Lebensdaten
1791 bis 1839
Geburtsort
Bamberg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118968378 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ohlmüller, Johann Joseph Daniel
  • Ohlmüller, Daniel Joseph
  • Ohlmüller, Joseph Daniel
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Zitierweise

Ohlmüller, Joseph Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118968378.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. 17. Jh. in B. nachweisbarer Bäckerfam.;
    V Johann Leonhard (1754–1832), Bäckermeister in|B.;
    M Anna Maria Maurer (1753–1806), aus Bäckerfam. in B.; ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Lyzeums 1801-09 absolvierte O. bis 1811 die „Ingenieur- und Zeichenschule“ in Bamberg. 1812 trat er in die Akademie der Bildenden Künste in München ein; dort war sein Lehrer Carl v. Fischer, der sich stark am franz. Klassizismus orientierte. Der Sieg in einer „Preis-Bewerbung“ der Akademie mit dem Entwurf zu einer Militärakademie (1815) brachte ihm ein dreijähriges Reisestipendium für Italien ein, finanziert aus der Kasse des bayer. Kronprinzen Ludwig. O., der in der deutschen Künstlerkolonie in Rom wohnte, fertigte zahlreiche Zeichnungen von Bauten der Antike, des Mittelalters, der Renaissance und des Barock an. 1818 wurde er in den bayer. Hofdienst aufgenommen, zunächst als „Aufseher“ unter Leo v. Klenze beim Bau der Glyptothek, dann als „Baupraktikant“, seit 1821 als „Hofbaucondukteur“ und Rechte Hand Klenzes. 1832 erster „Civilbauinspector“ Bayerns, wurde er 1835 zum Regierungs- und Kreisbaurat des Isarkreises (des heutigen Oberbayern) ernannt. Seit 1832 war O. zudem Mitglied des zwei Jahre zuvor gegründeten „Baukunst-Ausschusses“ bei der Obersten Baubehörde, der alle zur Genehmigung anstehenden Neubauten in Bayern formal zu prüfen hatte. Als Architekt im Staatsdienst entwarf er die Pläne für zahlreiche Landkirchen sowie für Schul-, Forst- und Zollhäuser, aber auch für Kurbauten in Alexandersbad, Bad Höhenstadt und Bad Stehen in den für diese Bauten üblichen stark normierten Formen, also im wesentlichen im „gereinigten byzantinischen“ oder „Rundbogenstyl“. Seine Hauptwerke sind dagegen neugotisch. 1831-39 wurde in München-Au die Mariahilfkirche nach Entwürfen O.s errichtet; sie wurde im 2. Weltkrieg zerstört (1943/44) und vereinfacht wieder aufgebaut. Ludwig I. wollte in ihr in gotischem Stil einen bayer. Nationaldom verwirklichen. Die Hauptfassade war der des Straßburger Münsters, der Türm dem des Freiburger Münsters nachempfunden Den Innenraum bildete eine dreischiffige Halle nach deutschem spätgotischem Vorbild. Ein Zyklus von 19 „Glasgemälde-Fenstern“, erster großer Auftrag der neugegründeten „Kgl. Glasmalerei-Anstalt“, zeigte Szenen aus Gemälden der Altdeutschen Sammlung Ludwigs I.; so war diese Kirche auch ein Musée imaginaire. Vor allem stellte sie eines der prägnantesten Beispiele für das romantische Amalgam aus Religion, Kunst und Nationalgefühl dar. Die Anregung zu dieser Kirche war vom Kreis der Münchener Romantiker um Franz Gf. v. Pocci, Heinrich Hofstätter, Carl Gf. v. Seinsheim, Guido Görres und Sulpiz Boisserée ausgegangen, denen sich O. angeschlossen hatte. Eine weitere Anregung aus diesem Kreis führte 1834 zu O.s Beteiligung am Wettbewerb um die Ruhmeshalle oberhalb der Münchener Theresienwiese. Für die Stelle, an der dann Klenzes gräzisierende Halle mit der Kolossalstatue der „Bavaria“ gebaut wurde, plante O. eine gotische „Gralshalle“ auf achteckigem Grundriß mit acht hohen Türmen, wie sie Wolfram von Eschenbach in seinem „Parzival“ geschildert hatte. Friedrich Wilhelm IV. v. Preußen hat die ganz aus romantischem Geist entstandenen, wie mittelalterliche Fassadenrisse auf schwerem Pergament gezeichneten Entwürfe, die zu den großartigsten Architekturphantasien des 19. Jh. gehören, 1840 aus O.s Nachlaß ersteigert. Zur Ausführung gelangten kleinere Aufträge seitens Ludwigs I.: Die Ottokapelle bei Kiefersfelden (1836) und das Theresienmonument in Bad Aibling (ausgeführt 1834 von F. Ziebland), beides Erinnerungsdenkmale an die Reise Kg. Ottos v. Griechenland 1832, und das „Monument“ in Oberwittelsbach – die beiden letzteren stellen große Fialen dar, ähnlich wie Friedrich Schinkels Kreuzbergdenkmal gotischen Bildstöcken nachempfunden. Seine „Ideen zu Grabdenkmaelern“ (München 1824–30) sind lithographierte Vorlageblätter in gräzisierendem Stil. Vorstudien zeigen, daß O. eine Fortsetzung mit Vorlagen in gotischen Formen geplant hat.

    Anders als etwa Leo v. Klenze und Friedrich v. Gärtner war O. nicht auf einen Stil festgelegt, obwohl er postum als „Gothikus“ apostrophiert wurde. Dies rührt jedoch daher, daß sein Hauptwerk, die innovative Mariahilfkirche, der erste neugotische Kirchenbau auf dem Kontinent, der nicht nur formal, sondern auch nach den Prinzipien des Entwerfens und Bauens „gotisch“ war, rasch berühmt wurde und zahlreichen Kirchenbauten als Vorbild diente. O. war ein für Deutschland früher Eklektiker, der Bauten im jeweils geeigneten oder gewünschten Stil ausführte. Gerade in der Trennung von dienstlichen Bauaufgaben und privater Gotikbegeisterung blieb er ganz Kind seiner Epoche, in der einheitlicher Baustil noch ein Postulat, tatsächlich aber schon Vergangenheit war.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Royal Inst. of British Architects (1838).

  • Literatur

    ADB 24;
    U. G. Schatz, J. J. D. O., Leben u. Werk, 1993 (W, L).

  • Portraits

    Büste v. J. Leeb, 1848 (München, Ruhmeshalle an d. Theresienwiese).

  • Autor/in

    Uwe Gerd Schatz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schatz, Uwe Gerd, "Ohlmüller, Joseph Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 486 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118968378.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ohlmüller: Daniel Joseph O., Baumeister, wurde als der Sohn eines Bäckermeisters 1791 zu Bamberg geboren. Der alterthümliche Charakter dieser|Stadt scheint frühzeitig einen besonderen Eindruck auf den aufgeweckten Knaben gemacht zu haben. Er besuchte 1809—1811 die Ingenieur- und Zeichnungsschule daselbst und hörte auf dem Lyceum die Vorträge über Mathematik, Chemie und Naturwissenschaft, bis er auf Joseph von Reider's Zusprache den Entschluß faßte, sich allein und ausschließlich dem Bauwesen zu widmen. Demgemäß ging O. 1811 nach München, um sich an der Akademie unter Karl v. Fischer, dem Erbauer des königlichen Hoftheaters, weiter zu bilden. Aus dieser Zeit seiner akademischen Studien stammt ein großer Plan zu einer Militärakademie. Im J. 1815 trat O. eine längere Reife nach Italien an und sammelte in Florenz, Rom und Neapel einen Schatz von selbstgefertigten Ansichten, Grund- und Aufriß-, Durchschnitt- und Detailzeichnungen der ältesten Tempel und Kirchen, insbesondere zu Pozzuoli und Paestum; ebenso umfassende Studien widmete er den Kunstdenkmälern Siciliens in Syrakus und Girgenti, Palermo, Messina, Segeste, Selinunt und Taormina. Endlich rief ihn Leo v. Klenze zurück und übertrug ihm 1819 die Stelle eines Inspectors beim Bau der Glyptothek, welchen O. bis zu deren Vollendung im Jahre 1830 leitete. Unterdessen zum Civilbauinspector und Mitglied des Baukunstausschusses in München ernannt, fand er zugleich die vielfältigste und willkommenste Gelegenheit auf die Verbesserung des Landbauwesens, namentlich aber zur Verschönerung der Hauptstadt förderlich einzuwirken und durch mehrere, nach seinen Plänen im Lande ausgeführte Schulhäuser, Forst-, Oekonomie- und Zollgebäude, Pfarrhofe und Dorfkirchen sich auch als ausübender Architekt in seiner Tüchtigkeit zu bewähren. Dabei bewies O. eine Vorliebe für Constructionen im Rundbogenstil, welchen er mit seinem, zierlichen Geschmack zur Durchführung brachte. Von ihm sind die Entwürfe zu dem Badehause in Sieben bei Würzburg und das Salinenamtsgebäude zu Reichenhall, welches im Erdgeschoß und dem darüber sich erhebenden Stockmerk rundbogige, im oberen aber Fenster mit gedrückten und sogenannten Stichbögen zeigt. Auch veröffentlichte O. drei Hefte in Steindruck, „Grabdenkmäler im griechischen Stil“, wozu ähnliche für den Friedhof der jüdischen Gemeinde kamen. Unausgeführt blieb seine vielfach bearbeitete Idee, zu Ehren König Max I. ein Brunnendenkmal in Bamberg zu errichten, ebenso sein für Dresden gemachter höchst origineller Entwurf zu einem Panoptikon (zur Aufnahme öffentlicher Schaugegenstände aller Art). Inzwischen hatte sich O. namentlich durch das Vorbild seines Freundes Friedrich Hofsstadt, mit den Principien des Spitzbogenstiles vertraut gemacht und entwarf den Plan zu einer deutschen Ruhmeshalle, welche an Größe, Pracht und Schönheit Klenze's Walhalla weit überboten hätte, aber bei einem Kostenvoranschlag von dritthalb Millionen Gulden doch den königlichen Maecen erschreckte. Dagegen wurde ihm von König Ludwig I. der Auftrag, in der Vorstadt Au eine Kirche im Spitzbogenstile zu errichten, wozu der Grundstein am 28. November 1831 gelegt wurde. O. löste seine ehrenvolle Aufgabe in genialster Weise und schuf mit systematischer Durchführung ein wahres Juwel, welches der Stadt München zur steten Zierde und Ohlmüller's Namen zur bleibenden Ehre gereicht. Leider erlebte der Architekt nicht mehr die Freude, sein Werk völlig vollendet zu sehen, da derselbe schon am 22. April 1839 aus dem Leben scheiden mußte. Gleichfalls in sogenannter „altdeutscher Bauart“ errichtete O. das zu Ehren der Wittelsbacher Dynastie zu Oberwittelsbach 1835 gegründete Nationaldenkmal in der Form eines schlanken freiaufstrebenden Thurmes. Ferner das Schulhaus zu Oberwittelsbach, die Theresienkirche zu Hallbergmoos (im italienischen Stile) und im Spitzbogenstile die „Ottokapelle“ bei Kiefersfelden (nächst Kufstein). Desgleichen ward ihm nach Dominik Quaglio's Ableben 1837 die Weiterführung und Vollendung der Burg Hohenschwangau für den Kronprinzen Maximilian übertragen. O. war, ganz wie ein|alter Meister, ein überaus schlichter Mann von biederer Gesinnung, seiner Kunst und seinen Genossen mit aufrichtiger Herzlichkeit zugethan, das Geräusch der Welt fliehend und in friedlicher, stiller Zurückgezogenheit nur seinen Studien und Berufsarbeiten lebend. Sein Grabmal (die Zeichnung dazu entwarf Matthias Berger, die Figuren modellirte Kreling und Sickinger, die Bronzetafel ist von Miller in Erz gegossen) befindet sich im Innern der von O. erbauten Mariahilfkirche (Au).

    • Literatur

      Vgl. Kunstvereinsbericht für 1839. S. 88. — Marggraff's Nekr. im II. Jahresbericht des Hist. Vereins für Oberbaiern. 1840. S. 97 und dessen Jahrbücher für bildende Kunst 1840. III. Heft S. 290—305, woselbst auch die ausführliche Baugeschichte der Auerkirche. Eine Abbildung derselben in „Denkmäler der Kunst“ Atlas zu Kugler's Kunstgeschichte. Taf. 102 und 109. —
      Raczynski II, 130. —
      Nagler, Lexikon 1841. X, 325 ff. — Rudhart im Histor. Taschenbuch für 1855 S. 325 ff.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Ohlmüller, Joseph Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 185-187 unter Ohlmüller, Daniel Joseph [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118968378.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA