Lebensdaten
1830 bis 1906
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Montangeologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117080136 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rusche, Nicolas (Pseudonym)
  • Ochsenius, Carl
  • Rusche, Nicolas (Pseudonym)
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Zitierweise

Ochsenius, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117080136.html [26.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Hofbeamter in K.;
    M N. N. Heyken; Schwager August Lenz, Dir. d. naturwiss. Mus. in K.;
    Marburg 1874 Luise (1856–1906), T d. Rudolf Frhr. Rau v. u. zu Holzhausen (1782–1829), waldeck. Hptm., Postmeister in Gießen, u. d. Luise Philippine Friederike Bansa (1794–1845);
    2 S, u. a. Kurt (Oxenius) (* 1881), Dr. med., Facharzt f. Kinderheilkde. in Chemnitz (s. L), 2 T.

  • Leben

    O. arbeitete nach dem Besuch des Gymnasiums und des Polytechnikums in Kassel 1847-51 als Bergwerkseleve in verschiedenen Berg- und Hüttenwerken Deutschlands. Aufgrund schlechter Berufsaussichten reiste er auf Empfehlung von Robert Bunsen als Assistent von Rudolf Philippi (1808–1904) nach Chile. Die gemeinschaftliche Erforschung der Kordilleren, bei der O. für die Geologie und den Aufbau von naturwissenschaftlichen Sammlungen zuständig war, dauerte sechs Jahre. Nachdem Philippi an die Univ. Santiago de Chile berufen wurde, leitete O. 1856/57 dessen Hazienda. 1858 war er bei den Cousiño-Kohlewerken in Coronel zunächst als Montangeologe tätig, übernahm diese Firma ein Jahr später als selbständiger Unternehmer und leitete sie bis 1869. Zudem bekleidete O. in Chile diverse öffentliche Ämter. 1865 bereiste er die Ölgebiete Nordamerikas, 1866 erstellte er geologische Gutachten in Tunis. 1867 begutachtete er bolivian. Guano- und Kohlevorkommen, 1869 Schwefelgruben in Sizilien, 1870 Erzlager in Peru. 1878/79 folgten Gutachtertätigkeiten für ein franz. Bankenkonsortium in Utah und Nevada. Der Verlust seiner in chilen. Papieren angelegten Ersparnisse durch Staatsbankrott zwang ihn, seit 1885 als Gutachter bei der Firma Kali-Bergbau tätig zu werden.

    1871 hatte sich O. als Privatgelehrter in Marburg niedergelassen und sein wissenschaftliches Material ausgewertet. 1877 erschien sein Hauptwerk: „Die Bildung der Steinsalzlager und ihrer Mutterlaugensalze“. Die Anhäufung und Abfolge verschiedener Kalisalze am Beispiel des Zechsteinmeeres erklärte er mit der wiederholten Abschnürung eines Meeresbeckens durch eine vorgelagerte Barre. Zyklische Salzabscheidungen aus einer sog. Mutterlauge resultierten nach seiner Theorie aus Verdunstung, Hebung und anschließender Überdeckung durch eingewehte Tone. Diese Modellvorstellung, die er u. a. durch Untersuchungen in den Anden und am Kaspischen Meer untermauerte, ist bis heute – wenn auch in modifizierter Form – gültig. Alle seine Theorien über geologisch junge Hebungen, die Zusammenhänge von Erdöl- und Salzbildung und die Bildung von Kohleflözen basierten auf eigenen Beobachtungen. O. gilt als Pionier der hannoverschen Kali-Industrie. Nach ihm gab sein Lehrer und Mentor Philippi einer Schnecke, einer Geraniumpflanze und einer Muschel den Artnamen „ochsenii“.|

  • Auszeichnungen

    Mitbegr. d. Marburger Freimaurerloge (1871); Konsul v. Chile u. Peru (1874); Mitgl. d. Leopoldina (1881); Dr. h. c. (Marburg 1884).

  • Werke

    Weitere W u. a. Chile, Land u. Leute, 1884;
    Die Bildung d. Natronsalpeters aus Mutterlaugensalzen, 1887;
    On metalliferous deposits, in: Geological Magazine (London) New Series 1, S. 310-17;
    Zur Bildung v. Kohleflözen, in: Zs. d. dt. geol. Ges. 44, 1892, S. 84;
    Erdölbildung, ebd. 48, 1896, S. 230-48;
    Die ersten Versteinerungen aus Tiefbohrungen in d. Kaliregion d. norddt. Zechsteins, ebd. 56, 1904, S. 72-83;
    On the formation of rocksaltbeds and mother-liquor salts with an appendix on North German potash salts, in: Academy of Natural Sciences (Philadelphia), 1904.

  • Literatur

    K. Oxenius, Aus dem Notizbuch v. Dr. C. O., 1921;
    ders., in: Kali 24, 1930, S. 68-70;
    K. Fulda, Die Barrentheorie v. C. O. u. ihre Bedeutung f. d. Geol. d. norddt. Zechsteinsalze, ebd., S. 71-74;
    C. O., Der Forscher u. Mensch, FS z. 100. Geb.tage d. Naturwiss. Ges. zu Chemnitz 23, 1931 (P);
    Lb. aus Kurhessen u. Waldeck II, 1940, S. 281-90 (W, L, P);
    Pogg. VIIa Suppl.Zu Kurt Oxenius: Kürschner, Gel.-Kal. 1931–40.

  • Autor

    Helmut Mayr
  • Empfohlene Zitierweise

    Mayr, Helmut, "Ochsenius, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 413 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117080136.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA