Lebensdaten
1793 bis 1872 oder 1871
Beruf/Funktion
Museumsdirektor ; Generaldirektor der königlichen Museen in Berlin
Konfession
katholischer Enkel
Normdaten
GND: 11712110X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Olfers, Ignaz Franz Werner Maria von
  • Olfers, Ignaz von
  • Olfers, Ignaz Franz Werner Maria von

Verknüpfungen

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Zitierweise

Olfers, Ignaz von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11712110X.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    Olfers: Ignaz Franz Werner Maria v. O. ist zu Münster in Westfalen am 30. August 1793 geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studirte von 1812—1815 in Göttingen Medicin, Naturwissenschaften und Sprachenkunde. 1816 nahm er als Legationssecretär an der Gesandtschaft Theil, welche sich unter Graf Flemming nach Brasilien begab. Mit Rücksicht auf seine durch diplomatische und wissenschaftliche Arbeiten erworbenen Verdienste wurde O. 1821 zum Legationsrath ernannt. Darnach bekleidete er diplomatische Stellungen in Lissabon und Neapel, von 1826 bis October 1828 abermals am kaiserlich brasilianischen Hofe. Seit dem Jahre 1831 als Geschäftsträger in der Schweiz thätig, wurde er 1835 nach Berlin zurückberufen und als Geheimer Legationsrath im Cultusministerium beschäftigt. Von den Gebrüdern W. und|A. v. Humboldt und vom Minister v. Altenstein begünstigt, wurde O. am 31. Juli 1839 als Nachfolger des Grafen v. Brühl zum Generaldirector der königl. Museen ernannt. Vermöge seiner vielseitigen Bildung und praktischen Geschäftsführung gelang es ihm, in der 30jährigen Zeit seiner Amtsführung in allen Kunstangelegenheiten das volle Vertrauen seines königlichen Herrn sich zu erwerben und die Entwickelung der Museen und ihrer Sammlungen wesentlich zu fördern. Der Einfluß und die Thätigkeit der artistischen Commission wurde damals eingeschränkt und ihre Befugnisse auf den Generaldirector übertragen. Mit Energie verfolgte O. den bereits vom Grafen Brühl entworfenen Plan, die sogenannte Spreeinsel hinter dem Museum zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft umzugestalten. Als im J. 1847 der Ausbau des Neuen Museums vollendet war, nahm die Aufnahme und Einrichtung der bisher nur nothdürftig untergebrachten Sammlungen in die neu geschaffenen Räume die volle Thätigkeit des Generaldirectors in Anspruch. Die königliche Gemäldegalerie wurde während seiner Amtsführung durch wichtige, von Waagen angeregte Erwerbungen mehr und mehr vervollständigt. Auch für das Kupferstichcabinet begann mit seiner Einwirkung eine neue Zeit der Entmickelung. Sein weiteres Augenmerk wandte O. der Vermehrung der Sammlung antiker Sculpturen und in Verwirklichung eines bei Gründung der Museen gefaßten Gedankens mit Vorliebe einer Sammlung von Gypsabgüssen zu, um die Plastik aller Zeiten und Culturvölker vergleichend überblicken zu können. Mit gereistem Verständniß für die Bedeutung der mittelalterlichen Kunst und der Renaissanceplastik ließ er auch diesen Abtheilungen, welche geraume Zeit vernachlässigt geblieben, volle Berücksichtigung zu Theil werden. Ferner fiel die Begründung der Gypsformerei und die Anwendung zutreffender Maßregeln zur möglichsten Verbreitung und Nutzbarmachung der Museumsschätze der Sorge des Generaldirectors anheim. Wie das Antiquarium, so erfuhr auch das Münzcabinet unter Olfers' Oberleitung namhafte Bereicherungen. Zudem hatte O. an dem Erfolge der wissenschaftlichen Expedition, welche König Friedrich Wilhelm IV. von 1842—1845 unter der Führung des Professors Lepsius nach Aegypten und Nubien entsendete, erheblichen Antheil. Endlich wurde die ethnologische und nordische Abtheilung mehrfach mit neuem Zuwachs bedacht und die mit den königlichen Museen verewigte Bibliothek neu geordnet und stetig bereichert. — Doch die im Laufe der Jahre wachsende Fülle der Aufgaben bedingte bei zunehmendem Lebensalter des Generaldirectors eine Entlastung der Arbeit und Verantwortlichkeit. Indem man auf das ursprüngliche Statut vom Jahre 1835 zurückgriff, wurde seit dem 25. Mai 1868 dem Chef des Instituts für alle wichtigen Fragen eine Commission von Sachverständigen zur Seite gestellt. Seine schriftstellerische Thätigkeit, welche den früheren Lebensjahren angehört, beschränkte O. im Wesentlichen auf einige naturwissenschaftliche Untersuchungen. Bei der von Friedrich Wilhelm IV. befohlenen Publication der Werke Friedrichs d. Gr. übernahm er die Leitung der künstlerischen Ausstattung. In den letzten Jahren seiner Berufsthätigkeit kränklich, trat O. am 1. April 1869 in den Ruhestand und starb zu Berlin am 23. April 1871.

    • Literatur

      Vgl.: Zur Geschichte der königlichen Museen in Berlin. Festschrift zur Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens am 3. Aug. 1880. Berlin 1880. 4°. — Notizen aus dem handschriftlichen Nachlaß von Olfers'.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Olfers, Ignaz von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 290-291 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11712110X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA