Lebensdaten
1913 bis 1997
Geburtsort
Schweiz/Weichsel
Sterbeort
Reutlingen
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116940557 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neske, Günther
  • 奈斯克, 贡特
  • Neske, Günter

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Zitierweise

Neske, Günther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116940557.html [24.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die Vorfahren wurden nach d. 1. poln. Teilung (1772) aus Thüringen als Siedler an d. Weichsel geholt. – V Paul Gerhard (1886–1963), Leiter d. städt. Wohlfahrtsamts in Belgard (Persante), S d. N. N., Landwirt, dann Kaufmann, der Schrotmühlen baute u. mit Steinkohle f. d. Brennereien d. Güter handelte;
    M Charlotte Wilhelmine Block (1890–1945);
    Pfullingen 1948 Brigitte (* 1924), T d. Fabr. Albert Gayler (1896–1980) u. d. Dora Johannsen (1898–1963);
    1 S.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1932 in Belgard begann N. das Studium der Theologie und Philosophie in Bethel; sein wichtigster Lehrer war der Alttestamentler Wilhelm Vischer (1895–1988). Als seine „staatsfeindliche Einstellung“ infolge einer Denunziation offenbar wurde, setzte N. das Studium im WS 1933/34 in Berlin fort. Nach einem Freiwilligenjahr in der Reichswehr beim Infanterieregiment Döberitz versuchte er in Tübingen weiterzustudieren; Warnungen vor einer Verhaftung veranlaßten ihn 1935 zur Ausreise nach Basel, wo ihn Vischer empfing. Danach studierte N. auf Einladung des Ordensgenerals der Salvatorianer, Pancratius Pfeiffer (1877–1945), an der Gregoriana in Rom Kirchengeschichte. Enno v. Rintelen (1891–1971), der Militärattaché der dortigen deutschen Botschaft, sein Bataillonskommandeur in Döberitz, empfahl ihm, im Infanterieregiment 31 in Plauen in der Anonymität der Wehrmacht unterzutauchen. N. wurde 1937 aktiver Offizier, nahm am Polenfeldzug teil und wurde 1940 als Beobachter und Pilot (Luftwaffe) ausgebildet; 1942 wurde er Hauptmann und 1943 Kapitän einer Nahaufklärungsstaffel an der Ostfront, 1945 Gruppenkommandeur. Nach kurzer brit. Kriegsgefangenschaft ermöglichte ihm – durch die Vermittlung von Ernst Jünger – Carlo Schmid, Regierungschef in Württemberg-Hohenzollern, das Weiterstudium in Tübingen; eine Dissertation „Das Problem des Todes im Werk von Ernst Jünger“ wurde bei Helmut Thielecke vorbereitet, konnte aber nicht abgeschlossen werden, da N. 1948 als Partner in den Otto Reichl Verlag, Pfullingen, eintrat.

    1951 gründete N. den eigenen Verlag und entfaltete in den folgenden Jahrzehnten weitgespannte Aktivitäten. Erste Verlagsprojekte waren die „Afrikan. Spiele“ und die „Marmorklippen“ Ernst Jüngers. N. entdeckte Traugott v. Stackelberg (1891–1970) und betreute das Spätwerk Martin Heideggers. Der Philosoph Walter Schulz, die Amerikanerin Djuna Barnes und der Pole Witold Gombrowicz wurden seine oft publizierten Autoren. N. veröffentlichte eine zehnbändige Gesamtausgabe der Werke des Kulturphilosophen Rudolf Kassner und verlegte Hans Mayer, Walter Jens und Wolfgang Schadewaldt. Mit dem Photographen Paul Swiridoff entstand eine Reihe eindrucksvoller Städtebeschreibungen; die Bildbände „Porträts aus dem geistigen Deutschland“ (1965), „aus der deutschen Wirtschaft“ (1966) und „aus der deutschen Politik“ (1968), zu denen N. die Kurzbiographien der dort aufgenommenen Persönlichkeiten beisteuerte, repräsentierten das geistige und politische Deutschland der Adenauerjahre. Wißbegier und verlegerischer Wagemut führten N. in den fernen Osten: Der Chinese Juo-Heng Yü analysierte die Kulturrevolution, wichtige Veröffentlichungen über den Zen-Buddhismus folgten. Das Buch über den „Bundesrat 1949-1974“ markiert die Hinwendung des Verlags zur Bonner Politik; zwischen 1974 und 1991 entstanden acht Bildbände mit dem Titel „Der Deutsche Bundestag, Porträt eines Parlaments“. Seine Memoiren blieben unvollendet. 1992 ging sein Verlag an Klett-Cotta in Stuttgart über.

  • Herausgeber

    Hg.: Martin Heidegger z. 70. Geb.tag, 1959; Erinnerung an Martin Heidegger, 1977; Walter Schubart, Europa u. d. Seele d. Ostens, mit e. Vorwort v. H. Böll u. e. Nachwort v. G. N., 1979; Der 20. Juli 1944, Annäherung an d. geschichtl. Augenblick, e. Anthologie 40 J. danach, 1984 (mit R. v. Voss); Versöhnung mit d. Gesch., Reden am 20. Juli 1984 in Berlin, 1985 (mit dems.); Antwort, Martin Heidegger im Gespräch, 1988 (mit E. Kettering). – Hg. u. Redakteur: Der Dt. BT, Porträt e. Parlaments, 1974, 1979, 1981, 1984, 1987, 1989, 1991; Vierzig J. Dt. BT, 1989. – Produzent v. Langspielplatten: Martin Heidegger, Der Satz d. Identität, Festvortrag z. Fünfhundertjahrfeier d. Univ. Freiburg am 27.6.1957 in d. Stadthalle z. Freiburg, 1957; Lyrik d. Zeit, es lesen eigene Gedichte: Ingeborg Bachmann, Günter Eich, Helmut Heißenbüttel, Karl Krolow, Hans Arp, Paul Celan, Günter Grass, Walter Höllerer, 1958; Martin Heidegger, Hölderlins Erde u. Himmel, Vortrag v. 18.1.1960 in d. Neuen Aula d. Univ. Heidelberg, 1960; Martin Heidegger liest Hölderlin, 1961.

  • Literatur

    H. Schwilk, in: Rhein. Merkur v. 16.9.1988 (P);
    Michael Klett, ebd. v. 10.9.1993 (P);
    Vierzig J. Neske Verlag, hg. v. Brigitte N. u. Th. Seng, 1991 (P);
    H. Ritter, in: FAZ v. 14.9.1993;
    L. Jäger, ebd. v. 15.7.1997 (P);
    U. Schacht, in: Welt am Sonntag v. 20.7.1997;
    C. Vinz u. G. Olzog, Dokumentation dt.sprachiger Verlage, 61977.

  • Autor/in

    Horst Ferdinand
  • Empfohlene Zitierweise

    Ferdinand, Horst, "Neske, Günther" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 70 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116940557.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA