Lebensdaten
1814 bis 1890
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Glion (Kanton Waadt)
Beruf/Funktion
Nahrungsmittelindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119138913 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nestle, Heinrich
  • Nestlé, Henri
  • nestle, henri
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Zitierweise

Nestlé, Henri, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119138913.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Ulrich Mat(t)hias Nestle (1776–1838), Glasermeister, später Glaswaren- u. Steinguthändler in F., S d. Johann Ulrich Nestlen (später: Nestle) (1728–1816) aus Sulz/Neckar (Württ.), Glaser, seit 1755 Bürger in F., u. d. Katharina Elisabeth Arnold;
    M Anna Maria Catharina Ehemann (1779–1839);
    10 Geschw, u. a. Dr. iur. Gustav Edmund Nestle (1806–74), Appellationsger.präs., Senator, 1852/55 jüngerer Bgm. in R (s. L);
    Frankfurt/Main 1860 Clementine (1833–1900), T d. Dr. med. Bernhard Joseph Ehemant (1802–67), Annenarzt d. kath. Gemeinde in F., u. d. Regina Elisabeth Bruckner, gen. Lamby; kinderlos; Pflege-T Emma Seiler, gen. Nestlé (1845–82).

  • Leben

    Nach einer Lehre (beendet vor 1834) bei J. E. Stein in der Frankfurter Apotheke „An der Brücke“ begab sich N. als Wandergeselle auf Reisen. Möglicherweise war er in seiner Heimatstadt wegen Kontakten zur liberalen Opposition repressiven Maßnahmen ausgesetzt gewesen. 1839 lebte er – unter dem Namen Henri Nestlé – in der Schweiz, wo er als Gehilfe des Apothekers M. Nicollier, einem Schüler von Justus v. Liebig, in Vevey arbeitete 1843 machte er sich hier mit Hilfe seines Meisters und finanzieller Unterstützung einer Frankfurter Verwandten durch den Kauf einer Mühle mit Brennerei selbständig. Er stellte zunächst Öl, Knochenmehl, Essig und Likör her und versuchte dann die Neuaufnahme der Bleiweiß-, Senf- und Mineralwasserproduktion. Den Forschungen und Publikationen Liebigs folgend, entwickelte er seit 1849 in seinem chemischen Labor Mineraldünger und ein Flüssiggas aus Knochen- und Pflanzenöl, das er 1858-62 der Stadt Vevey für die Straßenbeleuchtung verkaufen konnte; daneben begann er einen Handel mit Petroleumlampen. Als kurz nach seiner Heirat sein 1857 aufgenommener Teilhaber in finanzielle Schwierigkeiten geriet und Vevey von der Flüssiggasbeleuchtung zum Betrieb eines Steinkohlengaswerks überging, stieß N. bei seiner Suche nach einer neuen Haupteinnahmequelle auf die ungelösten Probleme im Bereich der künstlichen Säuglingsernährung. Erste Versuche zur Herstellung eines Muttermilchsurrogats verliefen wenig erfolgreich. Erst als Liebig 1865 die Muttermilch analysierte und eine Anleitung zur ernährungswissenschaftlich richtigen, jedoch umständlichen Zubereitung einer modernen Säuglingsersatznahrung veröffentlichte, nahm N. seine Versuche wieder auf und entwickelte 1867 sein Kindermehl, dessen Hauptbestandteile (Milch, Weizenmehl, Zucker) dieselben waren wie jene der meisten Konkurrenzprodukte, das jedoch durch eine andere Verarbeitung rationeller hergestellt werden konnte. Der unerwartete Erfolg der ersten Anwendung bei einem kranken Säugling veranlaßte ihn und seine Frau, ihre Kräfte und Mittel vollständig in das neue Produkt zu investieren. Innerhalb weniger Monate richteten sie eine Fabrik zu dessen Massenherstellung ein. Gegen die zahlreichen Konkurrenten auf diesem Gebiet setzte sich N.s einwandfreies und praktisches Produkt durch. Nach sieben Jahren verkaufte er mit einem Jahresgewinn von rund 400 000 Franken über eine Million Büchsen Kindermehl in 18 Ländern weltweit. 1875 trat der 61jährige, seit einem Jahr in Vevey eingebürgerte N. seine Firma an drei ihm bekannte Unternehmer aus der Region, Gustav Marquis, Jules Monnerat und Pierre-Samuel Roussy, ab und lebte fortan abwechselnd an seinen Ruhesitzen in Montreux und Glion.

    N. war kein risikofreudiger Unternehmer, sondern vorsichtig und stets lernbereit, ausgestattet mit einem feinen Gespür für Produktgestaltung, Vermarktung, Absatzorganisation, Verpackung, Reklame und für die ständig notwendigen Anpassungen an den Markt. Damit legte er die Basis für ein Weltunternehmen, das noch heute seinen Namen trägt, sein vom Familienwappen abgeleitetes Firmenlogo verwendet und weiterhin Kindernahrungsmittel produziert. Die 1875 in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Firma wuchs mit Sortimentserweiterungen wie Kondensmilch (1878), Schokolade (1905), dank Erfindungen wie der des „Nescafés“ (1938), sowie zahlreichen Übernahmen und Fusionen wie mit der „Anglo-Swiss Condensed Milk Co.“ (1905), „Maggi Alimentana“ (1947), „Buitoni-Perugina“ (1988), „Rowntree“ (1988) oder „Perrier“ (1992) zur 1997 weltweit größten Nahrungsmittelgruppe mit einem Umsatz von fast 70 Mrd. SFr. und rund 220 000 Beschäftigten.

  • Werke

    Memorial on the Nutrition of Infants, 1869 (franz.: Mémoire sur la nutrition des enfants en bas-âge, 1870, dt.: Über d. Ernährung der Kinder, 1871, 21874).

  • Literatur

    A. Pfiffner, H. N. (1814-1890), Vom Frankfurter Apothekergehilfen z. Schweizer Pionierunternehmer, 1993 (P);
    ders., H. N., Vom Frankfurter Apothekergehilfen z. Schweizer Pionierunternehmer, 1995 (P). – Zu Gustav Edmund: Frankfurter Nachrr., Extra-Beil. z. Intelligenz-Bl. d. Stadt Frankfurt v. 8.1.1875, S. 14 f. – Eigene Archivstud.: Archives Cantonales Vaudoises, Chavannesprès-Renens;
    Archives Communales, Vevey;
    Hist. Archiv Nestlé, Vevey;
    Inst. f. Stadtgesch., Frankfurt/Main.

  • Autor/in

    Albert Pfiffner
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfiffner, Albert, "Nestlé, Henri" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 80 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119138913.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA