Lebensdaten
1819 bis 1908
Geburtsort
Pyritz (Pommern)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Sozialmediziner ; Gesundheitspolitiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118738658 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Salomon

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Zitierweise

Neumann, Salomon, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738658.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Zevi Hirsch ( 1841), Kleinhändler in P.;
    M Bela Betty Lieber (um 1775–1845);
    1957 Amalia G. Hurwitz ( 1903);
    K.

  • Leben

    N. studierte Medizin in Berlin und Halle, legte dort 1842 das Staatsexamen ab und wurde im selben Jahr promoviert. Studienreisen nach Wien und Paris folgten, ehe er sich 1845 als praktizierender Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer in Berlin niederließ. 1853 wurde N. Mitbegründer und leitender Arzt des „Gesundheitspflegevereins der Arbeiterverbrüderung“, der ersten Selbsthilfekasse der deutschen Arbeiterbewegung, der allerdings noch im selben Jahr wegen angeblich verbrecherischer Tendenzen verboten wurde. 1856-66 war er Gewerksarzt der städtischen Zwangsorganisation, des „Gewerkskrankenvereins“. 1859-1905 gehörte N. der Stadtverordnetenversammlung als liberaler Abgeordneter an. 1872 war er Mitbegründer, 1895-1906 Kuratoriumsvorsitzender der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“. N. machte sich um das Medizinalwesen in mehrfacher Weise verdient. Mit seiner Programmschrift „Die öffentliche Gesundheitspflege und das Eigentum“ (1847) nahm er viele der Forderungen vorweg, die 1848 von Rudolf Virchow (1821–1902) und dessen Umkreis aufgestellt wurden und wurde damit zum eigentlichen Protagonisten der „demokratischen Medizin“. Für N. war die Medizin „ihrem innersten Kern und Wesen nach eine sociale Wissenschaft“. Der Zusammenschluß der Ärzte, den die demokratischen Mediziner 1848 forderten, sollte der Arbeiterschaft dieselbe Versorgung sichern, die der Bürger durch den Hausarzt erhielt. Dies versuchte N. im „Gesundheitspflegeverein“ zu verwirklichen. Um seine sozialmedizinischen Forderungen zu begründen, aber auch um eine höhere Effizienz der armenärztlichen Tätigkeit zu gewährleisten, entwickelte er die Medizinstatistik als Basis für jede prophylaktische oder heilende sozialmedizinische Tätigkeit. Diese statistischen Arbeiten wurden auch N.s Basis für seine Tätigkeit als Stadtverordneter im Dienste der öffentlichen Gesundheitspflege in Berlin. Ob es sich um die Volkszählungen von 1861 und 1863 handelte oder um die Schaffung der ersten städtischen Krankenhäuser Berlins, überall war sein Sachverstand nicht nur als Medizinstatistiker gefragt. Schließlich trat N. dem seit 1880 neu aufkommenden Antisemitismus entgegen. Er hatte sich bereits 1845 geweigert, den sog. Judeneid zu schwören, und dadurch zu dessen Abschaffung beigetragen; er hatte 1853 die Taufe verweigert und war deshalb nicht zur Physikatsprüfung zugelassen worden. Mit seinen Schriften „Die Fabel von der jüd. Masseneinwanderung“ (1880) und „Zur Statistik der Juden in Preußen von 1818 bis 1880“ (1884) versuchte N. rassistischen Tendenzen entgegenzuwirken und die Diskussion zu versachlichen. – Sanitätsrat (1870); Mitgl. d. Zentralkomitees d. Alliance Israelite Universelle (1872); Ehrenmitgl. d. Berliner Ges. f. soziale Hygiene u. Medizinalstatistik (1905).

  • Werke

    u. a. Die öff. Gesundheitspflege u. d. Eigentum, 1847;
    Ber. üb. d. Gesundheitspflegever. d. Berliner Bezirks d. dt. Arbeiterverbrüderung, in: Dt. Klinik 3, 1851, S. 215-20, 344-47, 511-13, 4, 1852, S. 56-59, 253-55, 476-79, 5, 1853, S. 33-36, 92-95, 217-|29;
    Die Berliner Syphilisfrage, 1852;
    Zur Berliner Armenkrankenpflege, 1856;
    Die Krankenanstalten im preuß. Staate, in: Archiv f. Landeskde. d. Preuß. Monarchie 5, 1859, I, S. 345-88;
    Die Berliner Volkszählung, 1863, 1866;
    Die Bilanz d. preuß. Bevölkerung v. 1846–67, in: Vj.schr. f. Volkswirtsch. 8, 1870, H. 1, S. 193-203.

  • Literatur

    K.-H. Karbe, S. N., 1819-1908, Wegbereiter soz.-med. Denkens u. Handelns, Ausgew. Texte, 1983 (W, P);
    BJ 13, Tl.;
    G. Baader, in: Berlin. Lb. II, 1987, S. 151-74 (P);
    W. U. Eckart u. Ch. Gradmann (Hg.), Ärztelex., 1995.

  • Autor/in

    Gerhard Baader
  • Empfohlene Zitierweise

    Baader, Gerhard, "Neumann, Salomon" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 160 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738658.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA