Lebensdaten
1756 bis 1817
Geburtsort
Stresow bei Greifswald (Schwedisch-Pommern)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
württembergischer Staatsmann ; Minister
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 123198313 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Normann-Ehrenfels, Philipp Christian Friedrich Graf von
  • Normann, Philipp Christian Freiherr (bis 1803)
  • Normann, Philipp Christian Friedrich Graf von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Normann-Ehrenfels, Philipp Christian Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123198313.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1316 urkundl. nachweisbarem Rügenschen Adel. – V Christian Friedrich Frhr. v. Normann (1712–67) auf Tribbevitz, preuß. Obristwachtmstr., Rr. d. Ordens pour le mérite, S d. Jürgen Arndt (1671–1724), mecklenburg. Major, u. d. Sophia Hedwig v. Kamptz ( 1762);
    M Ida Isabel (1727–58), T d. Philipp Joachim v. Behr (1699–1766) auf Stresow, Müssow u. Dargentzien, dän. Hptm., u. d. Magdalena Hedwig Hoinkhausen (Hoinkhusen, Hönkhausen) (1698–1790);
    Stief-M (seit 1765) N. N. Helms aus Berlin;
    Halb-B Friedrich Wilhelm Frhr. v. Normann ( um 1788);
    - Gaisburg 1782 Franziska Henriette Auguste, gen. „Franz“ (1766-1818, ev.), T d. Franz Karl Frhr. v. Harling (1728–99), württ. Gen.major u. Kammerherr, u. d. Wilhelmine Karoline v. Nettelhorst; Schwager Ludwig v. Harling (1773–1828), württ. Offz., Schwägerin Maria Wilhelmine v. Harling (1760–1821, Eberhard Ludwig Joachim Christoph Ehrenreich v. Moltke, 1750–1821, württ. Landjägermeister);
    10 S, u. a. August (1783–1824), württ. Kammerherr u. Oberforstmeister ( Karoline Freiin v. Weiler, 1789–1863), Karl (1784–1822 Missolunghi/Griechenland, Frieda v. Orelli, 1796–1863), württ. Gen.major, Friedrich (1787–1834, 1] Sophie Friederike v. Plessen, 2] Wilhelmine v. Moltke, 1780–1846), württ. Hof- u. Finanzrat, Ferdinand (1801–47, Mathilde Freiin v. Schütz-Pflummern, 1809–81), württ. Rittmeister, Wilhelm (* 1792) fiel 1809 als württ. Offz. bei Aspern, 5 T, u. a. Henriette (1786–1856, Karl Ludwig Wilhelm Frhr. v. Gaisberg, 1778–1838, württ. Oberforstmstr.), bis 1812 Stiftsdame im Damenstift Oberstenfeld. Caroline (* 1789. 1] Major Karl v. Wiederhold, 1809, 2] Oberst Eduard v. Lützow).

  • Leben

    N. wuchs nach dem Tod seiner Mutter im Hause der Großeltern in Stresow, 1763-67 bei seinem Vater in Berlin, Stresow und Neuwedel in der Neumark (nahe Frankfurt/Oder) auf. Nach dem Tod des Vaters veranlaßte Großmutter v. Behr die Rückkehr des unter Vormundschaft Friedrich Wilhelm v. Wedells stehenden N. nach Stresow. Aus familiären wie finanziellen Rücksichten wurde N. trotz wiederholter Reklamationen seitens des preuß. Staates in die Obhut seines in württ. Hofdiensten stehenden Onkels, des Kammerherrn und späteren Oberhofmarschalls Christian Frhr. v. Behr (1739–1817), gegeben. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Ludwigsburg im Februar 1768 in die Pagenanstalt aufgenommen, machte N. sowohl hier wie seit Dezember 1772 als Zögling der Militärakademie auf der Solitude durch glänzende Leistungen auf sich aufmerksam. Vier Jahre nach seiner Ernennung zum Kammerjunker verließ er 1778 die inzwischen nach Stuttgart verlegte Akademie mit Auszeichnung und Promotion, wurde in demselben Jahr wirklicher adeliger Regierungsrat und erhielt im Juli 1779 eine adelige Hofgerichtsassessorenstelle in Tübingen. Im Anschluß an eine halbjährige Bildungsreise durch Deutschland übernahm N. 1780 die Professur der Rechte an der württ. Militärakademie (seit 1781: der Hohen Karlsschule) und im Oktober 1782 zudem das Präsidium der Stuttgarter „Armen-Anstalten-Deputation“. Seit 1790 Kammerherr, wurde er bereits im folgenden Jahr Vizehofrichter und 1794 wirklicher Hofrichter zu Tübingen, seit 1795 mit dem Titel eines Geh. Rats. Im April 1800 erfolgte N.s Amtseinsetzung als Vizepräsident des Geh. Regierungsrats.

    Seit 1792 mit zunehmend wichtigeren außenpolitischen Missionen betraut, profilierte sich der herausragende Jurist in Paris, Wien und Regensburg als fähiger Diplomat: Als Gesandter des Schwäb. Reichskreises erwirkte er 1796 in Paris die Herabsetzung der Kriegskontributionen. Seit 1801 handelte er als bevollmächtigter Gesandter Württembergs in Paris den Sonderfrieden mit Frankreich (20.5.1802) aus. In Vorbereitung des Reichsdeputationshauptschlusses (25.2.1803) bewies er sein diplomatisches Geschick als württ. Subdelegierter vom August 1802 bis Februar 1803 in Regensburg, indem er zugunsten Württembergs umfangreiche Entschädigungen für dessen verlorene linksrhein. Territorien erreichte.

    Seit Juli 1802 Staatsminister im Geh. Rat, seit Dezember 1802 dirigierender Staatsminister für Neuwürttemberg und Präsident des Oberappellationstribunals, entstand unter N.s maßgeblicher Mitarbeit das kurfürstl. „Organisations-Manifest für die neu erworbenen Lande“ vom 1.1.1803, das für „Neuwürttemberg“ eine von ständischer Mitwirkung unabhängige Oberlandesregierung in Ellwangen etablierte. Nach der Erhebung Württembergs zum Kurfürstentum wurde N. zu einem der drei Minister des neu geschaffenen Staatsministeriums ernannt, wozu im Januar 1804 weitere Pflichten als Geheimrats-Vizepräsident Gesamtwürttembergs traten. Im November 1805 entsandte der Kurfürst N. als ao. Gesandten zu Kaiser Napoleon nach Österreich, wo N. mit Talleyrand den franz.-württ. Separatvertrag zu Brünn (12.12.1805), die Königswürde und volle Souveränität für Württemberg aushandelte. War N. 1803 bereits mit Ehrenfels und anderen Gütern belehnt worden, zeigte sich der Monarch 1806 für die geleisteten Dienste im Vorfeld des Preßburger Friedens (16.12.1805) mit der Erhebung in den württ. Grafenstand erkenntlich. Im März 1806 übernahm N. das neugeschaffene Ministerium des Innern, dem er bis zu seiner Demission am 7.6.1812 vorstand. Wie zu neuwürtt. Zeit neigte N. auch jetzt eher als der König aus pragmatischen Erwägungen zur modifizierten Übernahme altwürtt. Institutionen in den neuen Staat. Den „ganz veränderten Zeitbedürfnissen“ trug er sowohl durch Verwirklichung von innenpolitischer Einheit und Gleichförmigkeit im Sinne aufgeklärten Staatsdenkens als auch unter Einbeziehung reformerischer Vorbilder (Frankreich, Preußen) Rechnung. Infolge rastloser Reise- und Gutachtortätigkeit erkrankt, mußte sich N. Ende 1808 für zwei Monate interimistisch vertreten lassen. Nach einem Rückfall im Juli 1809 ernannte der König am 7.8.1809 Karl v. Reischach zum Staatsminister und Ministerkollegen des Innern. Da sich sein Gesundheitszustand nicht besserte, kam N. im Juni 1812 um seine Entlassung ein.

    N. widmete sich nun seiner Familie und der Verwaltung seiner Güter, 1814 verfaßte er seine nicht für die Öffentlichkeit bestimmten „Denkwürdigkeiten“. Obwohl ihn die vom König verhängten drakonischen Strafmaßnahmen (Kassation, Verbannung) gegen seinen Sohn Karl hart trafen, der als württ. Generalmajor mit seinen Truppen in der Schlacht bei Leipzig 1813 zu den Alliierten übergegangen war, enthielt er sich im württ. Verfassungskonflikt von 1815 aller Parteinahme und ließ die ihm zugeteilte Virilstimme durch seinen Sohn Friedrich führen. Nur kurze Zeit nach dem Tod Kg. Friedrichs|I. (30.10.1816) und der danach vorsichtig betriebenen, im Frühjahr erfolgten Rückkehr seines Sohnes Karl nach Württemberg erlag N. einem Gehirnschlag.

    Mit dem württ. König teilte N. neben manchen verwandten Charakterzügen die antirevolutionäre Gesinnung, haushälterische Fähigkeiten, den oft barschen Ton, Adelsstolz und die Neigung, auch in die unbedeutendsten Dinge selbst einzugreifen; und wie dieser wurde er nur selten positiv beurteilt. Tatsächlich trafen sich N.s Grundanschauungen als überzeugter Vertreter des monarchischen Systems und seine von württ. Staatspatriotismus abgelöste Anhänglichkeit an das Alte Reich mit denen des Königs, dem er loyal und respektvoll diente. Zeitgenossen und Nachwelt stimmen darin überein, daß N. „ein trefflicher Kopf und sehr gewandter Geschäftsmann“ (Eugen Frhr. v. Maucler, Justizminister Wilhelms I., in seinen 1844 verfaßten Memoiren) von staatsmännischem Format gewesen sei, der – schöpferisch und eigenständig arbeitend – die württ. Innenpolitik und Verwaltung der Reformzeit nachhaltig prägte. Was ihm jedoch fehlte, um eine ähnliche Stelle einzunehmen wie Montgelas in Bayern oder Reitzenstein in Baden, war ein König von geringerer Befähigung, Tatkraft und Willensstärke, als sie Friedrich I. von Württemberg besaß.|

  • Auszeichnungen

    Rr. d. württ. Gr. Ordens v. Goldenen Adler (1802) u. d. bayer. Hubertus-Ordens.

  • Werke

    u. a. Observationes ad rescriptum commissoriale Johannas XXI. (XX.), R[omani] P[ontificis] dd. XIII. April MCCLXXVII., Diss. Stuttgart 1778;
    Denkwürdigkeiten, hg. v. K. H. Frhr. Roth v. Schreckenstein, Mit Einl. u. Beilagen, 1891 (P).

  • Literatur

    ADB 24;
    J. F. Bahnmaier, Lpr., 1817;
    A. Pfister, Kg. Friedrich v. Württ. u. seine Zeit, 1888;
    A. v. Schloßberger (Hg.), Pol. u. mil. Corr. Kg. Friedrichs mit Kaiser Napoleon I., 1805–1813, 1889, S. 10;
    G. Rümelin, Kg. Friedrich v. Württ. u. seine Beziehungen z. Landesuniv. (1882), in: ders., Reden u. Aufss., III, 1894, S. 37-75;
    E. Frhr. v. N., Gesch. d. Gesamtfam. v. N., 1894;
    F. Wintterlin, Gesch. d. Behördenorganisation in Württ., 2 Bde., 1902-06;
    E. Hölzle, Das Alte Recht u. d. Rev., Eine pol. Gesch. Württ. in d. Rev.zeit 1789-1805, 1931;
    ders., Württ. im Za. Napoleons u. d. dt. Erhebung, 1937;
    F.-L. Knemeyer, Reg.- u. Verw.reformen in Dtld. zu Beginn d. 19. Jh., 1970;
    P. Sauer, Der schwäb. Zar, Friedrich, Württ. erster König, 1984 (P);
    Im Dienste d. Fürstenhauses u. Landes Württ., Die Lebenserinnerungen d. Freiherren Friedrich u. Eugen v. Maucler (1735–1816), bearb. v. P. Sauer, 1985;
    ders., Napoleons Adler über Württ., Baden u. Hohenzollern. Südwestdtld. in d. Rheinbundzeit, 1987 (P);
    B. Mann, Württ. 1800 bis 1866, in: H. Schwarzmaier u. a. (Hg.), Hdb. d. baden-württ. Gesch. III, 1992, S. 235-331 (P);
    Uwe Schmidt, Südwestdtld. im Zeichen d. Franz. Rev., 1993, S. 171;
    H. H. Hofmann, in: Baden-Württ. Biogrr. II,;
    Kosch, Biogr. Staatshdb. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Fam.bes. sowie HStA Stuttgart u. StA Ludwigsburg.

  • Portraits

    Ölgem. v. Ph. F. v. Hetsch, um 1812 (Privatbes.), Abb. in: P. Sauer, 1987 (s. L), u. in: Baden u. Württ. im Za. Napoleons, Kat. I/1, 1987, Nr. 450;
    Kupf. v. Punesdey, 1802 (HStA Stuttgart, J 300 Nr. 634), Abb. in: Denkwürdigkeiten, 1891 (Frontispiz, s. W), u. in: P. Sauer, 1984 (s. L).

  • Autor/in

    Ina Ulrike Paul
  • Empfohlene Zitierweise

    Paul, Ina Ulrike, "Normann-Ehrenfels, Philipp Christian Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 344-346 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123198313.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Normann: Philipp Christian Friedrich Graf v. N., geboren am 25. October 1756 zu Stresow in Pommern, kam nach dem Tode seines Vaters, des preußischen Generals Karl Ludwig v. N., an den Hof des Herzogs Karl von Würtemberg und wurde 1772 in die Karlsschule aufgenommen. Als er diese 1778 verließ, konnte er neben dem Großkreuz des für die Anstalt gestifteten Ordens 46 Preise von derselben aufweisen. Freilich waren sie theuer erkauft; denn vor der Prüfung des Jahres 1776 mußte er den Intendanten um Dispensation bitten, da er seither infolge der Ueberanstrengung nach jeder Prüfung an Fieber und Nervosität gelitten hatte. Als Abgangsschrift erschien von ihm 1778: „Observationes ad rescriptum commissoriale Johannis XXII, d. d. 13. April. 1277“, eine sehr fleißige Arbeit mit zahlreichen Excursen zur ältesten würtembergischen Geschichte. Sofort wurde er als adeliger Regierungsrath angestellt. Von 1782 an waren ihm juristische Vorlesungen an der Karlsschule übertragen; zugleich war er Hofrichter, von 1791 an Hofgerichtspräsident. Seine hervorragende diplomatische Fähigkeit zeigte sich bei den Unterhandlungen, die er 1796 als Gesandter des schwäbischen Kreises wegen Herabsetzung der Kriegsgelder in Paris zu führen hatte; noch mehr, wie er, 1800 zum Geheimrath und Vicepräsidenten der Regierung vorgerückt, nach dem Lüneviller Frieden für Würtemberg Entschädigungen auswirkte. 1802 wurde N. zum Staatsminister ernannt, 1803 in dem von dem nunmehrigen Kurfürsten Friedrich neu errichteten Staatsministerium zum Minister des Innern. Da er selbst auf die Verleihung der Kurfürstenwürde hingearbeitet hatte, wurde er zum Dank mit Ehrenfels und andern Gütern belehnt. Und als der Kurfürst den Königstitel annahm, erhob er am 1. Januar 1806 N. zum Grafen v. N.-Ehrenfels. Unter der absolutistischen Regierung König Friedrichs spielte N. eine leitende Rolle; in den wichtigsten Angelegenheiten hatte er Gutachten abzugeben. Auch er fand den Geist der neueren Zeit ausschließlich in der Erstarkung der Fürstengewalt und trat für diese um so energischer ein, je mehr er persönlich seinem Fürstenhause zu verdanken hatte. Schon mehrere Jahre leidend, trat er 1812 in den Ruhestand und starb am 26. Mai 1817 in Tübingen. Von seinen Söhnen ist besonders der General Karl v. N. (s. S. 18) bekannt geworden.

  • Autor/in

    Eugen Schneider.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider, Eugen, "Normann-Ehrenfels, Philipp Christian Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 20 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123198313.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA