personen in d.|Executionsinstanz nach gemeinem u. preuß. Rechte sowie v. Standpunkte d. Gesetzgebung, 1874;
    Der Einfluß v. Vorbestrafungen auf später z. Aburtheilung kommende Strafthaten, 1876;
    Btrr. z. Reform d. Strafprozesses, 1885;
    Krit. Bemerkungen z. d. Beschlüssen d. dt. Strafrechtskommission, 1913;
    Gutachten üb. d. Frage: „Haben sich d. Vorschriften d. Dt. Gerichtsvfg.gesetzes, Tit. 4 u. 6, bezügl. d. Zuziehung v. Laien in Strafsachen in d. Praxis bewährt od. erscheinen gesetzl. Aenderungen rathsam u. nach welchen Richtungen hin?“, in: Verhh. d. 18. Dt. Juristentages, Bd. 1, 1886, S. 254-76.

  • Literatur

    DJZ 4, 1899, Sp. 273, 13, 1908, Sp. 62, 14, 1909, Sp. 1251, 15, 1910, Sp. 1277 f. (A. Zweigert), 19, 1914, Sp. 557 f., 21, 1916, Sp. 705 f., 29, 1924, Sp. 301;
    Dt. Richterztg. 16, 1924, S. 126;
    Theodor Olshausen, Der dt. Juristentag, FS z. 25jg. Jubiläum, 1910, S. 13 f., 380, 422 f., 427-29;
    A. Lobe (Hg.), 50 J. Reichsger. am 1. Okt. 1929, 1929, S. 344, 399 (P);
    Dt. Zeitgenossenlex., 1905, S. 1044 f.;
    Wi. 1909;
    Eckart Olshausen, in: Biogr. Lex. Schleswig-Holstein VII, 1985, S. 152 f. (P).

  • Autor/in

    Andreas Thier
  • Empfohlene Zitierweise

    Thier, Andreas, "Olshausen, Justus von/seit 1913" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 530-531 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117594512.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA