Lebensdaten
1899 bis 1986
Geburtsort
Bad Schwalbach (Taunus)
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Finanzwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121902560 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Noell von der Nahmer, Robert Philipp
  • Noell von der Nahmer, Robert
  • Noell von der Nahmer, Robert Philipp
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Noell von der Nahmer, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121902560.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp Nöll ( vor 1935), Dr. med., Arzt;
    M Elisabeth Reichmann ( 2] Otto von der Nahmer, Oberpostrat in Breslau);
    Anneliese, T d. Kaufm. Heinrich Ahrent.

  • Leben

    N. studierte nach seiner Teilnahme am 1. Weltkrieg 1917/18 Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg und Breslau und schloß beide Fächer mit der Promotion ab. Er wirkte seit 1924 zunächst als Gerichtsreferendar, Regierungsreferendar und Regierungsassessor in der preuß. Verwaltung, dann in leitenden Bankstellungen. Seit 1926 war er Direktor des Vereinigten Finanzkontors und der Ostsee-Handels- und Finanzgesellschaft in Berlin. 1934 habilitierte er sich für Nationalökonomie an der Univ. Breslau. Nach den ersten akademischen Stationen als ao. Professor in Breslau (1934) und als Ordinarius an der Hochschule für Welthandel in Wien (1940) kehrte N. aus dem 2. Weltkrieg in den Westen Deutschlands zurück und lehrte von 1946 bis zu seiner Emeritierung 1964 als Ordinarius an der Univ. Mainz. Gleichzeitig war er in mehreren politischen Ämtern entscheidend am Neuaufbau der Bundesrepublik Deutschland beteiligt. 1945 bis Januar 1947 war er als Ministerialdirektor im hess. Finanzministerium tätig und dabei seit 1946 mit der Verwaltung des Ministeramtes beauftragt. 1949-53 gehörte er für die FDP dem Bundestag an, wo er als Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Haushaltsausschusses seine theoretischen Kenntnisse in die politische Praxis umsetzte. 1951 lehnte er das Angebot ab, rheinland-pfälz. Finanzminister zu werden.

    Das wissenschaftliche Opus N.s setzt sich mit den ökonomischen Folgen der beiden Weltkriege auseinander, mit Inflation, Weltwirtschaftskrise und Fragen des deutschen Wiederaufbaus. Schon 1934 nahm N. mit seiner Theorie des volkswirtschaftlichen Kreditfonds wesentliche Aspekte von Keynes' Beschäftigungslehre vorweg, z. B. mit seinem Vorschlag, Budgetdefizite aus den Überschüssen zu finanzieren, die in der Hochkonjunktur anfallen. Zudem leistete er mit dieser Theorie einen wesentlichen Beitrag zur Erklärung und Überwindung der Arbeitslosigkeit in der Großen Depression. Seine Artikel zur Gestaltung des Finanzausgleichs in der Bundesrepublik (z. B. „Finanzausgleichsprobleme in Rheinland-Pfalz“, in: FS f. Christian Eckert, 1949) oder „Grundlagen des künftigen Finanzausgleichs unter Berücksichtigung eines späteren Reichsfinanzausgleichs“ (1946) wirken noch heute ebenso modern wie seine Kritik an bürokratischen Entscheidungsstrukturen und dem kameralistischen Rechnungswesen in der öffentlichen Verwaltung. Die methodischen Wurzeln N.s liegen in der politisch-institutionalen und historisch-empirischen Analyse ökonomischer Probleme. Mit seinen Arbeiten zielte er immer auf die Lösung von realitätsnahen Fragen und auf die richtige Wahl und Dosierung finanz- und geldpolitischer Instrumente. Er war geprägt durch einen aufgeschlossenen Liberalismus, politisches Engagement und seine Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit.|

  • Auszeichnungen

    Gr. BVK (1964).

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Volkswirtschaftl. Kreditfonds. Versuch e. Lösung d. Kreditproblems, 1934;
    Probleme u. Voraussetzungen e. internal. Währungsstabilisierung, 1938;
    Vom Werden d. neuen Za., 1957;
    Volk – Staat – Beamter, Vom Fürstendiener z. Helfer d. Staatsbürgers, 1959;
    Lehrb. d. Finanzwiss., 2 Bde., 1964;
    zahlr. Btrr. in Zss. u. Sammelbdn.

  • Literatur

    H. Haller u. H. C. Recktenwald (Hg.), Finanz- u. Geldpol. im Umbruch, N. gewidmet, 1969;
    H. C. Recktenwald, R. N. v. d. N., Persönlichkeit, Wirken u. Werk, 1987 (W-Verz);
    M. Czapliński, Verz. d. Professoren d. Jur. Fak. d. Univ. Breslau, in: Jb. d. Schles. Friedrich-Wilhelms-Univ. 34, 1993;
    Nassau. Biogr.

  • Portraits

    Fotos im Bes. v. K.-D. Grüske, Lehrstuhl f. Volkswirtschaftslehre, insbes. Finanzwiss., Univ. Erlangen-Nürnberg.

  • Autor/in

    Karl-Dieter Grüske
  • Empfohlene Zitierweise

    Grüske, Karl-Dieter, "Noell von der Nahmer, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 313 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121902560.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA